Steam Controller

Intelligentes Gamepad oder unnötig? Der Praxistest!

31. Oktober 2015 • 14:26 Uhr

Teilen:
Spaß mit einem neuen Controller? (Foto: GamingGadgets.de)

Ein Controller, der vieles anders machen möchte als die meisten aktuellen Gamepads? Das klingt spannend. Doch der große Wurf ist Valves Steam Controller auch nicht. Der Praxistest.

Vor über zwei Jahren angekündigt, schaffte es der Steam Controller 2015 dann doch noch in den Handel – mit zahlreichen Änderungen gegenüber dem ursprünglichen Konzeptentwurf. Zumindest direkt beim Hersteller könnt ihr das Eingabegerät für etwas über 50 Euro bestellen. Das Zubehör ist nicht nur für die Steam Machines gedacht, die nächstes Jahr den Markt erobern wollen, sondern auch für jeden normalen Computer mit Windows, Linux und – sobald die Probleme behoben sind – Mac.

Die Packung macht schon mal was her. (Foto: GamingGadgets.de)
Die Packung macht schon mal was her. (Foto: GamingGadgets.de)

Und natürlich war die Neugierde groß: Mein geliebter Xbox 360 Controller, den ich zum Spielen unter Windows seit Jahren verwende, sollte also ernsthafte Konkurrenz erhalten? Rechtzeitig vorbestellt, landete er dann Mitte Oktober auf meinem Schreibtisch. Der GLS-Postbote meinte nur, dass etliche Leute in meiner Nachbarschaft das gute Stück ebenfalls geordert hätten – ich war etwas überrascht. Und die Spannung stieg….

Ausgepackt

Ich kann es nicht oft genug sagen: Ich mag schicke Verpackungen, die die Lust auf ein neues Produkt wecken. Und auch der Steam Controller steckt in einer hübschen Hülle, im Inneren befinden sich der Controller, ein USB-Dongle, zwei Duracell-Batterien und ein USB-Kabel samt Zusatzhalterung für den Dongle, solltet ihr diese benötigen. Eine kleine Kurzanleitung fehlt nicht. Das ist zwar alles jetzt nicht so stylisch-schick wie bei einem Apple-Gadget, aber wirkt wertig und ansprechend. Nur wieso wurde an einem integrierten Akku gespart? Ärgerlich.

Nicht mega-edel, aber ansprechend. (Foto: GamingGadgets.de)
Nicht mega-edel, aber ansprechend. (Foto: GamingGadgets.de)

Der Ersteindruck fiel dezent ernüchternd aus. Der Steam Controller ist minimal größer als mein Xbox 360-Gamepad, recht klobig und sieht sogar ein wenig antiquiert aus. An die beiden Scheiben, die dem Steuerkreuz (links) und dem Touchpad (rechts) entsprechen, müsst ihr euch erst einmal gewöhnen. Schön ist echt was anderes. Zudem bekommt ihr einen linken Analogstick und typische ABXY-Tasten geboten, vier Schultertasten und zwei weitere Trigger auf der Rückseite gibt’s außerdem. Der Steam-Button verfügt über eine LED-Beleuchtung, sodass ihr erkennen könnt, ob der Controller eingeschaltet ist. Und Vor- sowie Zurück-Tasten eignen sich gut zur Navigation.

Die kreisrunden Flächen sehen schon seltsam aus. (Foto: GamingGadgets.de)
Die kreisrunden Flächen sehen schon seltsam aus. (Foto: GamingGadgets.de)

An und für sich liegt der Steam Controller soweit gut in der Hand, obwohl ich sehr schnell auf die Rückseitentrigger gelange und mein rechter Daumen immer auf dem Touchpad liegt. Nur dieses ist ja berührungsempfindlich, was bei dem einem oder anderen Spiel schon für Verwirrung und Ärger sorgt. Dazu später mehr.

Einrichtung: Geht flott!

Löblich: Steckt den Dongle in einen freien USB-Port, legt die Batterien in den Controller (cleveres Konzept!) und wartet ein paar Sekunden. Unter Windows 7 und Windows 10 wurde der Steam Controller sofort erkannt, die nötigen Treiber installierten sich selbständig. Separate Programme oder Downloads sind nicht nötig. Ruck zuck bekommt ihr gleich eine zweite Maus spendiert, denn mit dem Touchpad lässt sich euer Mauszeiger bewegen, mit der Schultertaste bzw. dem Steuerkreuz ist sogar ein Hangeln durch Menüs möglich. Spätestens hier fällt euch das dezente haptische Feedback auf, das das Touchpad bietet. Ein Motor gibt bei jeder Änderung der Position des Mauszeigers Rückmeldung. Zusätzlich könnt ihr Steuerkreuz und Analogstick verwenden, um euch beispielsweise auf Webseiten zu orientieren. Alles interessant und perspektivisch sicherlich praktisch, fürs eigentliche Spielen dagegen weniger relevant. Daher….Steam!

Ein Spiel ist nicht auf den Controller ausgelegt? Nicht so schlimm. (Foto: GamingGadgets.de / Screenshot)
Ein Spiel ist nicht auf den Controller ausgelegt? Nicht so schlimm. (Foto: GamingGadgets.de / Screenshot)

Beim Starten von Steam und nach der einmaligen Einrichtung empfiehlt euch die Software, zum Big Picture-Modus zu wechseln. Und tatsächlich: Hier wandert ihr perfekt durch die Optionen, sucht nach geeigneten Spielen in eurer Bibliothek und startet Games ohne weiteren Aufwand. Sollte ein Titel Tastatur und Maus voraussetzen, so warnt Steam schon vor. Es wird zugleich betont, dass das Spielen möglich sei, eine Tastatur eingeblendet wird und der Touchpad-Mausersatz Verwendung findet. Aufschluss- und hilfreich.

Was ich ebenfalls super finde: Neben Standard-Konfigurationen für den Controller-Einsatz finden sich Belegungen aus der Community in den Einstellungen, bei denen Spieler teils schon bessere Layouts erstellt haben. So müsst ihr euch mit dem Konfigurieren im besten Fall gar nicht herumschlagen. Das macht den Einstieg noch etwas leichter. Im Zweifel ändert ihr alles, aber auch alles so, wie ihr es verlangt. Soll das Touchpad nun wie ein Trackball funktionieren oder kein Vibrationsfeedback erhalten? Wie ihr wollt. Das ist soweit logisch, setzt andererseits etwas Einarbeitungszeit voraus, möchtet ihr das Optimum für euch herausholen.

Beim Spielen

Das erste Spiel, das ich startete: „Dirt Rally“. Mein aktuell favorisiertes Rennspiel ist standardmäßig auf den Steam Controller ausgelegt (wie an sich alle Spiele, die mit dem Xbox 360 Controller funktionieren), verärgerte mich dennoch. Denn das Touchpad benutzt ihr, um die Kamera zu drehen. Und da euer Daumen stets auf der berühungsempfindlichen Stelle liegt, kommt ihr zwangsläufig häufiger dazu, aus Versehen die Sicht zu wechseln und so Fahrfehler zu begehen. Zum Glück dürft ihr das ja ändern. Zirka 15 Minuten benötigte ich, um mich mit dem etwas unkonventionellen Design des Gamepads anzufreunden, das „Steuerkreuz“ wird vermutlich nie mein bester Freund. Es funktioniert jedoch gut genug, um nicht das Gefühl zu haben, der Xbox 360 Controller sei sehr viel besser. Analogstick und ABXY-Tasten sind für mittelgroße Finger und Daumen optimal ereichbar, aber auch hier benötigt ihr Geduld, um euch mit dem Steam Controller zu arrangieren.

Er ist schon recht groß und klobig. (Foto: GamingGadgets.de)
Er ist schon recht groß und klobig. (Foto: GamingGadgets.de)

Mein Empfinden sagt mir, dass sich Action-Adventures, beispielsweise „Batman: Arkham City“, „Saints Row 3“ oder „Just Cause 2“ , mit dem Steam Controller besser als klassische Plattformer („Dino Run DX“, „Monochroma“, „Papo & Yo“, „Shank“ etc.) spielen lassen. Racing-Titel klappen ganz gut, bei Ego-Shootern war mir die Bedienung doch etwas zu anstrengend. Bei Strategiespielen und Point’n’Click-Adventures dürft ihr den Steam Controller verwenden, nur ist die Steuerung deutlich langsamer als mit Maus und Tastatur. Klar, oder?

Der Steam Controller setzt von euch voraus, dass ihr etwas umdenkt, experimentierfreudig seid und eure Lieblingsspiele im Zweifel an die neuen Möglichkeiten anpasst sowie das Gamepad fein justiert. Das ist manchmal nervig und fuzelig, einige Spiele sind mit dem Steam Controller sogar deutlich weniger spaßig. Eben wenn’s um schnelle Reaktionen und Präzision geht, machen mich Touchpad und Steuerkreuz nicht wirklich glücklich. Es ist, und das möchte ich betonen, auf jeden Fall ein subjektives Empfinden. Das könnte euch durchaus völlig anders gehen. Dass sehr viel Potential vorhanden ist, zeigen nicht nur die noch nicht verwendeten Bewegungssensoren, sondern auch Spiele wie „Portal 2“ und „Rocket League“, die sichtlich gut an den Steam Controller angepasst sind. Das Touchpad gibt sich zwar bei erstgenanntem Klassiker ziemlich nervös, nach kurzer Zeit wisst ihr aber diese Eigenheiten zu schätzen.

Auf der Rückseite sind noch weitere Tasten. (Foto: GamingGadgets.de)
Auf der Rückseite sind noch weitere Tasten. (Foto: GamingGadgets.de)

Fazit: Gut mit Abstrichen

Zu sehr fühlt sich der Steam Controller danach an, als müsste ich Kompromisse eingehen, weil Valve unbedingt etwas Neues erschaffen wollte, das sich etwas von den bekannten und bewährten Konventionen abhebt. Nur wieso eigentlich? Ich verstehe den Ansatz: Touchpad und das grundlegende Konzept sollen Maus und Tastatur zumindest in Notfällen ersetzen, sodass ihr alle PC-Spiele aus eurer Steam-Bibliothek bequem auf der Couch erleben könnt. Doch bereits jetzt stößt der Steam Controller an seine Grenzen – bei komplexeren, schnellen Spielen, die Tastatureingaben oder flotte Mausbewegungen erfordern. Für den Genuss regulärer Spiele, die ihr ohnehin mit einem Controller gezockt habt, eignet sich dieses Eingabegerät nach etwas Eingewöhnung auf jeden Fall – aber wieso dann umsteigen? So recht sehe ich gegenwärtig keinen Grund.

Hach, so richtig überzeugt er noch nicht. (Foto: GamingGadgets.de)
Hach, so richtig überzeugt er noch nicht. (Foto: GamingGadgets.de)

Am Schluss besitzt der Steam Controller reizvolle, intelligente Ansätze, die bei einigen Spielen andeutungsweise aufblitzen. In dieser Form kann er meinen Xbox 360-Controller nicht vollständig ersetzen. Vielleicht fehlen mir ja noch die Spiele, die perfekt auf das Teil ausgelegt sind?

Ich werde sicherlich in einigen Wochen und Monaten noch einmal darüber berichten, wie sich der Steam Controller im Langzeittest schlägt. Aktuell kann von einem Pflichtkauf nicht die Rede sein.

Teilen:

Keine Kommentare

Kommentar schreiben

2 Pingbacks

  1. 9. November 2015 at 9:11
  2. 28. Januar 2016 at 14:01