Avatar: Frontiers of Pandora Review – Mehr Schein als Sein?

Vor etwas über einer Woche durften sich Fans der Avatar-Filme endlich über das passende Spiel freuen. Auf den ersten Blick scheint es die Erwartungen voll und ganz zu erfüllen, doch kann der Titel auch noch nach mehreren Stunden Testzeit mit den beliebten Filmen mithalten? Ich habe das große Open-World-Abenteuer, dank Ubisoft, ausführlich für euch testen dürfen und verrate euch heute, ob sich der Kauf von Avatar: Frontiers of Pandora wirklich lohnt.

Bevor es mit meiner Review losgeht, hier der offizielle Trailer zum Einstimmen:

Die Story: Stark beim Auftakt, schwach im Abgang?

Wir schlüpfen in die Rolle eines Na’vi Waisenkindes, welches angeblich, zusammen mit einigen anderen Na’vi Kindern, von seiner Sippe verstoßen wurde und deshalb nun von den RDA-Leuten aufgezogen wird. Um zu merken, dass an der Sache gehörig etwas faul ist, muss man kein Genie sein. Wir werden nicht nur unfreundlich behandelt, sondern werden auch ganz klar gegen unseren Clan aufgehetzt.

Als die Kinder endlich dahinterkommen, entscheiden sie sich für eine Revolte und versuchen aus dem RDA-Gebäude zu fliehen. So beginnt Avatar: Frontiers of Pandora gleich höchst dramatisch und macht direkt Lust auf mehr.

Die Kinder merken langsam, dass sie hier nicht hingehören.

Auch die ersten Minuten nach der dramatischen Flucht können gleich überzeugen: Vor uns liegt eine ganz neue, wunderschöne Welt, die wir frei erkunden dürfen. Gleichzeitig müssen wir die Bräuche der Na’vi wieder ganz neu kennenlernen und mit ihrer Hilfe den Anführer der RDA für seine Taten bezahlen lassen.

Doch dieses Hoch hält leider nicht besonders lang an. Während der Plot sehr vielversprechend und emotional beginnt, flacht dieser bereits nach kurzer Zeit enorm ab. Statt spannender Geschichte, erwartet uns dann doch nur eine 0/8/15-Story, vollgespickt mit generischen Quests.

Auch die deutsche Synchro kann mal überzeugen und mal ist sie einfach nur peinlich. So hat man sich für die Hauptcharaktere zum Beispiel besonders viel Mühe gegeben, während unwichtigere Nebencharaktere oder Personen im Hintergrund oft so klingen, als hätte man mal eben seinen Handwerker-Onkel einspringen lassen, weil ein wichtiger Sprecher krank geworden ist.

Nervig ist außerdem die Tatsache, dass NPCs oft einfach so mit einem vermeidlich wichtigen Dialog beginnen. Merkt man das selbst nicht und denkt, die brabbeln hier nur noch vor sich hin und entfernt sich langsam von den NPCs, so brechen diese den Dialog zwar ab, beginnen ihn aber, immer wenn man sich ihnen erneut nähert, von vorn. Besser wäre es hier, wenn man sich einfach in diesem Moment nicht selbst bewegen könnte, da es einfach keinen Indikator dafür gibt, dass man gerade zuhören soll und das Gespräch sogar relevant für den Fortschritt ist.

Charaktererstellung bietet zu wenige Möglichkeiten

Bevor es richtig losgehen kann, dürfen wir uns aber zu aller erst einmal einen eigenen Charakter erstellen. So richtig viele Möglichkeiten werden uns hier allerdings nicht geboten. Zur Verfügung stehen uns lediglich 3 verschiedene Haarfarben sowie ein paar unterschiedliche Hautmuster, Frisuren und Gesichter.

Wenn man bedenkt, dass später im Spiel noch eine Koop-Funktion freigeschaltet wird, wären etwas mehr Auswahlmöglichkeiten schon nett gewesen. Tatsächlich sahen der Charakter meiner Freundin und mein Charakter fast gleich aus.

Ich hätte mir mehr Anpassungsmöglichkeiten bei der Charaktererstellung gewünscht.

Den Entwicklern war es offensichtlich wichtiger, bestimmte Menschengruppen nicht zu verärgern und Hauptsache „divers“ unter die Anrede-Optionen zu packen. Trotz der Option, die bestimmte Menschen mehr inkludieren soll, gibt es jedoch lediglich zwei Körperformen: Männlich und Weiblich. Hier kann weder die Größe der Extremitäten noch sonst etwas bestimmt werden. Meiner Meinung nach hat man auch hier, ähnlich wie bei vielen anderen Aspekten im Spiel, mal wieder nur halbe Sache gemacht.

Wer hat sich diese Steuerung ausgedacht?

Besonders übel ist mir gleich zu Beginn die Steuerung aufgestoßen. Zuerst spielte ich Avatar: Frontiers of Pandora mit dem Gamepad, doch nachdem das höhere und weitere Springen erklärt wurde, wechselte ich zu Maus und Tastatur, nur um zu merken, dass beides eine Qual ist.

Um höher und weiter springen zu können, muss man nämlich zuerst einmal in einen Sprint verfallen, dann hält man die Sprungtaste gedrückt und muss sie im richtigen Moment loslassen, um sich erfolgreich einen hohen Vorsprung hochziehen zu können oder weite Abstände zu überqueren. Diesen richtigen Moment zu finden, ist allerdings meistens alles andere als selbstverständlich. Immer wieder rannte ich gegen Wände, weil ich die Taste zu spät losließ oder ich fiel unschön in einen Abgrund.

Auch hat man sich hier wohl gedacht: Wie wäre es, wenn wir in das Sammeln von Ressourcen ein wenig mehr Pepp reinbringen würden? Was damit gemeint ist? Bestimmte Materialien wollen auf ganz bestimmte Weise gesammelt werden… Das bedeutet, dass man eine bestimmte Bewegung mit dem Joystick absolvieren muss, um eine Frucht oder ähnliches erfolgreich ernten zu können. Gleichzeitig soll man dann noch auf das passende Wetter achten, dass sich die Pflanze wünscht, um eine bessere Qualität zu erhalten.

Was die Sache nicht besser macht: Nicht alle Pflanzen müssen auf diese komplizierte Weise gesammelt werden. Wenn es dann so weit ist, überrascht es den Spieler und dieser macht es in der Regel erst einmal falsch, womit die Qualität des Materials sofort sinkt.

Muss das wirklich sein?

Ich verstehe ja, dass bekannte Spielmechaniken nicht für immer gleich bleiben können und das sich alles irgendwie weiterentwickeln muss, aber ist es wirklich sinnvoll diese zu verkomplizieren, nur damit sie nicht mehr generisch sind? Mich haben diese Änderungen, ganz ehrlich, einfach nur genervt.

Mein Problem mit der Jägersicht

Ein weiterer wichtiger Gameplay-Aspekt ist dann noch die sogenannte „Jägersicht“, diese dient dazu Fährten sichtbar zu machen, Tiere aufzuspüren und hilfreiche Materialien zu erkennen. Auch, spuckt diese gleich alle wichtigen Informationen zu Tier oder Pflanze aus. An sich handelt es sich hierbei um einen sehr hilfreichen Skill, der Spielern enorm hilft, sich in der riesigen Welt von Pandora zurechtzufinden, allerdings ist man so sehr auf die Jägersicht angewiesen, dass diese ständig in Gebrauch ist. Auf diese Weise geht die Stimmung schnell verloren, genauso wie die Wertschätzung für die tolle Umgebung.

Die Jägersicht: Hilfreich und störend zugleich.

Positiv sticht hier allerdings die Fähigkeit zu Fliegen hervor. Das Fliegen macht nicht nur sehr viel Spaß, sondern ist bei dieser enorm großen Map auch dringend notwendig.

Ebenso kann mich hier das Kampfsystem überzeugen. Zwar stehen uns insgesamt nicht allzu viele Waffen zur Verfügung, dafür können wir Munition und Waffen ordentlich modifizieren, was für genügend Abwechslung sorgt.

Die KI wiederum lässt im Kampf oft zu Wünschen übrig. Wird man von einem Gegner entdeckt, versteckt sich dieser oft ewig lange hinter irgendwelchen Barrikaden, ohne auch nur ein einziges Mal den Kopf herauszustrecken. Das mag natürlich im echten Leben eine kluge Entscheidung sein, doch im Spiel wird dadurch die Action extrem herausgenommen. Ich saß nicht nur einmal in einer Baumkrone, mit dem Bogen auf eine Barrikade zielend, in der Hoffnung, dass irgendwann endlich der Moment kommt, in dem ich Schießen kann.

Beeindruckende Grafik oder gibt es doch etwas zu meckern?

Wenn man Avatar: Frontiers of Pandora für eine Sache wirklich loben kann, dann ist es die atemberaubend schöne offene Spielwelt. Pandora, we wir es aus den Filmen kennen, wurde wirklich wunderschön nachempfunden und kann gleich vom ersten Blick an überzeugen.

Schon beim ersten Betreten von Pandora, raubt die Schönheit einem fast den Atem.

Doch nicht alles erstrahlt in unfehlbarer Schönheit… So gar nicht schön sind zum Beispiel die Innenräume der RDA. Dies fällt schon gleich zu Beginn des Spiels auf, der sich hauptsächlich mit den grauen Komplexen beschäftigt. Der Kontrast macht am Ende zwar wirklich Sinn und sorgt natürlich umso mehr dafür, dass wir die offene, bunte Spielwelt so zu schätzen wissen, aber etwas mehr Mühe hätte man, meiner Meinung nach, dann doch in die RDA-Gebäude stecken können.

Tatsächlich erinnern mich diese extrem an eine Mischung aus Portal und Portal 2. Beides zwar extrem gute Puzzle-Games mit einer großartigen Story und Erzählweise, aber für eine tolle Grafik sind nun beide Teile wirklich nicht bekannt. Verwaschene Texturen und kahle Räume sind dort an der Tagesordnung und nicht anders verhält es sich mit den RDA-Komplexen in Avatar: Frontiers of Pandora.

Kalt, leer und detaillos. So gestalten sich die Innenräume der RDA.

Auch in der offenen Spielwelt darf man nicht zu genau hinsehen. Die Schönheit, die man hier betrachten darf, ist tatsächlich nicht immer für das nähere Hinsehen gemacht. Während die meisten Blätter und Pflanzen sowie Wassereffekte extrem realistisch und detailreich daherkommen (auch beim näheren Betrachten), so wirken zum Beispiel viele Steintexturen, als hätte man ihnen bei der Entwicklung kaum Beachtung geschenkt.

Der große Felsen weist einige Pixel-Quadrate auf, während die Steine am Boden irgendwie total verwaschen aussehen. Die Blätter wirken dagegen extrem detailliert.

Was mir dann wiederum sehr gut gefällt, sind die vielen Referenzen aus den Filmen und die Mühe, die sich Ubisoft gegeben hat, um die Welt der Na’vi gerecht wiederzugeben. Ein kleines Beispiel ist hier der Größenunterschied zwischen Menschen und Na’vi, der hier deutlich dargestellt wird.

Auf den ersten Blick mag diese Szene urkomisch aussehen, doch Fans der Filme wissen, dass der Größenunterschied so sein muss.

Ist die Welt zu groß?

Wer hätte gedacht, dass eine Beschwerde über ein Videospiel mal so anfangen könnte, aber tatsächlich ist dies ein erheblicher Faktor, der dazu beträgt, dass ich das Spiel am Ende nicht allzu gut bewerten kann.

Die Welt mag beeindruckend aussehen und einen riesigen Spielplatz bieten, den wir so in Spielen bisher nur selten gesehen haben. Doch was bringt all der Platz, wenn die Aufgaben, die uns auf dem Spielplatz erwarten einfach zu generisch sind, sich zu sehr wiederholen und zu schnell langweilig werden? Eine kleinere Spielwelt und eine kürzere Spielzeit hätte hier wahre Wunder gewirkt, denn manchmal ist weniger nun mal einfach mehr.

Alternativ dazu hätte man auch einfach eine bessere Story und interessantere Nebenquests mit mehr Abwechslung bieten können, was natürlich zu einem ebenso positiven Effekt geführt hätte, was einer meiner liebsten Ubisoft-Titel Assassin’s Creed: Odyssey beweist.

Fazit

Fans der Filme können sich bei Avatar: Frontiers of Pandora über eine wunderschöne Replika Pandoras freuen, die sie nun zum ersten Mal selbst bereisen können. Dabei dürfen sie außerdem selbst in die Haut eines echten Na’vi schlüpfen und selbst Erfahrungen mit den uralten Bräuchen machen.

Doch wo ein Hoch ist, findet man bei Avatar: Frontiers of Pandora auch immer ein Tief: Die unnötig komplizierte Steuerung machte mir Kopfschmerzen und sowohl bei der Grafik als auch bei der deutschen Synchro ist die Qualität einfach nicht konsequent genug.

Ubisoft wollte viel, aber am Ende leider zu viel und es ist schade, dass ich am Ende nur wenig Positives über das Spiel zu sagen habe, vor allem, wenn man bedenkt, dass mir der Key freundlicherweise zum Testen von Ubisoft zur Verfügung gestellt wurde. Doch wie immer, möchte ich auch hier bei meiner ehrlichen Meinung bleiben.

  • Avatar: Frontiers of Pandora ist am 07. Dezember 2023 für PS5, Xbox Series, Amazon Luna und PC erschienen.

Wer dem Titel, trotz meiner Bewertung, gerne eine Chance geben möchte, kann das Spiel über folgende Amazon-Links bestellen und damit gleichzeitig unsere Seite unterstützen:

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