Assassin’s Creed Infinity: Macht Ubisoft die Serie nun endgültig kaputt?

Mittlerweile ist es ja überall bekannt, dass Ubisoft an einem neuen Projekt mit dem Codenamen Assassin’s Creed Infinity arbeitet. Während der Entwickler selbst noch keine näheren Angaben zum Gameplay machte, kündigte der Bloomberg Journalist Jason Schreier an, dass es sich bei Infinity wohl um ein Online Spiel handeln soll. Auch wenn noch nichts 100%-ig feststeht – die Richtung, die Ubisoft verfolgt, ist klar. Und für langjährige Fans der Reihe seit ihrem Start 2007 sehr besorgniserregend.

Laut Schreier soll Infinity also eine Art Live-Service Plattform werden und möglicherweise Ubisofts Antwort auf beliebte Spiele wie Fortnite oder GTA Online sein. Die Spielwelt soll sich durch ständig neue Inhalte stetig weiterentwickeln und mehrere individuelle AC-Spiele/Settings miteinander vereinen. In Bezug auf Aussehen und Atmosphäre sollen diese zwar verschieden, aber trotzdem miteinander verbunden sein. Wie genau das letztlich umgesetzt werden soll, ist derzeit noch unbekannt. Auf jeden Fall sollen Ubisoft Montreal und Quebec gemeinsam an AC Infinity arbeiten.

Assassin’s Creed entwickelt sich weiter in die falsche Richtung

Bereits die letzten AC Singleplayer Games wie Valhalla hatten nicht wenige Bugs und Glitches, sehr zum Ärger vieler Fans. Schaut man sich dann noch Spiele wie Watch Dogs Legion, kann man sich kaum vorstellen, dass ein Online-Multiplayer Assassin’s Creed in weitgehend fehlerfreiem technischen Zustand ausgeliefert werden kann.

Assassin's Creed Valhalla

Aber mal ganz abgesehen von diesem Aspekt, ist es jetzt einmal mehr besonders offensichtlich, dass es Ubisoft schlicht und einfach nur darum geht, mit der Marke so viel Geld wie möglich zu scheffeln. Was bei einem börsennotierten Unternehmen mit entsprechenden Shareholder Interessen einerseits natürlich verständlich ist, andererseits aber auch schade, weil man seit längerem das Gefühl hat, dass das Herzblut und die Liebe zum Detail aus den ersten AC Games mittlerweile komplett auf der Strecke geblieben ist.

Während in AC Valhalla viele Fans endlich die vielen kleinen Bugs gefixt haben wollten, war Ubisoft eher damit beschäftigt, neue Mikrotransaktionen in das Spiel mit einzubauen. Dies mag sich finanziell sicher gelohnt haben, schließlich ist Valhalla das monetär erfolgreichste Assassins’s Creed. Aber auch hier hat man das Gefühl, dass es bei den Mikrotransaktionen, DLCs und Season Passes einfach nur ums Geld geht, anstatt dem Spiel selbst Extra-Mehrwert zu verschaffen. Nicht umsonst ging im Februar diesen Jahres ein Reddit Post viral, wo sich über die vielen Rüstungs-Sets im Microtransaction-Store beschwert wurde.

Assassin's Creed Reddit Post

Was machte Assassin’s Creed zu dem, was es heute ist?

Wenn man AC Fans danach fragt, woran sie beim Name „Assassin’s Creed als erstes denken, wird wohl kaum einer das XP und Level Grinden der letzten Teile erwähnen. Vielmehr fallen Begriffe wie Stealth, Parcour, versteckte Klinge oder spannende historische Begebenheiten.

Auch die Frage nach dem besten Assassin’s Creed beantworten die meisten wohl eher mit AC2 und Brotherhood, einige sogar mit AC1 und hier und da sind AC3 und Black Flag auch noch hoch im Kurs. Und dass Ezio Auditore da Firenze bei den allermeisten Spielern der beliebteste Charakter aus Assassin’s Creed ist, bleibt unbestritten. Die wenigsten nennen hier Charaktere wie Eivor oder Alexios.

Doch was machte die ersten Teile der Serie so einzigartig?

Assassin’s Creed 1 war beim Release 2007 vielen Konkurrenten mindestens einen Schritt voraus, was Open World Spiele angeht und die damals schon vorhandene Detailgenauigkeit und Bewegungsfreiheit. Auch die Interaktionen mit NPCs haben sich sehr real angefühlt. Vom Gameplay her wurde es mit der Zeit sicher etwas eintönig, aber was Assassin’s Creed 1 wie (fast) kein anderes AC geschafft hat, ist, eine Atmosphäre zu schaffen.

Damals angesiedelt im Heiligen Land zur Zeit des Dritten Kreuzzuges, war man als Spieler einfach nur fasziniert von der Detailtreue und historischen Genauigkeit, die in das Spiel eingeflossen sind. Dies verbunden mit einzigartiger Musik von Jesper Kyd und dem Fokus auf spannenden Stealth-Missionen, wo man nicht mal eben mit Superkräften in einen Soldatentrupp reinpreschen konnte, hat für ein außergewöhnliches Spielerlebnis gesorgt.

Assassin's Creed 1

Hier mal ein Vergleich zu einem neuen Spiel:

Während man in Odyssey mit einem futuristischen Feuerpferd spielen konnte, wurde in Assassin’s Creed 1 extra auf die Armbrust aus dem Trailer verzichtet, um die damalige Zeit wirklich so gut wie möglich darzustellen.

Auch die Handlung hinter der Handlung, die teils philosophischen Gespräche zwischen Altaïr und Al Mualim, haben dem Spiel eine wirkliche Bedeutung gegeben und zum Nachdenken angeregt.

Und mit am Wichtigsten: Damals war der Titel „Assassin’s Creed auch noch wirklich Programm und der Fokus lag auf dem Kampf zwischen Assassinen und Templern, dem Kredo, dem Orden.

Mit Assassin’s Creed 2 hat Ubisoft es dann geschafft, die Reihe auf ein weiteres Level zu bringen. Nun ging es ins wunderschöne Italien der Renaissance. Spätestens nach der Hinrichtung von Ezios Familie hat jeder den späteren Meister-Assassinen liebgewonnen und seinen Weg vom Novizen zum Anführer der Assassinen mit Spannung verfolgt.

Assassin's Creed 2

Auch hier hatte es Ubisoft geschafft, die Atmosphäre des damaligen Italiens perfekt einzufangen und hat in Kombination mit der Handlung, den Charakteren und wieder der Musik ein großartiges Spiel geschaffen. Ähnlich wie in Brotherhood und auch Revelations haben Nebenmissionen und DLCs wirklich noch was Spannendes und Interessantes zur Handlung beigetragen, so dass man durchaus motiviert war, die Spiele auch komplett durchzuspielen.

Ubisoft schaffte es in AC2 erfolgreich, Onkel Mario als neue Vaterfigur für Ezio aufzubauen und Monteriggioni ein virtuelles Zuhause werden zu lassen. Umso tragischer war dessen Zerstörung in Brotherhood, womit sich die Reihe emotional und spannend fortsetzte und schließlich ein gelungenes Ende in AC Revelations mit der Rückkehr von Altaïr fand.

Mit dem darauffolgenden Assassin’s Creed 3 erfolgte dann der erste große Cut und das Franchise sollte nie mehr dasselbe sein.

Was wird aus Assassin’s Creed in den kommenden Jahren?

Die oben beschriebenen Dinge sind auch schon einigen anderen Spielern aus aller Welt aufgefallen (auf die andere oder andere Art). Somit hat es in immer mehr Online Foren den Wunsch nach Remastered Versionen gegeben, die mit der Ezio Collection auch (teilweise) erfüllt wurden.

Doch dann wäre ja noch die Option Remake, was vor allem für AC1 interessant wäre. Schließlich gäbe es dort das eine oder andere zu verbessern, z.B. die Parcourläufe oder Altaïrs Fähigkeit zu schwimmen. Nicht wenige Fans sind der Meinung, dass das Leben des im Spiel ersten Meister-Assassinen zu kurz gekommen sei.

Doch ob Ubisoft überhaupt ein (finanzielles) Interesse daran hat, sei mal dahingestellt. Schließlich ist das eher die Meinung von wirklichen Core-Gamern und nicht von Casual Gamern, die Ubisoft wiederum am meisten Geld einbringen.

Und da Microtransactions in Singleplayer Spielen oder Online RPGs unter eben jenen sehr populär geworden ist, wird man wohl davon ausgehen können, dass Ubisoft in naher Zukunft keine Remakes der Spiele plant, die Assassin’s Creed zu der Marke gemacht haben, die sie heute ist. Auch ist es unter den gegebenen Umständen unwahrscheinlich, dass nochmals ein AC-Game mit derselben Kombination aus Atmosphäre, Charakterentwicklung, Handlung und Musik entwickelt wird.

Stand jetzt entwickelt sich Ubisoft und die Spieleindustrie allgemein nach wie vor in eine andere Richtung.

Aber wer weiß – die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt!

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