Ouya

Darum ist es zweitrangig, wie schnell die 99 Dollar-Konsole ist...

17. April 2013 • 12:29 Uhr

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Das wird schon. Oder? (Foto: GamingGadgets.de)

Ein wenig fehlt mir das Verständnis für die Meldungen über die Ouya, die bis Ende Mai 2013 an all diejenigen ausgeliefert wird, welche bei Kickstarter Geld für die Produktion der 99 Dollar-Konsole vorschossen. Denn letzten Informationen zufolge befindet sich die kleine Daddelkiste auf Platz 78 der schnellsten mobilen Geräte der Welt. Und damit ganz schön weit hinten.

Die Platzierung stammt von dem Unternehmen Futuremark, das für Smartphones und Tablets eine eigene Benchmark-Software anbietet. In einem Direktvergleich mit anderen Geräten schnitt Ouya mit seinem 1,7GHz schnellen Tegra 3-Quadcore-Prozessor gar nicht gut ab. Typische Mobiletelefone wie das Samsung Galaxy S3 oder  das HTC One XL erreichten deutlich bessere Ergebnisse beim Abspielen einer Grafikdemo. Das Google Nexus 4 ist zumindest bezogen auf Zahlenwerte mehr als doppelt so schnell als Ouya.

Nur wie angedeutet: So recht verstehe ich nicht, was dieser Vergleich soll. Ouya kostet 99 US-Dollar – inklusive Controller und HDMI-Kabel. Ein Smartphone oder Tablet, das vielleicht technisch beeindruckender ausgestattet ist, kostet in der Regel aber mindestens das Doppelte – und dann ist noch nicht einmal ein Gamepad dabei oder sicher, ob ich es problemlos an einen HDTV anschließen kann. Will sagen: Was erwarten wir denn für 99 Dollar – oder 119 Euro, wie Ouya wohl laut Amazon in hiesigen Gefilden kosten wird? Eine Konsole, die das technische Maß aller Dinge darstellt? Das ist doch albern, oder?

Es ist bekannt, dass der Tegra 3 von Nvidia nicht mehr das Maß aller Dinge darstellt, wobei es allerlei Spiele gibt, die die Möglichkeiten des Vierkerners mit seiner GeForce-GPU mehr als ordentlich ausnutzen. Die meisten von ihnen findet man in der TegraZone-App für Android – entsprechendes Smartphone oder Tablet vorausgesetzt. Jedenfalls zeigt die Resultate-Liste von Futuremark ebenfalls: Hardwaremäßig ähnlich geartete Geräte, zum Beispiel das Asus Transformer AiO P1801 oder das HTC One X+ sind flotter, hier steckt also noch Potential in Ouya. Vielleicht kommt noch ein Leistungsschub mit dem Update, das von den Machern versprochen wird. Es soll übrigens noch vor dem offiziellen Release in den Staaten im Juni erscheinen. Ja, Ouya besitzt noch keine finale Betriebssoftware, wodurch sich manche erste Testberichte relativieren. Freilich, auch ich bin skeptisch und warte geduldig auf mein Exemplar – aber im Vorfeld wird der kleine Würfel schon von vielen Ecken verteufelt. Und jetzt dieser Benchmark…

Aber da ist noch ein anderer Punkt: Wir reden letztlich über eine Konsole mit Android. Fast alle für Ouya angebotenen Spiele basieren auf Apps, die es längst bei Google Play für Mobiletelefone und Touchscreen-Rechner gibt und vermutlich sogar auf viel älteren Maschinen laufen. Vielleicht braucht niemand eine exorbitante Leistung für die zahllosen Games aus dem Casual-Segment. Für grafisch opulente Kracher können wir ja noch immer zum PC oder zu einer teureren Konsole  (Xbox 360, PS3, Wii U) greifen, oder? Und schaue ich mir so manche Technikanalysen der Vergangenheit an, ist es ja nicht so, als tauge der Tegra 3 generell gar nichts.

Das Ergebnis von Futuremark. (Foto: Ouya)
Das Ergebnis von Futuremark. (Foto: Ouya)

Der einzige Aspekt, der Ouya letztlich doch nur zu einem freakigen Gerät für Early Adopters und Sammler machen könnte: Schaut doch mal, wie günstig eine Xbox 360 mittlerweile ist. Für 139 Euro bekommt ihr eine Slim mit 4GB. Nicht minder reizvoll, aber weder auf HD noch auf Online-Elemente ausgelegt ist die Wii Mini für 99 Euro. Nintendos und Microsofts Konsolen sind zwar in die Tage gekommen und in keiner Weise offen (Stichwort Rooten bzw. Nutzen von Apps wie Emulatoren etc.), nur das interessiert am Schluss den normalen Gelegenheitsspieler bzw. Einsteiger, der was zum Zocken für die ganze Familie sucht, nicht. Genauso wenig wie die praktische Leistungsfähigkeit. Somit ist diese Benchmark-Krams meiner Auffassung nach nur was für Techniknerds. Für wen hat das sonst einen Nutzen? Für mich zählen die Möglichkeiten einer Konsole  – das beinhaltet in erster Linie das Software-Angebot. Hier muss Ouya erst einmal zeigen, was die Crowdfunding-Hardware zu bieten hat und überhaupt eine Chance auf dem Massenmarkt hat.

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Über Sven

Sven fasziniert seit über 20 Jahren das Spielen in jeder Form. Egal ob Videospiel oder die dazugehörige Konsole - Hauptsache, es blinkt, macht Geräusche und unterhält. Und vor allem sind es Gadgets, die ihn in den Bann gezogen haben. Vom asiatischen Handheld-Klon bis hin zum lebendig anmutenden Roboter - es gibt halt so viele tolle Sachen. Ihr findet den Autor unter anderem auch bei Google+ oder Facebook.


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