Xbox One

Weg von DRM-Gängelung. Ist jetzt alles wieder gut? Tja..

20. Juni 2013 • 11:02 Uhr

Teilen:
Für die Xbox One wird Kinect zur Pflicht. (Foto: Microsoft)

Als Microsoft kurz vor und während der E3 in Los Angeles die Xbox One vorstellte, sorgte der Konzern für überraschend großen Unmut bei potentiellen Käufern. Strikte DRM-Maßnahmen, kein einfacher Weiterverkauf von Spielen und sogar eine Regionalsperre wurden angekündigt. Und der „Shitstorm“ speziell in den sozialen Netzwerken begann…

Sony wiederum präsentierte auf der E3 – welch Zufall – genau das Gegenteil. Die PlayStation 4 soll Nutzer nicht gängeln, was von den Gamern auch schnell honoriert wurde – und das bereits ein halbes Jahr vor dem Launch beider Konsolen. Die Verantwortlichen bei Microsoft reagierten sichtlich schnell und kündigten heute Nacht gravierende Änderungen an. Man habe auf die Community gehört, heißt es von offizieller Seite. In Wirklichkeit aber scheint man sichtlich Angst zu haben, die Xbox One könnte sich aufgrund neuer, vielleicht sogar mutiger, aber in keiner Weise voll zufriedenstellender Ideen nicht mehr so gut verkaufen.  Eingeknickt – zum Wohle des Kunden. Sozusagen. Das muss nicht schlecht sein, wir leben nun einmal in einer Marktwirtschaft. Es verdeutlicht aber gut, welche „Macht“ Konsumenten durch das Internet erhalten können.

Was ist nun neu?!

Die ursprünglich erwähnte Onlinepflicht (alle 24 Stunden bei Xbox Live anmelden) wird nun gänzlich wegfallen. Wer beispielsweise Einzelspieler-Spiele ohne Cloud-Anbindung (in dieser werden beispielsweise Berechnungen für ein Spiel vorgenommen). erlebt, muss nicht regelmäßig mit dem Internet verbunden sein. Auch sei es möglich, die Xbox One überall mit hinzunehmen oder Download-Titel offline zu genießen. Nicht näher erklärt, aber vorstellbar: Verlangt jedes Spiel einen Zugang zur Cloud, zum Beispiel zum Sichern von Spielständen, ist der Onlinecheck wieder eine Notwendigkeit.

Beim erstmaligen Einrichten der Xbox One wird eine Internetverbindung übrigens nötig sein – für Day-One-Patches heißt es. Als Grund gibt man an, dass alle bereits hergestellten Konsolen noch den alten DRM-Ansatz verfolgen und auf den aktuellen Stand gebracht werden müssen.

Der Aspekt, dass man mit seinem Nutzerprofil auf einer fremden Konsole jede Stunde mit dem Internet kommunizieren muss, wurde auch entfernt. Im schlimmsten Fall hätte man bei Abbruch einer XBL-Verbindung ein Spiel nicht mehr zocken dürfen.

Gebrauchte Spiele

Forza 5 setzt übrigens auf Cloud-Elemente. Schauen wir mal, ob diese als DRM-Maßnahmen genutzt werden. (Foto: Microsoft)
Forza 5 setzt übrigens auf Cloud-Elemente. Schauen wir mal, ob diese als DRM-Maßnahmen genutzt werden. (Foto: Microsoft)

Microsoft wollte bei der Xbox One den Weiterverkauf von Spielen gravierend einschränken. Genauer sollte man ein Game höchstens an eine Person ausleihen dürfen, sofern es der Hersteller erlaubt. Das Verbot eines Weiterverkaufs wäre auch denkbar gewesen. Allgemein hätte ein Spiel an den eigenen XBL-Account gebunden werden müssen. Um den Titel dann von diesem zu lösen, hätten Publisher Gebühren verlangen dürfen. All das gehört der Vergangenheit an.

Ein Second-Hand-Handel sei genauso wie zu Xbox 360-Zeiten möglich, so funktioniert es auch auf der PS4. Die Regionalcodesperre wurde ferner gestrichen.

Was hier nicht erwähnt wird: Online-Passes zum Nutzen von Multiplayer-Features bei gebrauchten Spielen dürfte es unverändert geben. Wahrscheinlich werden Spielehersteller nach neuen Ideen suchen, um vom Gebrauchtwarenhandel zu partizipieren – egal auf welcher der kommenden Konsolen.

Gute Ideen? Gestrichen!

Der Wegfall der strikten DRM-Elemente bringt in der Tat auch Nachteile. So hätte man nach dem Aktivieren eines neu auf Disk erworbenen Spiels ohne Einlegen der Blu-ray spielen beziehungsweise später wieder downloaden können, wenn die Silberscheine kaputt geht. Das ist jetzt nicht mehr möglich.

Beim Anmelden auf einer fremden Konsole wird man nicht mehr auf die eigenen Retail-Titel zugreifen können, sondern nur noch auf die via Download erworbenen (Arcade-)Spiele.  Das Family Sharing, also das gemeinsame Nutzen von Spielinhalten für Familienmitglieder mit ihren Accounts, gibt’s ebenfalls nicht mehr.

Bei Microsoft heißt es übrigens, dass man mit den eigenen Ideen einen „Durchbruch bei Spielinhalten und Entertainment“ im Visier hatte, allerdings war man einsichtig und gewillt, auf das Feedback zu hören. Dabei wollte Phil Spencer von Microsoft vor ein paar Tagen nichts kurzfristig am Xbox One-Konzept ändern.

Jetzt wieder gut?

Trotzdem bleiben andere Punkte, die auf Klärung warten. Wird uns Kinect 2.0, das schließlich jeder 499 Euro teuren Xbox One beiliegt (oder kommt noch eine Preissenkung? Die PS4 kostet schließlich 100 Euro weniger zum Verkaufsstart) und nötig für die Steuerung ist, nach wie vor „ausspionieren“ können. Oder ist es möglich, auch dauerhaft komplett auf den Motion Sensor zu verzichten? Inwieweit bleibt sich Microsoft mit der 180-Grad-Drehung dauerhaft treu? Oder werden mit der Zeit Mechanismen eingeführt, die sich wieder den ursprünglichen Ideen nähern? Darüber kann nur spekuliert werden. Fakt ist jedoch: DRM und Co. waren Funktionen im Interesse der Publisher, die ihre (zukünftigen) Spiele schützen und vom Gebrauchtwarenhandel profitieren wollten. Wer meint, dass es hier keine gravierende Änderungen – auch nach Microsofts Eingeständnis – geben wird, den halte ich ehrlich gesagt für sehr naiv. Sony wird meiner Meinung nach auch nicht untätig sein.

Für die Xbox One wird Kinect zur Pflicht. (Foto: Microsoft)
Für die Xbox One wird Kinect zur Pflicht. (Foto: Microsoft)

Perspektivisch halte ich es für realistisch, dass Microsoft und andere Entwickler das Ausnutzen der Cloud für externe Berechnungen intensiver in ihre Spiele einbringen werden. Einen unterschwelligeren DRM, den Gamer im besten Fall als Bereicherung empfinden, gibt’s doch kaum. Oder? Ob dies technisch überhaupt möglich ist? Na, das werden wir sehen. Wenn jede Spieledisk und Konsole einmalig sind, könnte man über das Internet sicher mit Leichtigkeit feststellen, ob es sich um ein neues oder gebrauchtes Spiel handelt….

Teilen:



Über Sven

Sven fasziniert seit über 20 Jahren das Spielen in jeder Form. Egal ob Videospiel oder die dazugehörige Konsole – Hauptsache, es blinkt, macht Geräusche und unterhält. Und vor allem sind es Gadgets, die ihn in den Bann gezogen haben. Vom asiatischen Handheld-Klon bis hin zum lebendig anmutenden Roboter – es gibt halt so viele tolle Sachen. Ihr findet den Autor unter anderem auch bei Google+ oder Facebook.


Schlagwörter: , , ,

Zuletzt aktualisiert: 11:06 Uhr

5 Kommentare

  1. Finde es zwar gut das MS zurückgerudert ist, aber was man mit einen Patch beheben kann – kann man auch wieder rückgängig machen.
    Wenn erst einmal genug Konsolen verkauft sind und die Stimmung sich beruhigt hat wird man bestimmt wieder etwas in diese Richtung probieren.

    Antworten
    • Sven am

      Ja, mein Reden. Genau das denke ich auch. Irgendwas wird schon wieder kommen. Und diese Cloud-Sache ist ja, wie ebenfalls gesagt, eine feine DRM-Sache IMO…

      Antworten
  2. TI NO am

    Meines wissens kann die Kinect 2.0 abgeschaltet werden. Das „Zurückpatchen“ dürfte wohl in die Hose gehen.. Das hat MS schon einmal versucht und musste es mit einem weiteren Patch wieder korrigieren.. so eine Änderung am Prinzip kann nicht nach dem Kauf einfach aufgedrückt werden.

    Antworten
  3. Die die eher auf Seiten der XBOX sind kam das zurückrudern auf jedenfall gelegen ;) auch wenn die aktion insgesamt schon etwas peinlich war

    Antworten

Kommentar schreiben

1 Pingback

  1. 20. Juni 2013 at 11:06