Enshrouded Early Access Review: Besser als Valheim und Minecraft?

Seit dem 24. Januar dürfen sich Fans von Spielen wie Valheim oder Minecraft einem völlig neuen Open-World-Abenteuer stellen! Das deutsche Entwicklerstudio Keen Games, das unter anderem für Titel wie Portal Knights und Sacred 3 bekannt ist, mischt seitdem mit ihrem ersten eigenen Survival-Action-RPG Enshrouded mit und macht sogar dem kontroversen Spielehit Palworld ordentlich Konkurrenz. Ich habe den brandneuen Titel ausführlich für euch getestet und verrate euch heute, ob sich der Kauf meiner Meinung nach lohnt.

Bevor es mit meiner Review losgeht, hier der aktuelle Trailer:

Zeit für das Flammenblut!

Bevor es mit dem Erbauen einer schicken Basis und dem Erkunden der Welt richtig losgehen kann, dürfen wir uns zu aller erst einmal unseren eigenen Charakter erstellen. Im übersichtlichen Charakter-Editor gibt’s zwar nicht allzu viele Auswahlmöglichkeiten, aber doch genug, damit man auch neben weiteren Mitspielern noch gerade so herausstechen kann.

Die Charaktererstellung bietet gerade genug Möglichkeiten, um sich mit dem eigenen Spielcharakter identifizieren zu können.

Nach der Charaktererstellung wird uns von einer wahnsinnig tollen Erzählstimme auch schon die verhängnisvolle Geschichte vom Gluttal, der Welt von Enshrouded, nähergebracht. Auf diese Weise erfahren wir, dass ein furchtbarer Fluch auf die Welt losgelassen wurde, nachdem die Menschen ihre Finger nicht von einem mächtigen Elixier lassen konnten, mit dem sie am Ende sogar ganze Brunnen füllten. Dies hatte zur Folge, dass sich ein gefährlicher Nebel, das sogenannte „Miasma“, über alle Biome hinweg ausbreitete, was die Bevölkerung nach und nach ausrottete, bis nur noch ein paar wenige Plünderer und entstellte Monster übrig geblieben sind.

Wir teilen allerdings nicht dasselbe Schicksal der meisten gewöhnlichen Menschen, da es sich bei unserem Charakter um ein „Flammenblut“ handelt. Durch die Wirkung der Flamme sind wir einigermaßen vor dem Miasma geschützt und können zumindest einige Minuten darin aushalten. Später treffen wir auf weitere NPCs, die dasselbe Glück hatten und sich uns gerne anschließen. So gewinnen wir im späteren Verlauf nicht nur einen Schmied, einen Schreiner und eine Bäuerin, sondern auch noch weitere Charaktere, die uns bei unserem Vorhaben unterstützen.

Als „Flammenblut“ durften wir auferstehen, um die Welt zu retten.

Aber wobei genau handelt es sich eigentlich bei unserem großen Ziel? Unsere große und wichtige Aufgabe ist es schlussendlich alles Miasma von der Erdoberfläche zu entfernen und die Welt von dem Bösen zu säubern, damit sie wieder sicher und bewohnbar wird.

Die Geschichte geht dabei sogar deutlich tiefer, als man zuerst denken würde. Um mehr zu erfahren, sollte man aber dringend Ausschau nach versteckten Briefen und Notizen halten.

Großartiges Questen und Erkunden mit kleinen Tücken

Sobald man das kurze Intro hinter sich gelassen hat, geht es auch schon direkt in die große offene Welt hinaus, die mit verschiedenen interessanten Biomen glänzen kann. Neben dichten Wäldern und Berg-Landschaften gibt es nämlich zusätzlich noch weite sandige Ebenen und viele spannende Höhlenkomplexe und vieles mehr.

Doch um all das entdecken zu können, müssen wir erst einmal einige essenzielle Dinge herstellen. So benötigen wir zum Beispiel einen Greifhaken, um höhergelegene Bereiche aufdecken zu können und einen praktischen Gleiter, um auch tiefere Ebenen gefahrlos betreten zu können.

Erst mit der richtigen Ausrüstung sind wir in der Lage das gesamte Gluttal aufdecken.

An diesem Punkt kann man übrigens recht schnell im Spiel angelangen, weshalb man in der Regel nicht allzu lang im „Tutorial-Gebiet“ gefangen ist.

In der Welt erwarten uns dann nicht nur spannende Quests, die uns unter anderem sowohl neue Verbündete einbringen als auch dafür sorgen, dass immer mehr Miasma von der Erdoberfläche verschwindet, sondern auch viele verschiedene Gegner-Typen und Boss-Gegner und sogar einige spannende Rätsel und zahlreiche versteckte Belohnungen.

Wer hier allerdings zu früh zu viel will, kann entweder schnell in einen Death-Loop geraten, weil die Gegner in vielen Bereichen einfach noch viel zu schwer sind oder man hat viel zu schnell viel zu gutes Equipment und wirkt sofort ziemlich overpowered. Da beide Szenarien den Spielfluss leider ganz schön stören können, empfehle ich deshalb, immer so brav wie möglich dem roten Faden, bzw. dem Questlog zu folgen. Das beißt sich zwar ein wenig mit der Open-World-Experience, sorgt aber für ein besseres Balancing, an dem man hoffentlich früher oder später noch etwas mehr feilen wird.

Die Tatsache, dass man immer erst sehr spät merkt, ob man viel zu früh in einem Gebiet ist, fällt leider immer erst recht auf und sollte meiner Meinung nach etwas offensichtlicher mitgeteilt werden. Kämpft man sich trotzdem durch zu schwere Gebiete, sind andere zuvor verpasste Gebiete wiederum später viel zu einfach.

„Ich bau mir die Welt widdewidde wie sie mir gefällt…“

Das Motto von Pipi Langstrumpf ist auch ganz klar das Motto von Enshrouded. Hier dürft ihr nämlich absolut jeden Berg und jeden Baum wegkloppen, den ihr finden könnt und auf diese Weise die Welt tatsächlich genau so gestalten, wie ihr es gerne möchtet.

Nicht nur Erzvorkommen sind vor eurer Spitzhacke nicht sicher. Auch einfache Felsen und Berge dürft ihr bei Enshrouded dezimieren.

Ganz besonders spannend sind hier aber vor allem die Möglichkeiten, wenn es um den Bau des Eigenheims im Spiel geht. Aufgrund der Tatsache, dass die Welt frei gestaltet werden kann, könnt ihr euer Haus oder eure Festung tatsächlich ganz einfach in einen Berg hineinbauen, statt auf einem flachen Wiesenstück.

Doch das ist längst nicht alles! Sobald ihr euren Bauhammer besitzt, habt ihr außerdem schier unendliche Möglichkeiten, euer Haus besonders kreativ zu gestalten.

Bereits zu Beginn steht eurer kreativen Entfaltung beim Hausbau keine Grenzen gesetzt.

Zusätzlich könnt ihr später über etliche Dekorationen und Möbel verfügen, deren schiere Menge schon fast an die von House Flipper 2 herankommt, solange ihr nur fleißig die Welt erkundet und auflevelt. Mit der Zeit schaltet ihr nämlich immer mehr Objekte frei, die nicht nur euer Haus verschönern, sondern auch beim Erstellen von wichtigen Materialien und stärkeren Waffen sowie Ausrüstung helfen können.

Bereits nach 3 Stunden Spielzeit hatte es mein Charakter schon ziemlich gemütlich.

Extra fleißige und kreative Spieler werden sich über den tollen Baumodus sicher ganz besonders freuen. Enshrouded bietet nämlich nicht nur ungeahnte Möglichkeiten, sondern fordert auch deutlich weniger Materialien für den Ausbau. Während man in Valheim gut und gerne alle 10 Minuten wieder neue Steine und Holz sammeln muss, kommt man bei Enshrouded deutlich länger mit den Ressourcen hin und muss deutlich weniger oft los. Gleichzeitig spawnen Ressourcen, die in der Umgebung gefarmt wurden, immer wieder neu, weshalb man für einen Baum nicht irgendwann extra kilometerweit laufen muss. Ich bin mir sicher, dass man in wenigen Stunden locker ein ganzes Dorf errichten kann, ohne danach völlig fertig zu sein.

Außerdem empfinde ich die Steuerung im Baumodus super angenehm. Die erlaubt es einem sogar, einzelne Wände und andere Teile sekundenschnell wieder zu löschen, statt ewig draufhacken zu müssen, sollte man sich beim Bau mal vertan haben. Und auch Objekte wie Tische, Stühle oder Betten können mit einem einfachen Knopfdruck wieder ins Inventar gepackt werden, was das Umdekorieren extrem erleichtert.

Für jeden etwas dabei

Doch nicht nur mit der interessanten Story, der spannenden Welt und dem extrem ausgereiften Baumodus kann Enshrouded überzeugen. Auch, wenn es um die Kämpfe geht, ist wirklich für jeden etwas dabei. Der riesige Skill-Tree lässt euch wilde Kombinationen aus Krieger-, Zauberer- und Schurkenklassen ausprobieren und sorgt für die nötige Abwechslung im Spiel.

Der Skill-Tree bietet eine Menge Abwechslung!

Woran es allerdings ein wenig fehlt, ist hier der versprochene Survival-Aspekt. Essen und trinken muss man hier zum Beispiel nie, weil man Hunger oder Durst hat oder Lebensenergie zurückgewinnen will. Stattdessen bieten die Lebensmittel hilfreiche Boni wie mehr Ausdauer oder einen größeren Lebensbalken. Mich persönlich stört das allerdings gar nicht, da das ein Aspekt ist, der mich normal eher nervt. Immer wenn der Magen meines Charakters knurrt, während ich grade meilenweit von einer Lebensmittelquelle entfernt bin und vergessen habe, genügend Vorräte mitzunehmen, kriege ich mittlerweile schon immer eine kleine Krise. Die bleibt einem bei Enshrouded also erspart, wenn es auch sicher nicht jedem Survival-Fan recht sein wird.

Optik, Sound und Performance

Optisch hat mich Enshrouded sehr überrascht. Die Miasma-verseuchte Welt bietet neben passend düsteren Abschnitten gleichzeitig auch wunderschöne Landschaften, in denen man gerne länger verweilen möchte. Dazu gesellen sich schicke Lichteffekte und unterschiedliche Biome, die die Welt noch interessanter machen.

Eine Mischung aus tödlichem Miasma und einladender Szenerie.

Auch der Sound kann extrem überzeugen. Neben einem absolut genialen Soundtrack, der die Stimmung des Spiels perfekt untermalt, darf man sich auch über tolle realistische Soundeffekte und über tolle Synchronarbeit freuen. Genießen dürft ihr die wenigen Sprechpassagen allerdings nur auf Englisch.

Die Performance hingegen kriegt von mir nicht ganz so viel Lob. Zwar hatte ich wirklich Glück, da mein Spiel nur ab und zu mal leicht geruckelt hat, doch habe ich jetzt schon sehr oft von Spielern gehört, auf deren System es überhaupt nicht flüssig läuft. Nutzt also auf jeden Fall die 2 Stunden „Probezeit“ auf Steam, in denen ihr das Spiel noch zurückgeben könnt, solltet ihr zu den Pechvögeln gehören.

Fazit

Enshrouded ist eines der besten Open-World-Survival-Action-RPGs, die ich seit Langem gespielt habe und kann locker mit beliebten Titeln wie Valheim oder Minecraft mithalten. Um die Frage vom Titel zu beantworten: Zwar macht Enshrouded einiges besser als die erwähnten Spiele, ist aber gleichzeitig zu anders als das man sie wirklich direkt miteinander aufwiegen kann. Jeder der Titel spricht für sich allein und das wiederum spricht besonders für Enshrouded, der als Newcomer genug eigene Kreativität mitbringt, um nicht als Mitläufer zu gelten und für alle, die das Genre mögen absolut empfehlenswert ist.

Hier und da weist der Titel zwar noch einige Fehler auf, aber was das angeht, bin ich guter Dinge, dass diese während der Early-Access-Phase noch bereinigt werden. Immerhin wollen die Entwickler nahe mit den Fans zusammenarbeiten, damit Enshrouded bereits in einem Jahr die Early-Access-Phase verlassen kann und als vollwertiges Spiel dasteht. Tatsächlich kann man aber bereits jetzt ganze 40% der geplanten Inhalte zocken.

Enshrouded ist am 24. Januar 2024 für PS5, Xbox Series und PC erschienen.

  • Für den Test habe ich übrigens den großartigen GameSir G7 Wired Controller verwendet, den ihr bei uns noch immer mit einem ordentlichen Rabatt abstauben könnt.

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