MaKey MaKey

So funktioniert das Erfinderkit für 50 Euro! Der Praxistest!

19. Januar 2013 • 9:05 Uhr

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Test. Test. Test. (Foto: GamingGadgets.de)

MaKey MaKey gehört zu den Paradebeispielen erfolgreich finanzierter Gadgets durch das Crowdfunding-Portal Kickstarter. Die Schöpfer wollten ursprünglich 25.000 US-Dollar für ihr „Erfinderkit“ von interessierten Technikfreunden einsammeln. Am Schluss kamen fast 570.000 US-Dollar zusammen. Das war vor über einem halben Jahr, mittlerweile ist MaKey MaKey erhältlich. Auch hierzulande, dank der engagierten Jungs von Epic-Stuff.de. Sie sendeten mir ein Exemplar des unscheinbaren Geräts zu – und ich durfte mir mit Obst einen eigenen Controller basteln. Na, toll?!

Ja, MaKey Makey ist eine lustige und geistreiche Art des Erfindens, aber – und das musste ich selbst feststellen – nicht für jeden geeignet. Warum das so ist?

Um was geht’s?

Die Platine. (Foto: GamingGadgets.de)
Die Platine. (Foto: GamingGadgets.de)

MaKey MaKey ist, um es möglichst einfach zu beschreiben, ein Technikbaukasten im Miniformat. In der attraktiven Verpackung stecken sieben Krokodilklemmen, sechs lose Kabel, ein USB-Kabel und eine leider etwas zu simpel geratene, englischsprachige Kurzanleitung. Nicht fehlen darf die eigentliche Hardware, das namensgebene MaKey MaKey. Dies ist eine Platine, basierend auf einem Arduino-Controller. Genau diese Tatsache ist für versiertere Tüftler sicherlich von Vorteil, kann man diesen auf Wunsch umprogrammieren oder vielseitiger gestalten. Doch das soll hier nicht das Thema sein, vielmehr geht es darum, wie ihr als normalsterbliche Menschen Gebrauch von dem Ding machen könnt.

Zugegeben: Die ersten Minuten sind etwas verwirrend. Vor euch breitet sich die Kabelei aus, den Controller schließt ihr über USB an euren Rechner an. Es leuchten LEDs auf. Und nun? Erste Anlaufstellen sollten die Herstellerwebseite, aber auch besagte Site von Epic-Stuff oder gar Youtube sein. Längst findet ihr zahlreiche Informationen und Hintergründe über MaKey MaKey. Aber so gesehen ist es auch nicht schwierig: Ihr verwandelt Haushaltsgegenstände und Lebensmittel in Eingabegeräte für Spiele am Rechner (Windows, MacOS, Linux). Auf der MaKey MaKey-Platine entdeckt ihr ein aufgedrucktes Steuerkreuz sowie zwei Buttons – in diesen befinden sich Löcher. Diese sind dazu gedacht, besagte Krokodilklemmen auf der einen Seite hinein zu stecken. Auf der anderen Seite verbindet ihr diese mit beliebig leitfähigen Objekten – von der Banane über den Apfel bis hin zu Knete ist wirklich sehr viel möglich. Voraussetzung ist stets, dass MaKey MaKey „geerdet“ ist. Dies erreicht ihr, indem ihr eine Krokodilklemme mit der Unterseite des Controllers sowie zum Beispiel eurem anderen Finger verbindet. Deutlich besser und komfortabler klappt es mit dem separat erhältlichen und 6,50 Euro teuren Armband.

Alles klar?

Hart genommen müsst ihr gar nicht mehr über MaKey MaKey wissen. Die Platine symbolisiert euch die zur Verfügung stehenden Eingabemöglichkeiten, die in der Standard-Ausführung auch Tasten auf dem Keyboard oder der Maus entsprechen. Ändern könnt ihr die Belegung über die kostenlose Arduino-Software – wirklich bequem ist das nicht. Aber es klappt recht problemlos, wenn ihr beispielsweise dieser Anleitung folgt.

Die große Frage bleibt vielleicht noch immer: Wozu soll das alles gut sein? Nun, ihr habt in der Tat die Chance, selbst ein Retro-Gamepad zu kreieren – entweder mit lustigen Gegenständen oder gar durch harte Arbeit im Bastelkeller. Dank USB-Verbindung, Programmierbarkeit und der Platine erhaltet ihr für die knapp 50 Euro alles, was ihr benötigt. Mit dem, was dem Lieferumfang beiliegt, dürft ihr regulär ein paar Knöpfe auf der Tastatur, Mausbewegungen oder eben Pfeiltasten verwenden.

Durch günstige Jumper-Kabel (3,50 Euro für 10 Stück) gibt‘s auf Wunsch sogar Zugriff auf die entsprechenden Anschlüsse auf der MaKey MaKey-Rückseite – und dann bekommt ihr die volle Kontrolle, wenn ihr mögt.

Nicht für jeden

Bedingung ist immer der Wille, etwas Eigenes bauen zu wollen. Denn fallen euch nur Bananen ein, die ihr als Eingabeobst (sagt man doch so, oder?) missbrauchen könnt, kommt schnell Langeweile auf. Im Zweifelsfall klickt euch zu besagten Seiten und lasst euch von den dortig vorgestellten Möglichkeiten inspirieren.  An sich ist dies auch mein Hauptkritikpunkt: Seid ihr aufgeschlossen, aber nicht sonderlich kreativ in diesem Bereich, erhaltet ihr zu wenige Hilfen – vielleicht in Papierform aus der Packung? Auch konnte ich nicht allzu viele Tutorials im Netz finden, was ich mit simplen Mitteln nachbauen kann. Als lästig empfinde ich diesen ganze Kabelsalat. Die Krokodilklemmen sitzen selten felsenfest, das Erden mittels eines Kabels ist nervig. Und erwähntes Armband, das eine echte Bereicherung darstellt, muss dazu gekauft werden.

Andererseits: Sobald ihr erste Erfolge feiert, erzeugt MaKey MaKey eine gewisse Aufregung. Plötzlich probiert ihr andere Dinge, experimentiert mit weiteren Gegenständen und seid gewillt, euch womöglich anderes Zubehör zu kaufen. Knete sei hier explizit empfohlen. Mit etwas Fummelei könnt ihr ziemlich schräge Gamepads erschaffen – vielleicht sogar mit eurem Nachwuchs zusammen. Die Software-Proben auf der offiziellen Webseite regen in jedem Fall dazu an, sich Neues einfallen zu lassen.

Experimentieren. Kaugummi funktioniert, wenn er leicht angefeuchtet wurde. Chips eher nicht. (Foto: GamingGadgets.de)
Experimentieren. Kaugummi funktioniert, wenn er leicht angefeuchtet wurde. Chips eher nicht. (Foto: GamingGadgets.de)

Alles in allem fasziniert mich MaKey MaKey wirklich. Aber ich vermisse den Komfort. Stattdessen habe ich das Gefühl, als hätten die Macher ein Stick Hightech mit Kabeln in eine Kiste geworfen,  den Rest muss der Käufer gefälligst selbst herausfinden. Das finde ich etwas schade und wird dem Produkt nicht gerecht. Schreckt euch das nicht ab und habt ihr womöglich schon ganz konkrete Ideen im Kopf, dann ist MaKey MaKey eine tolle Angelegenheit. Umso mehr Bastel-Knowhow ihr besitzt, umso mehr wird euch der Controller gefallen. Seid ihr dagegen Grobmotoriker und wollt lieber komplett fertige Produkte kaufen, liegt ihr hier völlig falsch!

Vielen Dank an Epic-Stuff.de für das Bereitstellen des MaKey MaKey-Exemplars!

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Über Sven

Sven fasziniert seit über 20 Jahren das Spielen in jeder Form. Egal ob Videospiel oder die dazugehörige Konsole - Hauptsache, es blinkt, macht Geräusche und unterhält. Und vor allem sind es Gadgets, die ihn in den Bann gezogen haben. Vom asiatischen Handheld-Klon bis hin zum lebendig anmutenden Roboter - es gibt halt so viele tolle Sachen. Ihr findet den Autor unter anderem auch bei Google+ oder Facebook.


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Zuletzt aktualisiert: 17:11 Uhr

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