Nintendo Switch mit Handicap

Wie behindertengerecht ist die Konsole?

29. Januar 2017 • 13:37 Uhr

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Auf dem Weg zum Switch-Event. (Foto: Pascal Dupré)

Am 24. Januar 2017 lud Nintendo zum Switch-Event nach Berlin ein. Für mich ging es nicht nur um Spaß. Der Auftrag lautete: Wie behindertengerecht ist die neue Konsole?

Nach einer problemlosen Anreise, einer kleinen Wartezeit und der kurzzeitigen (aber glücklicherweise unbegründeten) Sorge darüber, ob die Location etwas zu eng für Rollstuhlfahrer sein könnte, ging es nach einer etwas chaotischen Anmeldung los. Auf zahlreichen Anspielstationen konnte ich die Switch und etliche Spiele für die Konsole ausprobieren.

Die schicke Location in Berlin. (Foto: Pascal Dupré)
Die schicke Location in Berlin. (Foto: Pascal Dupré)

Snipperclips

Das erste Game stand direkt am Eingang der Halle vom Berliner Motorwerk, das übrigens deutlich größer ausfiel als es von außen schien, und hieß „Snipperclips“. Als „kreativen, neuartigen Action-Puzzler“ beschreibt Nintendo diesen Titel, den ihr ausschließlich zu zweit spielen kann. Also setzte ich mich mit meiner Begleitung an den Tisch und legte los. Wir bekamen beide einen Joy-Con in die Hand gedrückt und starteten das Tutorial. Nun wurde es auch das erste Mal interessant für mich. Kann ich die Switch überhaupt bedienen?  Zum kurzen Verständnis: Ich besitze keine Finger. Sie sind zusammengewachsen, mir stehen zum Zocken nur zwei Fäuste zur Verfügung. Somit gibt‘s beispielsweise oft Probleme, die Schultertasten zu benutzen. Gerade bei Xbox oder PlayStation.

Ein amüsantes Spiel. (Foto: Pascal Dupré)
Ein amüsantes Spiel. (Foto: Pascal Dupré)

Zurück zum Joy-Con und dem Spiel. Der erste Eindruck des Controllers war: „Gott ist der klein und leicht!“ Das Ding ist eigentlich zu winzig für meine Pranken, der Analogstick und die Tasten sind einfach zu nah beieinander platziert. Doch ich bin bekannt dafür, eine Lösung zu finden. Geht nicht? Gibt’s (erstmal) nicht! So legte ich den Controller etwas schräg und veränderte die Position meiner Hände. Und siehe da – es funktionierte. Ich konnte endlich meinen Papierschnipsel im Spiel steuern. Was für ein Erfolgserlebnis!

Bei „Snipperclips“ steuert jeder Teilnehmer eine Papierfigur. Durch das Hin- und Herlaufen begibt sich jeder in Umrisse, die gefüllt werden müssen. Für einige Rätsel müsst ihr euch drehen. Das geschieht durch die Schultertasten, welche durch einen Art Adapter an den Joy-Con gelangen. Ohne Probleme kann ich diese betätigen, da ich genug Zeit habe, diese zu drücken. Alles ohne Hast.  Ich hatte sehr viel Freude mit dem Game. Wenn ihr zu Hause genügend Ruhe habt, um euch hinein zu fuchsen und euch nicht ständig über die Schulter geguckt wird, ist das sicherlich ein schöner Knobel-Titel.

1-2 Switch

Dies ist eine Minispiele-Sammlung, die zeigen soll, was die Joy-Cons und die Switch alles können. Gezockt wird ausschließlich zu zweit. Im Grunde könnt ihr sogar überall spielen, da ihr den Bildschirm häufig nicht braucht. Nintendo behauptet: „Jeder kann 1-2 Switch spielen!“. So steht es auf der offiziellen Webseite. Kleiner Spoiler: Das stimmt so nicht.

Nicht alle Spiele sind geeignet. (Foto: Pascal Dupré)
Nicht alle Spiele sind geeignet. (Foto: Pascal Dupré)

Einige Minispiele testete ich, zum Beispiel „Revolverhelden“. Wie beim High Noon Showdown steht ihr eurem Freund gegenüber. Ihr schaut euch tief in die Augen. Eine Stimme sagt „Achtung! Fertig! … FEUER!“ Die Joy-Cons werden wie eine Pistole neben eurem Köper gehalten. Bei Feuer zielt ihr so schnell wie möglich auf euer Gegenüber, drückt ab und fertig. Das Ganze machte drei Mal Spaß,  Dann ist aber auch gut! Ich konnte es steuerungsmäßig spielen. Auch wenn der Rollstuhl etwas im Weg war.

Das „Samurai-Training“  klappte dagegen gar nicht, da der Joy-Con in der Hand gehalten werden muss. Das geht bei mir nicht. So viel zum Thema „Jeder kann 1-2 Switch spielen!“…

Hilfe gab es beim Event auch. (Foto: Pascal Dupré)
Hilfe gab es beim Event auch. (Foto: Pascal Dupré)

Mein absolutes Highlight war „Kugelschätzen“, bei dem der HD Rumble richtig gut zum Einsatz kommt. Wie ein kleines Kästchen (so ist es auch auf dem Bildschirm zu sehen) haltet ihr den Joy-Con vor euch. Durch langsames Bewegen fühlt es sich so an, als würden Kugeln im Controller hin und her rollen – und das sehr realistisch. Unfassbar. Durch viel Gefühl müsst ihr erraten, wie viele Kugeln im „Kästchen“ sind. Das war auch nach dem dritten Mal noch launig.

Andere Herausforderungen waren „Tanz mir nach!“ (Quatsch, der weder sinnvoll war, noch Spaß machte), „Wettmelken“ (Wenn man den Dreh raushat, ist die Luft raus), „Safeknacker“ (Hab es nicht geschafft, den Safe zu öffnen), die ich zum Teil bedienen konnte. Ob das auch für die weiteren Minispiele gilt, die die Kollektion noch besitzen soll? „1-2 Switch“ wird momentat für 50 Euro bei Amazon gelistet. Mir persönlich wäre es das nicht wert. Ich wüsste, dass ich es genau zwei Mal zocken würde. Das erste Mal, wenn ich es kaufe. Das zweite Mal, wenn Besuch kommt. Dann wohl nie wieder. Wäre sinnvoller, hätte das Nintendo der Konsole beigelegt. Dann würde ich der Sammlung anders gegenüberstehen.

Spaß zusammen. (Foto: Pascal Dupré)
Spaß zusammen. (Foto: Pascal Dupré)

Arms

Kurz und knapp: Dieses Game konnte ich nicht verwenden. Jeweils in einer Hand muss ein Joy-Con für dieses Boxspiel gehalten werden. Dazu bin ich ja nicht in der Lage.

Mario Kart 8 Deluxe

Bei „Mario Kart 8 Deluxe“ handelt es sich sozusagen um „Mario Kart 8 Definitive Edition“, denn alle DLC-Charaktere und Strecken aus dem Wii U-Titel sind enthalten. Zusätzlich gibt’s neue Figuren wie das Inkling-Mädchen aus „Splatoon“ oder „Bowser Jr.“. Und der Schlachtmodus wurde überarbeitet, welcher nun viel unterhaltsamer ist. Im Tablet-Modus auf der Switch ist er allerdings sehr unübersichtlich geraten. In der sogenannten „Schlau-Steuerung“ soll das Fahren vor allem für Kinder erleichtern. Wie schon auf der Wii U hatte ich meinen Spaß, die Steuerung ist gar kein Problem für mich.

Splatoon 2

„Splatoon“ konnte ich aufgrund der Steuerung leider nicht spielen.

Zelda – Breath to the Wild

Mein Highlight. Es ist so hübsch. Ich habe das Intro gesehen und zirka drei Minuten erlebt.  Nachdem ich bemerkte, dass ich es mit dem Pop Controller und im Tablet-Modus spielen kann, hörte ich wieder auf. Und das, obwohl ich noch viel mehr Zeit hatte. Ich möchte es lieber in Ruhe daheim für mich entdecken. Die wichtigste Frage war mit der Steuerung für mich geklärt. Der Hype ist damit Realität!

Und noch jemanden getroffen.... (Foto: Pascal Dupré)
Und noch jemanden getroffen…. (Foto: Pascal Dupré)

Fazit

Das Event war ziemlich cool. Es gab sogar eine sehr leckere Suppe. Ich bin dankbar, dass ich eingeladen wurde und die Switch unter einem anderen Gesichtspunkt testen konnte. Auch wenn ich nur eine kleine Sparte, also Gaming mit Behinderung, anspreche. Die Joy-Con-Controller sind sehr stylisch. In Neon Rot und Blau wirken sie ein bisschen cooler. Allerdings sind sie meiner Meinung nach nicht für große Hände geeignet. Beim Tablet-Modus sind sie wiederum gut nutzbar. Es macht Spaß, auf Ihnen rumzudrücken. Das Abziehen am Tablet oder am „Hunde Controller“ geht sehr leicht. Das bekam sogar ich hin. Die Aufladehalterung (Hunde Controller) an sich gefiel mir allerdings nicht wirklich. Dagegen überzeugte mich der neue Pro Controller, obwohl ihr ihn für 70 Euro extra dazukaufen müsst. Die Taler ist er meiner Meinung nach wert. Der Switch Effekt vom Fernseher auf das Tablet klappt hervorragend und sehr schnell. Also eben mal auf der Toilette weiter zocken – das ist kein Problem. Ich war wirklich erstaunt, wie flüssig das Ganze ging. Fernseher – Tablet. Tablet – Fernseher. WOW!

Mit 320 Euro ist die Switch nicht ganz billig. Dazu noch eins, zwei Games, den Pro Controller und was man für wichtig hält. Dann ist man schnell mal bei 500 Euro angelangt. Trotzdem: Ich kann mir durchaus vorstellen, abends im Bett im Tablet-Modus noch „Zelda“ zu zocken und tagsüber auf dem großen Fernseher zu spielen.  „Zelda“ und „Snipperclips“ haben mich neben „Super Bomberman R“ auf der Switch überzeugt. Die Switch gefällt mir sehr. Und ich freue mich auf diese neue Konsole.

Zu hoffen bleibt, dass weitere Titel folgen, die mich genauso flashen wie „Zelda“ und die ich auch steuern kann. Nicht, dass sie nach einem Jahr einstaubt wie die WiiU.

Vielen Dank an Pascal Dupré für den Gastbeitrag. <3 Pascal ist ein fleißiger Podcaster, auf seiner Webseite findet ihr sein „Kleines Gespräch“. Erreichbar ist er auch via Twitter und Facebook.

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Am 24. Januar 2017 lud Nintendo zum Switch-Event nach Berlin ein. Für mich ging es nicht nur um Spaß. Der Auftrag lautete: Wie behindertengerecht ist die neue Konsole?
Sven Wernicke
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