Shengkai D97

Für 50 Euro in die Luft? Die Billig-Drohne im Praxistest!

8. Dezember 2015 • 8:36 Uhr

Teilen:
Billig, aber... (Foto: GamingGadgets.de)

Ein Quadrocopter, der keine 50 Euro kostet, aber mit einer HD-fähigen Kamera, Live-View und allerlei Sensoren ausgestattet ist? Die Shengkai D97 klingt klasse und besitzt einen sensationellen Preis. Doch das Teil taugt nichts.

Die Shengkai D97 von dem mir nicht bekannten chinesischen Hersteller lockt mit allerlei Funktionen zum Kampfpreis. Eine 2 Megapixel-Kamera kann in über WIFI Videomaterial und Fotos zum Smartphone schicken, zugleich erhaltet ihr eine Echtzeit-Sicht auf euer Mobiltelefon. Gesteuert wird die Drohne über eine Remote, an der Fernbedienung befestigt ihr auf Wunsch euer Handy. 6-Achsen-Gyroskop, kontrollierbare Lichter für Flüge bei schlechten Lichtverhältnissen, Autopilot, 360-Grad-Manöver und ein selbständiger Rückflug auf Knopfdruck werden versprochen. Und ein wenig sieht die Shengkai D97 wie eine Billig-Version der DJI Phantom aus – wenn ihr ein Auge zudrückt. Alles schön und gut, aber die genannten Versprechen auf der Verpackung sind weitgehend gelogen. Doch der Reihe nach.

Viele Versprechen auf der Packung. (Foto: GamingGadgets.de)
Viele Versprechen auf der Packung. (Foto: GamingGadgets.de)

Ausgepackt und zusammengesteckt

Beim ersten Auspacken wisst ihr natürlich noch nicht, was die D97 nicht bietet. Der Ersteindruck ist dezent ernüchternd, aber in Anbetracht des Preises okay. Beim Quadrocopter dominiert das Plastik, die Halterungen zum Schutz der Rotoren werden einfach angesteckt. Keine clevere Idee, fallen sie schon ab, bevor ihr die Drohne benutzt. Praktisch sind die Standfüße, damit die D97 fest auf dem Boden steht bzw. gut landen kann. Und unter der Kamera befindet sich der Akku, der via USB aufgeladen werden kann. Doof: Die Abdeckung lässt sich nur mit Kraftaufwand öffnen. Stets habt ihr das Gefühl, irgendwas könnte abbrechen.

Auspacken. (Foto: GamingGadgets.de)
Auspacken. (Foto: GamingGadgets.de)

Die Fernbedienung wirkt ebenfalls sehr simpel, sie bietet aber die Möglichkeit des Trimmens des Flugobjekts, um so dafür zu sorgen, dass sie in der Luft nicht zu sehr abdriftet. Power-Schalter, zwei Sticks – mehr braucht ihr nicht. Auffällig ist die montierbare Smartphone-Halterung, die kurioserweise sehr wertig ist. Wenigstens was.

Alles in allem bekommt ihr bei der D97 äußerlich betrachtet ein Stück Technik, das dem Preis angemessen ist. Das ist jetzt nicht einmal negativ gemeint – der Gesamteindruck ist in Ordnung, eben weil wir hier nicht über eine 500-Euro-Drohne sprechen.

Beim Aufbauen. (Foto: GamingGadgets.de)
Beim Aufbauen. (Foto: GamingGadgets.de)

Fehler! Überall Fehler!

Akku aufgeladen, Remote mit Batterien gefüttert, jetzt kann’s eigentlich losgehen, oder? Zu sehr solltet ihr euch nicht an der Anleitung orientieren, diese scheint zum Teil eine völlig andere Drohne zu beschreiben. Die Enttäuschung folgt auch ohne Manual, denn von Anfang an ist klar: Hier stimmt was nicht. Auf der Unterseite befinden sich vier LEDs – zwei rote, zwei grüne. Diese symbolisieren normalerweise die Vorder- und Rückseite der D97. Dumm nur, wenn diese falsch angeordnet sind. Doch nicht nur das: Die Bedienung ist leicht verzögert, die Drohne reagiert also verspätet auf eure Eingaben. Das führt zwangsläufig zu Flugfehlern.

Die Kamera lässt sich manuell bewegen. (Foto: GamingGadgets.de)
Die Kamera lässt sich manuell bewegen. (Foto: GamingGadgets.de)

Immerhin klappt das Trimmen, genauso unter iOS die Live-View-Übertragung (Probleme hatte ich mit der Android-App).  Die ist in der Tat sehr cool. Die D97 baut über WIFI eine Netzwerk-Verbindung zu eurem Smartphone auf und überträgt Szenen von der Kamera in Echtzeit zum Display. Was mich überraschte: Ihr bemerkt nahezu keine Latenz, das Element ist also brauchbar. Da die Cam offenbar über keinen eigenen Speicher verfügt, könnt ihr Fotos und Videos nur über die App aufnehmen. Und das natürlich nicht in der versprochenen HD-Qualität. Videos kommen gerade mal auf 720×576 Pixel bei 25 Bildern pro Sekunde und einer dynamischen Bitrate zwischen 400 und 700 kBit/s. Die Ergebnisse sind so abschreckend, dass die Kamera kaum zu irgendwas zu gebrauchen ist. Ich wollte eigentlich ein schönes Video mit ein paar hübschen Landschaften von der Umgebung aufnehmen, aber nach den ersten Ergebnissen hatte ich keine Lust mehr. Schaut selbst…

Die Akkulaufzeit ist mit rund acht Minuten ganz passabel, ferner hält die D97 echt einiges aus. Durch das elastische Plastik verkraftet sie auch mal einen Sturz aus größerer Höhe, was sie zu einer soliden Einsteiger-Drohne macht. Nur Anfänger werden eben mit der Verzögerung, den falsch platzierten LEDs und dem Fehlen von Features verärgert. Wo sind denn die automatischen Rückflug-Modi? Auch am Smartphone kann ich diese nicht auswählen, an der Remote besitzt die vorgesehene Taste keine Eigenschaft. Was die D97 allerdings besitzen dürfte, das ist das Gyroskop. Denn sie hält sich wacker in der Luft, sofern ihr sie richtig getrimmt und stets unter Kontrolle habt.

Ein wuchtiger Controller. (Foto: GamingGadgets.de)
Ein wuchtiger Controller. (Foto: GamingGadgets.de)

Fazit: Billig eben

Wer billig kauft, kauft doppelt. Der Spruch passt perfekt zur Shengkai D97. Denn der Quadrocopter weckt die Lust, sich eine richtige Drohne zulegen zu wollen, die nicht nur Funktionen verspricht, sondern auch etwas taugt. Für den Einstieg und etwas Bastelei mag die D97 geeignet sein, viel zu schnell offenbaren sich die zahlreichen Unzulänglichkeiten. Übrig bleibt eben eine Lowbudget-Maschine, die mit wenig Aufwand viel besser hätte funktionieren können: Eine saubere Steuerung, richtig angeordnete LEDs, eine brauchbare Kamera und eine gute Akkuabdeckung hätten schon sehr viel bewirkt.

Propeller. (Foto: GamingGadgets.de)
Propeller. (Foto: GamingGadgets.de)

Eine Empfehlung möchte ich trotz des Preises nicht aussprechen. Dafür nerven zu viele Makel. Legt lieber noch einmal 50 oder besser 100 Euro drauf, dann seid ihr in einer gänzlich anderen Liga angelangt, mit der ihr auch mehr Freude habt.

Auf Fotos sieht sie tatsächlich edler aus. (Foto: GamingGadgets.de)
Auf Fotos sieht sie tatsächlich edler aus. (Foto: GamingGadgets.de)

Ein Dankeschön geht an den Onlineshop Gearbest, der mir die Shengkai D97 zur Verfügung stellte. Bei diesem Händler könnt ihr die Drohne kostengünstig bestellen.

Teilen:

Kommentar schreiben