Xiaomi Mi TV Box

Die 4K-Streamingbox für wenig Geld im Praxistest

13. Oktober 2015 • 8:52 Uhr

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Was wohl in der Kiste steckt? (Foto: GamingGadgets.de)

Winzig klein, schick anzusehen und sogar mit 4K-Unterstützung – was wohl der preisgünstige Mediaplayer Xiaomi Mi TV Box so taugt? Der Praxistest.

Hierzulande noch nicht allzu sehr bekannt, in Asien gehört Xiaomi dagegen zu den großen, stylischen und an Apple erinnernden Herstellern für Unterhaltungselektronik. Im Angebot hat der Konzern die Mi TV Box, die ihr euch dank Import für etwas über 50 Euro nach Hause holen könnt.

Gut ausgestattet

Xiaomi aktualisierte den Player schon einige Male, das mir von Gearbest zur Verfügung gestellte Gerät ist die TV Box 4K (Mi Box 2), welche technisch sehr ordentlich ausgestattet ist. Das Herz ist der Amlogic S802-Quadcore-Prozessor, der mit 2GHz getaktet ist und Unterstützung von der MALI 450 MP6-Grafikeinheit erhält. Hinzu kommen 1GB RAM, 4GB Flash-Speicher, 802.11ac WIFI (2,4GHz, 5GHz), ein microSD-Kartenslot, zwei USB-Ports (1x USB 2.0, 1x Micro USB OTG), Bluetooth 4.0 und ein HDMI-Ausgang. Dieser unterstützt besagte 4K-Auflösung (3840 x 2160 Pixel) bei 30 Bildern pro Sekunde und auch Dolby- sowie DTS—Sound.

Ein unscheinbares Gerät. (Foto: GamingGadgets.de)
Ein unscheinbares Gerät. (Foto: GamingGadgets.de)

Xiaomi versteht es, trotz einer sehr minimalistischen Verpackung irgendwie die Vorfreude zu wecken. Schnell war alles ausgepackt und bereit für den Einsatz. Doch dann kam die erste Ernüchterung…

Arg! Alles Chinesisch?!

Im Vorfeld sollte euch bewusst sein: Dem Player liegt kein Adapter für das hiesige Stromnetz bei. Solch einer kostet glücklicherweise nur ein paar Euro, das ist also die geringste Hürde. Schwieriger ist allerdings die Tatsache, dass die Xiaomi TV Box leider nur die chinesische Sprache bietet. Das heißt: Ihr könnt euch zwar nach dem Einschalten mit der ansprechenden Remote (ganz im Stil von Amazons Fire TV) durch die Menüs hangeln, verstehen werdet ihr allerdings nicht viel. Mit einem ganz ordentlichen Video-Tutorial von Kamesh Jain, der auch noch nötige Dateien zum Download anbietet, könnt ihr sogar ohne das Rooten des Gerätes die englische Sprache aktivieren. Möglich wird dies durch ein sogenanntes Sideload, mit dem ihr über einen Windows-Rechner, der über den microUSB-Port der TV Box angeschlossen ist, APK-Dateien (also Apps) direkt auf das Gerät installiert. Das Rooten ist nötig, möchtet ihr den Google Play Store mit Vollzugriff auf zahllose Apps verwenden. Die Xiaomi Mi TV Box basiert ohnehin im Kern auf ein modifiziertes Android 4.4, das vom Hersteller leider ziemlich zurechtgestutzt wurde. Schade irgendwie, denn so ist der Einstieg dann doch recht aufwändig, wollt ihr Chinesisch und die weiteren Einschränkungen nicht hinnehmen.

Das ist alles drin. (Foto: GamingGadgets.de)
Das ist alles drin. (Foto: GamingGadgets.de)

Und nu?

Um es gleich zu sagen: Chinesische Medieninhalte, die Xiaomi vorinstalliert, könnt ihr nicht ohne weiteres nutzen. Zugriff auf den chinesischen Appstore erhaltet ihr dagegen schon. Hier findet ihr auch zahllose Games, die auf Remote und separat erhältlichen Controller ausgelegt sind. Oder ihr installiert eben über oben erwähntes Sideload eigene APK-Dateien – beispielsweise aus diversen Humble-Bundles. Dank Root könnt ihr auch bei Google Play erworbene Games auf das Gerät bringen. Das klappt an sich sehr gut, ihr dürft ebenfalls einen eigenen Launcher, Kodi oder andere Medienplayer einsetzen. Der vorinstallierte von Xiaomi ist mehr als ordentlich und ermöglicht euch auch, beispielsweise auf euren privaten NAS-Speicher oder externe Festplatten, USB-Sticks sowie Speicherkarten zuzugreifen.

Die Oberfläche - hier schon übersetzt. (Foto: GamingGadgets.de)
Die Oberfläche – hier schon übersetzt. (Foto: GamingGadgets.de)

Und das muss man der kleinen TV Box lassen: Das gute Stück schluckt quasi alle relevanten Formate (Codecs: H.265/AVC, H.264) und spielt diese tadellos ab. Dank Remote lässt sich das alles mehr als ordentlich bedienen – so, wie ihr es von einem solchen Player erwartet. Netflix ließ sich bei meinen Tests auch installieren, wenn ihr braucht.

Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass die Mi TV Box Airplay, DLNA, Miracast und WIFI-Direct unterstützt. Streamt schnurlos Inhalte vom Smartphone oder Tablet zum Player. Ich probierte dies mit meinem iPhone 5 sowie einem Samsung Galaxy S4 – das klappte insgesamt gut, wenn auch mit einer deutlichen Verzögerung. Typisch.

Bezogen auf die Performance kann ich nicht klagen: Bei AnTuTu über 30.000 Punkte – das ist ein sehr ordentliches Ergebnis für einen 50 Euro teuren Player. Für die meisten Android-Spiele aktuell dürfte mehr als genügen.

Fazit: Nichts für Laien

Irgendwie doof. Die Xiaomi Mi TV Box gefällt mir konzeptionell richtig gut. Niedriger Preis, super Verarbeitung, gute Remote und ein an sich sogar sehr aufgeräumtes Menü wären ein feiner Spaß für Entertainmentfreunde und Gelegenheitsspieler. Nur da Xiaomi den europäischen Markt in diesem Fall komplett ignoriert, kommt ihr um Frickelei nicht herum. Es dauert seine Zeit, bis ihr den Google Play Store und vor allem die englische Sprache installiert habt, danach bekommt ihr eine flexible Kiste für alle Lebenslagen – und das zum Schnäppchenpreis. Das heißt aber auch: Möchtet ihr etwas zum sofortigen Loslegen, muss ich vor diesem Player warnen. Das ist nichts für Einsteiger und Unerfahrene – auch nicht bei dem Preis.

Eine gute Remote. (Foto: GamingGadgets.de)
Eine gute Remote. (Foto: GamingGadgets.de)

Ein wenig hoffe ich, dass Xiaomi noch ein Firmware-Update für internationale Nutzer veröffentlicht. Oder wie wäre es mit einer Custom Rom? Hach, das wäre prima. In dieser Form kann ich euch die Mi TV Box nur dann empfehlen, wenn ihr wisst, was ihr tut – und eben auch gerne etwas „bastelt“, um das Optimum für euch herauszuholen.

Ein Dankeschön geht an den Onlineshop Gearbest, der mir die Xiaomi Mi TV Box  zur Verfügung stellte. Bei diesem Händler könnt ihr das Gerät kostengünstig bestellen.

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