Orbotix Ollie

So gut wie der Sphero? Der ferngesteuerte Roboter im Praxistest!

6. Dezember 2014 • 13:32 Uhr

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Im Dunkeln. (Foto: GamingGadgets.de)

Ollie ist ein kleiner Roboter von den Sphero-Machern. Er sieht auf den ersten Blick lustig aus und ermöglicht allerlei Stunts. Doch taugt das Vehikel etwas? Der Praxistest.

Vorfreude und Ernüchterung

Vor etwa sechs Monaten testete ich den Sphero 2.0 und fand ihn recht witzig. Selbst heute lasse ich ihn manchmal noch durch die Gegend rollen – die Statistik zeigt eine Strecke von fast 15 Kilometern an, die er bereits zurückgelegt hat. Inzwischen veröffentlichte der Hersteller Orbotix den Ollie. Der ist kein Nachfolger, sondern erweitert die Produktpalette. Schon bei den ersten Berichten war ich Feuer und Flamme. Das Konzept mit den Rädern fand ich sehr toll und die Teaservideos versprachen eine Menge Spaß. Als Sven mir anbot auch den Ollie zu testen, freute ich mich sehr und konnte es kaum erwarten, ihn aus der Verpackung zu befreien und die Straßen unsicher zu machen.

Viel ist es nicht... (Foto: GamingGadgets.de)
Viel ist es nicht… (Foto: GamingGadgets.de)

Und damit ließ meine Begeisterung erst einmal nach. Beim Sphero kann man die Schachtel als innovativ bezeichnen. Alles wirkt aus einem Guss und perfekt aufeinander abgestimmt. Die Verpackung des Ollie ist leider etwas hakelig. Sehr viel Platz und recht wenig Inhalt sowie die durchsichtige Hülle lassen ihn mehr als Spielzeug erscheinen. Enthalten sind der Ollie, jeweils ein Paar Seitenteile und Räder, eine winzige Anleitung und ein blaues Micro-USB-Kabel zum Aufladen – ein Netzteil gibt es nicht. Zuerst müsst ihr ihn zusammenbauen, was schnell erledigt ist. Dazu werden die beiden Seitenteile angesteckt und die Gummiräder aufgezogen. Zum Individualisieren gibt es beides in verschiedenen Farben und Ausführungen.

Zum Vergleich: links Sphero 2.0, rechts Ollie. (Foto: GamingGadgets.de)
Zum Vergleich: links Sphero 2.0, rechts Ollie. (Foto: GamingGadgets.de)

Der erste Eindruck lässt den Ollie billig wirken. Ich hatte anfänglich ein wenig Angst, dass mir die Plastikzungen der Seitenteile abbrechen. Was mir sehr unangenehm auffiel: Der Micro-USB-Port ist nicht geschützt. In den Werbevideos wird er gerne als Offroad-Spielzeug gezeigt, aber eine Abdeckung aus Gummi wäre sinnvoll gewesen, damit kein Schmutz in die Elektronik gerät. Wasserdicht ist der Ollie leider nicht, selbst durch Pfützen würde ich nicht mit ihm fahren wollen.

Steuerung mit dem Smartphone

Bevor ihr die Straße erobern dürft, müsst ihr die offizielle App (erfordert mindestens iOS 7 oder Android 4.4)  herunterladen. Bisher ist bedauerlicherweise auch nur eine erhältlich – im Vergleich zu den über 30 für den Sphero. Das Koppeln zwischen iPhone und Ollie ist wesentlich besser gelöst als beim Sphero. App starten, mit dem Telefon kurz den Ollie berühren und schon werden die Geräte verbunden. Ihr erhaltet eine kleine Einführung in die Steuerung, erste Tricks erklärt euch die Software. Und schon könnt ihr losdüsen. Das klappt sehr gut und bereitet im ersten Moment wirklich Spaß. Die 23km/h, die der Ollie laut offiziellen Angaben erreichen kann, machen sich schnell (!) bemerkbar. Auch die Kontrolle ist gut gelöst. Auf der einen Seite des Bildschirms seht ihr einen Joystick, die andere Hälfte ist für das Trickpad reserviert, auf dem ihr mit Wischbewegungen Tricks ausführt. Wischt ihr zum Beispiel während der Fahrt nach oben, dreht sich der Ollie um 180° und fährt rückwärts weiter. Ein Wisch von der Mitte nach links oder rechts lässt ihn kurz oder lang auf der Stelle hüpfen. Es existieren weitere Manöver; die eingebaute Hilfe erklärt sie nachvollziehbar.

Orbotix gibt eine maximale Reichweite von 30 Metern an, die habe ich allerdings selten erreicht. Gerade auf holprigem Gelände wurde die Verbindung zum iPhone zwischendurch unterbrochen. Dann reicht es aber, dem blinkenden Roboter  entgegen zu gehen, nach kurzer Zeit wird sie automatisch wiederhergestellt – das gefällt mir sehr gut.

Alles in allem erhaltet ihr ein gutes Fahrgefühl, doch… der Funke will nicht überspringen. Nach einer halben Stunde langweilt mich der zylindrische Roboter bereits. Das war beim Sphero anders. Das mag komisch klingen, aber zu dem baut ihr fast eine Beziehung auf. Das liegt sicherlich auch an den Apps, die durch hüpfende Animationen und quietschende Geräusche suggerieren, dass der Sphero lebt. Auch das Rollenspiel, über das ich im Test schrieb, vermittelt dieses Gefühl. Man möchte dem kleinen Ball helfen, seinen Planeten zurück zu erobern und ihm neue Tricks beibringen. Der Ollie fühlt sich bloß wie ein ferngesteuertes Auto an, mit dem ihr Tricks starten könnt, wenn ihr wollt. Das allerdings funktioniert wirklich gut.

Fazit: Durchschnittliches Spielzeug mit Potenzial

Der Wow-Effekt des Sphero fehlt dem Ollie leider etwas. War die leuchtende Kugel außergewöhnlich und mit ihren verschiedenen Apps vielseitig, wirkt er wie ein einfaches Spielzeug ohne Mehrwert. Das mag sich in Zukunft ändern, wenn – hoffentlich – weitere Apps erscheinen. Ein Hingucker ist er allemal. Kleinere Designfehler wie der ungeschützte USB-Port schmälern den Eindruck etwas, da hätte Orbotix wirklich dran denken müssen.

Trotzdem ist der Ollie ein witziges Gadget, mit dem vor allem Kinder ganz bestimmt länger ihre Freude haben. Es ist überaus unterhaltsam, ihn über Wurzeln hüpfen zu lassen oder neue Tricks auszuprobieren. Es gibt preiswertere ferngesteuerte Autos, die ähnliches können, aber Design und die Vorfreude auf weitere Apps (und damit neue Möglichkeiten) rechtfertigen den Preis. Gäbe es bei GamingGadgets eine Wertung, bekäme der Orbotix Ollie 3 von 5 Spheros.

Unter anderem bei Amazon ist der Ollie für deutlich unter 100 Euro erhältlich.

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Über Oliver

Extremsportler, Multimilliardär, Feingeist. All das beschreibt Oliver treffend und kratzt trotzdem nur an der Oberfläche. Mit 3 Jahren hat er einen ausgewachsenen Elefanten, der eine Waisenschule zu überrennen drohte, mit bloßen Händen gestoppt. Im Alter von 13 erfand Oliver eine Nussnougatcreme, die seitdem von der US-Regierung unter Verschluss gehalten wird, weil sie auch als hypereffizienter Raketentreibstoff genutzt werden kann. Zum Ausgleich zu seiner Geheimagententätigkeit schreibt Oliver für GamingGadgets.de.


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