Duo Gamer

Offiziell lizenzierter Controller für iOS? Der Praxistest!

26. November 2012 • 10:01 Uhr

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Schön ist er ja nicht. Aber...? (Foto: GamingGadgets.de)

Hach, das klingt so toll: Ein Gamepad, das offiziell von Apple lizenziert ist und dadurch optimalen Spielgenuss auf iPhone, iPod Touch und speziell dem iPad verspricht. Der Duo Gamer von dem eher unbekannten Unternehmen Discover Bay funktioniert wirklich tadellos. Dumm nur, dass drei Aspekte nicht stimmen: die Anzahl unterstützter Spiele, der Preis und das Design. In der Reihenfolge. Die Verantwortlichen sind schnell gefunden! Schuld ist sowohl der Hersteller, als auch der Spieleentwickler Gameloft.

Denn der Duo Gamer entstand in Zusammenarbeit beider Unternehmen. Das bedeutet zugleich: Ausschließlich Gameloft-Spiele, die ihr aus dem AppStore ladet, unterstützt das Eingabegerät. Soweit wäre das vermutlich kein so gravierendes Problem, wenn ein Großteil der Titel des französischen Studios Gebrauch von dem Controller machen würden. In der Realität sind es gegenwärtig fünf Spiele, und es hat NICHT den Anschein, als würde sich sobald etwas daran ändern. Schließlich ist der Duo Gamer seit Oktober in den USA erhältlich, innerhalb von knapp zwei Monaten hätte Gameloft Updates der hauseigenen Spiele anbieten können. Passiert ist nichts! Und so reduziert sich das Angebot an geeigneten Spielen auf „N.O.V.A. 3“, „Modern Combat 3: Fallen Nation“, „Asphalt 7: Heat“, „Brothers in Arms 2: Global Front“ sowie „Order & Chaos Online“. Es wird allerdings noch „besser“…

Was tut das? Es leuchtet blau. (Foto: GamingGadgets.de)
Was tut das? Es leuchtet blau. (Foto: GamingGadgets.de)

Abzocke?

Der Duo Gamer kostet 74,95 Euro, zum Beispiel im offiziellen Apple-Shop. Für diesen Preis erhaltet ihr das Pad, eine hübsche kleine Tasche zum Verstauen sowie einen Ständer, auf den ihr das iPad (egal welches Modell) stellen könnt. Der „Clou“ ist, dass ihr besagte Gameloft-Spiele nicht wenigstens zum Teil kostenlos erhaltet, sondern separat erwerben dürft. Ein „N.O.V.A. 3“ liegt gegenwärtig bei 5,99 Euro, für „Modern Combat 2“ zahlt ihr den gleichen Preis. Sicherlich, das Rennspiel „Asphalt 7“ oder „Order & Chaos Online“ sind gratis, nur gängelt euch erstgenanntes Werk mit Ingame-Käufen, zweitgenanntes MMOG hat arge Probleme mit erfolgreichen Logins zu den Online-Servern. Übrig bleiben also nur ein paar Shooter und „Heat“, die ihr mit dem Duo Gamer verwenden dürft. Andere Gameloft-Perlen wie „Tim & Struppi“, „Rainbow Six“, „Real Football“, „BackStab“ und eben fast alle der über 90 iOS-Games bleiben euch verwehrt.

Welchen Sinn hat dann also der Duo Gamer, der ungewöhnlich teuer ist und euch nach dem Erwerb nochmals zur Kasse bittet? Ich weiß es nicht. Ein wenig fühle ich mich schon verascht. Pardon.

Technik

Na, immerhin eine hübsch große Packung. (Foto: GamingGadgets.de)
Na, immerhin eine hübsch große Packung. (Foto: GamingGadgets.de)

Tragisch an dieser Situation ist, dass der Duo Gamer in der Praxis so wunderbar funktioniert. Die zwei mitgelieferten AA-Batterien sind flott eingesetzt. Nachdem ihr Bluetooth am iPad, iPhone oder iPod Touch aktiviert habt, erkennt das iOS-Gerät sofort den eingeschalteten Controller und verbindet sich selbständig. Und schon kann’s losgehen. Ihr startet eines der erwähnten Spiele, prompt stellen die Games um und ermöglichen eine verzögerungsfreie (!) Steuerung. Ihr hangelt euch durch die Menüs mittels des linken Analogsticks oder dem Steuerkreuz, bestätigt Optionen mit den vier Buttons. Im Spiel kommen die zwei Schultertasten oder der rechte Analogstick zum Einsatz – abhängig von der gewählten App und wie es sinnvoll erscheint. Für eins, zwei Auswahlpunkte musste ich aber noch den Finger auf den Touchscreen pressen – Werbung bei „Heat“ zum Beispiel wegklicken.

Und ja – der Duo Gamer funktioniert im Grunde perfekt. Keine Lags, keine verspäteten Eingaben, keine nervigen Aspekte, die ein Spielen unmöglich machen. Ganz im Gegenteil: „Asphalt 7“ spielt sich deutlich leichter als mit dem Touchscreen. Ähnliches nehmt ihr auch bei den Shootern wahr. Sowieso habe ich das Gefühl, als eigne sich der Duo Gamer vor allem für Action-Ballereien vorzüglich. Tja, aber bei dem mauen Software-Angebot ist das wohl eher eine Vermutung, denn zu gerne hätte ich das Teil bei „The Dark Knight Rises“, „9mm“, „Dungeon Hunter“, „Assassin’s Creed: Altair’s Chronicles“ oder „NFL Pro 2013“ ausprobiert.

Einige andere Gameloft-Spiele hatte ich testweise geladen, jedoch vergebens. Es ist in jedem Fall suboptimal, dass sich Discovery Bay zu sehr auf den Deal mit dem Entwickler eingelassen hat, denn auch andere Standards (iCade) unterstützt der Duo Gamer nicht. Folglich bleibt es bei fünf Spielen, die ihr mit dem Pad spielen dürft. Ich bin nicht optimistisch, was die Zukunft des Zubehörs betrifft.

Design

Wenn ein Spiel unterstützt wird, läuft der Duo Gamer prima. (Foto: GamingGadgets.de)
Wenn ein Spiel unterstützt wird, läuft der Duo Gamer prima. (Foto: GamingGadgets.de)

Was mir auch noch schleierhaft ist: Wer hat denn das Design entworfen? Von Ergonomie kann beim Duo Gamer nicht die Rede sein. Es fühlt sich an, als würdet ihr einen leichten Backstein in der Hand halten. Keine vernünftigen Rundungen, keine stabiler Halt für die Hände, sehr harte Analogsticks, die das Eindrücken (weitere Tasten) wohl nicht mögen. Immerhin sind die Druckpunkte der Buttons gut, die blaue LED im eingeschalteten Zustand ansehnlich und das Gewicht angenehm. Insgesamt ist der Eindruck nicht zufriedenstellend, vor allem im Direktvergleich mit einem PS3- oder Xbox 360-Pad wirkt der Duo Gamer ausgesprochen billig. Und wieder muss ich erwähnen, dass wir hier von einem Produkt reden, das knapp 75 Euro kostet.

Schön ist der iPad-Ständer, der der vielversprechenden Packung (ich liebe große Verpackungen, sie wecken immer meine Lust aufs Auspacken) beiliegt. Das Tablet ist aufgerichtet in einer angenehmen Höhe und im richtigen Winkel, um beispielsweise auf dem Wohnzimmertisch zu spielen. Mehr als ein Stück Plastik ist das nicht, ihr könnt das iPad also nicht während des Spielens aufladen oder es gar mit einem HDTV verbinden.

Apropos: Besitzt ihr ein separates Kabel, mit dem ihr eure iOS-Maschine an einen Fernseher (über HDMI zum Beispiel) anschließt, erhaltet ihr feines Konsolenfeeling. Auf dem Sofa mit dem Duo Gamer in den Händen macht das Spielen sehr viel Spaß, keine Frage. Airplay Mirroring über AppleTV empfehle ich aufgrund der Verzögerung, die das heimische WLAN-Netzwerk zwangsläufig mitbringt, nicht fürs Zocken. Nebenbei erwähnt: Der Duo Gamer ist für alle iOS-Geräte geeignet. Wichtig ist nur, dass dieses Bluetooth besitzt. Mit PS3, einem Android-Smartphone und einem Laptop konnte ich nicht erfolgreich Verbindungen aufbauen beziehungsweise den Controller verwenden.

Fazit

Ernüchterung. (Foto: GamingGadgets.de)
Ernüchterung. (Foto: GamingGadgets.de)

Die Vorfreude auf den Duo Gamer war groß: Endlich ein richtiges Gamepad für mein iPad und iPhone? Spielen wie an einer Konsole? Dank Apple-Lizenzierung auch ohne Mapping der Tasten auf dem Touchscreen (wie es ALLE anderen iOS-geeigneten Controller – auch iCade – tun)? Zu verlockend, ach zu gut klang das alles. Im Alltag stellt sich die Ernüchterung, ja Enttäuschung ein. Der Controller kostet rund 75 Euro und unterstützt fünf Spiele von Gameloft, die mir zum Teil auch noch sechs Euro aus der Tasche ziehen wollen. Nehmt noch die sicherlich optionalen InApp-Käufe dazu, schon liegt ihr bei fast 100 Euro. Für ein unattraktives, wenig wertig wirkendes Pad mit fünf Spielen? So gut es sich in der Praxis mit der Peripherie spielen lässt – ich kann sie in dieser Form nicht empfehlen.

Erst dann, wenn Gameloft mit mindestens 20, besser noch mehr Spielen nachzieht und womöglich auch andere Entwickler ihre Titel anpassen können, dann wird der Duo Gamer für iOS-Freunde interessant. Derzeit rate ich vom Kauf ab. So leid es mir tut. Aber für wen eigentlich?

Ich werde den Duo Gamer in Zukunft weiter beobachten. Sollte sich etwas an der aktuellen Situation ändern, ich werde darüber berichten.

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Über Sven

Sven fasziniert seit über 20 Jahren das Spielen in jeder Form. Egal ob Videospiel oder die dazugehörige Konsole – Hauptsache, es blinkt, macht Geräusche und unterhält. Und vor allem sind es Gadgets, die ihn in den Bann gezogen haben. Vom asiatischen Handheld-Klon bis hin zum lebendig anmutenden Roboter – es gibt halt so viele tolle Sachen. Ihr findet den Autor unter anderem auch bei Google+ oder Facebook.


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Zuletzt aktualisiert: 10:11 Uhr

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