House Flipper 2 Review: Besser als der Vorgänger oder zu viele Neuerungen?

Vor ca. fünf Jahren konnte der Vorgänger die Spieler weltweit begeistern und galt als die große Twitch-Gaming-Überraschung 2018. Mit dem Nachfolger möchte es das Entwicklerstudio Frozen District jetzt allerdings erst recht wissen und implementiert jede Menge Neuerungen und Verbesserungen. Ob House Flipper 2 den ersten Teil tatsächlich um Längen schlagen kann oder ob auch hier wieder gilt „Weniger ist Mehr“, verrate ich euch heute, in meinem ausführlichen Test.

Vorab könnt ihr euch hier den Release-Trailer ansehen:

Neue Story-Elemente bringen mehr Leben ins Spiel

Während wir zuvor einfach ins Geschehen und in die Arbeit geschubst wurden, werden wir jetzt von kleinen Story-Elementen begleitet, die das Spiel noch lebendiger machen. Nach dem Erstellen unseres Profils, wobei wir entscheiden dürfen, ob wir als Hannah oder David unsere neue Karriere starten, werden wir auch schon gleich von unserem Kumpel Tom Marino angerufen, der uns hilft, neue Aufträge zu finden.

Als Hannah oder David starten wir unsere Karriere als Baumeister und Innenausstatter.

Schauplatz ist diesmal unsere Heimat und als Büro dient uns unser altes Elternhaus, dass uns großzügiger Weise von den Beiden überlassen wurde. Wenn man bedenkt, dass wir im Vorgänger zu Beginn nur ein winziges Häuschen mit nur einem Zimmer für unser Unternehmen verwenden durften, bekommen wir hier ein ganz schönes Upgrade. Schade ist dabei nur die Tatsache, dass damit ein ganz wichtiger Aspekt des Vorgängers verloren geht. Das Ziel, sich ein größeres und schöneres Büro leisten zu können, fällt hier nämlich weg. Es ist zwar immer noch möglich, in ein anderes Haus umzuquartieren, aber das Bedürfnis kommt eigentlich niemals auf, da man ja auch nicht seinen Eltern gegenüber undankbar erscheinen will.

Das Elternhaus wurde zudem mit vielen niedlichen Notizzetteln von den Eltern versehen, die uns viel Glück mit unserer Karriere wünschen.

Wichtig oder besonders interessant ist die kleine Storyline zwar nicht, aber sie macht das Spiel etwas lebendiger und unseren stummen Charakter etwas greifbarer. Besonders angenehm empfinde ich auch die vertonten Anrufe von Auftraggebern, die wir zwischendrin erhalten. Die sind teilweise nicht nur ziemlich unterhaltend, sondern sorgen auch dafür, dass sich das Spiel nicht so leer und einsam anfühlt, wie der Vorgänger.

Häuser kaufen und wieder verkaufen

Genau wie im Vorgänger, haben wir auch diesmal wieder unterschiedliche Möglichkeiten, wie wir das Spiel erleben können. So gibt es zum Beispiel auch dieses Mal wieder die Möglichkeit eigene Häuser zu kaufen, zu renovieren und dann gewinnbringend wieder zu verkaufen. Dabei sind uns bei der Gestaltung der Häuser in House Flipper 2 kaum Grenzen gesetzt. Auf die vielen neuen Möglichkeiten komme ich allerdings später noch einmal zurück.

Der Immobilien-Markt bietet uns viele spannende Immobilien in insgesamt 3 verschiedenen Gebieten.

Der neue Sandbox-Modus

Als zweite Option gibt es nun ganz neu den Sandbox-Modus, der euch die Möglichkeit gibt, nicht nur komplett eigene Häuser aus dem Nichts zu errichten, sondern diese auch mit Quests zu versehen. Die erstellten Häuser können dann, in Form von Spezialaufträgen, mit euren Freunden geteilt werden, die sich dann an euren eigens erstellten Herausforderung versuchen können.

Im neuen Sandbox-Modus könnt ihr eigene Häuser mit Aufträgen für eure Freunde erstellen.

Montage-Minispiele

Eine weitere Form der Unterhaltung bieten die neu implementierten Montage-Minispiele. Bei diesen kurzen „Events“ dürft ihr Regale an der Wand montieren, Tische und Stühle zusammenbauen und vieles mehr. Dabei soll man nicht nur so ordentlich und genau wie möglich arbeiten, sondern am besten auch möglichst schnell, um am Ende einen schönen Bonus, wie zum Beispiel Rabatte im Shop, fürs saubere Arbeiten absahnen zu können. Mit den neuen Minispielen kommen übrigens auch die neuen Handwerksfähigkeiten Bohren und Hämmern mit dazu, die es vorher noch nicht gab.

Die Minispiele machen durchaus Spaß, allerdings finde ich es schade, dass sie gleichzeitig auch die Montage beim Einrichten der Häuser komplett ablösen. Waschmaschinen, Duschen, Heizungen und Co. können nun einfach so im Haus platziert werden und benötigen keine spezielle Montage mehr, was mir persönlich am Vorgänger sehr gut gefallen hatte und dementsprechend jetzt fehlt.

Andererseits bringt die Montage nun viel mehr Abwechslung, da es sich eben nicht mehr nur auf die immer gleichen Gerätschaften beschränkt und müssten wir all die neuen Möbel wirklich jedes Mal erst zusammenbauen, bevor wir sie im Haus platzieren dürfen, wäre das dann doch wahrscheinlich ziemlich nervig. Im Endeffekt hat man die Sache dann doch ziemlich gut gelöst, auch wenn die Entwickler dafür ein Opfer bringen mussten.

Bei diesem Montage-Minispiel baue ich einen Tisch zusammen.

Aufträge

Zu guter Letzt kann man sich natürlich noch mit den vielen Kunden-Aufträgen beschäftigen, die nach und nach freigeschaltet werden. Hier lohnt es sich auch, mindestens so viele Aufträge zu machen, bis man alle wichtigen Funktionen freigeschaltet hat. Die Aufträge dienen nämlich nicht nur als Zeitvertreib und wichtige Geldquelle, um sich das erste Haus leisten zu können, sondern eben auch als Tutorial, dass uns nach und nach alle Fähigkeiten näher bringt und aktiviert.

Besonders schön ist hier die Tatsache, dass wir viele verschiedene Auftraggeber kennenlernen dürfen. Diese melden sich oft, während wir für sie die Arbeit erledigen, per Smartphone bei uns und lassen uns oft wissen, warum ihr Haus beispielsweise gerade so dreckig aussieht. Dabei erfahren wir immer wieder interessante und teilweise ulkige Hintergrundgeschichten, die die Arbeit gleich viel spaßiger machen. Schade ist hier nur, dass es leider keine deutsche Vertonung gibt.

Diese nette alte Dame möchte das Dachgeschoss für ihren Enkel herrichten lassen.

Nicht alle Neuerungen gefallen auf Anhieb

Schon im Vorgänger konnten wir Wände einreißen, neue Wände bauen, Wände streichen, Böden verlegen und vieles mehr, doch House Flipper 2 bietet nicht nur die gleichen Optionen, sondern hat diese noch einmal deutlich verfeinert und um weitere Möglichkeiten erweitert, um uns deutlich mehr Freiheiten zu geben.

So bekommen wir zum Beispiel dieses Mal die Möglichkeit, bestimmte Bereiche beim Streichen einzugrenzen, sodass nirgendswo Farbe hinkommt, wo wir keine wollen. Auf diese Weise können wir viel genauer arbeiten und unserer Kreativität freien Lauf lassen.

Beim Nachfolger lassen sich bestimmte Abschnitte streichen, ohne andere Stellen versehentlich mit Farbe zu versehen.

Bei dieser hilfreichen Neuerung sind mir allerdings auch einige Makel aufgefallen: so lässt sich die Maus zum Beispiel, innerhalb einer Eingrenzung, oft nur sehr hakelig und schwer bewegen und wenn man einen größeren Bereich streichen will, werden oft bereits markierte Stellen einfach wieder gelöscht. Das ein oder andere Mal haben mich diese Probleme tatsächlich an meine Frustgrenze gebracht.

Um das ganze Erlebnis noch realistischer zu gestalten, tragen wir jetzt übrigens auch Mülltüten mit uns herum, die beim Sammeln der Müllhaufen immer voller werden, bis sie ihre maximale Kapazität erreicht haben und schließlich in die Tonne entsorgt werden müssen. Auch diese Neuerung kann, zumindest am Anfang, etwas auf die Nerven gehen, da man oft immer wieder aus dem zweiten oder dritten Stockwerk bis nach draußen zur Mülltonne laufen muss, wenn man nicht im ganzen Haus hässliche Müllsäcke liegen haben will.

Wer etwas Skill besitzt, kann die Mülltüten auch von Weitem in die Tonnen werfen. Eine Fähigkeit, die ich leider bisher nicht beherrschen konnte.

Die besseren Neuerungen

Zu den besseren Neuerungen gehört die Platzierung nach Raster, über die man gleich zu Beginn verfügt. So können Gegenstände immer schön mittig platziert werden und perfekt zur Wand abschließend. Nur beim Platzieren von Deko-Gegenständen auf Regalen gibt es leider noch Probleme, da man oft nicht bis auf das Regal schauen kann und das Raster dann nicht greift.

Noch effizienter ist dann noch die „Handwerker-Sicht“, die kann jetzt jederzeit aktiviert werden, wenn man zum Beispiel eine Mülltüte in den Händen hält, um sich so anzeigen zu lassen, wo noch Müll herumliegt. Die Sicht funktioniert auch mit Schmutzstellen, wenn man Reinigungsmittel in den Händen hält und mit Objekten, die für eine Aufgabe verkauft werden müssen, wenn man gerade das Verkaufs-Gerät ausgewählt hat sowie für Blätter und Krümel, wenn man den Staubsauger benutzt..

Mit der „Handwerker-Sicht“ entgeht euch nichts mehr.

Mehr und vor allem spannendere Vorteile zum Freischalten

Im späteren Verlauf kann man aber die Kapazität der Müllsäcke noch erweitern. Genauso ist es möglich später größere Bereiche auf einmal zu streichen, mehr Müll auf einmal einzusammeln und schneller zu putzen, um nur ein paar der erweiterten Skills zu nennen, die man später noch erlernen und verbessern kann. Einen kleinen Twist gibt es dieses Mal allerdings: Teilweise muss man sich hier nämlich zwischen bestimmten Skills entscheiden, was natürlich zu verschiedenen Spielweisen führt. Tatsächlich kann man die Skills aber jederzeit auch wieder zurücksetzen, sodass man sich alle Möglichkeiten einmal in Ruhe ansehen kann.

Auch dieses Mal kann man seine Fähigkeiten wieder im Verlauf des Spiels erweitern und Verbessern.

Ganz besonders gut haben mir die neuen „Putz-Fähigkeiten“ gefallen. Wer möchte, kann zum Beispiel eine Sprühflasche mit Reinigungsmitteln freischalten, die man, wie eine Pistole, auf unschöne Schmutzflecken richten und sie dann besprühen kann. Dadurch kann auch hartnäckiger Schmutz deutlich schneller entfernt werden und es macht so natürlich gleich viel mehr Spaß.

Mit der neuen praktischen Sprühflasche geht es dem Schmutz an den Kragen.

Ebenfalls besonders hilfreich sind außerdem die neuen Funktionen, die man für das Verkaufs-Gerät freischalten kann. Damit kann man nun nicht mehr nur Gegenstände verkaufen, sondern auch Stile kopieren, Gegenstände duplizieren und Stile ändern. Das spart jede Menge Zeit, wenn man beispielsweise vergessen hat eine Wand zu streichen und nicht mehr weiß, welche Farbe man für die anderen Wände zuvor verwendet hat. Eine Odyssey durch den Shop, auf der Suche nach der richtigen Farbe, bleibt uns somit jetzt erspart. Auch lassen sich mit dem Duplizieren-Tool super easy gleich mehrere Stühle der gleichen Art an einem Esstisch platzieren, ohne das man jedes Mal vorher den Shop öffnen muss.

Das Verkaufs-Gerät hat nun gleich 3 zusätzliche, hilfreiche Funktionen.

Immer noch mangelnde Auswahl im Shop

Womit ich schon im ersten House Flipper am liebsten meine Zeit verbracht habe, war das Einrichten und Dekorieren der Häuser. Im ersten Teil standen uns dafür leider nicht allzu viele Gegenstände zur Verfügung, weshalb sich meine Einrichtungsstile irgendwann alle sehr ähnlich gesehen haben. Umso größer war meine Hoffnung, dass uns House Flipper 2 diesmal deutlich mehr Möglichkeiten bietet. Dies ist aber nicht so wirklich der Fall.

Gefühlt gibt es dieses Mal sogar noch weniger Möbel und Dekorationen. Meine Vermutung: Für mehr muss man hier wahrscheinlich mal wieder auf DLC’s warten, wie auch schon beim Vorgänger. Dafür gibt es aber zumindest mehr Stil-Optionen, die man auf die meisten Gegenstände anwenden kann, wodurch sie etwas mehr individualisiert und angepasst werden können. Auch gibt es nun die Option, verschiedene Pflanzenarten in einem Topf miteinander zu kombinieren, was die Verschönerungsmöglichkeiten etwas vergrößert.

Insgesamt gibt es gerade einmal 5 verschiedene Küchen, dafür aber zumindest mehrere Farbvarianten.

Sound und Optik

Eine klare Verbesserung gibt es hier aber auf jeden Fall beim Thema Optik. Nicht nur bekommen wir mit dem Nachfolger schönere und detailliertere Texturen, sondern sogar ein ganzes Gebiet mehr als zuvor. Jetzt können wir uns nicht nur in einem Vorort und am Strand austoben, sondern auch in einem netten, idyllischen Waldgebiet. Auch können wir nun über die ganze Nachbarschaft blicken und haben nicht mehr nur das Haus im Fokus, an dem wir gerade arbeiten. Bewegen kann man sich allerdings immer noch nicht von der eigentlich Arbeitsstelle weg.

House Flipper 2 wirkt deutlich detaillierter und lebendiger.

Beim Sound habe ich etwas gemischte Gefühle, während soweit alle Geräusche gut passen, komme ich absolut nicht über das ohrenbetäubende Quietschen hinweg, dass entsteht, wenn man in den Montage-Minispielen Objekte verschraubt. Das Geräusch der Schrauben, die sich ins Material fräsen, hat mir tatsächlich Zahnschmerzen verursacht und klingt ungefähr so schlimm wie Kreide auf einer Schiefertafel.

Der Soundtrack selbst könnte für meinen Geschmack manchmal noch etwas entspannter sein. Der erinnert mich, je nach Gebiet, teilweise etwas zu sehr an einen fröhlichen Heimwerker-TV-Werbespot und kommt immer wieder im Loop.

Fazit

Mit House Flipper 2 wurden die Möglichkeiten des Vorgängers deutlich übertroffen und auch optisch kann sich der Nachfolger absolut sehen lassen. Besonders positiv wirken hier das viel lebendigere Setting, die neuen Handwerkerfähigkeiten, an die wir uns heranwagen dürfen, der neue Sandbox-Modus, der uns noch kreativer werden lässt und die interessanteren Aufgaben mit kleinen Hintergrundgeschichten.

Einige Neuerungen sind aber, meiner Meinung nach, noch nicht so ganz ausgereift. Während einem viele neu implementierte Fähigkeiten die Arbeit erheblich erleichtern und angenehmer machen, gibt es auch ein paar neue Funktionen, die mehr Probleme bereiten und nerven, als hilfreich zu sein. Diese halten sich allerdings zum Glück in Grenzen.

Generell habe ich zum Ende doch etwas gemischte Gefühle gehabt. Einerseits ist House Flipper 2 natürlich ein deutlich facettenreicheres und größeres Spiel als sein Vorgänger, andererseits wurde es mir manchmal sogar tatsächlich ein bisschen zu viel und ich habe die Einfachheit des ersten Teils hier und da dann doch etwas vermisst, aber das ist natürlich meckern auf höchstem Niveau und kommt vor allem von einer Person, die gerade zwischen den Jahren umgezogen ist und auch im realen Leben einiges putzen, renovieren und einrichten musste.

House Flipper 2 ist am 14.12.2023 für PS5, Xbox Series und PC erschienen.

  • Kennt ihr eigentlich schon meine persönlichen Tops und Flops 2023?

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