BigBen Interactive GameTab-One

Das Gamingtablet mit Controller-Einschub im Praxistest

26. Mai 2014 • 9:11 Uhr

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Im Spätsommer 2013 angekündigt, seit Ende März erhältlich: Das GameTab-One von BigBen Interactive ist reizvolles Tablet mit Controller-Einschub zum Preis von knapp 200 Euro. Trotz toller Ansätze stellt das Ergebnis  nicht vollends zufrieden. Der Praxistest.

Was ist das denn?

Als das GameTab-One im September letzten Jahres vorgestellt wurde, kam mir sofort der Gedanke in den Kopf: „Das ist doch eine Kopie des WikiPad“. Und genau so etwas hat BigBen Interactive in den Handel gebracht. Zum einen erhaltet ihr ein reguläres 7-Zoll-Tablet, das technisch dem Snakebyte Vyper, welches sich auch an Spieler richtet, ähnelt: In dem sehr robusten, wertig wirkenden und relativ schweren Metall-Gehäuse steckt ein Rockchip RK3188-Quadcore-Prozessor, der mit bis zu 1,8GHz getaktet ist. Ihm zur Seite stehen eine MALI 400-MP4-Quadcore-Grafikeinheit, 2GB DDR3-RAM und 16GB Flash-Speicher. Dank des microSD-Kartenslots könnt ihr den Speicher um bis zu 64GB erhöhen, genauso gibt’s einen Mini-HDMI-Ausgang (1080p), Bluetooth 4.0, WIFI 802.11 b/g/h, ein Display mit einer Auflösung von 1024×600 Bildpunkten und eine fast unveränderte Version von Android 4.2 Jelly Bean.

Auf der Unterseite des Tablets, das mir persönlich optisch gefällt, befindet sich ein USB-Port, der beim Spielen allerdings nicht genutzt werden kann. Denn besagter Controller-Einschub benötigt diesen, um mit der „Hauptzentrale“ zu kommunizieren. Im Gegensatz zu separaten Gamepads für Android wird also Bluetooth nicht verwendet, was auch Vorteile hat: So bezieht der Controller seine Energie direkt aus dem 4000 mAh starken Akku des Tablets und muss nicht aufwändig gekoppelt werden.

Auf den Bildern wird es sicherlich deutlich: Das Tablet steckt ihr in den speziellen Controller, bis es im USB-Port einrastet. Minimales Wackeln ist wahrnehmbar, es existiert keine weitere Option zum Fixieren oder dergleichen. Aber das passt soweit, sofern ihr das GameTab-One nicht allzu grob behandelt. Das Layout des Controllers erinnert dezent an das eines DualShock 3-Controllers der PlayStation 3: Ihr erhaltet zwei Analogsticks, vier Schultertasten, Funktions-Knöpfe (Start, Select) und vier Aktions-Buttons – also wie von anderen Lösungen gewohnt.

Der erste Start

Erster Start. (Foto: GamingGadgets.de)
Erster Start. (Foto: GamingGadgets.de)

Ausgepackt, eingeschaltet – wozu noch lange aufs Aufladen des Akkus warten? Euch erwartet zu Beginn ein aufgeräumter Hauptbildschirm mit einigen vorinstallierten Spielen. Mit dabei ist Gamelofts Rennspiel „Asphalt 8“, das perfekt auf das Gametab-One ausgelegt ist. Ähnliches gilt für die Titel „Dragon Mania“, „Green Farm“ und „Danger Dash“, weitere Apps des französischen Entwicklers. Beim ersten Start zeigt der Controller, dass er im besten Fall problemlos funktioniert und so ein waschechtes Handheld-Gefühl entsteht – ähnlich wie auf der PlayStation Vita dank des großen Displays.

Dennoch sind die folgenden Minuten etwas ernüchternd. Nach dem Markieren etlicher Apps zum Download aus dem Google Play Store war das GameTab-One plötzlich nicht mehr ansprechbar, es half nur ein Total-Reset auf der Rückseite des Geräts. Es sollte nicht das einzige Mal bleiben. Auch werdet ihr recht schnell feststellen, dass der WLAN-Empfang höchstens durchschnttlich ist. Befindet sich der Router in nur 7-8 Meter Entfernung (durch zwei Wände hindurch), gibt’s Schwierigkeiten mit der Erreichbarkeit. Ähnliches Problem nahm ich bisher nur bei Billig-Tablets mit Android wahr.

Großer Aufkleber mit Hinweis. Wieso das so ist? Unklar. (Foto: GamingGadgets.de)
Großer Aufkleber mit Hinweis. Wieso das so ist? Unklar. (Foto: GamingGadgets.de)

Und da ist noch ein weiterer Punkt: Zwar liegt das GameTab-One mit Controller fein in der Hand, doch die Schultertasten sind nicht gut erreichbar bei mittelgroßen Händen. Bedacht positioniert sind wiederum Power, Lautstärkeregelung, Kopfhörerausgang, Speicherkartenslot und HDMI-Ausgang. Letztgenannter ist meiner Meinung nicht sinnvoll, möchtet ihr spielen: Wer legt bitteschön ein HDMI-Kabel von der Couch zum HDTV, um dann gemütlich etwas zu zocken? Und den Controller könnt ihr nicht ohne Tablet verwenden. Sinnvoller erscheint es mir, möchtet ihr zum Beispiel einen bei Google Play Movies geliehenen Film am großen Fernseher angucken. Dumm nur, dass ein Aufkleber auf der Rückseite verrät: Wird das Tablet mit Strom versorgt, schaltet sich der HDMI automatisch ab. Wieso? Tja…

Benchmark-Ergebnisse und generelle Leistung

Wie schon Snakebyte Vyper setzt das GameTab-One nicht auf die leistungsfähigste Hardware. Dass die Auflösung des Displays relativ niedrig ausgefallen ist, stört beim Spielen nicht allzu sehr. Gravierender ist aber der Rockchip-Prozessor: Das ist eine typischer Chip für Tablets im Niedrigpreissegment: Vier Kerne und 1,8GHz klingen gut, mit einem AnTuTu-Ergebnis von knapp über 20.000 Punkten liegt die Hardware zwar etwas über dem Snakebyte-Konkurrenten, aber weit hinter dem aktuellen Standard. Vielmehr siedelt sich das Gerät ein wenig über dem mittlerweile über zwei Jahre alten Samsung Galaxy S3 an, was auch der GFXBench verdeutlicht. Der gibt zudem wie auch AnTuTu nur einen CPU-Takt von 1,6GHz an. In Anbetracht der Tatsache, dass ihr mit dem Tablet spielen möchtet und Games in der Regel sehr leistungshungrig sind, ist das zu wenig. Ein „Modern Combat 4“, das visuell sicherlich auf der Höhe der Zeit ist, ruckelt ziemlich. Perspektivisch dürfte das GameTab-One in spätestens einem Jahr an seine Grenzen gelangen, möchtet ihr die neuesten und grafisch imposantesten Android-Spiele erleben. Für 2D-Titel, Emulatoren und optisch weniger aufwendige Apps dürfte die verbaute Technik länger taugen – so es ja nicht. Von einem Gamingtablet erwarte ich aber auch Performance dank flotter SoCs von Qualcomm oder Nvidia. Dass das den Preis erhöht hätte – logisch!

Positiv zu bewerten sind die 16GB Flash-Speicher, die für den Anfang auf jeden Fall genügen. Beim Snakebyte Vyper wurden die 8GB zu schnell knapp. Löblich ist die Tatsache, dass BigBen Interactive 2GB RAM verbaute. Das verkürzt die Ladezeiten und beschleunigt die Navigation durch die Menüs. Dennoch: Es liegt sicherlich an der CPU, dass es hier und da etwas ruckelt und Optionen mit Verzögerungen aufgerufen werden. 100%ig glücklich bin ich hier nicht – dabei habe ich nur etliche Spiele installiert und keine Tools, die im Hintergrund laufen könnten. Aber: Reguläre Anwendungen wie Google Drive, Facebook oder Twitter zum Beispiel profitieren von 2GB Arbeitsspeicher sehr!

Um es zu relativieren: Die mäßige Performance ist für die meisten Spiele der Vergangenheit und Gegenwart mehr als ausreichend, bei Grafikperlen kommt das GameTab-One ins Schwitzen – sogar das vorinstallierte „Asphalt 8“ zuckelt. Es ist jedenfalls nicht das, was ihr von einer Handheld-Konsole, die das Tablet letztlich sein möchte, erwartet.

Gute Sache: Mapping-Tool

Belegt die Tasten so, wie ihr es wollt. (Foto: GamingGadgets.de)
Belegt die Tasten so, wie ihr es wollt. (Foto: GamingGadgets.de)

Bei BigBen Interactive haben die Verantwortlichen mitgedacht. Was, wenn ein Spiel zwar Buttons und einen Analogstick auf dem Touchscreen darstellt, der Controller des GameTab-One allerdings nicht unterstützt wird? Keine Sorge, das fest installierte Mapping-Tool ist eine echte Bereicherung. Direkt auf dem Display legt ihr die Buttons oder das Steuerkreuz auf die dargestellten Knöpfe. Seid ihr fertig, speichert ihr eure Wunsch-Konfiguration ab. Änderungen sind sogar direkt in einem Spiel möglich, indem ihr auf ein kleines Gamepad-Symbol neben den üblichen Android-Optionen klickt. Mit etwas Bastelei steuert ihr nahezu alle Spiele mit dem Controller, was in meinen Augen erstaunlich gut klappt. Hier und da habe ich minimale Lags wahrgenommen, das könnte aber auch an der Hardware liegen.

Dieses Feature ist mein persönliches Highlight, mit dem ihr zahllose Games so konfigurieren könnt, dass sich dadurch das gewünschte, mobile Spielerlebnis einstellt. Klar, das ist etwas tricky, ihr sichert aber die Standards abhängig von den jeweiligen Spiel, sodass ihr nicht ständig neu Änderungen vornehmen müsst.

In der Praxis

Oben Vyper-Tablet, unten das GameTab-One. (Foto: GamingGadgets.de)
Oben Vyper-Tablet, unten das GameTab-One. (Foto: GamingGadgets.de)

In der Praxis musste ich natürlich unzählige Apps unter die Lupe nehmen. Bereits erwähnte Spiele klappten gut, auch Titel wie „Dead Trigger 2“, „Giana Sisters“, „The Walking Dead“, „Powerboat Racing“, „Mobile Jumpboy“, „Stardash“, „Contra Evolution“ “ (gutes Beispiel für das Mapping-Tool), „Astro Quest“ oder „Life of Wolf“ sind jetzt nur einige von vielen, welche ich auswählte. Letztlich stellte sich schnell heraus: Spiele, die ausschließlich auf den Touchscreen ausgelegt sind, 3-Gewinnt-Apps zum Beispiel, sollten auch so verwendet werden. Games, welche wiederum einen virtuellen Controller auf dem Bildschirm präsentieren, lassen sich anpassen. Sowieso unterstützten viele aktuelle Plattform- und Action- Spiele Controller von Haus aus – da ist die Konfiguration noch schneller erledigt. Schade, dass BigBen Interactive nicht selbst eine Software mit idealen Spielen zur Verfügung stellt.

Im Laufe der Zeit fällt auch das Display auf. Die Auflösung ist zwar wie gesagt nicht DAS Problem, im Direktvergleich mit dem Snakebyte Vyper fällt auf: 1024×600 gegen 1280×800 machen einen Unterschied – von HD bzw. Full HD ganz zu schweigen. Schauplätze wirken gröber aufgelöst, manchmal sogar etwas pixelig. Der Blickwinkel ist außerdem nicht optimal. Und der Akku mag mit 4000 mAh vielleicht angemessen sein, gefühlt hält dieser maximal drei bis vier Stunden bei regelmäßiger Verwendung. Die Standby-Zeit macht mich gar nicht glücklich: keine zwei Tage bei sporadischer Nutzung, zum Beispiel beim kurzen Surfen im Netz? Zu wenig, möchte das Gerät schließlich ein Tablet für den Alltag darstellen.

Die verbauten Kameras (1,9 Megapixel Rückseite, 0,3 Megapixel Front) sind nicht der Rede wert und unbrauchbar mies. Solche wurden schon vor einigen Jahren in Einsteiger-Tablets verbaut und waren damals bereits keine Bereicherung. Notfalls könnt ihr mal ein Bild knipsen. Nur wieso?

Fazit: Nicht das Maß aller Dinge

Macht nicht ganz glücklich. (Foto: GamingGadgets.de)
Macht nicht ganz glücklich. (Foto: GamingGadgets.de)

Egal ob Snakebyte Vyper oder das GameTab-One von BigBen Interactive: Die Idee, ein Android-Tablet als preislich attraktive Gaming-Plattform zu etablieren, finde ich sehr gut. Nur auch bei dieser Lösung gibt es genügend Aspekte, die nicht zufrieden stellen. In erster Linie muss die allenfalls durchschnittliche Performance kritisiert werden, die recht bald dazu führen wird, dass erste Hardware-hungrigen Spiele gar nicht mehr funktionieren werden. Ob jemals ein Update auf Android 4.4 folgen wird? Ich bin skeptisch, nicht nur weil Rockchip für seine mobilen Prozessoren nach wie vor keine Aktualisierung des Google-OS offiziell am Start hat. Dazu kommen ein nicht besonders hochaufgelöster Bildschirm, zwei unnütz schlechte Kameras und ein Akku, der zu schnell schlapp macht.

Ich möchte nicht nur nörgeln, denn das GameTab-One verfügt über starke Seiten: Die fest integrierte Mapping-Software mag anfänglich verwirrend sein, lässt euch aber viele Möglichkeiten, den Controller mit euren Lieblingsspielen vertraut zu machen. Das klappt fast immer ordentlich bis nahezu perfekt – prima! Und wenn ein Spiel eh Controller unterstützt, steht dem sofortigen Spielspaß nichts im Weg. Vorausgesetzt, das GameTab-One stürzt nicht ab oder lässt sich nur über einen Reset beleben. Woran das liegt? Völlig unklar.

Mein Tipp: Sobald das GameTab-One unter 150 Euro rutscht, bekommt ihr ein gar nicht mal uninteressantes Tablet zum Zocken, das aufgrund der Ausmaße und des Gewichts eher nichts für kleine Kinder gedacht ist. Für den aktuellen Preis ist die Hardware etwas zu angestaubt und das Betriebssystem zu instabil, als dass das Gamingtablet bedenkenlos empfohlen werden kann. Es ist bedauerlich, dass der Hersteller mit aller Gewalt unter 200 Euro bleiben wollte. Mit einem richtig potenten Nachfolger könnte das Konzept aber vielleicht doch noch etwas werden.

Weitere Details erhaltet ihr auf der offiziellen Webseite, beispielsweise bei Amazon könnt ihr das GameTab-One käuflich erwerben.

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3 Kommentare

  1. Markus Redetzki am

    Hallo ich habe das Gamepad jetzt schon seit 3 bis 4 Monate und bin für den Preis-Leistungs-Verhältnis einfach nur enttäuscht das Bigben wirbt mit den tablet auf ein 1,8Ghz Quad Core Prozessor nun habe ich mir eine CPU APP runtergeladen die mir die CPU Belastung anzeigen sollwobei dort steht dass von 4 Kerne nur 2 laufen und die zwei Kennedy die laufen noch nicht mal in GHZ Bereich funktionieren

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  2. Nick Remchen am

    Ich bin noch 13 Jahre und habe vor einem halben Jahr das Gametab One bekommen. Ich bin eigentlich ziemlich glücklich und finde, dass dieses Tablet einen Durchschnittstablet gleicht. Natürlich sind mir hier und da ein paar Macken aufgefallen, aber sonst gibt es bei mir nur überwiegend Gutes zu berichten. Wenn ich diesem Tablet eine Bewertung geben sollte dann würde diese wahrscheinlich so lauten.

    Preis-Leistungsverhältnis⭐⭐⭐
    Auflösung⭐⭐
    Spielspaß⭐⭐⭐⭐⭐
    Kamera⭐(Benutze ich eh nicht so oft)
    Controller⭐⭐⭐⭐

    Gesamt⭐⭐⭐⭐Ich finde, dass das Gametab One seeeeehr gut für Kinder geeignet ist, weil die Spiele und der Speicherplatz mehr als ausreichend sind. Ich kann so viel, sogar mehr als nur viele negative Bewertung von Ihnen nicht nachvollziehen. Aber ich bin auch erst 13. Für mich gibt es eine klare Kaufempfehlung, allein, wegen dem COOLEN Feature!!
    ◾◽◾◽◾◽◾◾

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    • Sven am

      Danke für deinen Beitrag. Schön, wenn dir das Gerät gefällt. Aber es stimmt – viele sind mit dem Gerät nicht zufrieden, gerade wenn man so bei Amazon guckt.

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  1. 21. Oktober 2016 at 9:10