Easypix EasyPet

Kamera-Spielerei für Hunden und Katzen im Praxistest

23. Juli 2012 • 8:00 Uhr

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Spaß für Mensch und Tier? (Foto: Easypix)

In der Theorie klingt die Easypix EasyPet nach einer wunderbaren Spielerei für Herrchen und Frauchen: Mittels einer wasser- und stoßsicheren Kamera am Halsband des Vierbeiners erlebt ihr die Abenteuer eurer Katze oder eures Hundes. Wie so oft heißt es aber auch hier: In der Praxis ist das Gadget unbrauchbar. Der Preis von 69,90 Euro (UVP, bei Amazon schon für an die 50 Euro erhältlich) ist für die gebotene Leistung eine Frechheit.

Auf den Pressefotos sieht die EasyPet Kamera von Easypix klein aus, beim ersten Auspacken folgt sogleich die Ernüchterung. Das Ding ist wuchtiger als angenommen. 6,5 Zentimeter lang, 5,5 Zentimeter hoch und 3,3 Zentimeter tief, um genau zu sein. Das hat das Problem zur Folge, dass es für einen durchschnittlich großen Hund (45cm Schulterhöhe) schon grenzwertig ist, dieses immerhin 100 Gramm leichte Plastikgehäuse um den Hals zu tragen. Inakzeptabel wird es, wollt ihr eure Hauskatze mit der Cam ausstatten. Entsprechende Halsbänder liegen bei, aber es muss gesagt werden: Ist euer tierischer Kumpel nicht jenseits der 60-70 Zentimeter, empfindet es dieser als unangenehm, einen solch großen Plastikbegleiter rumschleppen zu müssen. Bei meinen Versuchen mit meiner Hündin Siska (45cm) war sofort erkennbar, dass ihr das nicht gefällt. Das ist sicherlich abhängig von der Sensibilität des Tieres, aber letztlich schon ein erster Kritikpunkt, der nicht unberücksichtigt bleiben soll. Wie gesagt: Für Katzen, die in der Regel immer deutlich kleiner sind, ist EasyPet denkbar ungeeignet.

Aber was spielt das schon für eine Rolle, wenn die Foto- und Videoergebnisse qualitativ mehr als unterdurchschnittlich sind? Dabei ist das grundlegende Konzept absolut in Ordnung: Das stabil anmutende Gehäuse verfügt über einen microSD-Kartenslot und einen Mini-USB-Anschluss, über den ihr die Cam am PC aufladet. Eine 4GB MicroSD-Karte liegt dem Lieferumfang bei, genauso ein Speicherkarten-Adapter für das normal SD-Format. Um an die Ports zu gelangen, müsst ihr mittels eines Schraubenziehers zwei Schrauben samt Abdeckung entfernen – damit der Schutz vor dem Wasser gewährleistet ist. Das ist zwar dezent  aufwändig, aber verständlich und hinnehmbar.

Weniger schön ist die alles andere als intuitive Bedienung. Drei Knöpfe befinden sich auf der Oberseite der EasyPet Kamera, mit denen ihr das Gerät einschaltet, die Modi einstellt und es überhaupt aktiviert. Zur Wahl steht eine Video-Funktion, bis die Speicherkarte voll ist. Oder ihr lasst automatisch im 1-, 3-, 5-, 10- oder 15-Minuten-Takt selbständig Fotos knipsen. Dank des Handbuches findet ihr euch halbwegs in den Optionen zurecht, ein winziger Display gibt grobe Hinweise. Habt ihr die nötigen Optionen vergessen, wird das Drücken der Buttons zu einem Glücksspiel. Lästig. Aber: Es geht schon. Irgendwie.

Hündin Siska sieht nicht glücklich aus. (Foto: GamingGadgets.de / Sven Wernicke)
Hündin Siska sieht nicht glücklich aus. (Foto: GamingGadgets.de / Sven Wernicke)

Das Hauptproblem ist sowieso technischer Natur: Der 0,3 MP CMOS-Sensor mag vielleicht für Bildauflösungen im VGA-Bereich ausreichend sein, genauso der feste Fokus (F-2,6 / f=4,8mm). Nur die Auslösezeit bei Fotos ist unglaublich langsam und ein Bildstabilisator ist offensichtlich nicht vorhanden. Die Konsequenz ist klar: Ein sich normal bewegender Hund verursacht fast ausschließlich verwischte, unscharfe Fotos, auf denen der normale Mensch nichts erkennen kann. Nur dann, wenn das Pelzmonster mal ruhig sitzt, kommen mit etwas Glück halbwegs verwendbare Ergebnisse heraus.

Dadurch, dass ihr die Position der Kamera am Halsband minimal beeinflussen könnt (nach oben und unten), seid ihr immerhin in der Lage, das Sichtfeld anzupassen – aber das bringt keinesfalls eine erhoffte Besserung..

Mal ein scharfes Foto - an der Elbe. (Foto: GamingGadgets.de / Sven Wernicke)
Mal ein scharfes Foto – an der Elbe. (Foto: GamingGadgets.de / Sven Wernicke)

Gruseliger ist die Videoaufnahme. Gespeichert werden die Videos im DivX-Format (AVI). Auch hier kommt kein Bildstabilisator zum Einsatz, was für chaotische Spots sorgt. Und außerdem werden die Videos viel zu schnell abgespielt – und das bei 640×480 Bildpunkten und angegebenen 29,99 fps. Ton ist grundsätzlich nicht vorhanden – abgesehen vielleicht von den nicht nachvollziehbaren Fiepgeräuschen. Klar, auf Videos kann man mehr erkennen, aber für die Augen sind diese kaum zu ertragen – es sei denn, der Hund und die Katze bewegen sich in Zeitlupe. Unrealistisch.

Bei einem Versuch hatte ich die EasyPet Kamera testweise zweckentfremdet. Ich platzierte sie in meinem Aquarium und ließ aller fünf Minuten ein Foto schießen. Aufgrund des festen Fokus‘ sind fast alle Bilder unscharf, auch hier scheitert die Spielerei. Dass sie bei schlechten Lichtverhältnissen überhaupt keine halbwegs erkennbaren Fotos erschaffen kann, verwundert wohl ebenfalls nicht.

Unbefriedigend, aber immerhin wasserdicht. Experiment im Aquarium. (Foto: GamingGadgets.de / Sven Wernicke)
Unbefriedigend, aber immerhin wasserdicht. Experiment im Aquarium. (Foto: GamingGadgets.de / Sven Wernicke)

Fazit: In meinen Augen hapert es an vielen Ecken: Die EasyPet Kamera ist für den Alltagsgebrauch viel zu groß und aufwändig an den mitgelieferten Halsbändern, die übrigens immerhin von guter Qualität sind, zu befestigen. Vor allem aber ist die verwendete Technik der Cam schlicht veraltet und vermutlich nur billig für den Hersteller gewesen. In dieser Form ist das Gadget nicht sinnvoll benutzbar, da die Fotos und Videos von miserabler Qualität sind. Ich mute meinem Hund (oder meiner Katze) eine riesige Kamera am Hals zu und erhalte dann nicht einmal befriedigende Szenen aus dem Alltag meines Haustiers? Sorry, aber so reizvoll ich die Idee auch finde – gerade so als Freizeitspielerei – mit der EasyPet werden weder Tier noch Besitzer in irgendeiner Weise glücklich.

Mein Wunsch für zukünftige Produkte: viel kleiner, Bildstabilisator, mehr Megapixel für höhere Auflösungen, eine intuitivere Bedienung. Ich vermute, die EasyPet Kamera erfuhr in dieser Form nie ausgiebige Praxistests. Hier riecht alles nach Geldschneiderei. Kurzum: Finger weg.

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Über Sven

Sven fasziniert seit über 20 Jahren das Spielen in jeder Form. Egal ob Videospiel oder die dazugehörige Konsole - Hauptsache, es blinkt, macht Geräusche und unterhält. Und vor allem sind es Gadgets, die ihn in den Bann gezogen haben. Vom asiatischen Handheld-Klon bis hin zum lebendig anmutenden Roboter - es gibt halt so viele tolle Sachen. Ihr findet den Autor unter anderem auch bei Google+ oder Facebook.


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Zuletzt aktualisiert: 17:06 Uhr

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