Spielkonsolen und Heimcomputer 1972-2015

Wunderbare Zeitreise als Enzyklopädie

19. Juni 2015 • 13:31 Uhr

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Ein schönes Buch, das immer wieder zum Blättern einlädt. (Foto: Sven Wernicke)

Dank des Internets und meines Jobs bin ich zugegeben etwas lesefaul geworden – bezogen auf Bücher aus Papier. Im Fall von Spielkonsolen und Heimcomputer 1972-2015 musste ich allerdings eine Ausnahme machen. Und die hat sich gelohnt: Das wunderbare Werk ist eine verdammt schöne Zeitreise.

Erweiterte Auflage

Winnie Forster ist eine wahre Spielejournalistenlegende. Seit Anfang der 1980er Jahre schreibt er unter anderem über Videospiele. Gameplan.de ist gewissermaßen sein eigener Verlang, unter diesem Label erschien dieser Tage die fünfte Auflage (bzw. vierte Erweiterung) des erstaunlich dicken Buches über die Konsolen und Computer der letzten 40 Jahre. Die neue Ausgabe wurde ordentlich ausgebaut, was ich selbst nur theoretisch nachprüfen kann. Denn mir steht die vorherige Fassung nicht zur Verfügung. Diese ist allerdings mittlerweile sechs Jahre alt, damals wurden demnach PlayStation 4, Xbox One, iPhone, 3DS oder Wii U nicht berücksichtigt. Ein paar alte Exoten wie Sinclair QL oder Bally Astrocade gesellen sich ebenfalls hinzu. Insgesamt erhöht sich der Umfang um 24 Seiten, inbegriffen sind erweiterte technische Tabellen.

Ein wirklich sehr ordentlicher Umfang. (Foto: Sven Wernicke)
Ein wirklich sehr ordentlicher Umfang. (Foto: Sven Wernicke)

Solltet ihr noch keine der früheren Ausgaben besitzen, heißt es für euch: 264 Seiten mit über 750 Abbildungen zahlreicher Geräte früherer Tage. Doch auch die Spiele und technischen Fakten kommen nicht zu kurz. Quantitativ gibt’s echt nichts zu meckern.

Schönes Buch

Ihr müsst wissen: Ich lese zwar sehr viel, allerdings hauptsächlich am Rechner und dank praktischer Apps wie Pocket am Smartphone oder Tablet. Vielleicht war daher das Gefühl ein anderes, als ich die Folie von Spielkonsolen und Heimcomputer 1972-2015 entfernte und die erste Seite aufschlug. Und die zweite bzw. dritte mit dem sehr ansprechend strukturierten Inhaltsverzeichnis. Beim Lesen der ganzen Konsolen- und Rechnernamen entstand prompt eine Vorfreude auf das Folgende. Das obligatorische Vorwort fehlt natürlich nicht, genauso erhaltet ihr einige Erklärungen bezüglich der Veränderungen gegenüber den früheren Auflagen. Grundsätzliche Berichte über die Arten der Speichermedien und die Geburt der Videospiele gehören wohl zu einer Selbstverständlichkeit, zumindest erwartete ich diese im Vorfeld auch.

Überall kleine Details. (Foto: Sven Wernicke)
Überall kleine Details. (Foto: Sven Wernicke)

Die eigentlichen Vorstellungen der Spielemaschinen erfolgen chronologisch und stets nach einem identischen Muster: Hübsche Bilder, Infokästen und aufschlussreiche Details sowie auch mal ganz amüsante Anekdoten lassen schnell Spaß beim Lesen aufkommen. Winnie Forster besitzt einen angenehmen Schreibstil, der perfekt zu dem Konzept eines Lexikons passt. Letztlich ist Spielkonsolen und Heimcomputer 1972-2015 nichts anderes. Und das ist gar nicht mal negativ gemeint, obwohl ich mir hin und wieder ein wenig mehr subjektives Empfinden oder gar persönliche Eindrücke des Autors gewünscht hätte. Ich meine: Winnie verfügt über unglaublich viel Fachwissen und eine jahrzehntelange Erfahrung als Journalist – die Fakten hätte er auch mit seinen Erlebnissen würzen können. Aber vielleicht lese ich mittlerweile zu viele Blogs, die ihren Fokus auf eigene Meinungen legen?

Erinnerungen wecken

Es ist gar nicht mal so leicht zu erklären, was mir an Spielkonsolen und Heimcomputer 1972-2015 so gut gefällt. Gerade ab den 1980er Jahren wurden Seite für Seite alte Gefühle geweckt. Innerlich seufzte ich vermutlich unzählige Male. „Hach, den kennste doch?““, „Hmmm, damit würde ich gerne mal wieder spielen!“. „Mensch, der Acorn Archimedes war schon ein tolles Stück Technik“, „Schade, dass ich mein CD 32 damals verkauft habe!“, „Hey, meine PC-Engine könnte ich mal wieder auspacken und Bonk’s Adventure spielen…“. Ihr versteht?

Zig Screenshots von Spielen werten das Buch auf. (Foto: Sven Wernicke)
Zig Screenshots von Spielen werten das Buch auf. (Foto: Sven Wernicke)

Das Buch ist ein großartiges Sammelsurium, eine Erinnerungsstütze und ein Werk, das Begehrlichkeiten weckt. Ich sammle ja die eine oder andere Spielkonsole – und blättere ich so vor mich hin, hätte ich gerne (wieder) einen Atari Lynx. Und wieso habe ich damals eigentlich meine (ja, ich hatte zwei) CDI-Player für ein paar Mark verscherbelt? Klar, die waren nüchtern betrachtet Mist, aber dank Spielkonsolen und Heimcomputer 1972-2015 hätte ich jetzt wieder Bock darauf, mir miese Spiele anzutun. Allein schon der Screenshot von „GEX“ auf der 3DO-Seite regte mich prompt dazu an, bei Ebay zu schauen, was das Spiel aktuell kostet. Panasonics Flop-Konsole besitze ich glücklicherweise noch in OVP. „Bomberman“ für den Saturn (ebenfalls ein Bild im Buch) habe ich schon für die nächste Spiel-Session rausgesucht.

Fazit: Kaufen!

Besitzt ihr eine Vorliebe für Retro und klassische Daddelkisten, ist Spielkonsolen und Heimcomputer 1972-2015 ein tolles Nachschlagewerk. Ein angenehmes Layout, genau das richtige Verhältnis aus Text sowie Bild und garantiert genügend Neues, was ihr noch nicht wusstet, erwarten euch hier. Ich hatte sehr viel Spaß mit dem Buch und möchte es euch ans Herz legen. Der Preis von knapp 30 Euro mag hoch erscheinen, ich halte ihn für absolut gerechtfertigt. Da steckt unglaublich viel Arbeit und Herzblut drin, das spürt ihr auf jeder Seite.

Sehr viel Freude beim Lesen. (Foto: Sven Wernicke)
Sehr viel Freude beim Lesen. (Foto: Sven Wernicke)

Sicherlich ist der Sprung von der 2009er-Ausgabe zu der aktuellen Fassung kein gewaltiger. Ich gehe allerdings davon aus, dass viele Interessenten dieses Buch noch nicht kennen. Und solltet das bei euch der Fall sein, kann ich nur sagen: Kauft euch Spielkonsolen und Heimcomputer 1972-2015 und freut euch über einen aufschlussreichen, sehr interessanten Schmöker, der eigentlich wirklich in jedes Archiv eines Sammlers gehört. Muss ich noch mehr sagen? Ich denke nicht!

Heimcomputer 1972-2015 von Gameplan.de ist ab sofort für 29,80 Euro erhältlich, zum Beispiel bei Amazon oder auf der offiziellen Webseite.

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