Google Chromecast

Wie interessant ist der 35 Euro teure HDMI-Stick für Spieler?

19. März 2014 • 13:30 Uhr

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Chromecast: Ist das Gerät für Spieler geeignet? (Foto: Google)

Erst ließ sich Google viel Zeit, dann ging es ganz schnell: Der HDMI-Stick Chromecast ist seit heute und ziemlich plötzlich in Deutschland erhältlich. Was bietet die 35 Euro günstige Peripherie? Und ist sie für uns Spieler überhaupt interessant?

Was ist das?

Chromecast ist kein Android-Minicomputer, wie es ihn in Form von HDMI-Sticks mittlerweile für deutlich unter 100 Euro gibt. Vielmehr erhaltet ihr zum schmalen Preis ein Gerät, das ihr in einen freien HDMI-Port eures HDTVs oder Monitors steckt, um Inhalte von eurem Smartphone, Tablet oder gar Heimrechner auf den Fernseher zu bringen. Streamingstick dürfte hier die passende Bezeichnung sein. Google gibt sich recht offen, werden auch iOS-Geräte wie das iPhone oder das iPad unterstützt.

Spannender ist der Einsatz mit Tablets und Smartphones, die mit Android ausgestattet sind. Ebenfalls werden Windows-basierte PCs mit Chrome-Browser und Computer mit Chrome OS bedacht. Von all diesen Maschinen sendet ihr über das WLAN-Netz Fotos, Videos oder gar Internetseiten zum HDTV – für mehr ist Chromecast hart genommen nicht gedacht. Dennoch benötigt die Peripherie eine eigene Stromversorgung über USB, vermutlich aufgrund des integrierten WLAN-Moduls .

Kleiner Dongle. Über USB erhält das Zubehör Strom. (Foto: Google)
Kleiner Dongle. Über USB erhält das Zubehör Strom. (Foto: Google)

Aber: Dank einer offenen Struktur und eines SDKs für Entwickler gibt’s mittlerweile über 100 Apps (in erster Linie für Android), die die Vielseitigkeit von Chromecast verdeutlichen. Bekanntere Services wie Youtube oder Watchever haben ihre Apps längst angepasst, sodass ihr beispielsweise am Telefon einen Film auswählt, den ihr dann am TV guckt. Genauso könnt ihr auf euer Medianarchiv am PC zugreifen und Fotos oder Musik übers heimische WLAN-Netz im Wohnzimmer bestaunen. Und Spiele?

Für Spieler interessant?

Tetris mit GamingCast. (Foto: Google Play)
Tetris mit GamingCast. (Foto: Google Play)

Sicherlich ist das Angebot an Apps, die Gebrauch von Chromecast machen, noch überschaubar, obwohl die Hardware bereits seit Juli 2013 in den USA erhältlich ist. Mit dem Verkaufsstart in den europäischen Ländern wie Großbritannien oder Deutschland dürfte sich die Situation zeitnah verbessern – auch was Spiele betrifft. Gegenwärtig findet ihr bei Google Play ein paar Kandidaten, die das Potential zeigen: GamingCast verwandelt euer Smartphone in einen Controller, Retro-Games zockt ihr am HDTV. Nostalgische Konsolenatmosphäre sozusagen. Simpel gestrickt sind unter anderem „Hangman for Chromecast“ oder das Kartenspiel Pirate Dice.

Viel attraktiver sind subjektiv betrachtet frische Ansätze, zum Beispiel von dem Malprogramm „DrawCast„, der kooperativen Zeichensoftware „CastPad“ oder der frühen Beta des Ratespiels „QuizCast“. Etwas farbenfroher wäre der Quiz-Konkurrent „QCast“.

Einen guten Überblick über Spiele mit Chromecast-Support offeriert die Android-App Cast Store, die ebenfalls Tools und hilfreiche Anwendungen übersichtlich darstellt. Empfehlenswert.

Für den Browser Chrome habe ich unterdessen gar nichts an Spielen gefunden?! Da geht noch einiges….

An die Grenzen

Weniger zum Spielen gedacht. (Foto: Google)
Weniger zum Spielen gedacht. (Foto: Google)

Die bisher erhältlichen Spiele machen es deutlich: Im Chromestick steckt kein Prozessor für komplexe Berechnungen. Vielmehr steht das Streaming im Fokus. Das wiederum führt zwangsläufig zu minimalen Verzögerungen zwischen Eingabe auf dem Telefon bzw. Rechner und der Ausgabe auf dem HDTV. Viel hängt außerdem von der Geschwindigkeit des heimischen WLAN-Netzes ab. Die Folge ist klar: Aktuell hat es nicht den Anschein, als erwarten uns hier optisch anspruchsvolle Spiele, die in Echtzeit übertragen werden können. Eher könnt ihr mit weniger zeitrelevanten Titeln rechnen, also Quiz- und Denk- Spiele.

Natürlich könnte sich die Situation mittelfristig ändern, alles steht und fällt mit der Kreativität und Kompetenz der Entwickler (und Google). Bis dahin kann man aber sagen: Chromecast eignet sich höchstens für ein kleines Spielchen zwischendurch, mehr nicht. Ist euch die eigentliche Kernkompetenz des Sticks, also das Streamen von Medien, ohnehin wichtiger, dann erhaltet ihr hier eine flexible und günstige Lösung – keine Frage!

Alternativen?

Ein Beispiel für eine Alternative: Mit Miracast kann man sogar Displays am HDTV spiegeln, was Chromecast nicht beherrscht. (Foto: beans cast)
Ein Beispiel für eine Alternative: Mit Miracast kann man sogar Displays am HDTV spiegeln, was Chromecast nicht beherrscht. (Foto: beans cast)

Geht es womöglich noch günstiger als Chromecast? Durchaus, sofern ihr bereits aktuelle Hardware verwendet. Die Android-App AllCast streamt für 3,65 Euro (Premium-Version, die Lite kann eingeschränkt getestet werden)  Filme, Musik und Co. zu einer Xbox One, Xbox 360, einem Apple TV oder einem unterstützen Gerät. Sehr spannend ist ferner die Windows 8- und MacOSX- App AirParrot, die komplett Bildschirme zu einem AppleTV überträgt. Die Vollversion kostet knapp 10 Euro. Aufgrund der Latenz ist diese sehr gut funktionierende Software leider nicht zum Zocken schneller Spiele geeignet.

Nicht unerwähnt sollten ähnlich geartete Miracast-HDMI-Sticks sein, die im Gegensatz zu Chromecast sogar komplette Inhalte von Android-Geräten spiegeln können – ähnlich Apples Airplay Mirroring. Nur hier benötigt ihr zum einen unterstützte Smartphones bzw. Tablets, zum anderen sind diese Mitbewerber fast alle dezent teurer – abgesehen vielleicht von bestbeans beans cast, der laut Amazon-Rezensionen recht gut wegkommt. Aber das muss unbedingt betont werden: Google hat mit dem Chromecast einen verdammt günstigen, fast konkurrenzlosen Stick am Start, der vor allem eines ist: unkompliziert einzurichten und zu bedienen.

Chromecast könnt ihr u.a. bei Amazon für 35 Euro käuflich erwerben. Weitere Details bekommt auf der offiziellen Webseite.

Was haltet ihr vom Chromecast? Eine coole App gefunden? Oder habt ihr bessere Alternativen parat?

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Über Sven

Sven fasziniert seit über 20 Jahren das Spielen in jeder Form. Egal ob Videospiel oder die dazugehörige Konsole - Hauptsache, es blinkt, macht Geräusche und unterhält. Und vor allem sind es Gadgets, die ihn in den Bann gezogen haben. Vom asiatischen Handheld-Klon bis hin zum lebendig anmutenden Roboter - es gibt halt so viele tolle Sachen. Ihr findet den Autor unter anderem auch bei Google+ oder Facebook.


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