BeeWi ScaraBee

Der Action-Buggy mit integrierter Kamera im Praxistest

26. September 2013 • 11:08 Uhr

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Beewi ScaraBee. (Foto: GamingGadgets.de)

Das klingt toll: Mit einem robusten Buggy düst ihr durch die Wohnung oder die Pampa, via Smartphone oder Tablet steuert ihr das Vehikel. Und auf Knopfdruck nehmt ihr dank der integrierten Kamera das Geschehen auf knipst Fotos. Genau das bietet der ScaraBee vom Hersteller BeeWi. Im Praxistest überzeugt das Vehikel aber nicht vollends…

Viel Geld für…was?

Ganz ehrlich: Ich finde es frech, was BeeWi Käufern zumutet. Klar, ihr bekommt eine schicke Verpackung und das eigentliche Gefährt, müsst aber selbst herausfinden, wie ihr mit dem losen Kabel einen bereits in das Auto verbauten Akku ladet. Das spärliche Handbuch deutet die zu erledigenden Schritte nur grob an. Sowieso: Es wird Neulingen nicht gerade leicht gemacht, den ScaraBee überhaupt aus der Schachtel zu holen. Denn vier kleine Schrauben befestigen das Mobil mit der Hülle. Doch nicht genug: Ihr benötigt einen Schraubenzieher ebenfalls, um die Abdeckung für den Akku-Schacht zu entfernen. Denn sonst könnt ihr die Batterie nicht  aus dem ScraraBee holen und an den USB-Port eines Rechners (oder anderen Gerätes) aufladen. Ja, es gibt nicht einmal ein ordentliches Ladegerät oder eine gut beschriebene Erklärung für die ersten Schritte. Ich war schon froh, dass ich in dem Beipackzettel den Namen der nötigen App entdeckte (BeeWii BuggyPad), die ihr für iOS oder Android auf euer Smartphone bzw. Tablet downloaden müsst.

Buggy mit installierter App - hier für Android auf dem Galactica X von Cat Sound. (Foto: GamingGadgets.de)
Buggy mit installierter App – hier für Android auf dem Galactica X von Cat Sound. (Foto: GamingGadgets.de)

Sorry, aber hier komme ich mir verschaukelt vor. Ich kaufe ggf. ein Produkt für knapp 100 Euro, das ich schnellstmöglich in Betrieb nehmen möchte. Wir reden hier außerdem über ein Gadget, das eventuell auch für Kinder geeignet sein soll. In diesem Fall habe ich das Gefühl, als hätten die Verantwortlichen bei BeeWi gedacht: „Kauf oder lass es“. Ein No Go in meinen Augen. Dass mir der Spruch „Zuerst laden Sie die komplette Bedienungsanleitung auf der BeeWi-Webseite“ auf der ersten Seite des „Handbuchs“ vorgesetzt wird, macht es nicht besser!

Freilich, ich habe mich recht schnell zurecht gefunden, obwohl ich mir zu Beginn unsicher war, ob ich den Akku-Schacht wirklich aufschrauben sollte. Und aus Versehen saugte ich mir eine falsche BeeWi-App herunter – von denen gibt’s für andere Fahrzeuge noch weitere im AppStore bzw. bei Google Play. Was nur, wenn jemand weniger versiert ist? Puh! Wieso wurde so wenig Wert auf sinnvolle Erläuterungen gelegt? Wäre das zu viel Aufwand gewesen? Sparen um jeden Preis!?

Okay, jetzt aber!?

Ist der erste Ärger überstanden und der Akku geladen, geht der „Spaß“ weiter. Da der ScaraBee über WIFI Verbindung zum Smartphone/Tablet aufnimmt, muss dies dem angehenden Eingabegerät erst einmal mitgeteilt werden. Sobald der Buggy eingeschaltet ist, wird ein neues WLAN-Netz aufgebaut (ADHOC-Modus) und eine Verbindung kann hergestellt werden. Das bedeutet auch:  Ihr könnt nicht gleichzeitig euer heimisches WLAN für den Zugriff ins Internet nutzen. Bluetooth wäre hier ganz klar die bessere Alternative gewesen. Macht ihr irgendwas bei dem Herstellen der Verbindung falsch, hagelt es ohnehin Fehlermeldungen in der App, mit denen ihr nichts anfangen könnt. Benutzerkomfort? Einsteigerfreundlichkeit? Davon haben die Macher wohl noch nie etwas gehört. „Lustig“ wird’s dann, wenn das nötige WIFI-Netz gar nicht erst vom Mobilgerät gefunden wird. Was dann tun? ScaraBee mal kurz ausschalten hilft meist. Lästig ist es trotzdem!

Respekt verdient eine Tatsache: Bei meinen Tests konnte ich rund 25-30 Meter vom ScaraBee entfernt sein und ihn noch immer steuern.

Go, go, go!

Beispiel für ein geschossenes Foto. Alles ganz witzig, qualitativ unterdurchschnittlich. (Foto: GamingGadgets.de)
Beispiel für ein geschossenes Foto. Alles ganz witzig, qualitativ unterdurchschnittlich. (Foto: GamingGadgets.de)

Sind die Frustmomente und sämtliche Hürden überstanden, kann es endlich beginnen. Auf freien, weitläufigen Flächen zeigt der Buggy in der Tat, zu was er in der Lage ist. Die Geschwindigkeit ist enorm hoch, der Hersteller gibt 17 km/h an. Nur genau dies macht eine präzise Kontrolle nahezu unmöglich. Ähnlich wie bei dem Maptac QCAR SpyCar lässt die Steuerung kein Feingefühl zu. Entweder das Fahrzeug ist zu lahm oder zu schnell. Das ruckartige Lenken in die gewünschten Richtungen macht die Navigation zu keinem großen Vergnügen. In engeren Räumen geht die Freude schnell verloren.

Es ist halt suboptimal, dass euch niemand verrät, wozu die Trim-Funktion in der App gut ist. Hier könnt ihr nämlich die Geschwindigkeit justieren. Damit klappt es nach etwas Einübung minimal besser – vorausgesetzt, ihr entscheidet euch nicht für die Bewegungssteuerung. Die sorgt eher für Chaos beim Herumfahren. Besser, ihr wählt den Easy-Modus mit dem manuellen Ändern der Geschwindigkeit und der Fahrtrichtung. Aber wie gesagt: Nur mit dem Trimmer und sehr viel Probiererei werdet ihr das Teil ordentlich beherrschen.

Robust?

Laut BeeWi besteht der ScaraBee aus einem stoss- und schlagfesten Kunststoff, Teile seien einfach ersetzbar. Das elastische Gehäuse wirkt auf mich sehr billig. Zu sehr möchte ich dieses nicht belasten. Praktisch wäre es gewesen, hätte der Hersteller wenigstens ein paar Ersatzteile mitgeliefert, wie man es zum Beispiel bei Flugdrohnen gewohnt ist. Bei einem kleineren Teststurz (zirka 30cm) überschlug sich der Buggy und landete direkt auf dem Kopf. Kein Problem, nur war plötzlich die „Karosserie“ verzogen, sodass Plastik die Kamera verdeckte. Erst durch das Ausüben von leichtem Druck ließ sich das beheben.

Apropos Kamera, die das Teilen von selbst geschossenen Fotos und Videos über die sozialen Netzwerke auf flotte Weise ermöglichen soll. Tja, auch hier bin ich nicht überzeugt. Mit einer VGA-Auflösung ist die Cam auf der Vorderseite längst nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Wieso ich auch nur Videos mit einer maximalen Länge von 60 Sekunden aufnehmen darf, ist mir ein Rätsel. Wenigstens wird mir das Geschehen in Echtzeit auf dem Touchscreen-Display meines Telefons oder Tablets präsentiert – verpixelt sieht das nicht gerade hübsch aus.  Das Teilen der Resultate ist übrigens von der App aus gar nicht möglich. Wieso das BeeWi auf der Verpackung des ScaraBee dann überhaupt erwähnt? Ich weiß es nicht. Nebenbei erwähnt: Es fehlt ein Bildstabilisator, ein Mikrofon wurde auch nicht verbaut. Mehr als ein „Gag“ ist die Kamerafunktion damit irgendwie nicht.

Fazit: Ernüchternd

Die Idee ist gut, doch... (Foto: GamingGadgets.de)
Die Idee ist gut, doch… (Foto: GamingGadgets.de)

Ich will gar nicht behaupten, dass mir der ScaraBee keinen Spaß bereitet hat. Ganz im Gegenteil: Habt ihr euch zu Beginn geärgert, kommt der Unterhaltungswert, sobald alles funktioniert. Dann flitzt das Teil durch die Botanik, bis der Akku nach maximal 30 Minuten wieder aufgeladen werden möchte. Das kann dann gut und gerne drei Stunden dauern – ja, ein mieses Verhältnis. Amüsant sind ebenfalls die Foto- und Video- Ergebnisse, sofern ihr den Buggy halbwegs unter Kontrolle habt und die Lichtverhältnisse stimmen. Sonst sehen auch diese Resultate total mies aus.

Ihr könnt euch das Fazit sicher denken, oder? Der BeeWi ScaraBee ist bezogen auf die Grundidee klasse, die Umsetzung hat dagegen Tadel verdient. Kein zufriedenstellendes Handbuch, kein Komfort, schlechte Apps, unpräzise Steuerung, stellenweise wirkt das Gebotene nicht wertig – und das alles für 100 Euro? Nein, in dieser Form kann ich das Vehikel leider nicht empfehlen. Schade um das verschenkte Potential! Für die Hälfte des Preises könnt ihr vielleicht über den Kauf nachdenken, möchtet ihr ein an sich ganz neckisches Gadget zum Herumfahren haben. Voraussetzung ist, dass ihr gewillt seid, die beschriebenen Schwierigkeiten hinzunehmen. Ich wäre dazu nicht bereit…

Den ScaraBee könnt ihr für knapp 100 Euro bei Amazon erwerben.

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