Valves Spielkonsole mit Steam

Überflüssig oder sinnvoll? Wer braucht sowas?

10. Dezember 2012 • 17:16 Uhr

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Solch ein PC-Gaming-Cube kostet über 600 Euro in halbwegs ordentlicher Ausstattung. (Foto: Mifcom.de)

Aufregend. Nach den Gerüchten der letzten Monaten bestätigte Valve-Boss Gabe Newell auf den Video Game Awards 2012 vergangenes Wochenende, dass 2013 eine neue Spielkonsole von den „Half-Life“-Machern erscheinen soll. Wozu? Das Ziel sei es, den guten, alten PC in das heimische Wohnzimmer zu bringen – natürlich ausgestattet mit der hauseigenen Steam-Software zum unkomplizierten Download neuester Games.

Dass Valve diesen Weg zur eigenen Konsole vorbereitet hat, deutete die Vergangenheit schon gut an. Der in der aktuellen Steam-Beta eingeführten Big Picture-Modus offenbart vermutlich sogar schon die Benutzeroberfläche der künftigen Konsole: Mittels Gamepad könnt ihr euch einfach durch die Menüs von Steam hangeln, geeignete Spiele anschauen und käuflich erwerben. Valve empfiehlt explizit, den eigenen Rechner oder Laptop über HDMI an den HDTV anzuschließen, um das perfekte Erlebnis zu erhalten.

Für wen?

Nichts anderes dürfte doch die potentielle Spielkonsole am Schluss bieten. Wir reden hier über einen PC, vermutlich in einem kleineren Gehäuse, der an den Fernseher im Wohnzimmer gehängt wird. Lasst mich überlegen: Ein normaler HDTV besitzt heutzutage vier HDMI-Ports. An denen hängen bei Spielern längst Xbox 360, PS3, vielleicht die Wii U, AppleTV, der Satelliten/Kabel-Receiver…tja…und vielleicht bald auch die Steam-Daddelkiste? Vielleicht deutet dies schon an, dass wir hier über ein überflüssiges Produkt reden? :- ) Unabhängig davon stellt sich mir die Frage: Wozu das überhaupt? Die meisten der 50 Millionen Steam-User besitzen einen Windows- oder MacOS-Computer, der im Spiele- oder Arbeitszimmer steht. Vielleicht sogar schon längst im Wohnzimmer. Und diejenigen, die ausschließlich auf der Konsole zocken, kennen Steam womöglich noch gar nicht. Das heißt: Valve muss einen enormen Marketing-Aufwand betreiben, um die Konsolen-Fraktion aufhorchen zu lassen. Und ob die wirklich an so einem Stück Hardware interessiert sind? Die Blockbuster gibt’s doch sowieso auf Xbox 360 und PlayStation 3, viele kleinere Produktionen erhalten Spieler via XBLA und PSN. Andererseits könnten so viele Leute wieder angesprochen werden, die sich über die Jahre hinweg vom PC als Spieleplattform abgewendet haben.

Zu welchem Preis?

Solch ein PC-Gaming-Cube kostet über 600 Euro in halbwegs ordentlicher Ausstattung. (Foto: Mifcom.de)
Solch ein PC-Gaming-Cube kostet über 600 Euro in halbwegs ordentlicher Ausstattung. (Foto: Mifcom.de)

Etliche Hürden muss Valve dennoch nehmen: Die Steam-Konsole dürfte wohl auf Blu-ray oder DVD- Laufwerk verzichten, stattdessen gehe ich von einer integrierten Festplatte sowie vielleicht USB- und Speicherkartenslots aus. Als Eingabegerät schätze ich, erwartet uns ein Controller im Stil des Xbox 360-Pads. Mit dem könnt ihr ja schon jetzt perfekt dem Big Picture-Modus verwenden. Schwieriger ist dagegen die Wahl der restlichen Komponenten. CPU und Grafikeinheit müssen leistungsfähig genug für aktuelle Spiele sein, dürfen aber nicht zu teuer ausfallen. Wer möchte schon 1000 Euro ausgeben? Da ist ja ein Desktop-Rechner im Mini-Gehäuse günstiger. Die Hardware sollte für die nahe Zukunft gerüstet sein, Quadcore-Prozessor und eine durchschnittliche DirectX11-Grafikkarte sind da wohl das Minimum. Nur wie kann das alles noch in einem bezahlbaren Rahmen – sagen wir um die 400 Euro – bleiben? Ist das überhaupt möglich? Zugleich hat Valve mit der Konsole die Nachfolger von Xbox 360 und PS3 im Visier – die vielleicht 2013 ebenfalls in den Handel kommen. Also muss die Leistung stimmen? Wie soll das alles zusammen passen? Nicht zu teuer und viel „Power“ auf kleinem Raum? Angedeutet wurde, dass diverse Hersteller ihre eigenen Steam-Konsolen entwerfen und verkaufen können. Nur das sorgt doch für eine Fragmentierung – bezogen auf die Hardware, oder? Suboptimal, da der Vorteil der Spielkonsolen ja der ist, dass alle Modelle technisch identisch sind und die Entwickler nicht dazu gezwungen werden, noch einzelne Grafikchips und dergleichen berücksichtigten zu müssen.

Gabe Newell zufolge soll es sich bei der Konsole um ein möglichst „abgeschlossenes System“ handeln, was bedeutet: Die volle Kontrolle erhaltet ihr nicht, könnt also nicht beliebige Software installieren oder die Grafikkarte wechseln. Das ist freilich ein Vorteil für Entwickler, die sich weniger Sorgen um Raubkopien oder sich veränderte Komponenten machen müssen. Stattdessen optimieren sie ihre Spiele für eine Plattform – genauso wie bei anderen Konsolen. Nur ob dann Windows das geeignete Betriebssystem sein kann? Schwer zu beurteilen. Ansonsten: Womöglich gibt Valve die konkreten Spezifikationen (Hardware, OS) für die hauseigene Konsole vor und Firmen dürfen ihre eigenen Modelle kreieren? Die Fragmentierung wird so umgangen?

Welches Betriebssystem?

Der nächste Knackpunkt: Welche Betriebssystem könnte Valve verwenden? Steam ist seit einigen Tagen für Linux erhältlich, mit dem offenen OS könnte das Studio hohe Lizenzkosten sparen, die für ein Windows 7/8 fällig würden. Dumm nur, dass die wenigsten Spiele der über 1700 bei Steam erhältlichen Titel unter Linux lauffähig sind. Dass Valve Spielehersteller wie Electronic Arts oder Ubisoft davon überzeugen kann, für eine PC-basierte Spielkonsole Umsetzungen anzubieten, halte ich auch für RELATIV unwahrscheinlich. Auch weil genannte Unternehmen mit Origin und uPlay Alternativen zu Steam parat haben. Wie wäre es mit einer Steam-Konsole basierend auf Mac OS? Eher nicht, da nur Apple Mac OS-Computer produzieren lässt, Valve aber andere Computerhersteller ins Boot holen will.

Zum aktuellen Zeitpunkt frage ich mich: Was soll das überhaupt? Ich wünsche mir zwar durchaus, dass ich aktuelle PC-Spiele auf dem Fernseher im Wohnzimmer genießen kann, ohne lange Kabel zu ziehen oder mich mit WLAN-Streaming-Konzepten herumärgern zu müssen. Nur wozu habe ich dann meinen Spiele-tauglichen Rechner, an dem ich auch arbeite? Irgendwie erschließt sich mir noch nicht der tiefere Sinn einer solchen Konsole. Und ob Xbox 360- bzw. PS3- Besitzer umsteigen wollen? Wozu denn? Als gäbe es heutzutage – abgesehen von den vielen Indie-Titeln – noch unzählige PC-exklusive Blockbuster, die ich mit dem Gamepad spielen möchte.

Der niedrigste Aufwand für Valve würde wohl nur darin bestehen, (mindestens) einen Computerhersteller zu finden, der einen aktuellen PC in ein Konsolen-Gehäuse presst. Die Entwickler passen das Betriebssystem sowie Steam an – fertig ist die Steam-Konsole. Eventuell erwartet uns auch nichts anderes – nur dann kann echt nicht von einer Bereicherung für die Massen die Rede sein. Davon ab: Bringt ihr euren jetzigen PC in die Stube, habt ihr am Schluss mit Sicherheit kaum etwas anderes als die Konsole, die Valve in den Handel bringen möchte.

Was meint ihr zu der Valve-Spielkonsole mit Steam?

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Über Sven

Sven fasziniert seit über 20 Jahren das Spielen in jeder Form. Egal ob Videospiel oder die dazugehörige Konsole - Hauptsache, es blinkt, macht Geräusche und unterhält. Und vor allem sind es Gadgets, die ihn in den Bann gezogen haben. Vom asiatischen Handheld-Klon bis hin zum lebendig anmutenden Roboter - es gibt halt so viele tolle Sachen. Ihr findet den Autor unter anderem auch bei Google+ oder Facebook.


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