Bally Wulff

Die Geschichte eines ungewöhnlichen Unternehmens

28. März 2018 • 9:30 Uhr

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Ein großes Unternehmen, das kaum jemand zu kennen scheint. (Foto: Bally Wulff)

Bally Wulff? Kennt ihr nicht? Dabei handelt es sich um ein führendes Unternehmen im Bereich der Unterhaltungselektronik. Mit großer Wahrscheinlichkeit habt ihr schon einmal an einem Automaten des deutschen Unternehmens gezockt.

Die Geschichte des Unternehmers Günter Wulff ist schon eine ungewöhnliche. Am 16. November 1912 wurde er in Forst in der Niederlausitz geboren, mit 25 gründete er seine erste Firma. Im Jahr 1950 gründete der umtriebige Geschäftsmann den Günter Wulff Apparatebau, hierfür lieh er sich 500 DM. Das Geld steckte er unter anderem in den Totomat, sozusagen den ersten eigenen Geldspielautomaten. Mechanisch, minimalistisch und für Menschen in der Nachkriegszeit überaus faszinierend. Die ersten verkauften Geräte legten den Grundstein für den weiteren Erfolg.

Bally Wulff auf Erfolgskurs

Günter Wulff war in den folgenden Jahren emsig damit beschäftigt, weitere Konzepte zu entwerfen. Es folgte 1963 die Gründung von Günter Wulff Automaten in Hannover. Von dort aus wurden Automaten importiert, exportiert, gebaut und vertrieben. Im gleichen Jahr wurde der Rotomat Joker veröffentlicht, der sich 4500 Mal verkaufte. Es handelt sich um eine typische Glückspiel-Maschine, die vor allem in Kneipen und Clubs zu finden war.

Der Rotomat Joker. (Foto: BALLY WULFF Games & Entertainment GmbH)
Der Rotomat Joker. (Foto: BALLY WULFF Games & Entertainment GmbH)

Fast zehn Jahre vergingen. Doch 1972 änderte sich vieles. So wurde der Konzern von Günter Wulff von dem amerikanischen Riesen Bally Manufacturing Corporation gekauft. Fast zeitgleich wurde der Rotomat Monarch, ein ausgeklügelter Automat, zum riesigen Hit. Über 30.000 Exemplare konnten von diesem Modell veräußert werden. Vier Jahre später produzierte der Bally Wulff genannte Hersteller diverse Flipper und war neben Williams und Gottlieb die Nummer 3 im Business. Durch Elektronik wurde die Pinball-Unterhaltung auf eine neue Stufe gebracht: Digitale Highscore-Anzeigen, komplexere Spielfunktionen und angepasste Sounds waren die Konsequenz. Das Wissen floss später auch in den Rototron Atlas ein, das erste elektronische Glückspielgerät der Firma.

Der Rototron Atlas. (Foto: Münzspielfreund)
Der Rototron Atlas. (Foto: Münzspielfreund)

Zusammenarbeit mit Sega

Drei Jahre nach dem Tod von Günter Wulff setzte Bally Wulff auf Arcade. Genau genommen übernahm man den Vertrieb von Laserspielen für Sega. Sega Laserdisc dürfte wohl heutzutage kaum noch bekannt sein: Bildinformationen werden mittels eines Laserstrahls von Platten abgetastet. Erwähnenswerte Vertreter aus dem Hause Sega sind unter anderem „Astron Belt“ „Time Traveler“. Grafisch war das alles auf dem Niveau eines Sega Master System.

Astron Belt - der Spielautomat. (Foto: Sega Interactive)
Astron Belt – der Spielautomat. (Foto: Sega Interactive)

1985 zog es Bally Wulff von Hannover nach Berlin. Dort wurde eine Vielzahl an erfolgreichen Flippern wie „Goldball“, „Cybernaut“ oder „Motordome“ gefertigt. Nur drei Jahre darauf ging mit „Atlantis“ der vorerst letzte Pinball-Tisch vom Fließband. Stattdessen konzentrierten sich die Verantwortlichen auf Geldspielgeräte ohne Gewinnmöglichkeit, darunter Stratego sowie Neuauflagen hauseigener Klassiker wie Rototron King.

Ausflüge in andere Bereiche, beispielsweise Bildplattenspieler für Musik-Cafés (Pioneer Laser Juke) oder Sportgeräte (Super Kixx, Super Chexx), wagte man auch. Gemeinsam mit Pioneer führte man 1992 sogar den hierzulande bis dahin unbekannten Begriff Karaoke ein – mit Automaten in Diskos. Zuvor aber spaltete sich Bally Wulff von seinem US-Mutterkonzern ab. Kennt ihr diverse Flipper von Sega oder den berühmten Tisch passend zu „Die Simpsons“? Auch bei denen war Bally Wulff beteiligt. Und 1997 wurden sogar erste Virtual-Reality-Spiele in Zusammenarbeit mit der Firma Cybermind vorgestellt.

Alles auf Anfang

Seit 2007 änderte sich wieder die Ausrichtung, was vermutlich dem neuen Investor zu verdanken war. Die Schmidt Gruppe benannte das Unternehmen in Bally Wulff Entertainment GmbH um, seit jetzt über zehn Jahren liegt der Fokus auf modernen Glückspielapparaten, darunter der Game Station mit etlichen vorinstallierten Spielen. In allen erdenklichen Formen und Farben ist Bally Wulff in entsprechenden Lokalitäten zu finden, vielleicht habt ihr euch selbst schon einmal an Anlagen wie Secret Island, Burn the Sevens oder Action Star versucht? An sehr vielen Orten stehen die Multi-Game Geldspielgeräte der Berliner Traditionsfirma.

Der Action Star Sky. (Foto: Bally Wulff)
Der Action Star Sky. (Foto: Bally Wulff)

Es ist erstaunlich, dass Bally Wulff bereits seit vielen Jahrzehnten am Markt ist und in der Vergangenheit eine echte Größe im Bereich der Flipper war – neben den nach wie vor renommierten Konkurrenten Williams und Gottlieb. Arcade-Automaten, Virtual Reality, Elektronik statt Mechanik – viele Ideen wurden ausprobiert und in Produkte verwandelt. Vermutlich floppten auch viele Ansätze, gerade bezogen auf die Zusammenarbeit mit Cybermind. Die Virtual-Reality-Konstruktionen der 1990er Jahre waren zwar ambitioniert, doch weit entfernt von einem guten Erlebnis. Aber das ist eine andere Geschichte…

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Bally Wulff: Die Geschichte eines ungewöhnlichen Unternehmens
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Bally Wulff: Die Geschichte eines ungewöhnlichen Unternehmens
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Kennt ihr Bally Wulff? Nicht? Dabei besitzt das deutsche Unternehmen eine spannende Geschichte...
Sven Wernicke
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3 Kommentare

    • Sven am

      Okay, hab mal geguckt. Ja, das liest sich dort nicht wirklich gut. So etwas kommt hier allerdings auf keinen Fall. Wirklich nicht!

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