Nvidia Shield

Streaming-Konsole jetzt erhältlich! Aber ihr braucht sie nicht!

1. Oktober 2015 • 0:11 Uhr

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Ein teures Vergnügen. (Foto: Nvidia)

Ohne große Ankündigung veröffentlicht Nvidia die hauseigene Shield-Konsole jetzt in Europa. Ab dem 1. Oktober 2015 ist sie hierzulande erhältlich. Lohnt sich das Gerät?

In den USA wird Nvidia Shield bereits verkauft, in hiesige Gefilde schafft es der Multimedia-Alleskönner nun pünktlich zum Weihnachtsgeschäft. Dass der Hersteller die Presse erst einen Tag vor Launch informiert – nunja. Doch sowieso stellt sich die Frage: Wer braucht eigentlich diesen stationären Player?

Leistungsstark und teuer

Nvidia sieht Shield als einzige Smart-TV-Konsole, die Ultra-HD-Inhalte bei 60 Bildern pro Sekunde streamen kann. Möglich wird dies durch den leistungsstarken Tegra X1-Prozessor, dem eine 256-Kern-Maxwell-GPU zur Verfügung steht. Bezogen auf die Performance dürfte man damit PlayStation 3 und Xbox 360 übertrumpfen. 3GB RAM, 7.1 Surround-Sound, mindestens 16GB Flash-Speicher, 802.11 ac 2×2 MIMO WIFI, Bluetooth 4.1/BLE, Gigabit Ethernet, HDMI 2.0-Ausgang, zwei USB 3.0-Ports, zwei micro-USB 2.0-Anschlüsse, ein microSD-Kartenslot (maximal 128GB) und ein Infrarot-Empfänger besitzt die Konsole ebenfalls.

Futuristischer Stil. (Foto: Nvidia)
Futuristischer Stil. (Foto: Nvidia)

Das hört sich reizvoll an, vor allem weil der Tegra X1 der wohl leistungsstärkste Prozessor für die Android-Plattformen sein dürfte. Nividia verwendet Googles Android TV-Betriebssystem, das für die Verwendung mit HDTVs ausgelegt ist. Schön und gut, aber teuer ist Shield trotzdem: Die 16GB-Fassung kostet 199,99 Euro (UVP), die Shield Pro-Variante mit 500GB-Festplatte sogar 299,99 Euro. Im Preis inbegriffen ist ein Controller, nicht aber eine Fernbedienung. Die liegt bei 54,99 Euro (UVP). Ein Standfuß ist für 34,99 Euro erhältlich. Benötigt ihr ein zweite Gamepad, legt ihr noch einmal 59,99 Euro (UVP) auf die Ladentheke.

Echt jetzt?

Machen wir uns nichts vor: Bei der Shield Pro sind wir preislich schon in Regionen angelangt, in denen ihr zumindest bei Angeboten bereit eine PlayStation 4 oder Xbox One erhaltet. Und die sind fürs Gaming auch aufgrund der Performance dann doch sehr viel besser geeignet. Die 16GB-Shield konkurriert mit Xbox 360 und PS3 – beide betagte Konsolen verfügen über ein extrem reichhaltiges Spieleangebot. Wo ist also der Kick?

Nvidia Shield kann natürlich bei 4K-Streaming punkten, was bisher kaum ein anderes Gerät schafft, abgesehen von der zweiten Generation des Fire TV oder China-Exoten wie den von mir getesteten Beelink i68 bzw. der Xiaomi Mi TV-Box. Die kosten als Import übrigens deutlich unter 100 Euro, wenn euch dies wichtig ist.

Künstliche Mehrwerte?

Wie sieht es dann mit GeForce Now (ehemals Nvidia GRID) aus? Durch Nvidias Angebot seid ihr in der Lage, aktuelle PC-Spiele aus dem Netz auf die Konsole zu streamen. Cloudgaming setzt entsprechende Internet-Bandbreiten voraus – 10 MBit für 720p- bzw. 30 MBit für 1080p- Auflösung. Bedenken solltet ihr: Um in den Genuss der aktuell über 50 PC-Spiele als Stream zu kommen, werden monatlich 9,99 Euro fällig, die ersten drei Monate sind für Shield-Käufer immerhin gratis.

PC-Spiele als Stream. (Foto: Nvidia)
PC-Spiele als Stream. (Foto: Nvidia)

Mit GameStream dürft ihr von eurem aktuellen Gamingrechner mit moderner GeForce-Grafikkarte über 200 PC-Spiele zu Shield streamen – innerhalb des heimischen Netzwerkes. Besitzt ihr einen PC mit AMD-GPU, klappt das schon einmal nicht. Und die Shield-optimierten Android-Spiele, speziell die vermeintlichen Exklusiv-Entwicklungen, gibt’s teils schon sehr lange für PC, Xbox 360, PS3, PS4 und/oder Xbox One. Diese „Exklusivität“ bezieht sich auf die Android-Plattform – mehr nicht.

Netflix, YouTube, Magine, Zatoo, BBC iPlayer, Sky News, Zattoo, my TF1, France TV, STV Play und Sport1 erhaltet ihr als Apps – auch das ist jetzt nicht die sensationelle Überraschung. Die meisten dieser Anbieter werdet ihr hierzulande nicht benutzen. Und wenn doch – die Dienste bieten zum Teil auch die konkurrierenden Konsolen oder Fire TV und Co. an. Sprachsteuerung via Google Voice und Chromecast-Support sind wiederum nützliche Funktionen, aber keine Besonderheiten von Shield, sondern typische Android TV-Elemente.

Rundumsorglospaket

Nicht, dass ihr mich falsch versteht: An und für sich ist Nvidia Shield ein stimmiges Gesamtpaket. Ihr erhaltet eine aufs Streaming ausgelegte Konsole, die sicher bei einer schnellen Internetverbindung und einem 4K-fähigen Fernseher ihre Trümpfe ausspielen kann. Dank Android TV ist für zahlreiche Apps gesorgt, Nvidia steuert GeForce Now, GameStream und ein paar Tegra X1-optimierte Games bei. Dennoch: Was soll Shield TV eigentlich sein? Eine Spielkonsole? Ein Mediaplayer? Abgesehen von 4K kann mir das auch eine angestaubte PlayStation 3 bieten, die sogar noch deutlich billiger ist als eine Shield Pro. Die konkurriert preislich schon mit der PlayStation 4.

Der sicherlich beste Android TV-Player der Gegenwart. (Foto: Nvidia)
Der sicherlich beste Android TV-Player der Gegenwart. (Foto: Nvidia)

In meinen Augen ist Shield ein gewiss spannendes Produkt. Nur besitzt ihr bereits eine (halbwegs) aktuelle Konsole und/oder so etwas wie Fire TV – wieso dann über die Anschaffung dieses Players nachdenken? Außerdem ist das Angebot an 4K-Inhalten nach wie vor sehr überschaubar….

Seht ihr das anders? Schreibt es gerne in den Kommentarbereich. Ich bin gespannt auf eure Meinung.

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2 Kommentare

  1. Raphael am

    Nun, für Emulatoren (ich besitze z.B keinen starken PC) würde sich die Konsole lohnen.
    Natürlich kann das Fire TV das auch und PsOne läuft zum Beispiel großartig darauf, aber bei der N64 emulation macht es schlapp ;)
    Und bei YouTube findet man noch Videos zu anderen Emulatoren(Dreamcast, GameCube usw.), welche gut auf dem Shild laufen.

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    • Sven am

      Ja, stimmt. Für Emulatoren. Damit würden wir uns in der rechtlichen Grauzone bewegen. :-) Abgesehen davon ist das natürlich richtig: Da ist der X1 ein großartiger Prozessor, wenn die Emulatoren diesen ausnutzen können. Wenn du wirklich viele Emulatoren für Android nutzen willst, ist das für Shield freilich ein Kaufargument.

      Nur mal ehrlich: Wie alt ist denn dein PC, dass er N64 nicht emulieren könnte? Der X1 ist technisch auf der Höhe vielleicht 7-8 Jahre alter Desktop-Prozessoren und eigentlich mal für den mobilen Einsatz gedacht gewesen. Er wird ja beispielsweise im Pixel C-Tablet verbaut, das Google kürzlich ankündigte.

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  1. 27. Juli 2016 at 0:07