Von der Idee zum Crowdfunding-Projekt

Michael Herrmann und seine ATOC Gaming Gun

19. Dezember 2015 • 14:07 Uhr

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Eine große Waffe für Egoshooter - von der Idee bis zur Crowdfunding-Kampagne. (Foto: Michael Herrmann)

Von der fixen Idee zu einer Crowdfunding-Kampagne, durch die ein echtes Gerät zum Zocken entsteht. Die Pläne von Michael Herrmann und seiner ATOC Gaming Gun sind groß. Und der Weg zum Ziel ist lang. Willkommen zu unserem ersten Erfinder-Porträt auf GamingGadgets.de.

Bereits im Juli 2014 präsentierte der Tüftler aus Höhr-Grenzhausen im Westerwald seine ATOC Gaming Gun. Diese Plastikwumme verfügte über einen 11 Zoll großen Bildschirm, auf dem das Spielgeschehen dargestellt werden sollte. Dank Sensoren wurden Bewegungen direkt im Spiel umgesetzt. Die Grundidee hatte Michael schon viel früher. Denn er wollte nach dem Zocken von „Time Crisis“ auf der PlayStation mit den dazugehörigen Lightguns ein ähnliches Gefühl auf dem PC erzeugen. Und so experimentierte er unter anderem mit einer Wiimote, die über Bluetooth mit einem Rechner verbunden war. Weitere Basteleien mit Tanzmatten, TrackIR-Infrarot-Sensoren und allerlei Software-Versuchen folgten. Es entstand nach und nach das erste Gerät, das aus einem Softair-Gewehr und Sensoren aus Wiimotes bestand.

Das Innenleben des ersten Prototypen. (Foto: Michael Herrmann)
Das Innenleben des ersten Prototypen. (Foto: Michael Herrmann)

Von Basteleien und den ersten Prototypen

Mit seiner gebauten Gun, einem Tracking-Headset und der Tanzmatte konnte Michael immerhin „ARMA 2“ auf neue Art und Weise erleben, auch wenn er selbst beschreibt, dass das wohl lustig ausgesehen haben muss. Später kam er mit Freunden auf die Idee, das Display direkt auf die Waffe zu montieren, um so die Intensität zu erhöhen und das Anvisieren bei Shooter-Spielen zu erleichtern. Es dauerte noch einige Zeit, bis die Vision des heute 34-Jährigen im Kopf reifte, aus der die ATOC Gaming Gun resultierte.

Michael mit dem ersten Prototypen. (Foto: Michael Herrmann)
Michael mit dem ersten Prototypen. (Foto: Michael Herrmann)

Der frühe Prototyp von 2014 verfügte über eine Fujitsu Air Command, die die Maussteuerung in Spielen ermöglichte. Damals schon investierte Michael sehr viel Zeit und für seine Verhältnisse viel Geld (über 500 Euro) in die ATOC Gaming Gun, sogar erste Anfragen trudelten ein. Potentielle Käufer?! Aber es war letztes Jahr noch zu früh, um irgendein finales Produkt vorzeigen zu können. Ich selbst war auch sehr skeptisch und empfahl Michael, weiter an seinem „Baby“ zu tüfteln und mit dem Gedanken zu spielen, ein individuelles Design mittels eines 3D-Druckers anfertigen zu lassen.

Weitere Verbesserungen

Und jetzt der zweite Prototyp. Der kostete den leidenschaftlichen Gamer bisher über 1000 Euro, was sicherlich in Anbetracht dessen, dass wir hier über eine eigenständige Erfindung reden, erstaunlich wenig ist. Bereits fertig ist eine eigene Treibersoftware, über einen WIFI-USB-Stick wird die Gun mit dem PC verbunden. Perspektivisch könnte die finale Waffe sogar noch weitere Gyro-Sensoren, Accelerometer und Magnetometer erhalten, um so komplexere Bewegungsabläufe wahrnehmen zu können – beispielsweise für Virtual-Reality-Anwendungen. Auch hier denkt der junge Familienvater weiter.

Der zweite Prototyp erhält ein neues Gehäuse aus dem 3D-Drucker. (Foto: Michael Hermann)
Der zweite Prototyp erhält ein neues Gehäuse aus dem 3D-Drucker. (Foto: Michael Hermann)

Geld einsammeln

Für Michael Hermann ist die ATOC Gaming Gun nach wie vor ein riesiges Hobbyprojekt, bei dem er sich beim Löten, Schrauben und Basteln austoben kann. Seine Frau ist wohl nicht ganz so angetan von den bisherigen Kosten. Verständlich. Aber vielleicht klappt es ja mit der Crowdfunding-Kampagne? Sein Ziel ist es, in den kommenden acht Wochen bei Indiegogo zu starten, über das Portal sollen im besten Fall 50.000 Euro eingenommen werden. Michael ist sich bewusst, dass das Geld dort nicht direkt als Investitionssumme gesehen werden kann, schließlich erwarten die privaten Geldgeber später ein fertiges Gadget zum Verwenden. Sie bestellen also vor, er muss liefern. Erreichen möchte er dies unter anderem mit Firmen aus der Umgebung, die sich auf Kunststoffspritzguss und Werkzeugbau spezialisiert haben. Die könnten das Gehäuse für die ATOC professionell anfertigen. Aber ich hoffe ihm ist klar: Allein das Anfertigen geeigneter Guss-Formen ist überaus kostenintensiv.

Das neue Modell im schicken Design. (Foto: Michael Herrmann)
Das neue Modell im schicken Design. (Foto: Michael Herrmann)

Die Sensoren und weiteren Komponenten dürften dagegen in größeren Mengen relativ günstig ausfallen – abgesehen vom Display, das nach wie vor Kernelement der ATOC Gaming Gun ist. Dieses treibt letztlich auch dem Gesamtpreis für Interessenten in die Höhe: Zwischen 180 und 250 Euro soll ein Exemplar kosten. Wer nur diesen Gun-Controller, zum Beispiel für VR-Spiele, wünscht, kann sich bald für 100 bis 130 Euro ein solches Gerät sichern. Das klingt dann schon etwas humaner.

Daumen drücken

Michael und seine Frau. Das Projekt frisst sehr viel Freizeit. (Foto: Michael Herrmann)
Michael und seine Frau. Das Projekt frisst sehr viel Freizeit. (Foto: Michael Herrmann)

Was mir an der ATOC Gaming Gun gefällt, das ist vor allem die Überzeugung von Michael Hermann. Er spricht gerne über seine Knarre, über seine Arbeit und hat auf seiner Webseite auch schöne, persönliche Artikel verfasst, die gut verdeutlichen, dass er Feuer und Flamme für seine Peripherie ist. Diese Begeisterung führte sicherlich auch dazu, dass er recht viel privates Geld in seine Versuche investierte. Ob alles so läuft, wie es sich Michael vorstellt? Ich hoffe, dass er seinen Traum erfüllen kann und alles technisch so funktioniert, wie er es sich wünscht und es Spieler verlangen. Zugegeben: Ein wenig Skepsis schwingt mit. Wie sieht’s mit der Latenz bei der WIFI-Übertragung aus? Und wie genau funktionieren die Treiber? Kann jeder Shooter mit der Gun verwendet werden? Wird die Verarbeitung zufriedenstellend sein? Schauen wir mal, oder?

Weitere Details zur ATOC Gaming Gun und Erfinder Michael Hermann findet ihr auf der offiziellen Webseite, bei Facebook und bei Twitter. Ein Danke geht Michael für die freundlichen Gespräche und die Hintergrundinfos. Viel Erfolg!

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