Turtle Beach Ear Force PX5

Highend-Gamingheadset im Praxistest

29. Oktober 2012 • 16:40 Uhr

Teilen:
Das ist das PX5, das auf den Transmitter gesetzt werden kann. (Foto: GamingGadgets.de)

Es ist das aktuelle Spitzenmodell von Turtle Beach. Das schnurlose Ear Force PX5 Gaming-Headset mit 7.1 Surround-Sound klingt in der Tat beeindruckend, allein wenn ihr euch die technischen Daten anschaut. Auch beim Anschauen hinterlässt das Gerät einen feinen Eindruck. Beim Blick auf den Preis ist das Ear Force PX5 im Vergleich zu seinen Konkurrenzprodukten im Bereich Gaming Headsets durchaus im höheren Segment angesiedelt. Doch was mir für unverbindliche 249,99 Euro geboten wird, stellt mich leider nicht zufrieden.

Es fängt schon beim Auspacken an. Allerlei Kabel und eine mit Rechtschreibfehlern versehene Kurzanleitung sorgen für Verwirrung. Doch keine Angst: Kennt ihr euch ein wenig mit eurem Heimkino-System sowie der PlayStation 3, für die das PX5 in erster Linie gedacht ist, und den entsprechenden Anschlüssen aus, kommt ihr recht flott zurecht. Wichtig zu wissen ist, dass ihr den Transmitter mittels des optischen Kabels mit eurer PlayStation 3 verbindet. Verfügt ihr über einen separaten Receiver für die Surround-Anlage, benötigt ihr ein weiteres LWL-Kabel und schleift das Signal sozusagen durch den Sender/Empfänger des PX5. Der Transmitter wiederum benötigt Energie, die er am besten mittels des beiliegenden USB-Kabels von der PlayStation 3 bezieht. Einen analogen Audio-Eingang gibt’s ebenfalls – den verwendet ihr beispielsweise für eine andere Quelle wie die Wii, Xbox 360 oder durchaus für den MP3-Player. In diesen Fällen könnt ihr selbstverständlich nicht das Mikrofon des Headsets verwenden.

Die ersten Ärgernisse

Ich will nicht unfair sein, aber dennoch mit den Kritikpunkten beginnen. Das PX5 kostet wie gesagt fast 250 Euro, für diesen Preis erwarte ich im Gaming-Headset-Bereich ein hochwertiges Produkt. Leider sind die ersten Enttäuschungen nicht weit. Beispielsweise verzichtete Turtle Beach auf integrierte Akkus mitsamt Ladefunktion. Stattdessen bekommt ihr zwei AA-Batterien, die ihr bei einem dauerhaften Betrieb am besten gegen leistungsstarke Akkus tauschen solltet. Das XP 400 von Turtle Beach, das sich an Xbox 360-Gamer richtet, verfügt doch auch über Akkus – wieso nicht hier?

Weitere Schwierigkeiten offenbaren sich im alltäglichen Betrieb: Gerade wenn ich das PX5 mit der vielseitigen PlayStation 3 verbinde, möchte ich hin und wieder Filme auf DVD und Blu-ray schauen. Soweit kein Problem – bis ich eine Disk einlege, die eine DTS-Tonspur besitzt. Dann bleiben die Speaker stumm. Eine Erklärung, was in diesem Fall zu tun ist? Die hat Turtle Beach nicht parat. Die Lösung ist einfach: DTS als Ausgabe-Signal in den PS3-Optionen deaktivieren, dann erhaltet ihr immerhin digitalen Stereo-Sound. Ärgerlich ist es  trotzdem. Das PX5 unterstützt eben „nur“ Dolby Digital und ProLogic 2x sowie sämtliche analogen Töne. Das ist dahingehend suboptimal, weil mittlerweile einige PlayStation 3-Spiele existieren, die explizit DTS-Sound bieten. In voller Qualität kann ich diese somit nicht genießen.

DTS-Signale? Fehlanzeige. Aber wie reagiert der Nutzer darauf? (Foto: GamingGadgets.de)
DTS-Signale? Fehlanzeige. Aber wie reagiert der Nutzer darauf? (Foto: GamingGadgets.de)

Einen Makel, den ich weder reproduzieren noch 100%ig nachvollziehen kann, ist äußerst unschön: Gelegentlich kommt es für eine Millisekunde zu Aussetzern, als würde man kurzzeitig eine „Mute“-Taste betätigen. Sowohl dann, wenn ich via LWL-Kabel das Signal von der PS3 zur Surroundanlage durchschleife als auch direkt mit dem Headset ist dies wahrnehmbar. Ich vermute(!), dass dies möglicherweise dann auftritt, wenn die Bitrate der Tonspur besonders hoch ist (Action-Sequenzen) und der Transmitter genau damit seine Probleme hat.

Apropos: Möchtet ihr, dass es ordentlich knackst und eure Ohren schmerzen? Dann stellt den Transmitter hinter den Fernseher oder an eine weiter entfernte Position. Trotz digitaler, schnurloser Übertragung der Signale zum Headset ist der Empfang nicht frei von Fehlern. Liegt’s an der Technik, der Bauweise der Kopfhörer, an meinen Wänden? Unklar. Ernüchternd.

Alles in allem sind das Punkte, die nicht gerade für ein Produkt in dieser Preisklasse sprechen. Für manche mögen die genannten Aspekte KO-Kriterien sein, ich kann zumindest aktuell noch mit diesen leben. Nur ob ich langfristig gewillt bin, mit Aussetzern und Knacksen zu leben? Andererseits – das PX5 hat einige echt nicht zu unterschätzende Pluspunkte!

Positives!

Wenn es keine Probleme gibt, ist der Sound wirklich erstklassig. (Foto: GamingGadgets.de)
Wenn es keine Probleme gibt, ist der Sound wirklich erstklassig. (Foto: GamingGadgets.de)

Das Fiese ist ja: Sobald ihr das PX5 korrekt eingerichtet, den Transmitter möglichst in Sichtweite der Kopfhörer positioniert und ein geeignetes Spiel ausgewählt habt, werdet ihr überrascht sein! Die zwei verbauten 50mm-Speaker sind in der Lage, einen hervorragenden Surroundklang zu präsentieren. Ihr könnt prima orten, wo gerade etwas explodiert oder sich Menschen im Hintergrund unterhalten. Meine bisherigen Erfahrungen mit ähnlichen Surround-Headsets (zugegeben in anderen Preisklassen) waren nicht im Ansatz so überzeugend wie das hier Gebotene! Auch ein gewisses Grundrauschen, wie es viele schnurlosen Kopfhörer besitzen, ist beim PX5 nicht wahrnehmbar. Prima! Der DSP ist offenbar ein sehr guter, denn auch bei analogen Surround-Signalen (ProLogic 2x) wird ein zufriedenstellender Raumklang vermittelt. Stereo-Signale (Rot/Weiß-Anschluss am Transmitter) geben sich ebenfalls kaum eine Blöße. Ja, ich gebe zu, dass mich hier die Qualität überzeugt hat – und ganz klar ist dieser Bereich die größte Stärke des PX5.

Das abnehmbare Stereo-Mikrofon bereitet keinerlei Probleme, bei ein paar Test-Gesprächen ist dem Gegenüber das kaum vorhandene Rauschen positiv aufgefallen. Beim Spielen gibt es ebenfalls keine Dinge, die ich kritisieren könnte – abgesehen von dem anfäglich etwas konfusen Pairing mit der PlayStation 3 oder einem Mobiltelefon (iPhone 4). Das klappt und funktioniert, ist aber etwas verwirrend.  Das hier und da im Internet kritisierte Verzerren des Tons des Mikrofons bei Onlineshootern kann ich selbst nicht bestätigen. Das Umschalten von Modi oder gar das Aktivieren des PX5 wird außerdem von einer Computerstimme kommentiert. Unnötig, in meinen Augen.

Gleiches gilt für die sogenannten Presets. Von Haus aus sind acht Stück vorhanden, die ihr auf Knopfdruck auswählt. Mit diesen verändert sich die Akustik teils gravierend. Mal mehr Bass, mal kräftigere Höhen und dergleichen. Schließt ihr das PX5 an den PC an, könnt ihr eigene Presets dank der Turtle Beach-Software kreieren und hochladen. In der Praxis habe ich mich fast immer für die Standard-Variante entschieden. Vielleicht finden ja andere mehr Gefallen an dieser Spielerei?

Komfort

Guter Sitz, gut positionierte Knöpfe. (Foto: GamingGadgets.de)
Guter Sitz, gut positionierte Knöpfe. (Foto: GamingGadgets.de)

Nicht unwesentlich zu wissen ist, dass das PX5 mit seinem Gewicht von 233 Gramm sehr prima auf dem Kopf sitzt und auch bei längeren Spiel- oder Filmguck- Sessions nicht unangenehm auffällt. Mir gefällt das Design sehr gut, die Verarbeitung des Headsets selbst stellt absolut zufrieden. Durch den flexiblen Bügel könnt ihr den Kopfhörer individuell anpassen, das Mikrofon lässt sich beliebig drehen und wenden. Höchstens die Abdeckung für den Batterie-Einschub wirkt dezent billig. Der Transmitter ist wiederum recht wuchtig, für den müsst ihr erst einmal Platz freiräumen.

Was beiläufig erwähnt auf fehlende Logik schließen lässt: Via USB erhält der Transmitter seinen „Saft“. Nur was, wenn ihr eine Wii oder ein anderes Gerät analog an diesen angeschlossen habt und Musik oder Spiele genießen wollt? Dann muss die PlayStation 3 immer angeschaltet sein, weil das Headset ohne Strom nicht funktioniert. Und im Standardfall hängt der Transmitter ja an der Sony-Kiste. Was fehlt, das ist ein separates USB-Stromkabel. Zum Glück könnt ihr jedes x-beliebige verwenden.

Löblich sind die logisch angeordneten Buttons am Headset (Lautstärke, Bluetooth-Pairing, Preset-Auswahl) und das Kabel, mit dem ihr das Headset für Spracheingaben auch an den Xbox 360-Controller anschließen könnt. Sowieso ist das PX5 optional für die Microsoft-Konsole geeignet, wobei ich hier eher zu den speziellen Turtle Beach-Modellen tendieren würde. Denn ohne Kabel geht es nur an der PS3 (bzw. Smartphones und anderen geeigneten Geräten) dank Bluetooth.

Fazit

Ausreichende Anschlüsse - also für PS3 und weiterer Analog-Quelle. (Foto: GamingGadgets.de)
Ausreichende Anschlüsse – also für PS3 und weiterer Analog-Quelle. (Foto: GamingGadgets.de)

Selten war ich bei einem Praxistest so hin- und hergerissen. Auf der Habenseite beeindruckt mich das PX5 mit einem tollen Surroundsound, wobei ich jetzt den Unterschied zwischen 5.1 und 7.1 (womit Turtle Beach ja wirbt) nicht wirklich feststellen kann. Der Klang ist vorzüglich und bereitet mir sehr viel Freude. Überschattet wird diese Hochwertigkeit durch genannte Makel, die doch den Spaß verderben können. Das eine oder andere kann verhindert werden, nicht aber die sporadischen Tonaussetzer und das unangenehme Knacken, wenn man sich vom Transmitter zu weit entfernt. Dass keine Akkus integriert sind und es schlicht an Erläuterungen (DTS? Was nun?) fehlt, sind ebenfalls Punkte, die gegen das PX5 mit seinem stolzen Preis sprechen.

Ich hoffe inständig, dass Turtle Beach eine überarbeitete Version des PX5 veröffentlichen wird. Ohne genannte Probleme ist das ein tolles Gaming-Headset, das kaum Wünsche offen lässt – eben wenn es funktioniert, wie es soll.

Bestellen könnt ihr das Turtle Beach Ear Force PX5 unter anderem bei Amazon. Wie gesagt: Ein Preisvergleich ist durchaus angebracht. Weitere Daten findet ihr auf der Hersteller-Webseite.

Teilen:

2 Kommentare

  1. ²DTS als Ausgabe-Signal in den PS3-Optionen deaktivieren, dann erhaltet ihr immerhin digitalen Stereo-Sound. Ärgerlich ist es trotzdem.²

    Das ist quatsch! Ich denke da hast du wohl einen fehler gemacht bei mir funktioniert alles einwandfrei! Ich denke man sollte so einen bericht erst nach langer intensiver testphase schreiben und ahnung von technik haben! Bleib bei deinem normalen beruf, wenn es das ist such dir einen neuen!

    mfg

    Antworten
    • Sven am

      Du solltest vielleicht erst einmal lernen, dich freundlich und vernünftig auszudrücken, nicht willkürlich andere Leute persönlich anzugreifen. Schade, das ist nämlich keine Basis für eine sachliche Diskussion. Eine Sache nur: Wenn du bei diesen Kopfhörern DTS-Ton erhältst, Glückwunsch. Dann besitzt du vermutlich die einzigen PX5 mit DTS. :P Turtle Beach hat auf der eigenen Webseite übrigens auch genaue Erklärungen, was bei DTS-Ton (Blu-rays) zu beachten ist…aber wem erzähle ich das eigentlich? Du weißt es doch eh besser.

      Antworten

Kommentar schreiben

1 Pingback

  1. 29. Oktober 2012 at 16:10