Kurio Tab 2 Motion Edition

Das Kindertablet im Praxistest

21. Dezember 2015 • 8:39 Uhr

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Was taugt wohl das Kurio Tab 2? (Foto: Sven Wernicke)

Eigentlich ist das Kurio Tab 2 perfekt für den Nachwuchs geeignet: Das Kindertablet ist handlich, mit zahllosen Apps ausgestattet und bietet mit Motion Games auch noch die Möglichkeit, sich körperlich zu ertüchtigen. Aber…? Der Praxistest.

Das mir zur Verfügung gestellte Kurio Tab 2 in der Motion Edition hinterlässt am Anfang einen positiven Eindruck. Eine angenehm farbenfrohe Verpackung, alle nötigen Erklärungen auf der Rückseite, auch die technischen Details werden erwähnt. Beim Öffnen der Hülle offenbart sich das Tablet, das bereits in der Silikon-Hülle steckt. Netzteil, Anleitung, einen Gutschein-Code für das Kids-Portal Kividoo und den Hinweis, dass die Ersteinrichtung Eltern durchführen sollten, gibt’s ebenfalls. Viel ist das nicht, aber mehr benötigt zu Beginn auch niemand.

Sieht doch alles verlockend aus. (Foto: Sven Wernicke)
Sieht doch alles verlockend aus. (Foto: Sven Wernicke)

Erste Ernüchterung: Die Hardware

Tablet eingeschaltet und…gewartet. „Der erste Start dauert recht lange“, dachte ich mir jedenfalls. Letztlich ist das der Hardware geschuldet. Denn wir reden hier über Komponenten, die schon vor zwei, drei Jahren nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit waren. Vor allem der MediaTek MTK8127 Quadcore-Prozessor ist meiner Auffassung nach keine optimale Wahl, da einfach viel zu langsam für anspruchsvolle Anwendungen. Ihm stehen 1GB RAM und 8GB Flash-Speicher zur Verfügung. Bluetooth 4.0, Micro-SD-Speicherkartenslot und ein integriertes Mikrofon gehören zum Standard, schwach wiederum ist das WLAN-Modul, das das längst nicht mehr unübliche 5GHz-Netz nicht unterstützt. Die beiden Kameras hätten ruhig eine bessere Qualität erhalten können, 0,3 Megapixel (Vorderseite) und 2 Megapixel (Rückseite) sind teils nicht einmal für Schnappschüsse geeignet. Das 7 Zoll große Display verfügt über eine Auflösung von 1024 x 600 Bildpunkten. In Zeiten von Full HD und mehr ist das nicht unbedingt das größte Vergnügen für die Augen. Löblich dagegen ist der OTG-fähige USB 2.0-Anschluss und der micro-HDMI-Port zum Verbinden mit dem Fernseher. Der Akku mit 2820 mAh stammt vermutlich aus einem Smartphone und nicht aus einem Tablet.

Das ist drin. (Foto: Sven Wernicke)
Das ist drin. (Foto: Sven Wernicke)

Kurz gesagt: Das Kurio Tab 2 besteht aus Technik, die ziemlich antiquiert ist. Mittlerweile erhaltet ihr ähnliche oder gar identische Tablets für deutlich unter 100 Euro. Also muss sich das Gerät in anderen Bereichen abheben, oder?

Wege zum Ziel

Man muss natürlich objektiv bleiben: Das Kurio Tab 2 ist für Kinder zwischen 4 und 9 Jahren gedacht. Da braucht es nicht zwangsläufig die aktuellste Hardware. Nur würde die Lebenserwartung eines solchen Tablets nicht höher ausfallen, wäre die CPU schneller und das Display besser aufgelöst? Immerhin spendierte KD Interactive Android 5.0, eine aktuelle Version des mobilen Betriebssystems von Google. Ein Update auf Android 6.0 solltet ihr nicht erwarten, doch die 5er ist gegenüber manch ähnlich geartetem Tablet mit einem Android 4.x schon eine große Bereicherung. Nicht nur das: Mit dem anfänglich eingerichtetem Elternprofil erhaltet ihr Vollzugriff auf die Benutzeroberfläche, den Google Play Store und sämtliche Einstellungen. Natürlich ist dieser Zugang passwortgeschützt. Hier richtet ihr weitere Profile für eure Kinder ein und vergebt Rechte – was sie nutzen dürfen und was nicht.

Das Kurio Tab 2 nutzt konzeptionell die Benutzerverwaltung von Android 5.0, fügt aber ein paar Ergänzungen hinzu. Setzt Internetfilter und entscheidet, wie lange die Kleinen das Tablet ohne Pause verwenden dürfen. Das einzustellen geht flott von der Hand und ist auch für Einsteiger geeignet. Übersichtliche Menüs bekommen übrigens auch Kinder in ihrem eingerichteten Bereich, der kaum noch an Android erinnert, allerdings gesperrte Apps sowie teils viel zu viel Text darstellt. Die nicht freigegebenen Anwendungen können zwar nicht aufgerufen werden, aber wieso bekommen Kinder diese dann überhaupt zu Gesicht?

Man sollte sich schon damit beschäftigten

Eines sollte euch klar sein: Möchtet ihr das Kurio Tab 2 euren Kindern zur Verfügung stellen, müsst IHR euch ausgiebig mit den Optionen, Eigenheiten und den Funktionen beschäftigen. Wofür gebt ihr Freigaben, was dürfen größere und kleinere Mädels bzw. Jungs sehen? Welche Internetseiten sind tabu? Erst dann, wenn ihr euch sicher beim Umgang fühlt, dürfte die Zeit reif sein, den Kindern das Tablet in die Hand zu drücken.

Ansprechend und stabil. (Foto: Sven Wernicke)
Ansprechend und stabil. (Foto: Sven Wernicke)

Die Verantwortlichen machten sich gerade bei der Software-Auswahl viele Gedanken. Über 50 vorinstallierte Apps – da ist für jeden etwas dabei. Die Qualität ist extrem schwankend, auch wird nicht jeder Toggo-Programme oder die zweimonatige Gratis-Mitgliedschaft von kividoo benötigen. Im Zweifel werden die Spiele gelöscht, die nicht gewünscht sind. Das gilt ebenso für die 18 Kurio Motion Games, bei denen ähnlich wie bei der guten, alten Wii Bewegungen der Spieler relevant sind. Dahinter verbirgt sich kein Hexenwerk, sondern simple Technologie: Die ohnehin viel zu niedrig auflösende Frontkamera nimmt Nutzer in 1-2m Entfernung vor dem Tablet wahr und berücksichtigt es, wenn der Körper von links nach rechts „wandert“. Das klappt soweit, ist aber nicht immer komfortabel oder amüsant. Das hat Gründe: Zum einen sind manche Sportspiele ziemlich doof, zum anderen unbrauchbar bei schlechteren Lichtverhältnissen. Zusätzlich ist es lästig, wenn ihr Eingaben am Tablet ausführen sollt und euch kurze Zeit später von diesem wieder entfernt, um zu spielen. Anstrengend wird es bei einem regelmäßigen Wechsel, nicht alle Games sind also gut durchdacht. Doch wie gesagt: Hier könnt ihr in Ruhe selbst herausfinden (lassen), was euch zusagt.

Englische Erklärung, wie ihr die Motion Games verwendet. (Foto: Screenshot)
Englische Erklärung, wie ihr die Motion Games verwendet. (Foto: Screenshot)

Persönlich finde ich den Ansatz zwar schön, die Umsetzung scheitert an der Hardware. Die schlechte Front-Kamera macht einige Spielansätze völlig kaputt, von Genauigkeit ganz zu schweigen. Klar, das ist ein netter Spaß und ganz lustig, nur lange Freude wird hier niemand haben. Seht die Motion Games also nicht als DAS Kaufargument für das Kurio Tab 2 in der Motion Edition.

Und was gar nicht geht: Viele vorinstallierte Spiele sind nur Testversionen, im eigens vorgesehenen App-Store ist eine Anmeldung nötig und manche Apps sind auch nur in Englisch verfügbar. Oder mit Werbung zugestopft. Das sind Aspekte, die nicht hätten sein müssen.

Gute Seiten

Einen cleveren Ansatz liefert KD Interactive quasi nebenbei. Für die Motion Games muss das Tablet aufgestellt werden. Entnehmt eine kleine Plastikfläche aus der Rückseite des Geräts und schiebt diese in die vorgesehene Einkerbung der Silikon-Hülle – fertig ist der Ständer, der sogar zwei Positionen zulässt. Das ist zwar eine relativ wackelige Angelegenheit und bietet noch viel Potential für Verbesserungen, ist aber sonst nicht übel. Auch, wenn man sich mal ein Video angucken möchte.

Steht dank Standfuß. (Foto: Sven Wernicke)
Steht dank Standfuß. (Foto: Sven Wernicke)

Was auf jeden Fall positiv hervorgehoben werden sollte, ist die Verarbeitung. Das Kurio Tab 2 fühlt sich wertig an. Besagtes Case sorgt dafür, dass der eine oder andere Sturz auf den Boden keine Schäden hinterlässt. Für meinen Geschmack ist das Tablet recht schwer und dick, was nicht gerade praktisch für kleinere Kinder ist.

Fazit: Empfehlenswert, aber…

Immer dieses böse „ABER“. Im Fall des Kurio Tab 2 bleibt mir allerdings keine andere Wahl. Gegenüber dem Vorgänger bringt Android 5.0 Verbesserungen bei der Nutzerverwaltung mit, die spezielle Eltern-App und die angepassten Menüs für Kinderprofile sorgen für einen schnellen, recht unkomplizierten Einstieg – sofern sich die Erwachsenen mit dem Tablet auseinandersetzen. Ganz glücklich bin ich mit dem Gerät dennoch nicht: Das Gewicht ist zu hoch, die Hardware angestaubt und die App-Auswahl nicht vollends zufriedenstellend.

Die Rückseite mit dem Plastikständer. (Foto: Sven Wernicke)
Die Rückseite mit dem Plastikständer. (Foto: Sven Wernicke)

Trotzdem: Wer sich etwas mit dem Android-Tablet beschäftigt, unnötige Apps entfernt und das Kurio Tab 2 ausgiebig individualisiert sowie als Mediaplayer für die Kinder verwenden möchte, liegt nicht verkehrt. Viele Möglichkeiten, ein soweit ordentliches Preis/Leistungsverhältnis und dank Android ein riesiges Softwareangebot sprechen ganz klar für das „Spielzeug“. Für einen Nachfolger wünsche ich mir zeitgemäße Hardware, ein höher aufgelöstes Display und vielleicht auch ein geringeres, dafür interessanteres Spieleangebot. Mit einer besseren Frontcam wären die Motion Games gewiss eine größere Bereicherung.

Weitere Details bekommt ihr auf Kurioworld.de. Kaufen könnt ihr das Gerät unter anderem bei Amazon.

 

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