Nintendo Switch

Fünf Dinge, die mich jetzt schon an der Konsole nerven

13. Januar 2017 • 13:00 Uhr

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Lohnt sich Switch wirklich? (Foto: Nintendo)

Sorry, Leute. Irgendjemand muss ja der Spielverderver sein. Aber mich kickt Nintendo Switch überhaupt nicht. Ein paar Gründe gefällig? Bitteschön.

So sehr ich auf Spielkonsolen, frische Ideen und Hardware aus dem Entertainment-Sektor stehe, irgendwie will mich die Switch-Konsole von Nintendo nicht begeistern. Liegt es vielleicht am Konzept? Am Preis? An fehlender Transparenz? Irgendwie trifft das alles zu. Und noch etwas mehr…

Was steckt denn eigentlich in der Konsole?

Was mich nervt: Nintendo möchte nach wie vor nicht verraten, welche Technik verwendet wird. Von einem Nvidia-Chip ist die Rede, ich vermute einen Tegra K1. Der wird schon im Nvidia Shield K1 Tablet verbaut und besitzt eine prima Leistung – 2,2GHz Quadcore-Chip und Nvidia Kepler-Grafikeinheit bieten jede Menge Power. Für ein Android-basiertes Tablet. Für eine Spielkonsole, die auch stationär verwendet werden soll, ist das meiner Auffassung nach zu wenig, möchte sich Nintendo auch mit Xbox One und PS4 messen. Oder zumindest die Wii U etwas übertrumpfen.

Das bekommen Käufer. Aber was genau für Hardware? (Foto: Nintendo)
Das bekommen Käufer. Aber was genau für Hardware? (Foto: Nintendo)

Ich mag Retro und brauche nicht dringend die geilste Grafik in Spielen. Doch mein Anspruch veränderte sich im Laufe der Jahre. Ich bin skeptisch, dass Switch in der Lage ist, in zwei oder drei Jahren visuell halbwegs auf der Höhe der Zeit zu sein. Mein Misstrauen könnte Nintendo in Windeseile nehmen, würden die Japaner endlich mal sagen, was sie verbauen. Und was ich für 330 Euro, die die Konsole kosten wird, letztlich bekomme. Hardware aus dem Smartphone- und Tablet-Sektor? Oder doch etwas mehr?

Gespart wird auf jeden Fall schon: Akkulaufzeit von allerhöchstens sechs Stunden (sofern die Spiele nicht zu anspruchsvoll sind – bei einem „Zelda“ sind es nur 2,5h), ein 720p-Display für einen 6,2 großen Touchscreen, nur 32GB Speicher, der glücklicherweise erweitert werden kann. Zumindest zwei der drei genannten Punkte sind verschmerzbar. Trotzdem.

Innovativ oder Zwang, etwas anders machen zu wollen?

Ja, klar. Wir zocken am Smartphone. Stundenlang. Und jetzt kann ich das bald auch mit Nintendo Switch. Ich nehme das Tablet aus der Dockingsstation, schließe ggf. noch die Joy-Con-Controller an und spiele in Bus oder Bahn weiter. Solange der Akku hält.  Die Frage ist nur: Würde ich das wirklich machen? Ihr etwa? Das Mobiltelefon ist heutzutage immer dabei, weil ihr es zum Telefonieren, Surfen, Fotografieren nutzt. Nur wollt ihr eure für über 300 Euro gekaufte Konsole auf diese Weise mitschleppen? Als zweites Gerät, das nicht einmal allzu klein ausfällt und sehr viel wuchtiger als ein 3DS ist? In Japan kann ich mir das vorstellen, bei langen Zugfahrten auch. Aber für den Alltag?

Ich persönlich verwende Remote Play von PS4 und PS Vita so gut wie nie, mit dem Wii U-Controller spiele ich nicht einmal auf dem Klo. Obwohl ich das ja könnte. Was ich sagen will: Ist diese Mischung aus Handheld und stationärer Konsole wirklich etwas, was wir benötigen und wollen? Sicherlich besitzt jeder ein anderes Spiel-Verhalten. Für diejenigen, die sich diese Flexibilität schon lange wünschen, dürfte ein Traum in Erfüllung gehen. Für mich ist das höchstens (!) ein „nice to have“!

Außerdem befürchte ich, dass das mit den Joy-Con-Controllern nicht ganz so schnell und unkompliziert funktioniert. Um beide Teile in ein reguläres Gamepad zu verwandeln, müsst ihr eine Halterung einsetzen. Das ewige Hin- und Herstecken, Anklemmen, Entfernen könnte mit der Zeit lästig werden.

Erscheint auch mit buntem Controller. (Foto: Nintendo)
Erscheint auch mit buntem Controller. (Foto: Nintendo)

Ich weiß auch nicht, nur Nintendo Switch fühlt sich so verkrampft an. Anders als die Konkurrenz sein zu wollen, bedeutet noch lange nicht, dass dies unser Leben bereichert. Oder findet ihr die Idee der Wii U noch immer total geil? Okay, dann hab ich nichts gesagt.

Kosten über Kosten

Glaubt nicht, dass es bei 330 Euro bleibt, die sich im Vergleich zu Xbox One und PS4 ohnehin recht hoch anfühlen. Ihr wollt dauerhaft Online-Multiplayer-Matches erleben? Freut euch auf ein Abo-Modell ab Herbst, über das Nintendo noch nichts verrät. Und da ist das hübsche Geschäft mit dem Zubehör: Eine Ladestation für die Joy-Con-Controller wurde bereits bestätigt, genauso der Pro Controller. Der sieht wie ein normales Gamepad aus. So eines möchte vermutlich jeder haben, der ernsthaft spielen will.

Ladestation für Controller. Braucht ihr sicher auch. (Foto: Nintendo)
Ladestation für Controller. Braucht ihr sicher auch. (Foto: Nintendo)

Lokaler Multiplayer, bei dem sich bis zu acht Switch-Geräte über WIFI miteinander vernetzen können? Ja, alle Freunde sollten sich eben die Konsole kaufen. Alternativ werden weitere Joy-Con-Controller benötigt, die ganz sicher nicht günstig werden.

Spielmodule als Datenträger. Ich weiß nicht so recht. Steigen damit nicht auch die Produktionskosten für diese und damit die Preise für die Games? Das muss sich zeigen. Vermutlich wird Switch den Fokus auf Downloads setzen. Nur dann sind die verbauten 32GB schlicht lächerlich. Dank Speicherkartenslot kann dieser um maximal 128GB erweitert werden, was in Anbetracht heutiger Größen für Blockbuster-Titel extrem knapp bemessen ist. So oder so: Rechnet mit reichlich Zusatzkosten. Der Fairness halber: Das ist bei der Konkurrenz nicht anders.

Große Spiele?

Ehrlich gesagt schockte mich der Trailer von „Super Mario Odyssey“ ziemlich. Ich musste unweigerlich an „Sonic Adventure“ von der Dreamcast denken, das Szenario ist irgendwie…ich habe keine Ahnung. Und ich bin wirklich ein riesiger (!) Mario-Fan. Auch die anderen Ankündigungen reizen mich zum Großteil gar nicht. „1-2 Switch“ mag als Minispiele-Sammlung für den Anfang ganz nett sein, „Zelda: Breath of the Wild“ wird gewiss ein starkes Abenteuer. Aber das kommt auch auf die alte Wii U.  „Super Bomberman R“ fänd ich verlockend, aber wie viele Controller brauche ich für eine lustige Party mit Kumpels? Was kostet mich das im Endeffekt?

Bis zum Launch in sechs Wochen hoffe ich noch auf etliche Ankündigungen. Sonst kann ich mir ja Zeit mit dem Kauf der Konsole lassen. Oder mir das Geld sparen. Das weiß ich noch nicht. Ein Blick aufs bisherige Lineup lässt mich nicht in Begeisterung verfallen.

Ein paar Jahre hinterher?

Ich bin der Auffassung, dass Nintendo mit der Switch potentiell ein heißes Eisen im Feuer hat. Cloudgaming, Streaming, Ultra-Mobilität sind Aspekte, die die Japaner nutzen könnten. Tja. Könnten. Und dann lese ich: „Am linken Joy-Con etwa befindet sich ein Aufnahmeknopf, der es den Spielern ganz einfach ermöglicht, Screenshots beim Spielen zu machen, die sie dann über die sozialen Netzwerke mit ihren Freunden teilen können..“ Oh, wow. Auf anderen Konsolen streame ich Spiele live, hier darf ich ein Bild bei Facebook posten. Ist die Hardware nicht potent genug oder mit ausreichend Arbeitsspeicher versehen, um auch Videos zu versenden? Aber Hauptsache, NFC für die Amiibos fehlt nicht. Mit denen kann man schließlich für klingelnde Kassen sorgen.

Während Sony und Microsoft intensiv nach vorne schauen und 4K sowie VR als Thema auserkoren haben, hängt Nintendo irgendwo fest. Im Jahr 2010 vielleicht? Nicht falsch verstehen: Es muss nicht Highend sein, um hervorragend zu unterhalten. Nur da sind die eingangs erwähnten Ansprüche und Vorstellungen davon, wie etwas im Jahr 2017 zu funktionieren hat. Hangelt ihr euch noch gerne durch die Menüs der Wii, der Wii U, des 3DS? Zeiten ändern sich – und auch hier muss Nintendo zeigen, dass man in die Zukunft blicken kann.

Ich hoffe sehr, dass ich meine Skepsis noch ablegen werde – in ein paar Tagen werde ich Switch live ausprobieren. Mal gucken, ob mich danach die hier genannten Punkte noch immer stören oder ich plötzlich total angetan bin. Ich lasse mich gerne überzeugen. Dafür muss Nintendo auch was tun. Blind kaufe ich längst nichts mehr für über 300 Euro. Dafür bin ich dann doch etwas zu alt…

Was haltet ihr von Nintendo Switch? Erzählt doch mal…

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Nintendo Switch: Fünf Dinge, die mich jetzt schon an der Konsole nerven
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Sorry, Leute. Irgendjemand muss ja der Spielverderver sein. Aber mich kickt Nintendo Switch überhaupt nicht. Ein paar Gründe gefällig? Bitteschön.
Sven Wernicke
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3 Kommentare

  1. Hach, endlich mal ein klarere Blick auf die Dinge. Bisher stand ich mit meiner Meinung relativ alleine da, dass mich die Switch so gar nicht interessiert. Open World Zelda? Nö. Unterwegs zocken? Gerne, aber halt nicht die Spiele, die ich zuhause auf dem großen Bildschirm zocke, sondern angepasste Unterwegs-Unterhaltung auf 3DS und Co.. Minispiele und schon wieder unendlich Plastik zum Kaufen, stecken und lagern? Bitte nicht! Die Technik interessiert mich dabei weniger, auch kaufe ich Nintendo Produkte traditionell nicht, um FIFA oder CoD zu Zocken, sondern wegen der unumgänglichen Eigenproduktionen, die nunmal den Nintendo Charme ausmachen. Auch das vielumjubelte Design der Switch kann mich so gar nicht überzeugen, wirkt auf mich eher altbacken, und an den Namen kann ich mich nun gar nicht gewöhnen. Mir graut es schon vor all den Muttis in den nächsten Jahren, die „so ’ne Schwitsch“ bei uns kaufen wollen. Ich gönnen Nintendo den Erfolg und den Hype, werde aber seit Jahren das erste mal nicht am ersten Tag zugreifen, sondern erstmal abwarten, was da so in sachen Spiele, Preisgestaltung und vor allem Onlinegedöns passiert. Insgesamt bin ich aber auch der Meinung, dass Nintendo ein paar Jahre hinterherhinkt und vieles einfach nur noch sperrig, statt spaßig wirkt. Ich bin mit meiner WiiU noch lange nicht durch und habe mir auch erst vor 2 Jahren eine PS4 geholt, die mich endlich mal wieder zum Zocken gebracht hat und auf der ich Spielekonzepte erleben durfte und darf, die ich als Nintendokind jahrelang verpasst habe. Beides hat seine Daseinsberechtigung, aber reicht mir für 2017 wahrscheinlich aus. Ich liebäugel mit VR, falls sich da am Preis mal was tut :-D
    Glückwunsch übrigens zum neuen Seelengefährten, ich bin noch nicht ganz so weit, aber mittlerweile auch wieder auf der Suche. Auch wenn es sich noch komisch anfühlt, möchte ich einem neuen Tier ein Zuhause geben.

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    • Sven am

      Hey Jasmin!

      Danke für deinen Kommentar. Und schön, dass du das ähnlich siehst. Ich selbst hatte ehrlich gesagt schon seit der Wii nicht mehr ganz so viel Spaß mit Nintendo-Konsolen, zumindest den stationären. NDS und 3DS mag ich sehr gerne, aber Wii und Wii U? Da gab es für mich einfach zu wenig. Oder ich rutsche langsam aus der Zielgruppe raus?
      Dagegen bin ich mit meiner PS4 aktuell sehr glücklich. PlayStationVR konnte ich schon sehr ausgiebig testen. Schöne Spielerei, keine Frage. Wäre auch die Alternative: PSVR statt Nintendo Switch? Ist ja grob gesagt ähnlich teuer. :)

      Was den Seelengefährten betrifft: Danke. Aber du kannst mir glauben…man hat nie das Gefühl, bereit zu sein. Ich hätte im Grunde auch noch viel länger gewartet, aber wie es der Zufall so will. Sieh einen neuen Gefährten nicht als Ersatz, sondern als weiteren Begleiter für die kommenden Jahre. Und zögere nicht zu lange. Da wartet sicher irgendwo ein dankbares Tierchen darauf, von dir nach Hause geholt zu werden. ;)

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  2. Hans am

    Danke, man muss wirklich lange im Netz suchen um jemand zu finden der die rosarote Switch Brille nicht auf hat.

    Für mich ist das ganze einfach ein billiger Shield Tablet abklatsch mit eigenen Controllern.

    Nvidia schon vor mehr als 1,5 Jahren genau das gemacht was Nintendo heute macht.
    Leider hat damals Nvdia auch das Spiele Lineup gefehlt. Das könnte Nintendo noch besser machen. Aber alles andere war schon da.

    Ich mag Nintendo, aber ich hasse es wenn was einfach nur kopiert wird und man dann ganz dick zur Kasse gebeten wird.

    Für das Shield K1 habe ich 199 Euro bezahlt + 40 Euro der Controller (dieser ist aber nicht zwingend, und kann einfach nebenher per Kabel aufgeladen werden)

    Ladegerät hatte ich schon.

    HDMI Anschluss hat das K1 auch (Laut Nintendo isses somit auch eine Heimkonsole?!)

    Direkter Anschluss an den TV möglich. (kein Station nötig)

    Man kann die Spiele von Nvidia spielen oder Android games, die ein Bruchteil dessen kosten was Nintendo verlangt. (Qualität von Nintendo Games sind natürlich vel besser, aber keine 60 -70 Euro)

    Ich könnte hier noch mehr Punkte aufzählen, die zeigen inwieweit Nvidia das schon vor 2 Jahren alles richtig gemacht hat. Wenn Nintendo schon kopiert und ein paar Controller dran heftet, warum kopieren sie dann nicht gleich richtig?
    Innovation seitens Nintendo? Naja.

    Auch Seitens der Hardware hat Nvidia (zu diesem Zeitpunkt) schon viel besser abgeliefert

    Nvidia hatte übrigens schon Pläne von einem X1 Tablet, wurden aber auf mysteriöse Weise im Januar letztes Jahr eingestellt:
    https://www.computerbase.de/2015-11/shield-tablet-x1-daten-und-benchmarks-zum-k1-nachfolger/

    Nvidia hat einfach nicht so riesengroß die Werbetrommel gerührt. Die haben einfach Fakten sprechen lassen und die waren zu Shield Tablet Zeiten echt das Non plus ultra im 8″ Tablet Bereich.
    Leider hat sich das nie so durchgesetzt.
    Der Support von Nvidia ist nicht zu verachten. Die Shield Konsole hat die Android Version 6 bekommen und hat auch ein Supportforum wo man sich hinwenden kann, wenn der Schuh drückt.

    Ich hab jetzt erstmal WiiU und Nintendo 3Ds verkauft und mir sehr günsigt be IMedia Markt einen 2ds zugelegt. Komischerweise wurden da gerade alle Systeme reduziert. Es heißt ja 3ds/2ds bleiben neben der Switch bestehen.
    Sehe ich allerdings nicht so, entweder oder. 2 Handhelds braucht man nicht.

    Auch wenn es so klingt, ich bin kein Nvidia Fanboy… ich schaue nur links und rechts am Wegesrand und warte nicht bis ich automatisch von den großen Konsolenherstellern was vor die Füße geworfen bekomme.

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  1. 26. Januar 2017 at 9:01