Mini SNES

Macht euch keine Illusionen!

4. Juli 2017 • 11:45 Uhr

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Hach, verlockend. (Foto: Nintendo)

Die Hoffnungen sind groß: Vielleicht ist das Mini SNES ein grandioses Comeback DER 16bit-Konsole der 1990er Jahre? Nein. Nintendo möchte nur Geld verdienen!

Ich las gestern den Artikel von PCGameshardware.de. In dem ist davon die Rede, dass das erst kürzlich vorgestellte Mini SNES „…weit mehr werden [könnte], als ein einfacher SNES-Emulator…“. Begründet wird diese Vermutung damit, dass es doch aufwändig sei, das ursprüngliche SNES vollständig zu emulieren – inklusive SuperFX (2)-Grafikchip, der damals nicht in der Konsole steckte, sondern in dem Spielmodul, das Gebrauch von diesem machte. Das prominenteste Beispiel dürfte „Star Fox“ sein. Bei Digital Foundry wird noch etwas mehr auf die technischen Hintergründe eingegangen. Unter anderem auf den SuperFX 2-Chip, der bei „Star Fox 2“ Verwendung finden sollte und auch bei „Yoshi’s Island“ genutzt wurde. Der ist mit 21 MHz getaktet und aufwändiger zu emulieren. Genauso der Soundprozessor.

Einfachste Hardware der Gegenwart reicht für die Emulation

Am Schluss heißt es eigentlich nur: Nintendo emuliert also nicht nur das SNES, sondern auch zusätzliche Chips. Und das führt dazu, dass entsprechend potente Hardware verbaut sein muss. Aber machen wir uns da nichts vor: Im Mini NES steckte bereits ein Quadcore-ARM-Chip aus dem Smartphone-Sektor, der ohne Aufwand die 8bit-Spielemaschine der 1980er abbilden konnte. Vermutlich wird ein ähnlich gearteter SoC (ich gehe sogar von dem gleichen aus) aus dem Lowbudget-Bereich leistungsstark für eine hochwertige SNES-Emulation sein. Bezogen auf reinen Hardware-Kosten sehe ich jedenfalls keinen Grund, wieso das Mini SNES unbedingt deutlich teurer als das Mini NES sein soll. 18 Jahre alte Komponenten kann 2017 ohne Schwierigkeiten nahezu jedes Einsteiger-Smartphone emulieren. Das bietet mit Speicherkartenslot, WIFI, Bluetooth, USB sogar mehr Flexibilität als Nintendos Retro-Spielzeug, das am 29. September 2017 erscheint.

Leider lange schon ausverkauft. (Foto: Nintendo)
Leider lange schon ausverkauft. (Foto: Nintendo)

Aber: Angebot und Nachfrage. Nintendo ist ein Konzern. Und der möchte Geld verdienen. Die Verantwortlichen reagieren auf das enome Interesse, dem man beim Mini NES nicht nachkommen konnte. Beim „Nachfolger“ rechne ich damit, dass noch mehr Nostalgiker ein Exemplar verlangen – und sie werden wahrscheinlich eines erhalten. Es ist schon von „signifikant mehr“ Geräten die Rede, die ausgeliefert werden sollen. Trotz einer komplexeren Struktur des SNES wird es sehr preisgünstige, so gesehen antiquierte Hardware sein, die millionenfach in das geschrumpfte Gehäuse gesteckt wird. Der höhere Preis ergibt sich aus der zu erwartenden Nachfrage seitens der Kundschaft – also uns. Für Nintendo bedeutet das im besten Fall höhere Gewinne – und das eigentlich auch noch bei verhältnismßig geringen Entwicklungskosten. Ein potentiell grandioses Geschäft. Es würde mich nicht wundern, als wären die Margen höher als bei der Nintendo Switch.

Mehr Mini SNES-Geräte für alle!

Sicherlich wird das Mini SNES nicht für alle Ewigkeiten produziert. Dass das Gerät ein potentielles Sammlerstück wird, halte ich für wahrscheinlich. Vergleichbare Summen, die zum Teil für das Mini NES gezahlt wurden, weil es nicht mehr angeboten wird, sehe ich dagegen nicht. Für Nintendo besteht keine Notwendigkeit, eine künstliche Knappheit zu erzeugen – man verdient schließlich mit jeder verkauften Konsole. Bei der Neuauflage des NES fehlten allerdings die Ressourcen, um das System längerfristig herstellen zu können. Beim winzigen SNES wird es besser laufen – eben, weil damit Kohle zu machen ist und die Japaner gewiss aus Fehlern gelernt haben.

Hui, ist das klein. (Foto: Nintendo)
Hui, ist das klein. (Foto: Nintendo)

Ja, ich habe mir für 100 Euro das Mini SNES vorbestellt. Und ja, ich könnte für den Preis auch einen Raspberry Pi 3 mitsamt Zubehör und Controller erwerben. Um mir selbst ein kleines SNES zu basteln. Ja, ich weiß, dass Nintendo ordentlich abkassiert und bewusst den Preis angeboben hat (sicher nicht wegen „Star Fox 2“ und zwei Controllern). Und ja, ich glaube auch nicht, dass die beim Mini NES bemängelte Latenz diesmal behoben wird. Aller Vernunft zum Trotz freue ich mich auf die neue, alte Konsole. Eben weil Nintendo auch Trigger in meinem Kopf mit diesem Retro-Spaß aktivieren konnte. Gewiss hätte ich auch 20 Euro mehr gezahlt. Das werde ich dann wohl beim N64 Mini…

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Mini SNES: Macht euch keine Illusionen!
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Mini SNES: Macht euch keine Illusionen!
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Die Hoffnungen sind groß: Vielleicht ist das Mini SNES ein grandioses Comeback DER 16bit-Konsole der 1990er Jahre? Nein. Nintendo möchte nur Geld verdienen!
Sven Wernicke
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5 Kommentare

  1. JONNY am

    Ich verstehe dein Problem nicht ganz? Natürlich möchte Nintendo GELD damit verdienen. Aus nächsten liebe machen sie es sicher nicht!

    Und natürlich könnte man sich einen Emulator runterladen am PC oder Handy – das du dir die Spiele dann aber auch nur ILLEGAL runterladen kannst verschweigst du komplett!

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    • Sven am

      Du kommentierst anonym? :P

      Das Problem: Unter anderem PCGamesHardware sieht in der Konsole mehr, als sie ist. Es ist letztlich auch nur ein Emulator, nicht mehr. Und Nintendo verdient damit ordentlich Geld. Ist ja auch deren gutes Recht, muss ja niemand kaufen, wenn niemand will. :) In erster Linie möchte ich eigentlich nur sagen: Das SNES Mini wird kein seltenes Sammlerstück und ist vor allem technisch keine Besonderheit (wie es eben PCGH irgendwie darstellen wollte). Wir zahlen trotzdem bereitwillig einen verhältnismäßig hohen Preis. Weil’s Nintendo ja doch irgendwie drauf hat. :)

      Was das Runterladen der Spiele betrifft: Naja, ROMs sind nicht automatisch illegal. Wenn du selbst ROMs von deinem Original anfertigen kannst und keinen Kopierschutz umgehst, ist das Anlegen einer Sicherheitskopie durchaus legitim. Davon abgesehen gibt’s ja auch eine große Homebrew-Szene (siehe z.B. hier: http://pdroms.de/news/supernintendoentertainmentsystem/).

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  2. Ben am

    Wunderbarer Artikel!
    Endlich mal jemand, der schreibt, wie es ist; nämlich, dass Nintendo Geld verdienen will. Aber genau hier stelle ich mir dann die Frage: Warum diese Knappheit? Warum wird des SNES-Mini nicht einfach millionenfach produziert, so das jeder potenzielle Kunde auch sein Geld loswerden kann? Die Fans freut es und Nintendo dürfte eine Umsatzsteigerung nach der nicht erfolgreichen WiiU sogar noch mehr freuen.
    Überall ist zu lesen, dass die neue, alte Konsole bis zum Ende des Jahres 2017 produziert wird. Aber dann doch bitte in ausreichender Stückzahl. Wenn Nintendo es beim zweiten Versuch auch verschenkt, verstehe ich den Laden schlicht nicht mehr. Sollten wieder zu wenige Exemplare produziert werden, würde wieder unnötig Geld verschenkt. Und das ist, nach meinem Verständnis, nicht das oberste Ziel eines solchen Unternehmens.

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    • Sven am

      Danke! :)

      Ich denke, diese Knappheit ist nicht gewollt, sondern ein Ressourcen-Problem. Oftmals haben Hersteller wie Nintendo gar keine eigenen Fabriken, man ist also auf Produzenten (in China) angewiesen. Die wiederum stellen dann z.B. das SNES Mini, aber auch Rasierer, Waschmaschinen, wasauchimmer für andere Firmen her. Also jetzt mal überspitzt ausgedrückt. Man hat also nur eine bestimmte Zeit und Material, also Ressourcen, übrig, die möglichst effektiv genutzt werden müssen. Ich denke, beim SNES Mini werden sehr viel mehr Geräte hergestellt und ausgeliefert, beim NES Mini waren es wohl etwas über zwei Millionen. Mit dem Erfolg hatte Nintendo vermutlich nicht gerechnet (warum auch immer). Darum denke ich: Beim zweiten Anlauf werden die es schon gecheckt haben, also genügend Ressourcen und Zeit für 5 Mio oder so. Es ist letztlich trotzdem eine Nische, die man mit so einer Retro-Konsole bedient. Da im Vorfeld z.B. Ressourcen für 50 Millionen Konsolen zur Verfügung zu stellen, wäre auch wieder dumm.

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  3. Snacky am

    Diese neue, alte Konsole ist eigentlich unnötig. Aber die Nerds brauchen das, also müssen sie tief in die Tasche greifen. Nintendo nutzt das aus und verdient Geld (was ein Unternehmen eben so macht). Jeder kriegt das, was er will. Das ist Kapitalismus.

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