Tausendsassa Kinect

Was man mit Microsofts Kamerasteuerung anstellen kann

2. Oktober 2012 • 11:04 Uhr

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Seit November 2010 ist für die Xbox 360 die Kamerasteuerung Kinect erhältlich. Die Hardware erlaubt die Steuerung von Spielen allein mit Körperbewegungen, herkömmliche Eingabegeräte wie zum Beispiel Gamepads entfallen. Klar, dass sich mittlerweile viele Tüftler und Hacker das millionenfach verkaufte Gerät vorgeknöpft haben. Wir haben für uns ein wenig umgeschaut und die wichtigsten alternativen Anwendungen für Kinect zusammen getragen.

Vorab sollte man wissen, dass das Kinect-Modul mit einer Kombination von Infrarot-Lasern, 3D-Mikrofon, Farbkamera und spezieller Software arbeitet. Hiermit werden die Bewegungen und die Stimme des Spielers erfasst, die dann als Daten an die Xbox übertragen werden. Kinect kann also, anders als eine gewöhnliche Kamera, ein dreidimensionales Abbild der Umgebung erschaffen, und genau hier setzen die meisten denkbaren Anwendungen an.

Die einfache Erstellung von 3D-Filmen

Da wäre zuerst einmal der Hacker Oliver Kreylos, der erstmals die Videodaten und die 3D-Informationen des Kinect zu einem fast schon surrealen, dreidimensionalen Videostream kombinierte. Das Ergebnis kann man sich hier anschauen. Vor allem wenn Oliver den Blickwinkel der Kamera ändert, erkennt man die wahre Bedeutung der ganzheitlichen Erfassung, die so eben nur mit der Technologie des Kinect möglich ist.

In eine ähnliche Richtung geht ein Projekt von Informatikern aus Erlangen, die Kinect für eine dreidimensionale Erfassung des Gesichts benutzen. Hierdurch könnte vor allem das aufwändige Motion-Capturing in der Produktion von Videospielen oder Trickfilmen für jedermann möglich werden. Auch sind Anwendungen zur besseren Gesichtserkennung im Sicherheitsbereich denkbar. Bisher war die Erschaffung von dreidimensionalen Modellen Profis mit aufwändigem Equipment vorbehalten, durch Kinect kann man schon für kleines Geld dreidimensionale Abbilder seiner Umgebung schaffen. Momentan beträgt der Kaufpreis des Moduls in Deutschland knapp unter 100 Euro.

Ein Handschuh wie bei Minority Report

Kinect in Kombination mit einem etwas anderen Handschuh. (Foto: Youtube)
Kinect in Kombination mit einem etwas anderen Handschuh. (Foto: Youtube)

Eine weitere lustige Anwendung ist ein Handschuh, der – ähnlich wie im Film „Minority Report“ – die Bewegungen der Hand eines Menschen in präzise Informationen zur Steuerung von Computern umwandelt. Allerdings braucht der Bastler dafür nur die Schnittstelle des Kinect. Er kann mit dem Handschuh aber viel präzisere Kommandos an die Xbox geben als mit  Kinect alleine, ähnlich wie mit einer Computer-Maus.  Hier kann man sich das Ganze anschauen. Allerdings merken einige User zu Recht an, dass man mit dem Handschuh lediglich ein Eingabegerät durch das andere ersetzt, was der Idee des Kinect zuwider läuft. Schließlich sollen Tastatur, Controller oder Maus durch Kinect ja eigentlich komplett überflüssig werden.

Der ultimative 3D-Battlefield Simulator, Traum eines jeden Gamers

Eine absolute Meisterleistung im Bereich Gaming ist der von der englischen Gadget Show entworfene „Ultimate Battlefield 3 Simulator“. Ende letzten Jahres sorgte ein Video für Aufsehen, in dem der bis dato beste ganzheitliche Simulator für ein Videospiel überhaupt präsentiert wurde. Der Spieler befindet sich in einer Art großem Iglu, auf dessen Wände durch fünf Beamer die Spielumgebung projiziert wird. Mittels Kinect werden die Position und die Ausrichtung des Spielers und dessen Waffe im Raum erfasst.

Die Krönung ist eine Bodenplatte aus verschiedenen Rollen, die sich immer dann drehen, wenn der Spieler in der Bewegung zu nah an die Leinwand läuft und ihn somit immer in der Mitte des Simulators halten. Auch diese geniale, so genannte „Omni-directional Treadmill“ wird mit Hilfe eines Kinect-Hacks gesteuert. Dazu kommt selbstverständlich perfekter Surround-Sound, eine optimale Steuerung der Lichteffekte und ein Force-Feedback-Anzug. Für mehr als eine halbe Million Dollar wurde hier das perfekte Spielerlebnis geschaffen, möglich wurde all das nicht zuletzt durch die Kinect-Technologie von Microsoft und dem israelischen Unternehmen PrimeSense.

Online Poker mit Kinect

Dank Kinect darf man auch online Poker spielen. Mit einer Open-Source-Software können Befehle wie Raise, Fold oder Call ganz leicht Bewegungen zugeordnet werden, die Kinect erkennen kann. Will man beispielsweise einen Einsatz erhöhen, hebt die Arme etc. Eine eher umständliche Art zu pokern, vor allem da es bereits diverse Controller speziell für Poker gibt.

Dazu kommt, dass Kinect für Echtgeld-Spiele einfach noch zu unsicher ist. Wer möchte schon aus Versehen einen hohen Einsatz mitgehen, nur weil man sich gerade mal kratzen muss? Allerdings könnten Nachfolger von Kinect, die sehr präzise Regungen im Gesicht und Körpersprache erfassen können, ein fast schon realistisches Live-Pokererlebnis am heimischen Rechner schaffen.

Klamotten anprobieren ohne Umziehen

Eine tolle Idee hatte ein Klamottenladen des englischen Herstellers Topshop in Moskau. Mit Hilfe von Kinect legten die findigen Programmierer neue Outfits über die Streams von Kunden. Diese konnten sich dann ohne lästiges Anprobieren im neuen Look bewundern. Auch wenn das Ganze eher experimentellen Charakter hatte, eine gewitzte Idee, die den Verkauf nicht unwesentlich angekurbelt haben dürfte.

Fazit

Kinect ist Technologie am Hochreck, die mittlerweile recht billig zu haben ist und Bastlern bisher ungeahnte Möglichkeiten eröffnet. Die Motion-Capture-Technologie steckt noch in den Kinderschuhen und nicht zuletzt tragen die hier gezeigten Projekte zur Weiterentwicklung bei. Bisher sind viele der Erfindungen noch Spielerei, und die Menschen nutzen Kinect vor allem für Sport-, Tanz- und Kampfspiele. In der Zukunft könnte diese Bewegungssteuerung aber auch in wichtigen Bereichen wie Medizin eine immens große Rolle spielen. Gespannt darf man sein, was uns hier noch erwartet.

Vielen lieben Dank an Jan für diesen schönen Beitrag.

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Über Sven

Sven fasziniert seit über 20 Jahren das Spielen in jeder Form. Egal ob Videospiel oder die dazugehörige Konsole – Hauptsache, es blinkt, macht Geräusche und unterhält. Und vor allem sind es Gadgets, die ihn in den Bann gezogen haben. Vom asiatischen Handheld-Klon bis hin zum lebendig anmutenden Roboter – es gibt halt so viele tolle Sachen. Ihr findet den Autor unter anderem auch bei Google+ oder Facebook.


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Zuletzt aktualisiert: 09:49 Uhr

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