Space Hawk

Das erste SNAPTOY von Ravensburger im Praxistest

19. November 2015 • 14:11 Uhr

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Geht es nach dem altehrwürdigen Spieleverlag Ravensburger, werden sogenannte SNAPTOYS unsere Kinderzimmer erobern. Mit dem Weltraumabenteuer „Space Hawk“ kam vor einigen Wochen der erste Vertreter dieser neuen Produktlinie in den Handel. Allerdings klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander.

Wobei so ein SNAPTOY eigentlich ja eine coole Sache ist: Smartphone ins Spielzeug rein, App starten und los geht der Spaß. Zumindest ist das die grundsätzliche Idee hinter den SNAPTOYS, die alte und neue Spielewelten miteinander verbinden sollen.

Mal ein Gamepad zum Größen-Vergleich. (Foto: GamingGadgets.de)
Mal ein Gamepad zum Größen-Vergleich. (Foto: GamingGadgets.de)

Size matters!

Der erste Eindruck: Was für ein Brocken! Die riesige Spielverpackung passt wohl in keine Einkaufstüte. Und das liegt in erster Linie an dem großen, 43 Zentimeter langen Plastik-Modell der Space Hawk. Abgesehen davon ist der Inhalt ziemlich mau. Drei Würfel und fünf Landkarten bzw. Planetenkarten – das war’s. Die dazugehörige Spiele-App könnt ihr kostenlos im Appstore oder im Google-Playstore herunterladen. Eine kurze Spielanleitung liegt in deutscher und englischer Sprache vor. Wer will, kann sich die Tutorial-Videos in der App ansehen. Um loszulegen, sollte auf euren Smartphones mindestens Android 4.0 oder iOS 7 installiert sein.

Die Plastikhalterungen machen keinen guten Eindruck. (Foto: GamingGadgets.de)
Die Plastikhalterungen machen keinen guten Eindruck. (Foto: GamingGadgets.de)

Bevor ihr anfangt, solltet ihr euch erstmal mit dem Plastikraumschiff auseinandersetzen. Dieses besitzt theoretisch vier Ausbaustufen: einen Flug- Schwebe-, Aktions- und Landemodus. Dazu müsst ihr mit einigem Kraftaufwand das Raumschiff „auseinanderziehen“. Das dürfte gerade für jüngere Kinder fast unmöglich sein. Außerdem hatte ich bei der Sache ein ungutes Gefühl, denn ständig entstand der Eindruck, dass ich etwas abbreche. Die Landebeine flogen beispielsweise regelmäßig durch die Gegend. Glücklicherweise braucht ihr diese Ausbaustufen aber nur in Theorie. In der Praxis könnt ihr euch auf den offenen Schwebemodus verlassen, bei dem das Display und die Kamera eures Smartphones nicht verdeckt sind. Im Prinzip ist sogar das ganze Raumschiff unnötig und ihr benutzt nur euer Smartphone. Mit Modell wirkt das Ganze allerdings cooler.

So sieht das Ganze dann in Aktion aus. (Foto: GamingGadgets.de)
So sieht das Ganze dann in Aktion aus. (Foto: GamingGadgets.de)

Zum Einbau eures Smartphones klappt ihr die Space Hawk in den Schwebemodus und klemmt euer Gerät in den Bauch des Raumschiffs. Dort ist genug Platz und das Smartphone sitzt fest. Obwohl die Halterungen teilweise leicht gepolstert sind, habe ich auch dabei meine Zweifel. Ist das wirklich kratzsicher? Was passiert, wenn das Raumschiff mal auf den Boden fällt? Zwar hat mein Asus den Test sicher überstanden, aber ein Highend-Smartphone würde ich nicht unbedingt mit der Space Hawk nutzen.

Simple Missionen

Kommen wir endlich zum Spiel: Dem Starter-Set liegt das erste Abenteuer „Das dunkle Herz“ bei. Darin sollt ihr mit der Space Hawk und eurer Crew geheimnisvolle Vorgänge in der Galaxis aufklären. Die Missionsstruktur ist dabei immer gleich: kurzes Briefing, Start, im Weltraum Asteroiden ausweichen oder Kristalle aufsammeln, auf Planeten landen und Aufgaben erfüllen. Dazu müsst ihr teilweise unter Zeitdruck kleine Roboter als Feuerlöscher einsetzen oder Gegenstände suchen. Daneben gibt es auch Missionen im All, in denen ihr Wrackteile aufspürt oder sogar gegen Aliens kämpft. Am Ende dürft ihr die gesammelten Kristalle als eine Art Währung einsetzen, um euer Schiff zu reparieren oder mit besseren Waffen oder Schilden auszubauen.

Euer Spielfeld. Würfel und Planeten werden von der App gescannt. (Foto: GamingGadgets.de)
Euer Spielfeld. Würfel und Planeten werden von der App gescannt. (Foto: GamingGadgets.de)

Die Missionen wiederholen sich schnell, der Anspruch ist nicht sehr hoch und die visuelle Darstellung sehr simpel. Mich stört aber noch mehr, dass der vollmundige Werbespruch von Ravensburger, dass bei Space Hawk „die klassische Kinderzimmerumgebung Teil der Spielwelt“ wird, nicht erfüllt wird. Zwar verteilt ihr die einzelnen Planetenkarten in der Wohnung, aber es ist völlig egal, wo und wie weit sie entfernt liegen. Die App misst nämlich nicht die Entfernung. Deshalb könnt ihr einfach auf der Stelle stehenbleiben und den Anweisungen folgen. Ein Raum und Geschwindigkeitsgefühl entsteht so nie.

Hörspiel statt Action

So schön, wie Ravensburger das Spiel präsentiert, ist es nicht. Stattdessen entpuppt sich das Geschehen recht schnell als Hörspiel. „Auf mein Kommando ausweichen in 3,2,1…“ heißt es dann oder „Kristalle rechts!“. Wenn ihr rechtzeitig in die entsprechende Richtung lenkt, habt ihr die Aufgabe erfüllt. Animationen? Fehlanzeige. Grundsätzlich spielt sich wenig auf dem Bildschirm ab. Da vermisse ich bei einem Weltraum-Abenteuer doch sehr die Action, und dadurch müsst ihr doch viel Geduld mitbringen.

Richtig ärgerlich wird es aber erst, wenn ihr im Weltraum nach Wrackteilen sucht. Unverständlicherweise hat die hochgerüstete Space Hawk kein Navigationssystem. Und so fuchtelt ihr wild mit dem Raumschiff in der Gegend herum, bis ihr euer Ziel findet. Dabei habt ihr nie das Gefühl, dass sich euer Raumschiff von der Stelle bewegt. Vielmehr scheint ihr euch endlos im Kreis zu drehen. Das kann insbesondere für Kinder sehr frustrierend sein.

Fazit

Die SNAPTOYS von Ravensburger sehen auf dem Papier gut aus, aber in der Praxis stecken sie voller Kinderkrankheiten. Langweilige Missionen, visuelle Gestaltung auf Sparflamme und eine teilweise frustrierende Steuerung. Allerdings bin ich im Test nur die Starter-Set-Mission geflogen. Inzwischen sind zwei weitere Missionspakete erschienen. Ob die den grundsätzlichen Eindruck widerlegen können, sei mal dahingestellt. Sie werden nämlich nichts an dem wenig überzeugendes Halterungskonzept für das Smartphone und der komplizierten Handhabung des schweren Plastikmodells ändern können. Mein Tipp: Am besten auf das Raumschiff verzichten und nur das Smartphone benutzen. „Space Hawk“ ist letztlich ein enttäuschender Einstieg in die Welt der SNAPTOYS. Es bleibt zu hoffen, dass Ravensburger aus den Fehlern lernt und uns bald mit einem ausgereiften Produkt überzeugt.

Weitere Details erhaltet ihr auf der offiziellen Webseite. Space Hawk ist bei Amazon für aktuell 35 Euro erhältlich.

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2 Kommentare

  1. Miri T. am

    Es scheint aus ihrem Artikel nicht klar zu werden, ob ihnen bewußt war, dass sie hier ein Produkt für Kinder ab 8 Jahren getestet haben. Da lese ich lieber die Amazon Rezensionen von Eltern, deren Kinder damit schon gespielt haben. Das ist wohl die echte Zielgruppe.

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    • Andreas am

      Vielen Dank für Ihren Kommentar. Was genau meinen Sie aber damit? Ich bin im Artikel ja darauf eingegangen, dass der Umbau und das Gewicht für 8jährige zu schwer ist.

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