Spiegelreflex-Kamera selber bauen

Klappt das wirklich? Der Praxistest!

2. Februar 2014 • 11:16 Uhr

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Bereits zum Fotografieren! (Foto: GamingGadgets.de)

Wir hängen uns 600 Euro teure Spiegelreflex-Kameras um den Hals und investieren unsere Ersparnisse in riesige Objekte, um wie ein Paparazzi Alltäglichkeiten zu fotografieren. Aber woher der Name Spiegelreflex kommt und welche physikalischen Eigenheiten berücksichtigt werden, das weiß heutzutage kaum noch jemand. Sucht ihr nach Antworten und wollt selbst aktiv werden, dann kann ich das Werk Spiegelreflex-Kamera selber bauen von Franzis nur empfehlen. Ein Praxistest.

Das Motiv

Ja, auch ich besitze eine digitale Spiegelreflex-Kamera. Vor dem Kauf meiner Canon hatte ich mich vorrangig mit Megapixel-Anzahl, Modi, Bildschirmgröße etc. beschäftigt. Auch ich wusste gar nicht mal so genau, was sich hinter der Bezeichnung „Spiegel“ verbarg. Spiegel halt, dachte ich. So falsch lag ich damit nicht einmal. Aber als ich dann auf das knapp 50 Euro teure Paket von Fanzis stieß, war das Interesse geweckt. Mir wurde versprochen, innerhalb einer Stunde zu erfahren, wie eine Spiegelreflex-Kamera aufgebaut ist, indem ich selbst eine mit 75 Teilen zusammen baue. Coole Idee – und schon war der Wunsch da, genau dies unbedingt ausprobieren zu wollen….

Spiegelreflex-Kamera selber bauen enthält den Kamerabausatz für – selbstverständlich bei dem Preis – eine analoge Spiegelreflex-Kamera, die sich an der Rolleiflex aus dem Jahr 1929 anlehnt. Gegenüber späteren sowie heutigen Geräten besitzen Original und das vereinfachte Modell zwei Linsen, auch Augen genannt. Durch die eine wird auf einer Mattscheibe das zu fotografierende Bild auf der Oberseite der Kamera dargestellt, durch die andere wird das gewünschte Motiv auf Film gebannt. Ja, hier wird nichts auf eine Speicherkarte gesichert oder dergleichen, voll Retro und so. Aber: Durch den Zusammenbau und das wunderbare Erklärungsbuch führt euch das Werk behutsam an die Grundidee heran und lässt euch selbst aktiv werden.

Es geht los!

Traut ihr es euch zu? (Foto: GamingGadgets.de)
Traut ihr es euch zu? (Foto: GamingGadgets.de)

Nach dem Öffnen der großen Pappschachtel offenbart sich schnell das, was man sich da eingebrockt hat. Zahllose und in Polystyrol eingesteckte Plastikteile sowie ein 40-seitiges Büchlein im A4-Format machen deutlich: Hier gibt’s was zu tun. Laut Aufdruck dauert es eine Stunde, bis ihr die fertige Analogkamera in euren Händen halten könnt. Mein Tipp: Nehmt euch die Ruhe und die Zeit, um euch mit der Geschichte der Rolleiflex und der Funktionsweise vertraut zu machen. Schön geschrieben, gespickt mit informativen Details und einigen Impressionen bereitet das Lesen Freude. Doof nur, dass das Buch fest am Karton klebt, ihr es also mit der Schere von diesem trennen müsst. Was soll der Quatsch?

Und nun geht’s an den Aufbau! Empfehlenswert ist, alle 75 Komponenten vorsichtig auszupacken und auf eine große Arbeitsfläche zu legen. Keine Sorge: Zwar klingt das ziemlich vielen Teilen, liegen diese vor euch, ist das alles gar nicht mal so komplex, erschließen sich einige Arbeitsschritte doch von alleine.

Bedauerlich ist, dass einige Bauteile schwer voneinander zu unterscheiden sind. Ist das nun die Aufwicklerspule oder der Rückspulknopf? Spätestens beim Einbau werdet ihr das feststellen. Dass zu viele Schrauben und ein zweites Verschlusspaneel als Ersatz dabei sind, sollte euch nicht verwirren! In 22 bebilderten Schritten bastelt ihr nach und nach eure Kamera auf. Obwohl jede Aufgabe nur in zwei, drei Sätzen beschrieben werden, kommt ihr sofort zurecht und versteht die Maßnahmen. Sicherlich sind ein paar Hürden dabei, beispielsweise das Befestigen der nötigen Federn oder der Einbau des Spiegelplatte – letztlich jedoch ist das auch für weniger versierte Menschen ohne große Hürden zu meistern. Ich selbst sehe mich als Grobmotoriker, der bei Fuzelarbeiten leider Gottes hin und wieder etwas beim Werkeln schimpfen muss. In diesem Fall hielt sich das in Grenzen – das will wirklich was heißen.

Kaum Hürden

An sich eignet sich Spiegelreflex-Kamera  selber bauen prima für den Nachwuchs oder als Unterhaltung für die kreative Familie. Denn euch wird wahrlich verdeutlicht, wie eine solche Kamera aufgebaut ist und wie clever die Erfinder gewesen sein müssen. So simpel das heutzutage anmuten mag, es ist trotzdem eine geniale Erfindung, die Mechanik und Optik erlebbar macht. Und das erzeugt auch bei Erwachsenen jede Menge Spaß.

Zugegeben, ich habe etwas über zwei Stunden für die Vollendung benötigt, aber – und das ist keineswegs übertrieben – keine Sekunde bereut. Klar, hier und da waren manche Dinge dezent tricky und anstrengender, jedoch noch so unterhaltsam, dass ich perfekt vom Stress der Woche abschalten konnte. Was will man mehr?

Funktioniert das überhaupt?

Die große Frage: Was soll man mit dieser Kamera anstellen? Nun, wie wäre es denn mit dem Fotografieren? Leider legte Franzis nicht einmal einen Film bei, für 50 Euro hätte ich das schon erwartet. Kauft euch in einem Fotoladen oder bei Amazon, Ebay etc. noch einen analogen Film und probiert das Gerät unbedingt mal aus. Batterien etc. werden übrigens nicht benötigt – das nur nebenbei erwähnt. Achtet also auf die passende ISO des Films und gute Lichtverhältnisse, ein Blitz ist eben nicht vorhanden. Meine Resultate? Schaut selbst…

Ich hatte einen Kodak-Film mit ISO 400 gewählt. Eventuell wird es deutlich: Durch den Verzicht auf ein Stativ sind fast alle Fotos dezent unscharf. Das schiebe ich allerdings nicht auf die Kamera, sondern auf meinen Optimismus sowie das falsche Einschätzen der festen Belichtungszeit. Die Fotos stellen mich trotzdem zufrieden, etliche Bilder sind sehr stimmungsvoll und zeigen das Potential. Ein weiterer Film wird auf jeden Fall gekauft und dann in Hochglanz entwickelt. Zum Einscannen ist „Matt“ ungeeignet.

Amüsant ist, dass in dem Buch noch erklärt wird, wie ihr den Film selbst entwickelt. Mir geht das ehrlich gesagt dann doch zu weit, zumal das nötige Zubehör insgesamt sehr teuer ausfällt. Das muss nicht sein. Für einen analogen Film zahlt ihr zwischen 3 und 6 Euro (abhängig von der ISO und Anzahl der Aufnahmen), die Entwicklung hat mich noch einmal 15 Euro gekostet. Tja, analoge Fotografie ist mittlerweile ein happiges Hobby geworden.

Fazit: Schöne Sache, aber teuer!

Ein schönes Paket. (Foto: GamingGadgets.de)
Ein schönes Paket. (Foto: GamingGadgets.de)

Spiegelreflex-Kamera selber bauen hat in jedem Fall eine Empfehlung verdient. Euch wird die Funktionsweise einer solcher Kamera erläutert, zusätzlich bastelt ihr selbst eine, um sie danach zu verwenden. Das ist ein Fest für Nostalgiker und all diejenigen, die wissen wollen, was eine Spiegelreflex-Kamera überhaupt ist. Leider aber stört mich etwas der Preis, da identische Modell-Kameras ohne dieses feine Handbuch, dafür mit englischer Anleitung bereits für 15-20 Euro zu haben sind – auch hierzulande. Der höhere Preis ist nicht ganz gerechtfertigt, zumal ich einen Film zum Loslegen vermisse. Aber: Wünscht ihr ein rundum stimmiges Komplettpaket mit Hintergrundinfos und zahlreichen Tipps & Tricks, dann sind die 50 Euro sehr gut investiert.

Kaufen könnt ihr Spiegelreflex-Kamera selber bauen u.a. bei Amazon, weitere Details erhaltet ihr ebenfalls bei Franzis.

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