Tinkerbots Advanced Builder Set

Der Kreativbaukasten im Praxistest

14. Mai 2017 • 13:37 Uhr

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Was ist drin? (Foto: Sven Wernicke)

Einfach, clever, vielseitig, schnell zu verstehen. Tinkerbots von der Bernauer Kinematics GmbH ist ein intelligentes Baukasten-System für verspielte Tüftler. Der Praxistest des Advances Builder Sets.

Vor drei Jahren sammelte die Kinematics GmbH bei Indiegogo fast 300.000 US-Dollar ein, um die Tinkerbots zu realisieren. Mittlerweile sind drei Baukästen mit dem „Powerbrain“ erhältlich, mit denen ihr Roboter und fergesteuerte Spielzeuge basteln könnt. Der Hersteller stellte mir das Advanced Builder Set zur Verfügung, das auf den ersten Blick schon etwas schockiert. Denn stolze 249,95 Euro (UVP) soll der Spaß kosten – ein sehr ordentlicher Preis. Das Sensoric Mega Set liegt sogar bei unverbindlichen 480 Euro. Das aktuell günstigste Paket bekommt ihr für knapp 180 Euro. Für den Jahresverlauf sind allerdings günstigere Einsteiger-Pakete vorgesehen. „My first robot“ gibt’s dann für rund 120 Euro.

Etwas Plastik für so viel Geld? Ja, aber... (Foto: Sven Wernicke)
Etwas Plastik für so viel Geld? Ja, aber… (Foto: Sven Wernicke)

Was bekommt ihr für 250 Euro?

Also. 250 Euro! Was gibt’s dafür? „Jede Menge Plastik“, werdet ihr beim Öffnen der gar nicht mal so großen Packung denken. Ins Auge wird euch allerdings sofort das knallrote Powerbrain fallen. Das ist ein programmierbarer Mikrocontroller mit Buttons und an fünf Seiten vorhandenen Anschlüssen. Dieser elektronische Dreh- und Angelpunkt wird einerseits direkt in eure Konstruktionen integriert, andererseits mit weiteren Komponenten verbunden. Im Advanced Builder Set befinden sich ein Motor, ein Pivot für „Gelenk“-Bewegungen sowie ein Twister für 180-Grad-Drehungen.

Der Microcontroller. Er ist mit Arduino kompatibel. (Foto: Sven Wernicke)
Der Microcontroller. Er ist mit Arduino kompatibel. (Foto: Sven Wernicke)

Hinzu gesellen sich allerlei Tinkerbots-eigene Bauteile und zwei Adapter für die Verwendung von LEGO-Steinen, durch die ihr eigene Maschinen erschaffen oder zum Leben erwecken könnt. Im offiziellen Onlineshop sind allerlei Erweiterungen verfügbar, darunter Licht- und Abstandsensoren oder gar ein Greifarm (coool!). Das heißt: Ihr müsst euch nicht mit dem Gebotenen zufriedengeben, sondern dürft später auch komplexere Roboter erschaffen, was freilich zusätzlich kostet.

Das könnt ihr mit dem Tinkerbots Advanced Builder Set bauen

Alles klar? Dann kann es ja losgehen. Unverständlicherweise ist das die wenig ansprechende Gebrauchsanleitung in Deutsch gehalten, das gelungene Manual, in dem auf zahllosen Bildern genau erklärt wird, wie ihr erste Geräte baut, in Englisch. Zwar wird der Text nicht zwingend benötigt, doch gerade für Kinder wäre es sinnvoller gewesen, die Bedienungsanleitung zu übersetzen. Sei’s drum – im Großen und Ganzen sind die Abbildungen selbsterklärend. Anfänglich ladet ihr den integrierten Akku des Powerbrains auf und lasst mit nur wenigen Teilen einen selbstfahrenenden Androiden entstehen. Erfolgserlebnis? Garantiert, denn auf Tastendruck rast der kleine Kerl los. Er schob auf meinem Tisch ohne Probleme die Tinkerbots-Schachtel umher. Kraft hat das Ding.

Die erste Bastelei. (Foto: Sven Wernicke)
Die erste Bastelei. (Foto: Sven Wernicke)

Eine ganze Ecke spannender ist der Roadster, den ihr in Schritt 2 kreiert. Das ist ein einfaches Vehikel mit Pivot in der Mitte, der die Lenkung verantwortet. Der Clou: Ladet euch die Tinkerbot-App (für iOS und Android) herunter, startet die Anwendung, haltet euer Smartphone direkt über das Powerbrain und schon kann eine direkte Kontrolle des Autos beginnen. Unkomplizierter geht es kaum. Das Telefon wird also zur Fernsteuerung, was erstaunlich gut funktioniert. Gerade bei dem etwas gelungeneren, aufwändigeren Racer.

Interessant sind weitere Aspekte. So erschafft ihr auf Wunsch sogar einen vor sich hinstampfenden Roboter-Hund, der ziemlich skurril aussieht. Wenn ihr wollt, nehmt ihr Aktivitäten eurer Bots auf und spielt diese ab, also beispielsweise bestimmte Bewegungen. Nette Idee, zumal ihr dieses „Sichern“ von Aktionen direkt am Powerbrain durchführt. Alternativ steht ein Kreativmodus in der App zur Verfügung, mit dem ihr die Steuerung eurer Mobile individualisiert. Apropos: Tinkerbots unterstützt weiterführende Optionen der Programmierung. Dank Arduino-API greift ihr auf eine ausführliche Entwickler-Bibliothek zurück, die für Experten ganz sicher sehr spannend sein dürfte. Eine Anleitung inklusive den nötigen Tools zum Ansprechen der Module (Sensoren, Motoren, Powerbrain…) bekommt ihr auf der extra eingerichteten Webseite.

Euer erstes eigenes Auto. (Foto: Sven Wernicke)
Euer erstes eigenes Auto. (Foto: Sven Wernicke)

Was zum Meckern?

Faszinierend: Steckt Pivot, Motor, Twister an das Powerbrain, prompt werden diese Komponenten automatisch von der App erkannt und können angesteuert werden. So erhaltet ihr also ein flexibles System. Einziger Nachteil: Das „Gehirn“ muss immer direkt mit den anderen Motoren verbunden sein, größere Entfernungen können nicht überbrückt werden – zum Beispiel für einen Vollradantrieb. Entsprechend sind die Möglichkeiten etwas limitiert, zumindest darauf bezogen. Wie am Schluss eure Erfindungen aussehen – da seid ihr vollkommen frei. Bedenkt, dass die Motoren nur eine begrenzte Stärke besitzen, ihr also keine zehn Kilogramm schweren LEGO-Häuser herumfahren lassen könnt. Logisch, oder?

Beim Basteln. (Foto: Sven Wernicke)
Beim Basteln. (Foto: Sven Wernicke)

Etwas sparsam gehen die Macher mit dem sogenannten Brick Adapter um. Zwei kleine, quadratische Platten befinden sich im Lieferumfang. Und mit diesen könnt ihr auch LEGO-Klötze für eure Werke einsetzen. Feine Sache, nur eben etwas zu wenig. Weitere Adapter kosten extra – 5,95 Euro für vier Stück (2x Male, 2x Female).

Und was mich wirklich etwas stört: Angebrachte Cubies (die Tinkerbots-eigenen Bausteine) und Adapter-Platten lassen sich sehr schwer vom Powerbrain oder den Motoren entfernen. Ein geeigneter Hebel in Form eines sogenannten Separators findet ihr zum Glück in der Packung. Der hilft. Und manche Cubies sehen sich etwas zu ähnlich, eine klarere Differenzierung hätte ich mir gewünscht. Also eine Farbe pro Bauteil-Art zum Beispiel.

Identische Teile? Nein! (Foto: Sven Wernicke)
Identische Teile? Nein! (Foto: Sven Wernicke)

Fazit: Schönes Baukasten-Konzept

Ja, da ist dieser stolze Preis, der abschrecken mag. Doch sobald ihr euch vor das Advanced Builder Set setzt und mit dem Basteln beginnt, offenbaren sich mehr und mehr die Möglichkeiten. Zuerst baut ihr die Fahrzeuge und Krabbelroboter, steuert diese, programmiert vielleicht etwas herum oder speichert zumindest bestimmte Bewegungsmuster. Und danach? Wollt ihr neue Maschinen entwerfen, diese womöglich mit euren LEGO-Baukästen zusammenbringen oder gar die offiziellen Erweiterungen erstehen. Und stets ist das gesamte Tinkerbots-Konzept logisch sowie intelligent. Sogar Arduino-Kenner können die elektronischen Teile in schon vorhandene Basteleien integrieren.

Ja, das Teil läuft wirklich. (Foto: Sven Wernicke)
Ja, das Teil läuft wirklich. (Foto: Sven Wernicke)

Sicherlich ist Tinkerbots eine teure Spielerei, vor allem wenn ihr irgendwann alle Sensoren und Erweiterungen besitzen wollt. Trotzdem: Die Mischung aus Freiheit, Einfachheit und Vielfalt ist ausgesprochen stimmig und nicht nur für Kinder (ab 6 Jahren) anregend sowie motivierend. Wenn das nicht für eine Empfehlung genügt…?!

Weitere Details entnehmt ihr der offiziellen Webseite. Das hier vorgestellte Advanced Builder Set ist unter anderem bei Amazon erhältlich.

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Tinkerbots Advanced Builder Set
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