Amazon Fire TV

Flotter Apple TV-Konkurrent mit Spiele-Tauglichkeit

3. April 2014 • 0:01 Uhr

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Fire TV Game Controller. (Foto: Amazon)

Jetzt ist es endlich raus und die Gerüchte haben ein Ende. Amazon stellte Fire TV einen eigenen Mediaplayer vor, der in erster Linie eines soll: Apple TV, Chromecast und der in den USA beliebte Roku (3) Paroli zu bieten. Der Fokus liegt auf Streaming-Entertainment und – das ist sicherlich durchaus eine Überraschung – Spieletauglichkeit. Was uns erwartet? Fassen wir zusammen!

Viel Hardware für wenig Geld

In den USA wird Fire TV für 99 US-Dollar angeboten – ein Kampfpreis, keine Frage. Denn für diese doch recht schmale Summe erhalten Käufer einen flotten Quadcore-Chip von Qualcomm, genauer den Qualcomm Snapdragon 8064 mit 1,7GHz, dem eine Adreno 320-Grafikeinheit zur Seite gestellt wird. Bezogen auf die Leistung dürfte er dem Nvidia Tegra 4 recht nahe kommen, er ist also auf der Höhe der Zeit. Und mit 2GB RAM, 8GB Flash-Speicher, WIFI 802.11a/b/g/n, Bluetooth 4.0, HDMI 1.4b-Ausgang, optischen Ausgang, Ethernet-Port und USB 2.0 Typ A ist die Maschine sinnvoll bzw. angemessen ausgestattet.

Rückseite des Fire TV. (Foto: Amazon)
Rückseite des Fire TV. (Foto: Amazon)

Mit 1080p-Videosignal bei 60fps und 7.1 Surround-Sound ist klar, wohin die Reise hier gehen soll: Amazons Fire TV möchte hochwertige Film-Unterhaltung in die heimischen vier Wände bringen. Diverse US-Anbieter, darunter Hulu und Netflix, werden ihre Inhalte zur Verfügung stehen.

Für Amazon-Freunde

Dass Fire TV auf Amazons Video-Dienst Amazon Instant Video bzw. allgemein Prime ausgelegt ist, versteht sich von selbst. Unabhängig davon gibt’s eine Sprach-Suche dank eines eingebauten Mikrofons in der beiliegenden Fernbedienung. Wer möchte, spiegelt Inhalte vom Kindle Fire-Tablet direkt auf den HDTV – ähnlich wie Airplay Mirroring bei iOS-Geräten und Apple TV.

Vielversprechend ist die Second Screen-Funktionalität: Schaut euch ein Video an und lasst euch parallel dazu auf eurem Tablet mit Zusatzinformationen versorgen. Dieses Element wird auch für Spieler von Bedeutung sein.

Für Spieler

Im Gegensatz zum Apple TV möchte Amazon auch Spieler begeistern und vor allem den zahlreichen, wenig erfolgreichen Konkurrenten wie Ouya, MadCatz M.O.J.O. und Co. zeigen, wie es geht. Mittels eines separat erhältlichen Amazon Fire Game Controller verwandelt ihr den Player in eine vollwertige Spielkonsole, die dank Amazon FreeTime ab Mai 2014 sogar dank Elternkontrolle für Kids geeignet ist. Amazon selbst wird mit dem vor einigen Monaten gegründeten Amazon Game Studios eigene Spiele bereitstellen, den Anfang macht der actionreiche Tower Defense-Titel „Sev Zero“. Prominente Partner wie Mojang („Minecraft“), EA, Disney, Gameloft (“Asphalt 8”) oder Ubisoft holte man bereits ins Boot. Und dank eines jetzt schon verfügbaren Entwickler-SDKs sowie der Android-Basis dürften zahlreiche Games recht schnell folgen.

Weiterhin ist der Game Controller mit einem GameCircle-Button ausgestattet, der gewiss nicht zufällig an den Xbox-Button erinnert. Ein Druck auf diesen und schon landet ihr in einem speziellen Menü, das unter anderem eure Achievements anzeigt. Mehrere Gamepads für Mehrspieler-Duelle werden selbstverständlich unterstützt.

Genauso wie bei den Kindle Fire-Tablets verfügt Fire TV über das neueste FireOS namens Mojito, das im Kern auf Googles Android aufbaut und in vielerlei Hinsicht überarbeitet wurde. Das hat zur Folge, dass ihr nicht ohne weiteres auf Google Play zugreifen dürft, sondern nur auf die von Amazon freigegebenen Apps.

Meinung: Das könnte was werden!

Immer dann, wenn eine neue Android-Konsole angekündigt wird, steigt meine Skepsis. Sind das mobile OS und die dazu passende Hardware wirklich gut zum Zocken in den heimischen vier Wänden geeignet? Gerade die Ouya konnte mich nicht überzeugen, die Experimente anderer Hersteller ebenfalls nicht. Anders sieht’s bei Fire TV aus. Besonders überraschend sind die Ankündigungen von Amazons eigenem Entwickler-Studio: In einem Teaser-Video kündigt man quasi nebenbei zig hübsch aussehende Games an? Wow! Da meint es der Händler-Riese offenbar sehr ernst.

Andererseits möchte man auch bei Amazon keine unnötigen Risiken eingehen. Fire TV ist ein Apple TV-Konkurrent, der perfekt in den Mikrokosmos des Konzerns passt. Als Prime-Kunde und Besitzer eines Fire-Tablets bekommt man noch eine stationäre Lösung zum Genießen von Filmen, Musik und eben auch Spielen. Dass hierfür ein Controller für 40 US-Dollar dazu erworben werden muss, da die Standard-Remote nicht für anspruchsvollere Games geeignet sein dürfte, macht den Spaß sicherlich wesentlich teurer. Andererseits verspricht man kostenlose und sehr preisgünstige Apps – das passt schon. Ich empfinde es sogar als gut, dass Käufer nicht mit Google Play konfrontiert werden. Stattdessen kontrolliert Amazon, welche Software für den Player bzw. die Konsole geeignet und ausgelegt ist. Und oben drauf bekommt man noch Sprach-Steuerung, Second Display (das wird wohl auch bei passenden Spielen von Relevanz sein – fast vergleichbar mit SmartGlass von Microsoft) und eine recht potente Technik, die in dieser Form aktuell in Top-Smartphones verbaut wird? Klingt doch hervorragend!

Amazon hat die Möglichkeiten, solch ein Gerät in den Markt zu drücken – spätestens zum Weihnachtsgeschäft könnte sich Fire TV millionenfach verkaufen und den großen Konsolenherstellern zeigen, wie man ein großes Publikum in der Gegenwart erreicht. Apropos Weihnachten: In den USA ist Fire TV ab sofort erhältlich, uns Europäern wurde noch nicht einmal ein Erscheinungszeitraum genannt. Wie bei den Fire-Tables dürfte es wohl in frühestens einem halben Jahr soweit sein – vielleicht tatsächlich zu Weihnachten? Und spätestens dann geht’s ab!

In jedem Fall finde ich es großartig, dass Amazon das Potential solch kleiner Alles-Könner nutzt, während Apple dies bisher verschenkte. Der Apfel-Laden hätte schon vor vielen Monaten sein Apple TV in eine Konsole verwandeln können – und jetzt macht’s ein Mitbewerber vor. Wer nachzieht? Na, was schätzt ihr?

Weitere Details zum Fire TV bekommt ihr direkt bei Amazon US. Ganz amüsant (für mich): Im August letzten Jahres spekulierte ich ziemlich präzise über den Amazon-Medienplayer. Ich sollte mich als lebendige Kristallkugel anbieten.. :)

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