Steelplay Edge Joystick

Arcade-Hardware fürs Mini NES. Im Praxistest!

26. Dezember 2016 • 12:30 Uhr

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Toller Preis, tolles Zubehör. (Foto: Steelplay)

Beim Steelplay Edge Joystick handelt es sich um einen reizvollen Arcade-Stick für das Mini NES. Und er bietet sogar noch mehr als ein normaler Controller. Der Praxistest.

Trotz leichter Technikdefizite und einer diskutablen Spieleauswahl: Ich mag die Mini-Ausgabe von Nintendos NES. Zwei Dinge stoßen mir jedoch auf: Die Retrokonsole ist leider nicht in der Menge produziert worden, um alle Interessenten bedienen zu können. Und leidet zudem an Schlamperei bei Details. Wichtigen Details.

Reichlich Zubehör bereits erhältlich

Der fehlende AC-Adapter, den Nintendo mit unterschiedlichen EU-Steckernormen begründet, mag ja zu verschmerzen sein. Die mit rund 70 cm allzu kurzen Kabel der reproduzierten NES-Controller sind hingegen ein Witz. Ein trauriger, den dankenswerterweise Dritthersteller mit Verlängerungskabeln von der Bühne zerren. An Zubehör ist das Mini NES mittlerweile reich. Die erwähnten Verlängerungskabel, Reproduktionen der ohnehin nachgemachten Controller oder Reisetaschen gehören zu den ordinäreren Accessoires, mit denen ihr das Retro-Erlebnis aufpeppen könnt. Wer die Nintendo-Klassiker bis in den letzten Winkel erkunden möchte, kann gar das offizielle Lösungsbuch kaufen.

Der Umfang stimmt, der Preis auch. (Foto: Daniel Wendorf)
Der Umfang stimmt, der Preis auch. (Foto: Daniel Wendorf)

Ein Eingabegerät fürs Mini NES sticht aus der Masse heraus: Der von Steelplay produzierte Edge Joystick. Der ist auf den ersten Blick identisch mit Nintendos Advantage Joystick fürs Original NES aus den 1980er Jahren. Kleine Unterschiede wie der Schriftzug oder die neue A+B-Taste unterscheiden die Replik vom Original. Und das gilt bis heute als einer der besten Controller, um Arcade-Umsetzungen zünftig spielen zu können. „Balloon Fight“, „Donkey Kong“, Donkeys Kong Jr.“, „Excitebike“, „Galaga“, „Ghosts’n Goblins“, „Gradius“, „Ice Climber“, „Mario Bros.“, „Pac-Man“, „Punch-Out!!“ – 11 der 30 auf dem Mini NES befindlichen Spiele haben Arcade-Wurzeln und wurden nur geringfügig ans NES angepasst. Diese dann wie früher in der Spielhalle zu zocken, ist demnach wesentlich kultiger, als sie „nur“ mit dem NES-Pad zu spielen.

Großer Umfang, guter Preis

Beim Inhalt klotzt Steelplay. Der Controller kommt mit einem 2,7 Meter langen Kabel daher (samt Stolperschutz), enthält außerdem einen zweiten, eher länglichen Joystick-Aufsatz, wem die runde, in Japan verwendete Kugel zu unergonomisch ist, und liefert noch ein schmales Cheat-Büchlein für alle 30 Titel des Mini NES mit. Kostenpunkt: 34,99 Euro. Die Preisgestaltung ist angesichts des Lieferumfangs bemerkenswert. Für NES-Games ist der Controller: Der Stick simuliert das Digikreuz des Original-Pads: Die auf der Oberfläche großformatig eingelassenen und mit Mikroschaltern ausgestatteten Tasten A und B lassen sich blindlings bedienen. Und weiter rechts befindet sich das Vierer-Rack aus Start und Select sowie einer Slow-Taste und dem Kombo-Button, der den gleichzeitigen Druck beider Aktionstasten an die Konsole sendet. Falls dies das Spiel öfter verlangt.

Turbo-Button, Slow-Taste und Kombo-Knopf ergänzen die vier Aktionstasten des NES-Controllerlayouts. Und der Stick lässt sich ganz leicht austauschen. (Foto: Daniel Wendorf)
Turbo-Button, Slow-Taste und Kombo-Knopf ergänzen die vier Aktionstasten des NES-Controllerlayouts. Und der Stick lässt sich ganz leicht austauschen. (Foto: Daniel Wendorf)

Ergänzt werden die sechs Knöpfe durch zwei Turbo-Tasten, mittels derer ihr ein angenehmes Dauerfeuer auf dem Bildschirm entladet. Wie schnell die Tasten vom Stick erneut betätigt werden, bestimmt ihr mittels zweier Drehknöpfe. Gerade das Dauerfeuer und die Slow-Taste werden Retro-Fans Tränen in die Augen treiben. Schließlich hatte in den frühen 1990er Jahren fast jeder Gamer ein Pad, mit dem (auf magische Weise) die Geschwindigkeit gedrosselt werden konnte oder man sich wenig um das schnelle Knöpfchendrücken scheren musste.

Verarbeitungsqualität und Vergleich zu anderer Peripherie

Die Verarbeitungsqualität des Edge Joysticks ist über fast jeden Zweifel erhaben. Die Kanten sind klar, aber nicht zu scharf in die Gussform geschnitzt worden, das Gehäuse weist keinerlei Grate auf und besteht aus einem toll verarbeiteten Plastik, dessen Farbe nur einen Tick heller als das Original ausfällt. Verglichen mit anderen Arcade-Sticks wie dem Tatsunoko-Fightstick für die Wii (ebenfalls kompatibel mit dem Mini NES) ist er vielleicht etwas zu leicht, das ist Geschmackssache. Eingabepräzision und -geschwindigkeit lassen nach einer ersten Spielsession hingegen nicht zu wünschen übrig. Auch schnelles und kraftvolles Einhacken auf die Knöpfe und maßloses Rütteln am Joystick zwangen die Peripherie nicht die Knie.

Das kantige Design ist dem Advantage-Stick von Nintendo entliehen - die Verarbeitungsqualität ist mindestens ebenbürtig. (Foto: Daniel Wendorf)
Das kantige Design ist dem Advantage-Stick von Nintendo entliehen – die Verarbeitungsqualität ist mindestens ebenbürtig. (Foto: Daniel Wendorf)

Den Sturz aus 1,5 Meter Höhe (gewollt, *hust hust*) überstand das Gerät ohne Kratze oder andere Schäden. Punktabzug? Könnte man geben, wenn man die Wii-Controller als Alternativen heranzieht. Denn die bieten einen Home-Button, der wie die Reset-Taste am Mini NES agiert: Dort raufgedrückt, werdet ihr wieder ins Hauptmenü geworfen, könnt den aktuellen Spielstand speichern oder das Game wechseln. Mit dem Edge Joystick müsst ihr stattdessen zur Konsole trotten und händisch den Sprung ins Menü auslösen.

Knappe Anleitung, das Cheat-Buch als nette Dreingabe

Die beigelegte Anleitung ist mit zwei Seiten knapp gehalten. Mehr braucht es aber gar nicht, um den Joystick in Betrieb zu nehmen. Das auf der Verpackung groß beworbene Cheat-Buch ist eine nette Dreingabe, mehr nicht.

Das beiliegende Büchlein ist ein Wirrwarr aus allgemeinen Infos, belanglosen Geschichtsfakten und wertvollen Tipps. Als Dreingabe trotzdem nett. (Foto: Daniel Wendorf)
Das beiliegende Büchlein ist ein Wirrwarr aus allgemeinen Infos, belanglosen Geschichtsfakten und wertvollen Tipps. Als Dreingabe trotzdem nett. (Foto: Daniel Wendorf)

Allgemeine Tipps (beispielsweise die Beschreibung von Spielmodi) und raffinierte Cheats („Metroid“, „Tecmo Super Bowl“) zu allen 30 Titeln tummeln sich auf 32 englischsprachigen (mit kleinen Fehlern versehenen) und weiteren 32 auf Französisch gedruckten Seiten. Da Steelplay in Paris seine Zentrale hat, ist die Zweiteilung nachvollziehbar.

Fazit: Eine lohnende Anschaffung

Unterm Strich ist der Steelplay Edge Joystick ein tolles, weil fast perfektes Eingabegerät. Die Verarbeitung ist top, die Eingabe schnell und präzise, die Ergonomie überzeugt, der Lieferumfang ist angesichts des Preises grandios – der Stick klassiert außerdem dank seines 2,7 Meter langen Kabels den Repro-Controller, welcher dem Mini NES beiliegt. Kleinste Minuspunkte gibt es für das geringe Gewicht. Wäre der Joystick etwas schwerer, würde er sich noch wertiger anfühlen. Das beiliegende Cheat-Buch ist schön, um als Neueinsteiger mit den Klassikern vertraut gemacht zu werden. Profis werden über den Inhalt nur schmunzeln.

Den Steel Play Edge Joystick könnt ihr unter anderem bei Amazon kaufen.

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Steelplay Edge Joystick
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