JXD 509W

Die 45-Euro günstige Drohne im Praxistest

15. Mai 2016 • 13:21 Uhr

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Made in China. (Foto: GamingGadgets.de)

Es ist mal wieder typisch: Die Billig-Drohne aus China mag zwar ein Schnäppchen sein, doch vieles stimmt einfach nicht. Trotzdem hat die JXD 509W einiges für rund 45 Euro zu bieten. Der Praxistest.

Ein wenig ist der Kauf mancher Produkte direkt aus einem Onlineshop für China-Gadgets mit einer guten Portion Überraschung verbunden. Das ist auch bei der JXD 509W nicht anders. Den Quadrocopter bekommt ihr bei Gearbeast für aktuell etwas über 50 US-Dollar, ggf. kommen noch Zollgebühren hinzu. In Anbetracht des Preises dürfte euch das nicht arm machen, vor allem weil euch ein spannendes Flugobjekt versprochen wird. So könne sie autonom fliegen („Headless Mode“), selbständig zu euch zurückkehren („Automatic Return“), Stunts ausführen sowie Videos und Fotos in HD aufnehmen. Eine eigene Remote ist mit dabei, zusätzlich montiert ihr für eine Echtzeit-Sicht euer Smartphone an die Fernbedienung. 6-Achsen-Gyroskop und Luftdruck-Sensoren sollen das gute Stück stabil im Himmel halten. Und das alles zu diesem Schnäppchenpreis? Wow! Aber…?!

Das ist dabei. (Foto: GamingGadgets.de)
Das ist dabei. (Foto: GamingGadgets.de)

Wie heißt das Teil eigentlich?

Der Hersteller erzeugt selbst auch schon eine Menge Chaos. Es fängt bereits beim Namen an. Heißt das Teil nun JXD 509W oder Pioneer UFO? An manchen Stellen nennt sich der Produzent nur JD. Auch ist mal von 4-Achsen-Gyro, ein anderes Mal von 6-Achsen die Rede. Und über die 720p-Kamera könnt ihr nur lachen, wenn ihr euch die ersten Aufnahmen anguckt. Sehr viele der in den Handbüchern (Drohne und iOS- bzw. Smartphone-App) beschriebenen Funktionen sind komplett anders, nicht vorhanden oder ungenau beschrieben. Bis ihr herausgefunden habt, wie ihr die Smartphone-Halterung an der Remote befestigt oder den Akku aus der JXD 509W zum Aufladen entnehmen könnt, vergeht seine Zeit. Weil ihr es selbst ausprobieren müsst.

Auf der Drohne steht JD 509, auf der Packung JXD 509. (Foto: GamingGadgets.de)
Auf der Drohne steht JD 509, auf der Packung JXD 509. (Foto: GamingGadgets.de)

Anders gesagt. Von Einsteigerfreundlichkeit oder selbsterklärenden Features kann bei der JXD 509W nicht die Rede sein. Und doch überkommt euch ein gutes Gefühl, wenn ihr die erstaunlich kompakte Drohne in den Händen haltet. Sie besteht aus rauhem, stabilem und durchaus wertig anmutendem Plastik. Das Design lehnt sich ein wenig an Quadrocopter von DJI an, auch bezogen auf die Standfüße und die platzierte Kamera. Löblich ist ferner, dass der Hersteller Ersatzrotoren, Schraubenzieher und Schrauben mitliefert – eine prima Sache für Hobbybastler und keine Selbstverständlichkeit.

Die Remote gehört auch azu. (Foto: GamingGadgets.de)
Die Remote gehört auch azu. (Foto: GamingGadgets.de)

Wenn man weiß, wie es geht…

Aber genug gemeckert. Legt Batterien in die Fernbedienung ein, ladet den Akku der Drohne mittels des mitgelieferten USB-Kabels auf und los geht’s. Mit ein paar Versuchen versteht ihr das Prinzip. Beim Einschalten der JXD 509W wird sofort ein WIFI-Netz aufgebaut, sodass ihr euch mit eurem Smartphone über die App verbinden könnt. Hier ist nicht nur eine Live-Ansicht in ausreichender Qualität möglich, ihr könnt den Copter auch über den Touchscreen kontrollieren. Präziser ist freilich die wuchtige, billige Fernbedienung, die durch ihre haptischen Tasten und die beiden Analogsticks sehr viel genauer ist.

Warum ist die Kamera nur so mies? (Foto: GamingGadgets.de)
Warum ist die Kamera nur so mies? (Foto: GamingGadgets.de)

Bei euren ersten Flügen dürfte euch auffallen, dass die JXD 509W nicht so fliegt, wie manch andere Drohnen in der Niedrigpreisklasse. Mit dem linken Analogstick ändert ihr die Flugrichtung (im Stand), mit dem rechten beschleunigt ihr. Das fühlt sich nach etwas Eingewöhnung intuitiv an und funktioniert gut, sobald ihr das Pioneer Ufo etwas getrimmt habt. Aber auch das ist ja normal. Direkt am Smartphone könnt ihr die maximale Geschwindigkeit senken oder die Kamera für Fotos bzw. Videos aktivieren. Das geht auch über die Tasten an der Fernbedienung.

Das muss man schon sagen: Robuste Bauweise. (Foto: GamingGadgets.de)
Das muss man schon sagen: Robuste Bauweise. (Foto: GamingGadgets.de)

Was wiederum Schwierigkeiten bereitet, das sind die Alleinstellungsmerkmale der Low-Budget-Drohne: Beim Headless Mode habt ihr immer die Angst, dass die JXD 509W in den nächsten Baum reinrauscht, was mir auch ein paar Mal passiert ist. Soviel zur Eigenständigkeit. Mit „A Key Return“ soll sich der Quadrocopter durch den Ton, den die Remote von sich gibt, zu euch bewegen. Das klappt nicht immer optimal. Sehr bedauerlich. Und da ist nocht die Qualität der Kamera. Ich habe schon lange nicht so miese Video-Ergebnisse gesehen. Die erinnern mich an die Digitalkamera-Urzeiten und nicht an 720p-Auflösung. Sogar bei bestem Wetter bekommt ihr hier nichts hin, was ihr vorzeigen möchtet. Das seht ihr sicher an meinen Beispielen hier…

Fazit: Spaß macht sie

Es liegt in der Natur der Spielzeug-Drohnen, dass der Spaß aufkommt, sobald ihr die Steuerung verstanden habt. Da ist die JXD 509W keine Ausnahme. Obwohl die versprochenen Funktionen nicht wirklich überzeugen und die Kamera echt mies ist, kann der Quadrocopter seine Stärken ausspielen. Die Verarbeitung ist erstaunlich gut, die Akkulaufzeit mit knapp 10 Minuten voll in Ordnung. Es ist verdammt schade, dass in der 509W so viel Potential steckt, das der Hersteller wohl aus Kostengründen nicht ausnutzt. Sucht ihr allerdings ein günstiges Spielzeug, das auch den einen oder anderen Sturz aushält und immerhin einfachste Videos aufnehmen kann, trefft ihr keine schlechte Wahl. Nicht für diesen Preis. Wenn’s etwas mehr sein soll, gerade bezogen auf die Cam, lohnt eventuell ein Blick auf das 509G-Modell mit 2 Megapixel-Kamera und Display in der Remote.

Es ist schon eine nette Drohne... (Foto: GamingGadgets.de)
Es ist schon eine nette Drohne… (Foto: GamingGadgets.de)

Danke an Gearbest für die Zusendung der JXD 509W.

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Ein Kommentar

  1. Also für Anfänger, wo Crashes ja nicht ausbleiben, sind solche Drohnen meiner Meinung nach perfekt. Wer mit dieser Drohne fliegen kann, kann auch mit teureren Quadrocoptern fliegen und muss nicht direkt 500€ aufs Spiel setzen.
    Vielen Dank für den Bericht, werde mir direkt eine bestellen.

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