Die FIFA Saga – Fast 30 Jahre Fußball Simulation

Die FIFA Saga – Fast 30 Jahre Fußball-Simulation

Ziemlich lahm waren die ersten Fußball-Simulationen, die in den 80er- und 90er-Jahren über unsere Displays flimmerten. Steife, kleine Männchen staksten über eine grüne Fläche, immer darauf erpicht, den eckigen Pixel-Ball zu erreichen und ihn ins gegnerische Tor zu schubsen. Damals jedoch hielten die Gamer ihre digitalen Fußballspiele für echte Revolution, ohne zu wissen, was noch folgen würde. 1993 kam dann das Low-Budget-Game “FIFA” auf den Markt: Wieder so ein halb gares Stück – oder echter Fortschritt? Die Geschichte zeigt, dass die Macher hinter den Kulissen den richtigen Riecher hatten und ein wahres Erfolgsprojekt kreierten.

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Eintauchen! Von der isometrischen Perspektive hin zu 3-D

Electronic Arts heißt der Produzent, der damals, Anfang der 90er-Jahre, einen hervorragenden Riecher bewies. Sein Team produzierte das erste FIFA-Spiel für den Sega Mega Drive, eine Spielkonsole, die ebenso wie das Spiel selbst in die Geschichte einging. Schon Ende 1993 gab es FIFA International Soccer auch schon für den PC, um anschließend, 1994, für 3DO, den Amiga, den berühmten Gameboy, den Game Gear sowie für das Super Nintendo Entertainment System zu Verfügung zu stehen.

Die FIFA-Welle schwappte über sämtliche Geräte, die damals hoch im Kurs standen. Zu Anfang trafen die Fußballfans noch auf die gewohnte isometrische Perspektive und schlichte 2D-Sprites, die sich kaum von der Konkurrenz unterschieden. 1994 gab es jedoch einen evolutiven Sprung hin zu einer 3DO-Version mit 3-D-Grafik und hochwertiger SVGA-Auflösung. FIFA 96 zeigte sich dann auch auf dem PC dreidimensional und zog den Gamer damit viel tiefer ins Geschehen.

Erfolgskonzept: FIFA macht Fußball für jeden hautnah erlebbar

Nicht zu vergessen: Wir sprechen von einem Computerspiel, das weit vor der Jahrtausendwende die Rechner der Nationen eroberte. FIFA war damals ein innovativer Newcomer, der die Welt der Spiele nachhaltig veränderte. Zwar nicht als einziger auf weiter Flur, doch trotzdem einer der wenigen Pioniere, die einen großen Schritt in die Zukunft wagten.

Heute dürfen sich die FIFA-Hersteller mit Hunderten Millionen verkaufter Exemplare brüsten, FIFA 20 allein verkaufte sich innerhalb der ersten drei Monaten 1,5 Millionen Mal. Dank der breiten Berührung mit der Fanszene ist es FIFA gelungen, den Fußball für jeden unmittelbar erlebbar zu machen. Die Freunde dieser Sportart können sich ihre eigenen Teams aufstellen, Turniere gestalten und diese von Anfang bis Ende durchspielen.

Immer am Ball: So bleibt FIFA der Realität auf der Spur

Kaum einer anderen Branche ist es gelungen, sich ähnlich intensiv mit dem realen Sport zu verknüpfen wie diese Fußball-Simulation. Vergleichen lässt sich die Stärke der Verbindung vielleicht noch mit der Welt der Sportwetten: Auch hier ist in den Jahren eine große Parallel-Community entstanden, in der Ergebnisse verfolgt, diskutiert und natürlich vorhergesagt werden. Gleichzeitig haben die Ergebnisse natürlich einen Einfluss auf die Wett-Tätigkeit (und umgekehrt) – wie auch der reale Sport die Spielinhalte beeinflusst. So kommen in FIFA bei jeder Version aktuelle Spieler hinzu und alte verschwinden damit der zur Verfügung stehende Kader nicht veraltet. Auch die Spielkommentatoren wurden im Laufe der Zeit mehrmals gewechselt, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Schließlich sollen alle Sinne so authentisch wie möglich angesprochen werden, und dazu gehört auch der Ton.

Die eingespielten Sprach-Samples stammten in FIFA 96 von Wolf-Dieter Poschmann und verschiedenen bekannte Sidekicks. 1997 kamen Karl-Heinz Feldkamp und Martin Siebel ins Spiel, 1998 ersetzte Werner Hansch den Siebel. Im Jahr 2000 musste dann auch Hansch weichen, seinen Platz nahm Jörg Dahlmann ein, dessen Stimme bis FIFA 2002 dominierte. Und so ging es weiter, Zug um Zug, immer am Puls der Fernsehzeit. Seit FIFA 16 sind es Wolf-Christoph Fuss und Frank Buschmann, die den Gamern das Spiel sprachlich versüßen. Ziel ist es, dem Fußballfans ein realistisches Erlebnis zu bieten, etwas rundum Vertrautes für Augen, Ohren und Seele.

Frank Buschmann
Frank Buschmann leiht seine Stimme dem FIFA-Spiel. Quelle: https://bit.ly/3agA0ui Lizenz: CC BY-SA 4.0

Eine zielgerichtete Evolution über die Jahrzehnte hinweg

Auch was die verschiedenen Ligen betrifft, bleiben die FIFA-Produzenten ständig am Ball. FIFA 2000 beinhaltete erstmals die Major League Soccer der USA und die griechische Super League. Auch die dänische Superliga, die israelische Ligat ha’Al sowie die Eliteserien aus Norwegen und die türkische Süper Lig gaben zum neuen Jahrtausend ihr virtuelles Debüt. FIFA 2001 brachte anschließend nicht mehr ganz so viele Änderungen mit, währen FIFA Football 2002 schon wieder einen kräftigen Sprung nach vorn machte.

Das Passspiel bekam zum Beispiel eine Schusskraftanzeige, die Grafik erhielt ein sichtbares Upgrade und die Steuerung ließ sich individuell konfigurieren. Doch die vielleicht wichtigste Neuerung lag in den virtuellen Fußballern selbst, sie erhielten ein Stück Menschlichkeit. Von 2002 an konnten sie ermüden und sich verletzten, ganz wie im echten Leben. Zudem wurde die WM 2002 gehypt, indem sich die digitalen Teams zum großen World Cup qualifizieren konnten.

Die wichtigsten Neuerungen ab dem Jahr 2003

Die zielgerichtete Evolution zieht sich bis heute und sorgt dafür, dass die Fans der Serie immer wieder neu zugreifen. Außerdem werden regelmäßig neue Zielgruppen erschlossen, vor allem die nachwachsenden Fußballfans, deren Existenz 1993 nicht einmal angedacht war. Der 2003 populäre Nintendo GameCube wurde von FIFA 2003 mit eingebunden, außerdem erweiterten die Programmierer die Spielstatistiken für eine verbesserte Übersicht. Nun tauchten auch “Zweikämpfe” und “Schüsse aufs Tor” in den Annalen auf, während die Steuerung vereinfacht und gleichzeitig intensiviert wurde. Aber damit war es längst nicht genug, auch FIFA Football 2004 brachte wieder Neuerungen mit sich, diesmal in der Defensive des Computergegners. Die gegnerische Verteidigung zu durchbrechen wurde zu einer rechten Herausforderung, gleichzeitig jedoch verfeinerte sich das Passspiel, sodass der Spieler diese Waffe besser nutzen konnte.

Teambuilding und Exklusivvertrag: So geht die Story weiter

Und dann wäre da noch der neu eingeführte Trainingsmodus, der dazu diente, den digitalen Sportlern das gewünscht Gameplay nach Strich und Faden einzutrichtern. Im Dynasty-Modus mutierte der Gamer zum Teambuilder, übernahm das Training seiner Mannschaft, führte Spielertransfers durch und visierte festgesteckte Ziele an. Eines dürfte aus jener Zeit vor allem den Xbox- und GameCube-Fans im Gedächtnis geblieben sein: Sonys Exklusivvertrag mit Electronic Arts, der ihnen den FIFA-Online-Modus verwehrte. Ob das eine gute Idee gewesen ist? Zumindest sagt man, es habe für EA mehr als genug Geld geregnet, doch dafür gab es im Gegenzug einen Haufen langer Gesichter.

FIFA 2005 brachte wenig Neues, FIFA 06 hingegen zeigte deutliche Verbesserungen im Karrieremodus. Endlich gab es so etwas wie Erfahrungswerte und Moral, die Teamchemie konnte sich dynamisch verändern, je nachdem, wie der Gamer agiert. Ausleihen oder Transfers zogen holprige Reaktionen nach sich, während Spieler, die oft zum Einsatz kamen, unter der Hand des menschlichen Fußballkönigs erblühten. Zusatzherausforderungen holten echte Kämpfer aus der Reserve: Schaffst du den Hattrick? Kannst du ein Spiel noch in der 85. Minute zu deinen Gunsten wenden? Der Spannungslevel stieg damit noch einmal deutlich an und sorgte dafür, dass die Langeweile dahinschmolz wie Eis in der Sonne.

Frauenfußball und Heldenreise: Die Sache nimmt weiter Fahrt auf

Ab FIFA 16 gab es endlich Frauenfußball, damit kam EA Sports den Wünschen aus aller Welt entgegen. 12 weiblich geprägte Nationalmannschaften standen für heiße Duelle bereit, nur Weltmeister Japan blieb außen vor. In FIFA 17 schwoll das Damen-Regiment auf 16 Teams an, mitsamt dem Europameister Niederlande. Männer und Frauen konnten nicht gegeneinander antreten, die Geschlechter blieben streng unter sich. Zudem durfte der Gamer im Rahmen von “The Journey” den Nachwuchsspieler Alex Hunter verkörpern, mit ihm gemeinsam zum Star aufsteigen und die Premier League umkrempeln. Das brachte noch mehr persönliche Identifikation ins Spiel und wirkte wie ein digitaler Traumerfüller: Welcher Fußballfan würde nicht selbst gern ein Top-Kicker sein, der alle Welt zum Staunen bringt?

Verena Aschauer
Seit FIFA 16 sind endlich auch die Damen mit dabei. Quelle: https://bit.ly/2Mc1Ekg Lizenz: CC BY-SA 3.0 at

Mit FIFA 19 gelang es EA, die Lizenzen für die UEFA Europa League und die UEFA Champions League zu ergattern. Vorher hatten diese bei Konami gelegen, einem japanischen Hersteller und Verlag für Video- und Computerspiele. Der Konkurrent gab diese Trumpfkarten aus der Hand und die FIFA-Serie profitierte davon. Hinzu kamen weitere Lizenzen, zum Beispiel für die Chinese Super League und die Serie A. Die FIFA Frauen-WM konnte nun ebenfalls zum ersten Mal im digitalen Universum von Electronic Arts starten. Insgesamt ergab sich ein pralles Paket an neuen Ligen, das sich direkt auf die Verkaufszahlen auswirkte.

Die Never-Ending Story geht bald ins vierte Jahrzehnt

Mittlerweile ist schon FIFA 21 am Start, die 28. Auflage des Fußballklassikers, der niemals enden will. Seit dem 9. Oktober 2020 dürfen Konsolenspieler und Computerfreaks die neueste Version zocken und sich dabei direkt schon wieder auf die Fortsetzung FIFA 22 freuen: Dieses Spiel verkörpert eine echte “Never-Ending-Story”, die bald schon ihren wohlverdienten 30. Geburtstag feiert.

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