Beelink i68 TV Box

Octacore-Mediaplayer mit Android 5.1 für 75 Euro? Im Praxistest

5. September 2015 • 14:03 Uhr

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Ein günstiger Mediaplayer. Was er wohl taugt? (Foto: Sven Wernicke)

Keine 75 Euro teurer, aber ein vollwertiger Rechner mit Android 5.1. Die Beelink i68 TV Box ist dabei auch noch technisch echt gut ausgestattet und eignet sich als Mediaplayer und Spielkonsole. Der Praxistest.

Beim Beelink i68 handelt es sich mal wieder um ein winzig kleines Gerät aus China, das mir vor allem aufgrund des Preises und der technischen Daten aufgefallen ist. Der Hersteller bewirbt das System als vielseitig, sogar eine 4K-Auflösung wird über den HDMI-Ausgang ausgegeben. XBMC/Kodi und Netflix sind auch schon vorinstalliert. Klingt verlockend, oder?

Ziemlich unspektakulär diese Box. (Foto: Sven Wernicke)
Ziemlich unspektakulär diese Box. (Foto: Sven Wernicke)

Ausgepackt & technische Details

Die Verpackung ist überaus schlicht und unspektakulär. Aber ihr solltet euch von der Pappschachtel nicht abschrecken lassen. Im Inneren befindet sich die schwarte Box, die sich beim ersten Berühren trotz Plastik durchaus wertig anfühlt. Mitgeliefert werden ein HDMI-Kabel, ein USB-OTG-Adapter und eine Fernbedienung, mit der ihr Schnellzugriff auf Android-typische Optionen erhaltet oder gar die Lautstärke anpasst. Sie liegt ähnlich gut wie die Fire TV-Remote in der Hand, besitzt aber keine rutschfeste Rückseite. Passt schon.

Das ist alles drin. (Foto: Sven Wernicke)
Das ist alles drin. (Foto: Sven Wernicke)

Wie gesagt: Reizvoll empfand ich die eigentliche Hardware. Beelink verbaut einen Rockchip RK3368 Octacore-Chip mit 64bit-Architektur und acht ARM Cortex-A53 Kernen, die bis maximal 1,5GHz getaktet werden. Unterstützt wird der Prozessor von einer PowerVR-Grafikeinheit (G6110), die OpenGL ES 3.1 sowie OpenCL 1.2 unterstützt und in der Lage ist, 4Kx2K bei 60 Bildern pro Sekunde über HDMI 2.0 mit HDCP 2.2 auszugeben. Hardwareseitig wird H.265 angeboten. Das ist in der Preisklasse schon erstaunlich, andererseits bei Geräten aus China aber auch nicht völlig ungewöhnlich. Beispielsweise ist der i68 technisch mit dem Tronsmart Orion R68 identisch.

Zusätzlich verfügt der von mir getestete i68 über 2GB RAM und 8GB Flash-Speicher, ein Modell mit 1GB RAM ist ebenfalls verfügbar und noch etwas günstiger. Ich persönlich würde immer zu mindestens 2GB greifen, was die Performance bei Spielen und aufwändigeren Anwendungen dramatisch erhöht. Weiterhin bekommt ihr drei USB 2.0-Ports, einen Micro-USB-Anschluss, einen digitalen Audioausgang, einen microSD-Kartenslot, Bluetooth 4.0 und WIFI IEEE 802.11 a/b/g/n (2,4GHz und 5GHz). Wenn ihr mich fragt: Für deutlich unter 80 Euro ist das Gebotene mehr als ordentlich, zumal Android 5.1 bereits vorinstalliert ist.

Los geht’s

Habt ihr den i68 angeschlossen und eingeschaltet, kann es schon losgehen. Die aktuellste Version des Android-Betriebssystems benötigt keine Einrichtung, standardmäßig ist die englische Sprache eingestellt. Das ist in den übersichtlichen Optionen flott geändert, genauso passt ihr hier die Hardware euren Vorstellungen an: Wollt ihr über Bluetooth noch Zubehör koppeln, WLAN verwenden oder doch lieber den Ethernet-Port für Internetzugang nutzen? Alles da, was ihr braucht. Ich begrüße es sehr, dass Beelink keine unnötigen Apps oder gar eigene Oberflächen vorinstallierte, abgesehen vielleicht von einem seltsamen Spiel, das ich zu Beginn sofort deinstallierte. Weniger schön: Die deutsche Standard-Tastatur wird nicht korrekt abgebildet, ferner wurden einige Android-Meldungen nicht komplett übersetzt. Wieso? Ich kann es mir nicht erklären, was Beelink hier im Quellcode getrieben hat. Und ob ein OS-Update mit Bugfixes kommt? Geht mal nicht davon aus.

Mit der Remote könnt ihr euch gut durch die Menüs hangeln. (Foto: Sven Wernicke)
Mit der Remote könnt ihr euch gut durch die Menüs hangeln. (Foto: Sven Wernicke)

Android 5.1 in dieser Form ist wunderbar aufgeräumt und lässt sich sogar hervorragend mit Maus und Keyboard bedienen, möchtet ihr die sonst soweit ordentliche Remote nicht verwenden oder vielleicht Office-Arbeiten erledigen. Ich probierte beides aus – als Mediaplayer mit KODI, Netflix und Amazon Instant Video favorisierte ich schnell die Fernbedienung. Schade, dass hier Infrarot und nicht Bluetooth Verwendung findet. Für Gelegenheitsschreiberlinge genügt für etwas Tipp-Tätigkeit das Angebot von Google Docs, und schon hier zeigt sich die Stärke des i68: 2GB RAM und Octacore-Chip versprechen eine gute Performance im Alltag. Passt!

Gamingleistung und Benchmarks

Da der Rockchip RK3368 keine Seltenheit darstellt, sollte ein Großteil der aktuell erhältlichen Android-Spiele auf dem i68 funktionieren. Beim Stöbern im Google Play Store entdeckte ich kaum Kandidaten, die nicht kompatibel waren. Gerade die grafisch aufwändigen Gameloft-Games funktionieren ausnahmslos, Blockbuster wie „Batman: Arkham Origins“ oder „Fallout Shelter“ auch. Bei der Auswahl an EA-Games sieht es nicht ganz so gut aus, speziell was „Die Simpsons“ oder „Die Sims“ betrifft. Ich kann es verkraften.

Während meiner Tests und Spiel-Sessions hatte ich eigentlich nur sehr selten Probleme, die meist an den Spielen lagen. Idealerweise dürft ihr die Remote als Touchscreen-Ersatz (mittels Cursor) verwenden, bequemer wird es mit einer regulären Maus. Für Action-Spiele verwendete ich einen Controller, was bei geeigneten Spielen auch wunderbar am großen HDTV klappte. Hier verweise ich auf die App Gamepad Games, mit der ihr flott passende Spiele mit Gamepad-Support findet.

Solide Ergebnisse bei AnTuTu. (Foto: Screenshot)
Solide Ergebnisse bei AnTuTu. (Foto: Screenshot)

Solltet ihr Wert auf Zahlen legen: Mit 35856 Punkten beim AnTuTu-Benchmark siedelt sich der i68 in der oberen Mittelklasse an, ihr seid also bezogen auf Games auch in den nächsten Monaten auf der sicheren Seite. Der Prozessor ist stark genug, für kleinere Casual-Games sowieso. Ernüchternd sind dagegen die Werte vom 3DMark: Bei Ice Storm Unlimited kamen schlappe 7891 Punkte zustande – das ist schwach. Und der Sling Shot OpenGL ES 3.1-Benchmark, der eigentlich für den Chip empfohlen wurde, verweigerte den Dienst gleich. Seltsam.

Schwach beim 3DMark. (Foto: Screenshot)
Schwach beim 3DMark. (Foto: Screenshot)

Fazit: Nicht übel

Alles in allem kann ich sagen, dass der i68 spieletauglich ist, sofern ihr jetzt nicht unbedingt eine Highend-Maschine wie Nvidia Shield erwartet. Dieser Konkurrent bewegt sich eh in einer anderen Preisklasse. In diesem Fall punkten die kompakten Ausmaße, die zahlreichen Anschlüsse für Tastatur, Maus, Controller, externe Speicher etc. und die Remote, mit der ihr gut auf eure Medieninhalte zugreifen und diese am Fernseher abspielen könnt. Mit Android-Basis erhaltet ihr volle Flexibilität und mittlerweile auch einen angenehmen Komfort, der den i68 definitiv alltagstauglich macht – für Gaming, Filme, Streaming und sogar Office oder Lern-Software für den Nachwuchs. Was die Android-App-Welt so hergibt.

Etwas Skepsis verursachen die Resultate beim 3DMark, beim normalen Gebrauch empfinde ich den i68 allerdings nicht als langsam oder schlechter ausgestattet, als angegeben. Habt ihr den schwarzen Kasten nach eurem Geschmack individualisiert, bekommt ihr hier einen leistungsstarken Alleskönner fürs Wohnzimmer – und das zu einem echt mehr als fairen Preis.

Ein Dankeschön geht an den Onlineshop Gearbest, der mir die Beelink i68 TV Box  zur Verfügung stellte. Bei diesem Händler könnt ihr das Gerät kostengünstig bestellen.

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