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Die nächste Konsole mit Android? Was ist an den Gerüchten dran?

1. Juni 2015 • 13:58 Uhr

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Nintendo trifft auf Android. (Foto: Nintendo & Google / Collage)

Kann das sein? Nintendos nächste Konsole wird womöglich auf Googles mobiles Betriebssystem Android setzen? Was ist an diesen Gerüchten dran? Und wäre diese Entscheidung sinnvoll?

Die Spekulation stammt von dem japanischen Branchenmagazin Nikkei, in dem davon die Rede ist, dass Nintendo eine Android-basierte Spielkonsole plane. Ob hiermit Nintendo NX gemeint ist, das als Nachfolger der Wii U gehandelt wird? Aktuell unklar und nicht unwahrscheinlich. So oder so ist das Betriebssystem für eine Konsole enorm wichtig, um Entwickler für eine Plattform zu überzeugen.

Die Konkurrenz zeigt, dass es sinnvoll ist

Sony und Microsoft machen es mit ihren aktuellen Spielkonsolen PlayStation 4 und Xbox One vor: Orbis OS (FreeBSD-Ableger) und Windows kommen auf den Geräten der Mitbewerber zum Einsatz, was es Studios durchaus leichter macht, für die jeweilige Plattform Games zu entwerfen und entsprechende Regelungen zu verwenden. Seien es Hardware-Eigenheiten, Schnittstellen und Software-Standards – umso offener und verbreiteter sie sind, umso attraktiver ist es für Programmierer, eigene Spiele zu entwickeln. Natürlich spielt die Verbreitung der Konsolen sowie die Flexibilität der Hersteller eine große Rolle. Allgemein wundert es eigentlich wenig, dass viele PC-Spiele (zig Indie-Titel zum Beispiel) den Weg auf PS4 und Xbox One schafften – eine Konvertierung ist bei der ähnlichen Software-Basis und der Hardware relativ einfach und damit finanziell nicht ganz so aufwendig wie eine Exklusiv-Entwicklung.

Auch das Betriebssystem könnte für den Misserfolg der Wii U verantwortlich sein. (Foto: Nintendo)
Auch das Betriebssystem könnte für den Misserfolg der Wii U verantwortlich sein. (Foto: Nintendo)

Bei Nintendos Wii U, die mittlerweile schon für recht wenig Geld angeboten wird, dürfte auch das hauseigene Betriebssystem mit seinen individuellen Eigenschaften und Voraussetzungen manche Studios abgeschreckt haben. Dazu noch die verhältnismäßig geringe Verbreitung dank Kaufzurückhaltung der Spieler – das sind zwei von vielen Aspekten, die den mangelnden Erfolg einer Konsole ausmachen. Von daher halte ich es für sinnvoll, wenn Nintendo auf ein etabliertes OS setzt. Wieso also nicht Android?

Android gut geeignet?!

Der Vorteil an Android liegt auf der Hand: Für Hardware-Hersteller ist Googles Betriebssystem frei zugänglich, Quellcodes können eigenen Bedürfnissen angepasst und individualisiert werden. Aus dieser Offenheit sind einige interessante Ableger entstanden, beispielsweise die CyanogenMod für zahlreiche (ältere) Smartphones. Zugleich wäre – sollten die Gerüchte stimmen – Nintendo auch frei bei der Veränderung des Android-Betriebssystems. Ob nun x86- oder ARM- basierte Prozessoren zum Einsatz kommen, ist längst zweitrangig. Genauso kann man beliebige Grafikeinheiten verwenden, Festplatten verbauen oder bei 64bit-CPUs auch mehr als 3GB Arbeitsspeicher nutzen. Anders gesagt: Die künftige Nintendo-Konsole muss nicht zwangsläufig auf gewöhnlicher Smartphone- oder Tablet- Technologie basieren. Das nur als Hinweis, sollte jemand die Angst haben, Android bedeute zugleich leistungsarme Technologie.

Qualcomm produziert leistungsstarke Prozessoren, die für Konsolen geeignet wären. (Foto: Qualcomm)
Qualcomm produziert leistungsstarke Prozessoren, die für Konsolen geeignet wären. (Foto: Qualcomm)

Und natürlich würde für Entwickler die Attraktivität steigen. Umsetzungen von Android-Games könnten nicht allzu lange auf sich warten lassen, dank konkret definierter Hardware und Eingabegeräte (Controller) wären Anpassungen weniger aufwändig. Wie es funktionieren kann, deutet sehr gut Amazons Fire TV an: Der Händler entwarf basierend auf Android ein eigenes Betriebssystem, unterstützt zugleich Bluetooth-Gamepads und offeriert im entsprechenden App-Store Spiele, die explizit auf den 100-Euro-Mediaplayer ausgelegt sind. In der kleinen „Konsole“ stecken auch „nur“ ein Quadcore-Prozessor von Qualcomm und 2GB RAM, die jedoch für durchaus ansehnliche Spiele völlig genügen. Wir müssen also die potentielle Nintendo-Konsole mit Android nicht mit dem Ouya-Fehlversuch vergleichen, bei der die Verantwortlichen in anderen Bereichen versagten.

Wie könnte die Konsole aussehen?

Ich vermute hier natürlich nur, doch sollte das Android-Gerücht für die nächste Nintendo-Konsole stimmen, könnte ich mir sehr gut einen leistungsstarken Octacore-Prozessor mit mindestens 4GB RAM vorstellen. Nvidias Tegra X1, der in der Shield-Konsole verbaut wird, besitzt enorm viel Power, obwohl diese wohl nicht an Xbox One und PS4 heranreicht. Aber genau so etwas wie von Nvidia würde mir von den Japanern gefallen, vielleicht mit einer angepassten Oberfläche: Ein Mediaplayer mit dem Fokus auf aktuelle Spiele, eventuell sogar Virtual Console-Emulation und Cloud Gaming. Mit so einem Schritt würde Nintendo gewiss überraschen und näher zu Smartphones und Tablets rücken, ohne dass es sich mit der konservativen Firmenphilosophie beißt. Entwickler- und Konsumenten- freundlich – auch dank eines fairen Verkaufspreises?

So etwas wie Nvidia Shield? (Foto: Nvidia)
So etwas wie Nvidia Shield? (Foto: Nvidia)

Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob Nintendo auf der E3 Mitte Juni 2015 mehr über Nintendo NX verrät. Was meint ihr, was da kommt?

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Über Sven

Sven fasziniert seit über 20 Jahren das Spielen in jeder Form. Egal ob Videospiel oder die dazugehörige Konsole - Hauptsache, es blinkt, macht Geräusche und unterhält. Und vor allem sind es Gadgets, die ihn in den Bann gezogen haben. Vom asiatischen Handheld-Klon bis hin zum lebendig anmutenden Roboter - es gibt halt so viele tolle Sachen. Ihr findet den Autor unter anderem auch bei Google+ oder Facebook.


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