Gamesplanet Lab

Crowdfunding-Portal nur für Spiele

5. Juli 2012 • 0:14 Uhr

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Gamesplanet Lab - die Zukunft der Spielefinanzierung? (Foto: Daedalic)

Nach dem riesigen Erfolg diverser Spieleentwickler (u.a. Double Fine) bei der Schwarmfinanzierung ihrer Projekte auf dem US-Portal Kickstarter, gibt‘s ab sofort eine Crowdfunding-Plattform nur für Games. Diese nennt sich Gamesplanet Lab, in der auch der erste Versuch von Ulule.com aufging.

Was bedeutet das konkret? Neuerdings könnt ihr über lab.gamesplanet.com für zukünftige Spiele Geld vorschießen. Kommt eine von den Studios anvisierte Summe zusammen, beginnen diese mit der Entwicklung. Sozusagen geht ihr in Vorleistung. Euer Geld ist aber nicht verloren, wenn Unternehmen das Crowdfunding-Ziel nicht erreichen. Anders sieht es freilich aus, wenn die so eingenommenen Euro von den Verantwortlichen in den Sand gesetzt werden – was zumindest bezogen auf Spiele bei Kickstarter bisher nicht geschehen ist.

Bereits jetzt könnt ihr euer hart verdientes Geld in zwei kommende Spiele bei Gamesplanet Lab investieren. Das eine nennt sich „One Day“ von den Penulo Studios („Runaway“-Serie), das andere heißt „Magrunner: Dark Pulse“ und soll ein Actionpuzzlespiel im Cyberpunk-Universum von H.P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos werden. Erstgenanntes Werk startet in Kürze, bei zweigenanntem erhaltet ihr ab 15 Euro eine digitale Version des Spiels – sobald es fertiggestellt ist. Für 5000 Euro besucht ihr die Entwickler in Kiew – wenn ihr mögt.

Trotzdem muss ich ein wenig Skepsis äußern: Speziell Kickstarter besitzt eine riesige Reichweite, die Chancen, dass ein Spiel dort finanziert wird, stehen allgemein viel besser. Warum es unbedingt ein Crowdfunding-Portal explizit für Spiele geben muss, ist mir schleierhaft. Sicherlich ist das für Gamesplanet, eigentlich ein Spielehändler (Metaboli), eine zusätzliche Einnahmequelle, schließlich verdient die Firma auch entsprechende Provisionen. Sei’s drum – erst einmal müssen die ersten Spiele umgesetzt werden, danach wird sich zeigen, ob Gamesplanet Lab eine Zukunft hat. Dass die hiesigen Crowdfunding-Seiten Seedmatch, Mysherpas oder Startnext selbst nicht auf aktuelle Gaming-Trends reagiert haben, zeigt übrigens auch, dass dies Methode der Geldbeschaffung hierzulande noch in den Kinderschuhen steckt. Vor einigen Monaten erhielt ich eine Anfrage von einem der genannten Portale und bot meine Unterstützung an – gebacken (haha, welch Wortspiel) haben sie es leider nicht bekommen…

Magrunner: Das erste Crowdfunding-Projekt von Gamesplanet Lab. (Foto: lab.gamesplanet.com)
Magrunner: Das erste Crowdfunding-Projekt von Gamesplanet Lab. (Foto: lab.gamesplanet.com)

Andererseits bin ich mittlerweile etwas misstrauisch. Denn mal ehrlich: Sollte es zum Standard werden, dass Spiele – auch von großen Entwicklerstudios und Publishern – über Crowdfunding finanziert werden, geht früher oder später der Unternehmerdrang verloren. Ich mein, ein Mut zum Risiko ist gar nicht mehr nötig. Denn wenn Studios kein Geld von den Spielern erhalten, stampfen sie ihr frühes, noch nicht in Angriff genommenes Projekt ein. Es wird nur noch für die Zielgruppe produziert. Was wird dann aus Innovationen? Unkonventionellen Ansätzen? Frischen Akzenten – die die Spielebranche braucht? Durch Crowdfunding ist das alles nicht mehr nötig, solange der Konsument nur das nimmt, was er will und alles ignoriert, womit er auf den ersten Blick nichts anfangen kann. Das ist doch keine erstrebenswerte Zukunft, oder? Aber: Ich will die Vorteile selbstverständlich nicht unter den Teppich kehren: Kleine Studios können mit Glück ihr „Baby“ ohne Abhängigkeiten von einem Publisher abschließen und Spieler sind sehr nah an der Entwicklung – und es gibt freilich noch weitere Aspekte, die für Crowdfunding sprechen…

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Über Sven

Sven fasziniert seit über 20 Jahren das Spielen in jeder Form. Egal ob Videospiel oder die dazugehörige Konsole - Hauptsache, es blinkt, macht Geräusche und unterhält. Und vor allem sind es Gadgets, die ihn in den Bann gezogen haben. Vom asiatischen Handheld-Klon bis hin zum lebendig anmutenden Roboter - es gibt halt so viele tolle Sachen. Ihr findet den Autor unter anderem auch bei Google+ oder Facebook.


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Zuletzt aktualisiert: 22:36 Uhr

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