Flipper, Arcade & Co.

Geschichte und Aufbau klassischer Spielautomaten

6. Dezember 2019 • 10:30 Uhr

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Zocken wie damals. (Foto: Wikimedia)

Wie sind eigentlich Spielautomaten und Flipper aufgebaut? Wir beantworten euch diese Frage.

Viele Jahre vor dem Siegeszug der Spielkonsolen und Gaming-PCs sorgten Arcade-Automaten und Flipper weltweit für Aufsehen. An dieser Stelle möchten wir auf die größten und bekanntesten Vertreter der Geschichte eingehen und euch einige Hintergründe präsentieren…

Die Geschichte der Flipper-Automaten

Nachdem es einige Vorläufer des Flipperautomaten gegeben hatte, erfand der Gottlieb-Techniker Harry Mabs im Jahr 1947 den berühmten Flipperhebel. Mit dessen Hilfe konnte man selbst noch besser am Spiel teilhaben und immer wieder eingreifen.

Bei dem allerersten Flipperautomaten handelte es sich um Humpty Dumpty. Dieser war noch nicht so aufgebaut wie die heutigen modernen Flipper. So schlugen die Kugel von außen nach innen. Die Elemente befanden sich eher am Spielfeldrand. Nach einigen Jahren folgte dann die Lösung, die wir heute von den Flipperautomaten kennen.

Ein Flipper von Gottlieb aus dem Jahr 1966 - Central Park. (Foto: Wikimedia / Jill Weiss)
Ein Flipper von Gottlieb aus dem Jahr 1966 – Central Park. (Foto: Wikimedia / Jill Weiss)

Nach dem Flipperaufschwung passiert um das Jahr 1950 herum erst einmal nicht allzu viel. Der Markt war gesättigt und die neuen Flipperautomaten verkauften sich gut. Doch neue Hersteller hatten keine Chance. So zogen sich immer mehr Produzenten zurück. Die Gewinner waren Gottlieb und Williams, die sich zu zweit den Weltmarkt der Flipper-Automaten teilten. Ein wenig später stellten auch Bally und CDI immer wieder neue Geräte mit dem Flipper-Spiel vor.

Als im Jahr 1954 mechanische Rollenzählwerke eingeführt wurden, konnten nicht nur Solisten, sondern auch zwei oder vier Spieler mit einem Automaten spielen. Beim Six Sticks von 1965 durften sogar sechs Teilnehmer ihre Freude am Flipper-Automaten teilen. Auf dem amerikanischen Markt kamen die Flipper-Automaten mit Mehrspieler-Funktionalität leider nicht so gut an, dort wollte man die Ein-Mann-Version. In Europa war der Absatz mit 90 Prozent der Flipper-Automaten für Multiplayer dagegen überaus groß.

Bis zum Jahr 1956 waren die Flipper aus Holz gefertigt. Mit der Zeit setzen sich Metallkonstruktionen, gerade bei den Beinen und den Kassentüren, durch.

Erst ab 1958 wurden bedeutende Mengen an neuen Flippern nach Deutschland gebracht. Die Modelle waren allerdings für damalige Verhältnisse viel zu teuer. Ein Automat kostete zirka 4000 DM, was dem Preis eines Volkswagens entsprach. Deshalb florierte der Handel mit gebrauchten Flipper-Automaten.

Das Ende

1968 stagnierte wieder der Flipper-Markt, denn die Geldgewinnspiel-Automaten gewannen rasend schnell an Bedeutung. Etwas Neues ist halt immer interessanter. Die Hersteller investierten zunehmend in andere Systeme, zum Beispiel Pool-Billard. Obwohl weniger Flipper gekauft wurden, war dieser in der deutschen Jugend und Bevölkerung großflächig angekommen. In den darauffolgenden Jahren gingen die Verkaufszahlen immer wieder einmal hoch und runter. Ende der 1980er folgte ein gravierender Absatzeinbruch. Williams konnte im Vergleich zu seiner Konkurrenz allerdings immer noch viele Flipper-Automaten an die Kundschaft bringen. Er war schon viele Jahre der Marktführer und keiner konnte diesem Konzern das Wasser reichen.

Beat Time aus dem Jahr 1967 von Hersteller Williams. (Foto: Wikimedia)
Beat Time aus dem Jahr 1967 von Hersteller Williams. (Foto: Wikimedia)

Nachdem allerdings die Matrixanzeige eingeführt wurde, erlebten die Automaten in den Jahren 1992 und 1993 noch einmal einen regelrechten Aufschwung. Leider gab ab 1995 eine weitere schlechte Zeit für Flipper mit miesen Absatzquoten. Auf einmal wollten die jungen Leute sowas nicht mehr spielen. Bis heute hat sich der Markt davon nicht erholen können. Natürlich wurde viel in Kreativität und Verbesserungen investiert, doch das half dem Bereich nur wenig.

Williams versuchte 1999, eine neue Flipper-Generation auf den Markt bringen. Die Geräte sollten ein integriertes Display besitzen und allgemein viel moderner wirken. Das Unternehmen scheiterte, der Markt hatte einfach kein Interesse mehr an dem grundlegenden Spielkonzept. Stern Pinball übernahm die Angestellten von Williams und blieb bis 2011 der konkurrenzlose Hersteller von Flipper-Automaten.

So funktionieren klassische Flipper

Die älteren Modelle sind natürlich mechanisch aufgebaut und werden lediglich durch Muskelkraft betrieben. Das bedeutet, der Spieler muss auch etwas körperliche Energie und Betätigung mit reinbringen. Bei der mechanischen Version sind lediglich die Beleuchtung oder die Punktanzeigen elektrisch. Natürlich sind die Hebel die Bedienelemente, um die es sich im Flipper-Spiel hauptsächlich dreht.

Der Spieler kann die Kugel während des Spiels mit den Flipperhebeln im Spiel halten und die Kugel dadurch steuern. Dafür befinden sich die Hebel im unteren Bereich des Flippers und lassen sich bequem steuern. Hier kommt es vor allem auf die Reaktionsgeschwindigkeit und die Geschicklichkeit des Spielers an, wie sehr es ihm gelingt, die Kugel durch gezielte Hebelbewegungen im Spiel zu halten.

Während des Spielgeschehens kann die Kugel verschiedene Elemente tangieren, wie zum Beispiel die Slingshots.

Geschichte der Arcade-Spielautomaten

Seit den 1970er Jahren wurden die Arcade-Spielautomaten nach und nach in öffentlichen Spielhäusern in den USA aufgestellt. Auch in Deutschland fanden sich 10 Jahre später, also in den 1980er Jahren, immer mehr solcher Geräte. Orte waren unter anderem Kioske, Imbissbuden, Vorräume von Supermärkten und einige weitere Plätze. Später wurde es allerdings verboten, dass man die Arcade-Geräte überall platzieren durfte.

Der legendäre Pac-Man-Automat. (Foto: Wikimedia)
Der legendäre Pac-Man-Automat. (Foto: Wikimedia)

Die Geräte waren so aufgebaut, dass der Spieler nur gegen Geldeinwurf spielen konte. Der Preis lag häufig bei rund einer deutschen Mark. Zumindest hierzulande.

Seit den 1980er Jahren erlebten die Arcade-Automaten einen großen Aufschwung, bis irgendwann die Computerspiele im neuen Jahrtausend in der breiten Bevölkerung ankamen. Berühmte Arcade-Spiele, wie zum Beispiel „Pac-Man“, waren die Basis für weitere Computerspiele.

Die modernen Arcade-Automaten der Gegenwart verfügen über einige Tausend Spiele. Bei den neuen Modellen handelt es sich also sozusagen um „All in One Geräte“. Hier befinden sich „Pac-Man“, „Defender“, „Asteroids“, „Space Invaders“, „Scramble“ und „Donkey Kong“ unter anderem in einem Gerät.

Wie funktionieren Arcade-Automaten?

Wer sich noch an die tollen Arcade-Automaten erinnern kann wird wissen, dass diese Geräte im wahrsten Sinne des Wortes süchtig machen. In der Regel gab es einen großen Bildschirm und eine Bedieneinheit. Auf dieser befanden sich Tasten und ein Joystick. Natürlich gab es noch einen speziellen Münzeinwurf und manchmal konnte man bequem sitzen.

Hier eine Kontroll-Einheit vom Automaten Defender. (Foto: Wikimedia / MattGrommes)
Hier eine Kontroll-Einheit vom Automaten Defender. (Foto: Wikimedia / MattGrommes)

Es existierten ursprünglich eigentlich keine einheitlichen Geräte, sie unterschieden sich bei der Hardware und waren auf das laufende Spiel ausgerichtet. Zum Beispiel existierten Arcade-Automaten mit Lenkrad, diese eigneten sich folglich für Rennspiele oder Flugsimulatoren und nicht für Plattform-Titel. Auch die verwendeten Displays variierten ziemlich stark in ihrer Größe.

Im Inneren des Arcade-Automaten befand sich das eigentliche Arcade-System. Dabei handelte es sich um eine standardisierte Plattform des jeweiligen Herstellers. Diese war auf einen gewissen Spieltyp spezialisiert. Zum Beispiel wurden Spiele verwendet, welche ähnliche Hardwareanforderungen besaßen. Bei vielen Leuten wird diese spezielle Platine auch als Arcade System Board bezeichnet.

In den alten Arcade-Modellen war das Game noch auf der Hauptplatine integriert, dadurch wurden natürlich einige Kosten eingespart. Dennoch war es am Ende für die Eigentümer und Spielhallen-Betreiber ärgerlich, denn diese mussten für ein neues Spiel eine komplett neue Hauptplatine kaufen.

Später trennten einige Produzenten das Spiel von der Hauptplatine. Es wurden mit der Zeit ausschließlich separate Module verwendet. Aufgrund der hohen Stückzahlen konnten auch die Produktionskosten gesenkt werden. Für Besitzer war es von Vorteil, dass sie auf einem Automaten mehrere Spiele laufen lassen konnten, ohne die teure Hardware wechseln zu müssen.

Arcade-Automaten werden abgelöst

Da in Zeiten von PlayStation, Xbox und Co. kein großer Bedarf mehr für klassische Arcade-Automaten vorhanden ist, sind die meisten Automaten, die man in Kneipen antrifft, Glücksspiel-Automaten. Doch auch diese könnten mit der Zeit aussterben, weil sich Online Casinos auf dem Vormarsch befinden. Wieso soll man als leidenschaftlicher Zocker auch sein Geld in den nächstgelegenen Automaten werfen, wenn man beispielsweise einfach Freespins auf CasinoSecret abstauben kann? Aber wer weiß, Retro liegt momentan im Trend und vielleicht sehen wir ja in einigen Jahren wieder „Donkey Kong“ oder „Pac-Man“ beim Dönermann nebenan? Bis dahin schwelgen wir doch gern in den Erinnerungen an die schönen 1980er Jahre…

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Flipper, Arcade & Co.: Geschichte und Aufbau von Spielautomaten
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Wie sind eigentlich Spielautomaten und Flipper aufgebaut? Wir beantworten euch diese Frage.
Sven Wernicke
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