Parrot Minidrone Airborne Night

Die fliegende Nachteule im Praxistest

24. Oktober 2015 • 14:11 Uhr

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Ansprechend und etwas unheimlich. (Foto: GamingGadgets.de)

Mit den Minidrones serviert Parrot Interessierten gleich eine ganze Armada an kleinen Robotern. Die neue Airborne Night beispielsweise ist auf Flüge bei schlechteren Lichtverhältnissen spezialisiert. Im Praxistest.

Um euch etwas die Verwirrung zu nehmen: Von der Minidrone Airborne Night gibt’s drei Varianten, genauer „Swat“, „Night Blaze“ und „McClane“. Sie unterscheiden sich nur optisch voneinander, besitzen also ihre individuellen Farben. Technisch sind alle drei Modelle identisch, mir stand zum Testen die Swat zur Verfügung. Mit einem Preis von 129 Euro (UVP) ist das gute Stück nicht gerade günstig, vor allem weil in der ansprechenden Verpackung nicht gerade viel steckt. Ihr erhaltet eine Anleitung, ein USB-Kabel zum Aufladen und mit dem PC verbinden sowie das eigentliche Flugobjekt. Mal ehrlich: Was sollte Parrot noch mitliefern? Gut, ein zweiter Akku, der sonst rund 14 Euro kostet, hätte sicher nicht geschadet. Aber „mehr“ wünscht man sich ja immer…

Viel ist nicht drin. (Foto: GamingGadgets.de)
Viel ist nicht drin. (Foto: GamingGadgets.de)

Abheben!

Was mir an der Airborne Night besonders gefällt: Der Quadrocopter ist quasi selbsterklärend. Ein Blick in die Anleitung ist nicht erforderlich, wenn ihr ein klein wenig Affinität mitbringt. Der Akku lässt sich relativ einfach aus seiner Befestigung einsetzen oder herausnehmen (zum Wechsel zum Beispiel), der USB-Anschluss ist sehr gut erreichbar. Wird die Batterie aufgeladen, leuchtet die LED rot. Und ist sie voll, gibt’s ein grünes Licht. Die kostenlose Freeflight 3-App für iOS, Windows und Android ladet ihr euch aufs Smartphone oder Tablet. Und ist die schicke, wertig anmutende Drohne eingeschaltet, findet die App die Airborne Night bei aktivem Bluetooth sogar selbständig. Schneller geht’s kaum bis zum ersten Start.

Alles gut erreichbar und hochwertig. (Foto: GamingGadgets.de)
Alles gut erreichbar und hochwertig. (Foto: GamingGadgets.de)

Ich muss zugeben, dass ich nicht der allergrößte Fan der Freeflight 3-App bin, speziell was die beiden Steuerkreuze zur Bedienung der Drohne betrifft. Auch andere Optionen gefallen mir nicht ganz so gut, aber: Sobald ihr einige Versuche gewagt und den einen oder anderen Absturz erlebt habt, kommt ihr zurecht. Das hat konkrete Gründe: Auf Knopfdruck dürft ihr einen „Take Off“ initiieren, die Airborne Night übernimmt den Einstieg für euch. Ebenfalls entscheidet ihr euch für eine maximale Flughöhe und könnt bei Bedarf Geschwindigkeit, Neigungswinkel und andere Aspekte anpassen. Feintuning, gewissermaßen. Tippt die gewünschten Funktionen an, schon könnt ihr auch Wendungen oder gar Flips ausführen. Und ja – das klappt überaschend gut und ist sehr unterhaltsam. Von Anfang an.

Konstruktion und Eigenheiten

Was ebenfalls sofort ins Auge fällt: Parrot achtete auf die Verarbeitung. Die Airborne Night sieht nicht nur prima aus, sie hinterlässt auch nicht den Eindruck, als wäre alles aus billigstem Chinaplastik gefertigt. Der Quadrocopter wiegt 54 Gramm und ist mit einem Drei-Achsen-Gyroskop sowie einem Drei-Achsen-Beschleunigungsmesser ausgestattet. Hin und wieder gibt’s aber winzige Probleme nach dem Abheben. Denn bei meinen Versuchen konnte die Airborne Night nicht dauerhaft Ort und Höhe halten, sondern schwenkte selbständig hin und her. Obwohl ich die Steuerung gar nicht verwendete. Das ist glücklicherweise beim eigentlichen Fliegen kein Problem.

Erkälteter Sven übt am Wegesrand. (Foto: GamingGadgets.de)
Erkälteter Sven übt am Wegesrand. (Foto: GamingGadgets.de)

Was mich aber sehr enttäuscht: Die verbaute Kamera hat VGA-Qualität und speichert die JPGs auf den 32MB kleinen Speicher der Drohne. Ein microSD-Kartenslot existiert nicht, was bei der mikrigen Auflösung sowieso nicht schlimm ist. Hier sparte Parrot an der falschen Stelle, zumal nur Fotos direkt nach unten geknipst werden können, also wenn die Airborne Night zum Beispiel direkt über euch fliegt. Tatsächlich überzeugende Resultate bekam ich nicht hin. Und bei angehender Dunkelheit sowieso nicht, denn die erstaunlich hellen LED-Scheinwerfer strahlen ja nach vorne. Sie sind aber perfekt geeignet, um den eigenen Flieger bei trübem Wetter oder nach dem Sonnenuntergang  zu erkennen. Und toll sieht das natürlich im besten Fall auch aus, keine Frage. Dass sich die Flugzeit bei eingeschaltetem Licht dramatisch verkürzt, sollte klar sein. Rechnet mit vier Minuten bei LED und Schutzschild (zusätzliches Gewicht). Das ist echt wenig, gerade weil der Akku 25 Minuten benötigt, bis er wieder voll ist. Sofern ihr ein separat erhältliches Schnellladegerät besitzt. Am Rechner zum Beispiel dauerte es bei mir über eine Stunde. Ein Ersatzakku empfiehlt sich daher immer.

Ein ruhiger Flug. (Foto: GamingGadgets.de)
Ein ruhiger Flug. (Foto: GamingGadgets.de)

Und eines noch: Parrot gibt 18 km/h als Höchstgeschwindigkeit an. Tatsächlich ist die Airborne Night überaus flott. Ich habe dennoch das Gefühl, sie gut unter Kontrolle zu haben, was mir sehr wichtig ist. Dadurch war die Anzahl meiner Abstürze von Anfang an überschaubar, die Lernkurve ist prima. Und das ist mir mehr wert, als ein noch höheres Tempo, das ich eh nicht beherrschen würde.

Fazit: Gut, aber…

Ich bin ein wenig hin- und hergerissen. Die Airborne Night punktet ganz klar bei der Verarbeitung und beim gesamten Konzept. Schnelle Einrichtung, logischer Aufbau, umfangreiche App mit allerlei Justier-Optionen und Hilfen. Hier zeigen sich die Unterschiede zu Billig-Drohnen aus China, die nur einen Bruchteil kosten. Trotzdem empfinde ich den Preis als ein wenig zu hoch. Für 130 Euro erhaltet ihr eine recht unbrauchbare Kamera und eine enorm kurze Flugzeit bei eingeschaltetem Licht. Das ist ernüchternd. Es überwiegt dennoch der sehr positive Eindruck: Einsteiger bekommen eine qualitativ hochwertige Mini-Drohne, die nur darauf wartet, in Betrieb genommen zu werden. Für Stunts und Spaß. Gerade im Dunkeln sieht die Airborne Night verdammt cool aus – unabhängig davon, dass dann die Bedienung deutlich schwieriger wird.

Alles in allem kann ich euch die Airborne Night empfehlen, wenn ihr euch als Gelegenheitspilot seht, hin und wieder etwas herumdüsen wollt und nicht viel Wert auf eine Kamera legt, die ansprechende Aufnahmen hinbekommt. Weil genau das ist hier nicht gegebenen, Videos sind gar nicht möglich. Braucht ihr das eh nicht und verlangt zudem ein Produkt, das vom Hersteller gepflegt wird (zum Beispiel die Freeflight-App), dann seid ihr hier trotz des Preises richtig.

Weitere Details warten bei Parrot, kaufen könnt ihr euch die Airborne Night Drone unter anderem bei Amazon.

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