Tronsmart Orion R28

Der vielfältige Android-Player im Praxistest

19. April 2015 • 10:36 Uhr

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Was wohl in dieser Kiste steckt? (Foto: GamingGadgets.de)

Ihr habt noch nie etwas von dem Tronsmart Orion R28 gehört? Dabei ist das Gerät in vielerlei Hinsicht interessant: Es eignet sich als Media-Player und als Android-basierte Spielkonsole. Doch taugt die Peripherie wirklich etwas? Der Praxistest.

Was ist das denn?

Den Namen Tronsmart Orion R28 würde ich jetzt nicht unbedingt als „sexy“ bezeichnen, dabei verspricht die kleine Hardware in ihrer ansprechenden Verpackung eine ganze Menge. Denn es handelt sich hierbei um einen Streaming-Player, vergleichbar mit dem Apple TV oder Amazons Fire TV. Der Unterschied ist allerdings, dass der Hersteller Tronsmart vollständig auf Googles mobiles Betriebssystem Android mit seinen Facetten setzt. Genauer gesagt kommt Android 4.4 zum Einsatz, leider kein Android 5.0 oder gar das neue Android TV, das für dieses Device prima geeignet wäre. Sei’s drum: Im Inneren der schwarzen Kiste steckt ein Rockchip RK3288 Quadcore-Chip (Coretx-A17), der Unterstützung von der MALI-T764 Grafikeinheit, 2GB RAM und 16GB Flash-Speicher erhält.

Eine erstaunlich große Antenne. Dafür wird auch schnelles WLAN im 5GHz-Netz unterstützt. (Foto: GamingGadgets.de)
Eine erstaunlich große Antenne. Dafür wird auch schnelles WLAN im 5GHz-Netz unterstützt. (Foto: GamingGadgets.de)

Schön ebenfalls: Der Orion R28 verfügt über etliche Anschlüsse, darunter HDMI 1.4a, drei USB 2.0- sowie einen microUSB-Port (mit OTG-Tauglichkeit), einen optischen Audioausgang, WLAN nach 802.11b/g/n (2,4GHz und 5GHz), Bluetooth 4.0, microSD-Kartenslot und 100 MBit-LAN.

Aha. Und wozu ist das alles gut? Sag ich euch!

Erster Start

Die Einrichtung ist an sich schnell erledigt. Ihr schraubt die doch recht wuchtige Antenne an das Gerät, verbindet euren HDTV über HDMI mit dem Orion R28 und steckt das Netzteil ein. Ein kleiner Schalter auf der Vorderseite möchte noch betätigt werden, genauso benötigt die mitgelieferte Fernbedienung zwei AAA-Batterien. Dass die Remote der des Fire TV frappierend ähnelt, ist sicher purer Zufall. Ja, ganz bestimmt.

Jedenfalls ist der Orion R28 nach rund eineinhalb Minuten einsatzbereit und katapultiert euch direkt in das Hauptmenü eines jungfräulichen Standard-Android-Systems ohne besondere Benutzeroberfläche. Das ist dahingehend ernüchternd, weil ihr so mühsam noch alle relevanten Einstellungen in den Optionen suchen und anpassen müsst: Sprache ändern, Internet-Verbindung einrichten, Google-Konto hinzufügen und so weiter. Eine Art Assistent hätte den Komfort gerade für Android-Neulinge deutlich erhöht. Immerhin funktioniert die Fernbedienung von Anfang an, diese müsst ihr nicht erst aktivieren.

Kennt ihr euch mit dem Google-OS etwas aus und habt Freundschaft mit der an sich guten Remote geschlossen, hangelt ihr euch durch die Menüs und findet ein paar bereits vorinstallierte Apps vor. Wichtig ist dem Hersteller die ohnehin kostenlose Anwendung XBMC (heißt jetzt Kodi Media Center), mit der ihr wirklich sehr problemlos und in Windeseile Fotos oder Videos aus eurem heimischen Netzwerk bzw. von externen Festplatten, USB-Sticks oder microSD-Karten auf den Fernseher bringt. Interessantes Detail: Der RK3288 mit seinem MALI-T764 ist in der Lage, 4K-Auflösungen auf entsprechende TV-Geräte zu streamen. Hier müssen freilich Abstriche aufgrund HDMI 1.4a in Kauf genommen werden (maximal 30 Bilder pro Sekunde, niedrigere Farbpalette…).

Alles in allem war ich doch positiv überrascht, wie gut der Orion R28 mit Remote und XBMC funktioniert bzw. eigentlich genau das macht, was ich von ihm erwarte. Die App bringt zahlreiche Erweiterunghen mit, sodass ihr beispielsweise auf die Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen und andere kostenlose Streaming-Angebote zugreifen könnt. Und braucht ihr Netflix und Co., dann ladet ihr euch aus dem Google Play Store die entsprechende App herunter. Hier unterscheidet sich das Gerät in keiner Weise von einem Android-basierten Smartphone oder Tablet.

Zum Spielen

Der Händler Cytem, der den Vertrieb des Orion R28 hierzulande übernommen hat, sieht in der Lösung auch eine Spielemaschine. Nicht ohne Grund eignet sich der separat erhältliche Controller Mars G01 perfekt für den Player. Ihr steckt den winzigen Empfänger in den USB-Port des Orion R28, schon wird das Gamepad erkannt und kann genutzt werden. Schön unproblematisch. Und optional verwendet ihr das Eingabegerät am PC oder der PlayStation 3 – via Funk oder per USB-Kabel. Das gute Stück liegt prima in der Hand und erinnert sehr an einen Xbox 360-Controller. Auch Vibrationsmotoren wurden verbaut – gut.

Aber spätestens hier werdet ihr doch etwas genervt sein. Von Tronsmart gibt es keine Hilfen oder Tipps, wie ihr passende Spiele findet. Etliche Games unterstützen zwar Controller, finden müsst ihr diese selbst. Wieso keine geeignete App mit Spiele-Empfehlungen anbieten? Weshalb nicht schon ein praktisches Mapping-Tool zur Verfügung stellen? Davon abgesehen eignet sich der Google Play Store, aus dem ihr euch schließlich die Spiele ladet, nicht besonders gut für eine Bedienung mit dem Controller. Das ist alles nicht wirklich überzeugend und zufriedenstellend umgesetzt. Schade.

Aber: Sobald ihr auf Controller ausgelegte Spiele startet, beispielsweise die Games von Gameloft („Asphalt“ oder die „Modern Combat“-Reihe), entsteht schon ein erstaunlich gutes Konsolen-Feeling. Das muss man auf jeden Fall betonen. Nur der Weg zum Ziel ist unnötig steinig. Ich hätte mir eine schicke Benutzeroberfläche und andere Elemente gewünscht, die mir das Gefühl geben, einen Multimedia-Player zu erhalten. Eben, wie es Google mit Android TV, Apple mit Apple TV oder Amazon mit Fire TV vormachen.

Für Bastelfreunde

Ein sehr guter AnTuTu-Wert. (Foto: GamingGadgets.de)
Ein sehr guter AnTuTu-Wert. (Foto: GamingGadgets.de)

Kennt ihr euch mit Android und den Eigenheiten des Betriebssystems aus, seht ihr den Orion R28 womöglich mit anderen Augen. Das Gerät lädt regelrecht zum Basteln und Ausprobieren ein. Schließt Maus und Tastatur an, ladet euch eine Office-Anwendung (es genügt sogar schon ein Google Docs) herunter und verwendet die Kiste als Mini-Arbeitsrechner als Alternative zum großen Desktop. Dank Quadcore und 2GB könnt ihr recht komfortabel arbeiten und bei Bedarf Dokumente in der Cloud ablegen oder gleich ausdrucken.

Und: Der Orion R28 ist eine hervorragende Retro-Konsole! Ausprobiert habe ich Emulatoren für SNES, MegaDrive, PlayStation (1) und N64. Das klappt fein, wobei gerade letztgenannte Daddelkiste nicht ganz perfekt läuft. Hier wäre wohl ein flotterer Prozessor oder ein sauberer Emulator nötig. Denn eigentlich sind die Benchmark-Ergebnisse des Players wirklich nicht übel. Hier kommt der Orient R28 bei AnTuTu auf über 38.000 Punkte – ein super Wert. Andererseits ruckeln manche aktuelle Spiele auffällig oder stürzen gelegentlich ab. Ob es an der Firmware liegt?

Auch bei 3D Mark gut dabei. (Foto: GamingGadgets.de)
Auch bei 3D Mark gut dabei. (Foto: GamingGadgets.de)

Ich muss es noch einmal betonen: Der Orion R28 ist ein Fest für diejenigen, die gerne ausprobieren und Abstürze oder Fehlermeldungen in Kauf nehmen – bis sie das Teil so eingerichtet haben, dass sie zufrieden sind. Bei XBMC, Emulatoren und so manchen Spielen fühlt sich das Gadget am wohlsten. Tronsmart verschenkt allerdings enorm viel Potential: Ein etwas saubereres Android, vielleicht sogar Version 5? Ein vernünftiges Interface, bei dem die Bedienung mit Remote oder Controller anstandslos funktioniert? Leider Fehlanzeige und genau das ist der größte Kritikpunkt. Dass ihr auf der Fernbedienung auf Knopfdruck eine Art Mauszeiger aktivieren könnt, um euch so besser orientieren zu können, zeigt schon, dass es einfach nicht perfekt sein kann, wenn man ein reguläres Android für den HDTV umsetzt. Dabei könnte Tronsmart sogar ein Update veröffentlichen, das diesen Hauptmakel beseitigt. Nur ob was kommt? Ich bin skeptisch.

Fazit: Gute Sache, aber…

Immer dieses „ABER“. Doch den Orion R28 kann ich nicht blind allen empfehlen. Der Player ist dank seiner offenen Android-Basis und der zahlreichen Anschlüsse ein Spielplatz für euch, wenn ihr ihn als Mediaplayer, Android-Spielkonsole und Retro-Emulator verwenden wollt. Zusammen mit dem Mars G01 erhaltet ihr alles, was ihr fürs Abspielen von Filmen und Zocken benötigt. Vorausgesetzt, ihr wollt eben auch mit Apps experimentieren und recht aufwändig den Orion R28 so individualisieren, dass ihr am Schluss glücklich seid. Vielleicht genügen euch ja schon die Netflix- und Spotify-Apps sowie die Anbindung zu eurem heimischen Netzwerk mit eurer Medienbibliothek? Auch dann trefft ihr mit dem Orion R28 und seiner guten Hardware keine schlechte Entscheidung. Letztlich ist die Konfiguration nicht ganz ohne und dürfte viele Einsteiger total überfordern. Hier muss ich Tronsmart vorwerfen, sich nicht die Mühe gemacht zu haben, das installierte Android 4.4 vernünftig anzupassen. Und das ist der größte Makel.

Kann ein guter Mediaplayer sein, wenn ihr gerne bastelt. (Foto: GamingGadgets.de)
Kann ein guter Mediaplayer sein, wenn ihr gerne bastelt. (Foto: GamingGadgets.de)

Möchtet ihr es einfach und komfortabel, greift zum Fire TV oder den bald erscheinenden Android TV-Konkurrenten. Der neuerdings hierzulande erhältliche Nexus Player ist sogar einige Euro günstiger. Wollt ihr euch austoben und volle Flexibilität? Dann schaut euch den Orion R28 an.

Erhältlich ist der Tronsmart Orion R28 bei Cytem für rund 130 Euro. Dort könnt ihr den von mir getesteten Mars G01 ebenfalls erwerben.

Kleiner Tipps: Im offiziellen Forum findet ihr bei diversen Problemen Hilfe.

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