Apple TV, iPad Pro, iPhone 6S & iPad Mini 4

Nichts davon braucht ihr (zum Spielen)!

10. September 2015 • 10:46 Uhr

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Apple TV mit Gaming-Funktion. 3D Touch für bessere Steuerung in Spielen. Mehr Power für die nächste mobile Hardware-Generation. Alles schön und gut. Aber nichts, was man als Spieler zwingend braucht.

Ach, Apple. Langsam habe ich wirklich keine Lust mehr. Einfallslosigkeit durch schicke Keynotes kaschieren. Und die Konsumenten bekommen vielleicht gar nicht mit, dass ihr euch im Kreis dreht. Ich hatte überlegt, ob ich brav alle Neuheiten wie iPad Pro, Apple TV der 4. Generation, iPad Mini 4 und iPhone 6S sowie 6S Plus hier auf GamingGadgets.de vorstellen sollte. Aber umso mehr ich von der Präsentation las und sah, umso weniger verspürte ich die Motivation dazu. Was ich hier sehe, das ist kaum mehr als Klauen von Ideen – und das teils auch noch Jahre zu spät. Klar, das neue Apple TV oder der Tablet/Netbook-Hybride iPad Pro fügen sich sinnvoll in den eigens geschaffenen iOS-Mikrokosmos ein, nur das alleine rechtfertigt in meinen Augen keinen Kauf der auch noch ziemlich teuren Produkte. Das iPhone 6S und das iPad Mini 4 sind dagegen die jährlichen Updates, die wieder ein bisschen besser sind. Das machen ja alle Hersteller so. Nunja…

Wozu ein Apple TV?

Vor zweieinhalb Jahren wünschte ich mir schon ein Apple TV-Modell, mit dem ich spielen kann. Ich erklärte sogar, wieso die Zeit gekommen sei und dass der Aufwand für die Jungs und Mädels aus Cupertino nicht überhaus hoch wäre, um solch einen Mediaplayer zu etablieren und sogar großen Konsolen Paroli zu bieten. Und jetzt soll im Oktober 2015 das Apple TV der 4. Generation endlich erscheinen. Ehrlich: Jetzt habe ich auch keinen Bock mehr drauf. Der Grund ist recht einfach. Ich besitze schon recht lange ein Amazon Fire TV und testete in der Vergangenheit etliche Player mit Android im Stil des Nexus Player zum Beispiel. Streamingdienste und Apps gibt’s bei den Mitbewerbern schon lange. Und die Spiele-Tauglichkeit? Ach, hört mir doch auf. Es ist für ein kleines Spielchen mal ganz nett, letztlich reden wir aber ausschließlich über Portierungen von Mobile Games, die ggf. für die Darstellung am HDTV und die Steuerung mit Controller angepasst wurden. Wow. Darauf kann ich weitgehend verzichten, wenn ich sie auch auf meinem Smartphone oder Tablet zocken kann. Und glaubt nicht, dass ihr bereits erworbene iOS-Apps an eurem nächsten Apple TV nutzen könnt. Nicht ohne Grund läuft das neue Gerät mit dem tvOS, einer speziell angepassten und nicht vollständig kompatiblen Fassung von iOS. Clever. Also von Apple. Für Konsumenten ist’s doof.

Keine Konkurrenz für große Konsolen

Apple TV kann bezogen auf die Technik ohnehin den aktuellen Konsolen nicht das Wasser reichen. Der A8-Dualcore-Chip aus dem iPhone 6 mag zwar eine ordentliche Performance besitzen, doch bewegt der sich in Full HD-Auflösung (sicher mit Skalierung) auf einem qualitativen Niveau einer Wii U. Wenn überhaupt. Dazu noch 1GB RAM, so hat es jedenfalls aktuell den Anschein. Das ist nicht besonders viel, obwohl dies für optisch ansprechende Games wie ein „Asphalt 8“, eine „Guitar Hero“-Fassung oder gar eine „Disney Infinity 3.0“-Portierung genügt. Für familientaugliches Entertainment reicht das, für mehr nicht. Nur genau das bieten mir die längst erhältlichen Fire TV und Nexus Player etc. auch. Hätte Apple den A9X-Chip und mindestens 2GB RAM genutzt, die Hardware wäre deutlich spannender geworden. Aber wieso jetzt schon auf die beste mobile Hardware setzen? Nächstes Jahr beim Update reicht doch…

MetalMorph soll grafisch eindrucksvoll aussehen. Naja. (Foto: Apple)
MetalMorph soll grafisch eindrucksvoll aussehen. Naja. (Foto: Apple)

Die neue Remote verfügt über Siri-Sprachsteuerung und eine Touchbedienung sowie integrierte Bewegungssensoren. Puh. Ich habe schon lange keine Lust mehr auf Wii-Hampelei vor dem Fernseher. Schön, dass Apple der Auffassung ist, dass wir das für Spiele benötigen könnten bzw. wünschen. Immerhin gibt man sich recht offen und lässt 3rd-Party-Hersteller ihre MFi-kompatiblen Controller mit dem Apple TV zusammenbringen. Steelseries kündigte seinen neuen Nimbus-Controller bereits an. Der kostet sicher 60 Euro oder mehr. Apropos: Mit einem Preis von ab 150 Euro (32GB Version, ohne microSD-Kartenslot – versteht sich) siedelt man sich weit über denen der Mitbewerber an. Na, die dummen Kunden werden das schon zahlen, um auf Apple Music und iTunes zugreifen zu können. Das klappt eben mit einem Fire TV nicht. Logo.

Was soll das letztlich alles sein? Eine kleine Kiste, mit der ich Streaming-Dienste und Spiele nutzen kann. Ja, die steht schon daheim und muss nicht ersetzt werden. Für die wenigen Spiele, die ich auf meinem Fire TV zocke, muss ich mir keine neue Micro-Konsole zulegen. Und bis Apple dafür sorgt, dass ich auf Netflix und Amazon Instant Video verzichten möchte, werden wohl noch viele Jahre vergehen. Oder es wird nie passieren.

Teuer und mit fragwürdigem Mehrwert. (Foto: Apple)
Teuer und mit fragwürdigem Mehrwert. (Foto: Apple)

Apple TV ist vor allem eines: Apples Antwort auf ein paar bereits erfolgreiche Konkurrenten, allen voran Amazon. Fire TV und der noch viel günstigere Fire TV Stick konnten sich bereits millionenfach weltweit verkaufen. Und trotzdem gibt’s kaum Exklusiv-Entwicklungen im Bereich der Spiele. Denn die Nachfrage ist gering. Dass Apple ein paar namhafte Publisher ins Boot holte, könnte vielleicht ein gutes Zeichen sein. Vielleicht wird es später aber überhaupt keine Rolle spielen und wir erhalten zum Großteil Umsetzungen beliebter iOS-Games. Wozu dann also Apple TV? Einzig wenn ihr ausschließlich iTunes und Apple Music verwendet sowie ein Auge auf das zukünftige Smart Home-Konzept Homekit geworfen habt, sehe ich einen Sinn. Ansonsten? Nunja…

Geklaute Innovation: iPad Pro

Als ich die Enthüllung des iPad Pro sah, glaubte ich zuerst an einen Scherz. Nicht, dass ich das 12,9 Zoll große Tablet schlecht fänd. Mit A9X-Chip und extrem hochauflösendem Bildschirm gefällt mir dieses riesige Monstrum gut. Nur zusammen mit dem Keyboard und dem Stylus namens Pencil, über den sich Steve Jobs damals schon amüsierte, erhalten Käufe hier das Gegenstück eines Microsoft Surface (Pro). Das Konzept wurde zu großen Teilen einfach übernommen – frech und plump. Dazu noch fette Premiumpreise und trotzdem günstiger als ein Macbook Air – das Teil wird sich sicher super bei den Leuten verkaufen, die eine Mischung aus Riesentablet und Pseudo-Arbeitsmaschine mit iOS wünschen.

Riesig. Geht ab 799 US-Dollar los. (Foto: Apple)
Riesig. Geht ab 799 US-Dollar los. (Foto: Apple)

Ich find’s einfach nur frech von Apple, Ideen zu kopieren und diese als innovativ zu bezeichnen. Aber so läuft es nun einmal im Business heutzutage. Apropos…

iPhone 6S und 6S Plus. Jaja…

Jetzt mit druckintensivem Touchscreen. 3D Touch bringt eine präzisere Bedienung dadurch, dass ihr einen unterschiedlichen Druck auf den Bildschirm ausüben könnt. Das ist tatsächlich ein Mehrwert, wenn auch im Bereich Android ein alter Hut. Nur Force Touch gelang bisher nie der große Durchbruch – wieso auch immer. Wie auch immer: Die Weiterentwicklung dieses Prinzips von der Apple Watch sehe ich als Bereicherung, auch für mobiles Gaming. Dazu noch mehr CPU-Power, mehr Arbeitsspeicher, eine bessere Kamera – ja, das iPhone 6S(+) mag eine gute, aber sicher auch nicht total überraschende Aktualisierung des Erfolgs-Smartphones sein. Allerdings wird es Jahre dauern, bis Spiele 3D Touch und A9-Prozessor voraussetzen. Schließlich überwiegen die iPhone-Geräte, die über nichts davon verfügen. Dass die Preise gefühlt weiter gestiegen sind, mag wohl niemand weiter merken. Das Einstiegsmodell beginnt bei 739 Euro. Echt heftig.

Gut geeignet für Spiele. (Foto: Apple)
Gut geeignet für Spiele. (Foto: Apple)

Was ich dagegen wieder krass finde: Apple bietet in den USA eine Art Abo-Service an. Zahlt monatlich mindestens 20 (für bessere Telefone bis zu 31 Dollar) US-Dollar, um jährlich ein neues iPhone zu erhalten. Sorry, es ist irgendwie pervers. Konsumieren, um jeden Preis. Und für diejenigen, die sich nicht sofort für viel Geld ein neues Telefon kaufen können, zahlen es bei Apple ab. Man ist immer sofort dabei, wenn das nächste Modell ansteht. Die Abhängigkeit weiter intensivieren und den Verantwortlichen noch mehr Gewinne bescheren, mit denen die Aktionäre sogar noch fest rechnen können. Es ist total widerlich, weil es nicht mehr um die eigentlichen Produkte zu gehen scheint, sondern eben jetzt sogar offensichtlich um unser Geld. Ich habe da keinen Bock drauf, echt nicht!

Hab ich noch etwas vergessen? Ach, das iPad Mini 4. Aha. Kann man sicher auch mit spielen. Größter Unterschied: A8-Chip statt A7-SoC. Das war’s.

Und nun?

Versteht mich bitte nicht falsch: Ich liebe mein iPhone (5), besitze ein (altes) iPad und habe viele Jahre mein Apple TV (2. Generation) verwendet. All diese Geräte weckten in mir Emotionen, aus verschiedenen Gründen. Doch seit geraumer Zeit schafft es Apple einfach nicht mehr, wirklich neue Akzente zu setzen. Wo ist das Unternehmen, das das Smartphone salonfähig machte und gewissermaßen das Tablet erfand? Wo ist der Streamingplayer-Vorreiter? Jetzt rennt man der Konkurrenz hinterher und sieht keine Notwendigkeit, daran etwas zu ändern. Wieso auch? Bei den Milliarden-Gewinnen Quartal für Quartal. Nur mich als Kunden verliert Apple zunehmend. Ich habe keine Lust mehr auf Beliebigkeit mit dem Apfel-Logo. Fehlender Mut und Einfallslosigkeit schlagen sich sichtlich auf die Produkte nieder. Das neue Apple TV kommt viel zu spät, das iPad Pro möchte die Brücke zwischen Netbook und Tablet als Convertible schlagen. Aber auch das ist ja nichts Neues mehr und erinnert in diesem Fall extrem an das Surface von Microsoft. Kurioserweise ist das iPhone 6S(+) das einzige Gerät, das so etwas wie Neugierde weckt. Und sie verpufft zugleich, weil ich es abartig finde, wenn Leute (jaja, optional) in Form eines Abos jedes Jahr ein neues Telefon bekommen können. Das ist dekadent, alles andere als nachhaltig und generell kein Beitrag für die Umwelt. Produkte, die damit zur Kurzlebigkeit verdammt sind – ich möchte das nicht unterstützen.

Wie seht ihr das? Gefiel euch die Keynote mit iPhone 6S, iPad Mini 4, Apple TV und iPad Pro?

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8 Kommentare

  1. Guter Artikel. Ich bin seit vielen Jahren Freund der Apple Produkte und mit iMac, iPhone und iPad unterwegs, sowieso AppleTV. Das 6s finde ich interessant, gerade wegen Touch 3D, weil ich glaube, dass viele spannende Apps damit programmiert werden können und weil es auch neue Wege z.b. für eingeschränkte Menschen eröffnet, das kein anderer Hersteller bisher geschafft hat (sehr schöner Artikel dazu: http://www.mollywatt.com/blog/entry/my-apple-watch-after-5-days)

    Das sind so sachen, die man als „normaler User“ gar nicht beachtet. Genau wie das, was INNEN stattfindet. Ja, das Pro finde ich für Heimanwender zu überdimensioniert und teuer, ein 100$ Stylu…äääh Pencil ist ein Witz und die Tastatur im Cover ist ein Rip-Off. ABER: technisch sind alle Geräte Innovativ. Ich kenne keinen Stylus, der mit einem eigenen Chip und Technik versehen ist, um auf Druck, Winkel und Umgebung zu reagieren, als wäre es ein „echter“ Pinsel o.Ä. … wenn ich mich Irre, gerne Infos darüber. :)

    Auch wie viel Leistung man aus wenigen Millimetern rausziehen kann oder wie die Technik sich für 3D Touch ändert ist innovativ. Problem daran: Es ist kein „neues“ Gerät, kein iPhone das alles Revolutioniert. Die Materialien die Apple verwendet sind teilweise 100% Recyclebar (Stichwort: Wegwerf-Abo) und (trau-schau-wem) aus „grünen“ Ressourcen gewonnen. Ja, das ist alles im Hintergrund, aber Samsung, Sony und MS haben das eben nicht.

    Ich weiß, das ist Cherry-picking, aber bei all diesem Verlangen nach NEUEM vergessen wir, dass auch bei den bestehenden Produkten unter der Haube viel Neues zum Einsatz kommt, das es ggf. vorher so nicht gab.

    Natürlich ist die Erfindung des Autos ein Meilenstein, aber nur weil man jetzt aus immer weniger Hubraum immer mehr Leistung und Lebensdauer rausholt, heißt das nicht, dass sich das Auto nicht weiterentwickelt.

    Zum Thema Abo: das sehe ich auch gespalten. Ja, du hast Recht, der Konsum wird überproportional gefördert. ABER: Einkommensschwache Menschen haben so die Option, günstig an neueste Techniik zu kommen. Bei 30$ im Monat sind das 360$ im Jahr (je nach Modell) und damit deutlich unter dem eigentlichen Kaufpreis. Ich sehe da auch eine Chance, tolle Technik auch für einen größeren Pool an Menschen zugänglich zu machen. Ist nichts anderes als würde man sich ein Auto für 2 Jahre leasen und dann wieder abgeben – dagegen hat ja auch niemand was. :)

    Nicht falsch verstehen: du hast mit deinem Artikel absolut recht. Mir fehlt auch diese „Wow!“ Faktor von Apple, aber den findet man, wenn man etwas über die Form der Geräte nachdenkt. Trotzdem wäre zu wünschen, Apple würde im Kern mal wieder nach was ganz Neuem streben, statt vorhandenes einfach nur zu verbessern.

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    • Danke! Auch für deine Meinung dazu.

      Und es stimmt natürlich: Die Ideen hatten andere, Apple vereint diese zu neuen Produkten für den eigenen Mikrokosmos. Ich kann und will das aber nicht als innovativ bezeichnen. Innovation macht für mich aus, dass das „auf eigenem Mist“ gewachsen ist. Und da hat Apple die letzten Jahre wirklich nichts geboten. Also gar nichts. Man nimmt sich die TEchnologien, Funktionen, Elemente aus Betriebssystemen und fügt sie zusammen. Das ist sicherlich auch ein Aufwand und setzt Kreativität und Mühe voraus, keine Frage. Nur man braucht kein Herz, keine Überzeugung, keine Leidenschaft. All das, was ich eben sehr vermisse.

      Bzgl. Pencil: Ich weiß nicht, was die da eingebaut haben. Gibt es hierfür schon konkrete Details? Zumindest der Microsoft-Stift geht ganz klar in die gleiche Richtung, das weiß ich auch aus eigener Erfahrung. :) (http://www.microsoftstore.com/store/msde/de_DE/pdp/Surface-Stift/productID.314918600). Druck auf jeden Fall, Winkel dadurch zwangsläufig auch. Umgebung – was meinst du damit?

      Abo: Ich mag es einfach nicht, wenn Smartphones zu Wegwerfprodukten werden. Apple zerstört das Gebraucht-Geschäft – und das ist für diejenigen viel bedeutsamer, die kein Geld haben. Wer arm ist, wird auch keine 30 Dollar im Monat ausgeben wollen/können, um ein Jahr später ein neues Telefon zu bekommen. Schlimmer ist eher, was hier für Ressourcen verbraucht werden. DAs ist kein Beitrag für die Umwelt. Dieses Reduzieren auf Kaufen, Kaufen, Kaufen ist etwas, was in mir Bauchschmerzen versursacht. Weißte wie? :-)

      Regelmäßige Produktupdates finde ich seitens Apple schon okay. Das machen alle Technologie-Unternehmen und es ist ja ein Beitrag zum technologischen Fortschritt in unserer Gesellschaft. Aber der Laden hat MILLIARDEN Dollar auf der hohen Kante und investiert nicht in Innovationen? Das ist doch absurd.

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  1. 3. November 2015 at 8:11