Wonderbook: Das Buch der Zaubersprüche

Augmented Reality trifft auf Harry Potter-Zauberei. Der Praxistest.

13. November 2012 • 17:00 Uhr

Teilen:
Ein großes Paket für 40 Euro. (Foto: Sony)

Ich sehe schon das Ende des guten, alten Buches. Also des aus Papier gebundenen Werkes mit ganz vielen Buchstaben drin. Ob wir es wollen oder nicht – den elektronischen Büchern gehört die Zukunft. Digital ist besser und so. Die junge Generation, die mit Smartphone und Tablet aufwächst, wird den „Vorgänger“ vermutlich gar nicht vermissen und eher froh über Suchfunktionen, bewegten Bildchen und dergleichen sein. Jetzt schon können Eltern ihrem Nachwuchs mit dem Wonderbook zeigen, dass das Kinderbuch früher oder später ausgedient hat. Denn das neue Gadget für PlayStation 3-Besitzer zeigt auf gewisse Weise die Möglichkeiten der Gegenwart. Interaktion. Animation. Illusion.

Wonder…was? Das auf Augmented Reality-ausgelegte Zubehör für die Konsole stellte Sony erstmals auf der diesjährigen E3 vor, nun pünktlich zum Weihnachtsgeschäft ist es für 40 Euro inklusive dem ersten Abenteuer „Das Buch der Zaubersprüche“ erhältlich. Schauen wir uns das Teil doch mal genauer an…

Einrichtung

Die perfekte Spielumgebung ist nicht für jeden eine Selbstverständlichkeit. Denn das Wonderbook verlangt spezielle Gegebenheiten. Beispielsweise solltet ihr die benötigte PlayStation Eye-Kamera zwischen 70 und 100 cm über dem Boden platzieren – zum Beispiel auf einem Sideboard, wo der Fernseher drauf steht. Zudem muss die Cam mit Weitwinkel-Einstellung nach unten Richtung Teppich verweisen. Denn ihr sitzt mit rund 1,3 Metern Entfernung vor dem HDTV mit dem Buch vor euch. Nicht vergessen solltet ihr gute Lichtverhältnisse. Eine Lampe, die direkt auf die Kamera strahlt, sorgt zwangsläufig für Schwierigkeiten. Das eigentliche Spiel gibt euch zahlreiche Tipps während der Einrichtung. Ist in eurer Wohnung das Aufstellen der Kamera nicht möglich oder fehlt euch der Abstand zum Fernseher, dann könnt ihr das Wonderbook nicht wirklich ordentlich nutzen.

Move wird für das Wonderbook benötigt. (Foto: Sven Wernicke / GamingGadgets.de)
Move wird für das Wonderbook benötigt. (Foto: Sven Wernicke / GamingGadgets.de)

In meinem Fall klappte es glücklicherweise optimal, unter anderem weil mein Sideboard im Wohnzimmer sozusagen die perfekte Höhe besitzt und ich genügend Platz zwischen Couch und TV frei räumen konnte. Ihr solltet euch also bewusst darüber sein, dass ihr diese Hürden nehmen müsst!

Überraschung!

Seltsame Symbole mit Sinn. (Foto: Sven Wernicke / GamingGadgets.de)
Seltsame Symbole mit Sinn. (Foto: Sven Wernicke / GamingGadgets.de)

Sollte alles passen, wird euch das Wonderbook beziehungsweise das dazugehörige „Buch der Zaubersprüche“ schnell überraschen. Tatsächlich erkennt das Spiel das Schaumstoff-Zubehör präzise. Sogar dann, wenn ihr das Buch in die Hand nehmt, dreht oder umblättert, reagiert die Software darauf. Trotzdem ist das alles nicht grundlegend neu: Auf den 12 Seiten befinden sich Symbole, die die Eye-Kamera erkennen und mithilfe der PlayStation 3 auswerten kann. Ähnlich funktioniert dies mit den AR-Karten der PlayStation Vita oder des Nintendo 3DS. Im Wonderbook steckt keine Technik, die ist eh nicht nötig. Dennoch ist das Gebotene zu Beginn schon beeindruckend, denn nahezu verzögerungsfrei reagiert das Spiel auf Eingaben. Zusammen mit dem Move-Controller (ebenfalls nötig), der sich passenderweise in einen Zauberstab verwandelt, entsteht somit eine gute Illusion, die sicherlich vor allem jüngere Spieler begeistern dürfte. Klar, ein dezentes Kantenflimmern an den Rändern des Wonderbooks ist wahrnehmbar, aber das ist abhängig von der Ausleuchtung des Raumes. Da könnt ihr im Zweifel experimentieren.

Und nicht, dass es jemand falsch versteht: Das Geschehen stellt das „Buch der Zaubersprüche“ selbstverständlich auf dem HDTV dar, nicht in dem Buch. Logo! Durch die Markierungen im Wonderbook sind die Eingreifmöglichkeiten übrigens begrenzt. Mal dürft ihr auf der linken Buchseite etwas auswählen, ein anderes Mal auf der rechten oder in der Mitte. Das führt mich zu der Vermutung, dass künftige Spiele für die Peripherie ähnlich gestrickt sein müssen – eben weil die Seiten immer identisch sind und sich nicht ändern können. Die Symbole bleiben halt an der gleichen Stelle. Die Frage ist eh: Kommt in Zukunft Software-Nachschub? Sony hat bisher nichts angekündigt.

Das Spiel

So sieht es in der Tat im Spiel aus. Selbst sitzt man quasi hinten. (Foto: Sony)
So sieht es in der Tat im Spiel aus. Selbst sitzt man quasi hinten. (Foto: Sony)

Das „Buch der Zaubersprüche“ ist hart genommen wirklich „nur“ ein interaktives Buch und weniger ein vollwertiges Spiel. Folglich steht die etwas infantile Geschichte im Vordergrund, der sympathische Sprecher labert ausgesprochen viel. Ob das bei den Kids gut ankommt? Ich bin skeptisch. Immerhin lockern die Entwickler die Handlung durch Interaktionen auf. Beispielsweise könnt ihr bei den toll präsentierten Theaterstücken, die die Story etwas näher beleuchten, dezent eingreifen. Das hat zwar keinen tieferen Sinn, ist aber spaßig. Ansonsten steht ein mysteriöses Zauberbuch im Fokus. Das bekommt ihr in die Finger und müsst nun über 20 Zaubersprüche erlernen. Das bedeutet konkret: Zuerst Zauberspruch aufsagen, dann mit dem Move-Controller/Zauberstab passende Linien zeichnen und daraufhin in Form eines Minispiels ausprobieren. Am Schluss eines Kapitels warten knackigere Herausforderungen, bei denen ihr mehrere Zauber bedacht anwendet.

Mögt ihr Harry Potter, geht für euch womöglich ein Traum in Erfüllung. Die Autorin J.K. Rowling steuerte das Fantasy-Universum sozusagen bei, folglich baut alles vom „Buch der Zaubersprüche“ auf diesem populären Universum auf. Dabei gibt sich der Titel zu keiner Zeit brutal – wie ihr es vielleicht von den Filmen kennt. Gut zu wissen, möchtet ihr mit dem Wonderbook gemeinsam mit Sohnemann oder Tochter spielen.

Fazit

Großaufnahme. (Foto: Sven Wernicke / GamingGadgets.de)
Großaufnahme. (Foto: Sven Wernicke / GamingGadgets.de)

Habt ihr schon Erfahrungen mit Augmented Reality-Elementen, also der Verbindung des echtes Lebens mit virtuellen Welten, gesammelt, ist das Wonderbook vielleicht keine Sensation mehr. Trotzdem aber gefällt mir das Konzept: Die Technik scheint ausgereift genug, um zu funktionieren und zu unterhalten. Das Spiel ist hauptsächlich für Harry Potter-Liebhaber geeignet – wie auch die Wonderbook-Idee generell. Und das ist das Problem in meinen Augen: Habt ihr die ziemlich simple Spielerei beendet oder euch „satt“ gesehen, dann dürfte das Buch schnell im Schrank verstauben. Weitere Titel, die Gebrauch von dem Werk machen, gibt’s im schlimmsten Fall nicht. Andererseits kostet das Wonderbook nur 40 Euro – und damit deutlich weniger als ein normales Vollpreisspiel – jedenfalls, wenn ihr bereits eine PS Eye-Kamera samt Move-Controller besitzt.

In meinen Augen ist das Wonderbook das perfekte Familien-Vergnügen für kalte Wintermonate. Harmloser als die Filme, aber dafür glänzt die Software/Hardware mit der interaktiven Komponente. Erwachsene dürften alleine wohl eher keine große Freude mit dem Wonderbook haben – witzige Idee hin oder her…

Das Wonderbook gibt’s zum Beispiel bei Amazon für knapp 40 Euro – wenn ihr Move und eine PS Eye-Kamera bereits besitzt.

Teilen:

Keine Kommentare

Kommentar schreiben

1 Pingback

  1. 13. November 2012 at 17:11