Sitecom Wireless PC on TV

PC-Spiele auf den HDTV streamen? Der Praxistest!

18. Juli 2012 • 16:53 Uhr

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Das ist der Sitecom Wireless PC on TV MD-300 (Foto: Sitecom)

Bereits seit einiger Zeit ist der Sitecom Wireless PC on TV MD-300 erhältlich. Mein Interesse war geweckt, als ich die Verpackung betrachtete. Auf dieser bewarb der Hersteller das Gerät damit, dass es in der Lage wäre, Spiele vom PC auf den heimischen Fernseher zu bringen – drahtlos!

Eine reizvolle Angelegenheit, denn viele PC-Gamer kennen das: Der Rechner steht im Arbeitszimmer, während die große Glotze im Wohnzimmer für Freude sorgt. Den Computer können die meisten Leute sicherlich nicht einfach in der Stube aufbauen – ein altbekanntes Problem, was vielleicht auch an der Dame im Haushalt liegt. Der Gedanke, über das heimische WIFI-Netz Inhalte von der Windows-Maschine zum HDTV zu bringen, um so Spiele auf dem Flach-TV zu erleben, ist klasse. Und deshalb musste der MD-300 her. Sitecom stellte mir die LiveSports-Edition zur Verfügung, die passend zur EM 2012 in den Handel kam. Die Ausgabe ist technisch identisch, einzig die Packung ist verändert.

Der MD-300SE (SE für Sport Edition) ist ein sehr wertig wirkendes Gerät, das auf den ersten Blick wie ein Router mit zwei Antennen aussieht. Diesen verbindet ihr via HDMI mit eurem HDTV – und damit habt ihr an sich schon die erste Hürde genommen. Der Rest läuft an sich am Computer ab. Treiber-CD einlegen, Software installieren und den Instruktionen folgen. Nach einem Benchmarktest folgt das Grauen für Einsteiger. Ihr sollt eine WIFI-Verbindung zum MD-300SE aufbauen, ggf. euer WLAN-Passwort (WEP, WPA, WPA2 64/128bit werden unterstützt) eingeben und später noch eine IP-Adresse eintippen, die auf dem Fernseher dargestellt wird. Sorry, aber wer sich nur unzureichend mit aktueller Hardware, WIFI und IPs auskennt, wird auch kaum aus der Schnellstartanleitung schlau. Das ist alles sehr technisiert und kaum für Laien gedacht.

Habt ihr diese Anstrengung erfolgreich hinter euch gebracht, wird es etwas schlimmer. Denn die PC on TV-Software für Windows läuft ausgesprochen unstabil. Ständige Abstürze nach einer gewissen Laufzeit sind lästig und inakzeptabel. Die aktualisierte Software, die ihr auf der Sitecom-Webseite findet, schafft nur wenig Abhilfe. Vor allem dann, wenn ihr Spiele – für die ich den MD-300SE nutzen wollte – startet, kämpft das Streaming-Gerät regelrecht – und verliert den Kampf gegen die Fehlermeldung.

Die SportsEdition ist identisch mit der normalen Version des MD-300. (Foto: Sitecom)
Die SportsEdition ist identisch mit der normalen Version des MD-300. (Foto: Sitecom)

Ursachen sind schnell gefunden: Zum einen belastet die PC on TV-Software den Rechner und das gesamte Netzwerk sehr, besonders wenn ihr in einen Anwendungsmodus schaltet. Ihr könnt wählen, ob ihr beispielsweise Fotos zum TV streamt (problemlos) oder eben Spiele und Videos. Ist diese Option angewählt, beginnen die Probleme – auch bei niedriger gewählten Auflösungen jenseits der theoretisch maximalen 720p. Die Resultate konnte ich auf einem gut ausgestatteten Desktop-Rechner und einem leistungsstarken Gaminglaptop (Asus G73) reproduzieren. Davon ab ist es mehr als anstrengend, wenn ihr bei jedem Start der Streaming-Aktivität des MD-300SE die IP-Adresse eingeben müsst. Von Benutzerkomfort keine Spur. Immerhin könnt ihr IPs fest vergeben, sodass das Tippen später schneller von der Hand geht. Aber ist das eine perfekte Lösung?

Hinzu kommen weitere Schwierigkeiten: Der MD-300SE unterstützt Spiele mit DirectX8 und 9, Games neueren Datums mit DirectX10/11-Eigenschaften starten teilweise gar nicht – zum Beispiel „Crysis 2“. Nutzt ihr dagegen den einen oder anderen älteren Titel und unterstützt euer Router IEEE 802.11n (maximal 300 Mbps), dann ist in der Tat ein vernünftiges und fast(!) lagfreies Spielen möglich – bis zum Absturz der Software am PC. Das ist sehr unbefriedigend und zeigt: Ausgereift ist die Technik für Gamer leider Gottes nicht.

Das Blatt wendet sich zum Positiven, verwendet ihr ein LAN-Kabel. Ein RJ-45 Ethernet-Anschluss ist vorhanden. Nur ehrlich: Dann haben wir wieder das Problem, dass ein Kabel aus dem Wohnzimmer heraus verlegt werden muss. Und genau dies ist nicht immer Sinn der Sache beziehungsweise erwünscht. Aber bei meinen Tests lief die Verbindung viel stabiler und besser. Maus und Tastatur könnt ihr über USB an den MD-300SE anschließen – zum Beispiel schnurlose Geräte. In meinem Fall hatte ich den Wireless-Xbox 360-Controller normal mit dem PC verbunden und konnte diesen problemlos über größere Entfernungen (über 5 Meter) verwenden. Ja, dann macht das Spielen Spaß, nur bei wirklich schnellen Situationen, unter anderem in Shootern oder Action-Adventures, ist die minimale Verzögerung ein Hindernis. Und es bleiben die Probleme mit Spielen, die für DirectX10/11 ausgelegt sind – was mittlerweile viele Titel sind.

Es ist schade, dass Sitecom nicht einmal in den Anleitungen die genauen Bezeichnungen für die separat erhältlichen iOS/Android-Apps nennt. Mit MirrorOp Receiver könnt ihr Maus und Tastatur simulieren – anstrengend, aber es klappt. Und mittels der Photo Sender App bringt ihr Bilder von eurem Smartphone oder Tablet auf den HDTV. Das ist zugegeben eine clevere Angelegenheit und echte Bereicherung. Beiläufig erwähnt: Wieso der MD-300SE als „LiveSports“-Ausgabe angeboten wird, ist mir ein Rätsel. Passende Software für Sport-Übertragungen aus dem Internet liegt dem Paket nicht bei.

Die SportsEdition. (Foto: Sitecom)
Schick sieht das Gerät ja aus. (Foto: Sitecom)

Fazit: Ich habe zu Beginn mehr Zeit mit der Einrichtung des MD-300SE verbracht, als reell zu spielen. Und klappte die Verbindung, brach sie trotz IEEE 802.11n-Netzwerk mit einem aktuellen AVM-Router (Fritzbox) regelmäßig ab – durch einen Absturz der Software am PC. Über LAN relativieren sich die Ärgernisse und reduzieren sie sich auf ein Minimum. Es bleibt aber bei einem mangelhaften Bedienkomfort, ausreichenden Erklärungen und einer allgemein stabilen Software. Was bleibt, das ist ein Gerät mit einem fantastischen Ansatz. Nur ehrlich: Für 150 Euro (Amazon-Preis: 129 Euro) bekommt ihr kein zufriedenstellendes Produkt, also nicht, wenn ihr über WIFI Spiele-Inhalte streamen wollt. Bei Videos, Fotos, älteren (Casual-)Games und von mir aus Dokumenten (PDF, Word, usw.) sieht das übrigens völlig anders aus – da zeigt der MD-300SE seine Stärken und Möglichkeiten. Nur das genügt halt aus Spielersicht nicht.

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