Nintendo 3DS XL

Gewachsene Handheld-Konsole im Praxistest

4. August 2012 • 18:08 Uhr

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Der 3DS XL. (Foto: Sven Wernicke)

Der 3DS ist mittlerweile fast 18 Monate alt. Seitdem ist einiges geschehen: Der Preis für die Handheld-Konsole sank recht schnell, Erstkäufer spendierte Nintendo eine Reihe kostenloser Retro-Spiele als Entschädigung. Geblieben ist nach der im Spielesektor doch recht langen Zeit eines: ein überschaubares Angebot an Games. Das war beim Vorgänger NintendoDS eigentlich nie ein Problem. Gefällt euch das Angebot mit „ Super Mario 3D Land“, „Kid Icarus: Uprising“, „Zelda: Ocarina of Time 3D“, „Mario Kart 7“ und etlichen anderen Werken von Nintendo und Drittherstellern, aber ihr besitzt noch nicht die geeignete Handheldkonsole? Dann solltet ihr einen Blick auf den 3DS XL werfen.

Der ist seit einigen Tagen erhältlich und kostet rund 200 Euro. Dafür erhaltet ihr die neueste Ausgabe der Handheld-Kiste von Nintendo, die – wie der Name schon verrät – deutlich größer ist als das erste Modell. Genau genommen sind beide Bildschirme um 90 Prozent gegenüber dem Original angewachsen. Der 3D-Bildschirm ist nun 4,88 Zoll (früher: 3,53 Zoll)  groß, der Touchscreen 4,18 Zoll (früher: 3 Zoll). Das Gewicht legte um 100 Gramm auf 336 Gramm zu. Allgemein wirkt der XL wuchtig, liegt aber ausgesprochen gut in der Hand und sieht prima aus. Beim Design nahm Nintendo weitere Änderungen vor: Das Gehäuse ist jetzt abgerundet, die Tasten Home, Start sowie Select sind endlich richtige, eindrückbare Buttons, die grüne LED neben dem 3D-Schalter wurde gänzlich gestrichen. Genauso erstrahlt der XL in matten Farben, der Hochglanz-Lack des Vorläufers ist jetzt Geschichte. Um die Display herum hinterlässt der gewachsene 3DS einen nicht mehr ganz so wertigen Eindruck, es dominiert eben das Plastik. Doch keine Sorge: Insgesamt lassen sich die Überarbeitungen als gelungen bezeichnen, wie von Nintendo gewohnt bekommt ihr ein sehr gut verarbeitetes, robustes und optisch ansprechendes Gerät.

Größenvergleich. (Foto: Sven Wernicke)
Größenvergleich. (Foto: Sven Wernicke)

Einige Aspekte wurden sogar verbessert: Der Klappmechanismus ist jetzt stabiler als beim 3DS, die vier Buttons (A, B, X, Y) sitzen felsenfest im Gerät und quietschen nicht mehr. Und der Stylus befindet sich nun auf der rechten Unterseite in voller Größe. Beim ersten 3DS musstet ihr diesen neben dem Modulschacht herausholen und ihn auch noch herausziehen, um die komplette Länge des Eingabestiftes zu erhalten. Das war immer etwas fummelig. Jetzt? Vergangenheit! Das gefällt und zeigt: Da haben sich die Techniker Gedanken gemacht. Sicherlich, es fehlt nach wie vor die zweite Analogstick-Scheibe (Circle-Pad), die sich Fans gewünscht hatten. Selbst sehe ich das nicht als Problem an, schließlich unterstützen derzeit gerade mal vier Spiele die für den 3DS separat erhältliche Peripherie. Wieso hätte Nintendo im XL für diese einen weiteren einbauen sollen? Es hat den Anschein, die Verantwortlichen seien der Auffassung, als würden Entwickler zukünftig nicht regelmäßig Gebrauch vom ergänzenden Circle Pad machen wollen – also verzichtete Nintendo beim XL auf diesen. Wenn ihr diesen doch wünscht – ein Aufsatz, wie es ihn eben auch für den 3DS gibt, soll für den XL später folgen. Vermutlich für an die 15 Euro.

Apropos Geld: Es ist schon mutig von Nintendo, komplett auf ein Netzteil oder gar eine Ladeschale für den XL zu verzichten. Beides liegt dem Lieferumfang des 3DS bei, beim neuen Modell sparte Nintendo. In meinen Augen an der falschen Stelle, denn so seid ihr gezwungen, ein Kabel ergänzend zu erwerben. Dieses kostet zwischen 15 und 25 Euro. Besitzt ihr dagegen den normalen 3DS oder einen DS(i), könnt ihr deren Ladekabel immerhin verwenden. Trotzdem ist es mir ein Rätsel, was das soll. Nintendo gibt selbst an, dass man einfach davon ausgeht, dass viele „Umsteiger“ bereits ein Ladeteil besitzen. Nur mal ehrlich: Möchte man die alten Käufer für den XL begeistern oder auch neue Spieler, die bisher noch nicht zu der Handheldkonsole gegriffen haben? Gerade zweitgenannte Gruppe dürfte nach wie vor riesig sein….

Plastik dominiert. (Foto: Sven Wernicke)
Plastik dominiert. (Foto: Sven Wernicke)

Wie dem auch sei: Ich könnte noch vieles über den 3DS XL schreiben, aber: Ist das sinnvoll? Letztlich handelt es sich um eine aufgeplusterte Fassung des 3DS mit dezenten optischen Überarbeitungen. Sonst ist alles wie gehabt, professionell und einsteigerfreundlich. Die simple Bedienung ist geblieben, sowohl Hard- als auch Software sind identisch. Nintendo spendierte dem XL keine neuen Features, so sehr ich mir beispielsweise einen HDMI-Ausgang gewünscht hätte. Und Multitasking für das Betriebssystem wird es wohl auch in absehbarer Zeit nicht geben.

Ein Aspekt ist jedoch von Relevanz: Da die beiden Bildschirme zwar größer sind, aber nicht über bessere Auflösungen verfügen, werden die Bilder zwangsläufig hochskaliert. Das führt beim XL hin und wieder zu verwaschenen oder gar pixeligen Darstellungen. Das betrifft hauptsächlich ältere Spiele, genauer NDS-Titel und Retro-Games aus der Virtual Console des eShops. Zugegeben: Ihr gewöhnt euch sehr schnell an diese marginale Schwäche, die technisch bedingt ist. Unerwähnt sollte diese aber nicht bleiben. Bei aktuellen 3DS-Blockbustern wie „Super Mario 3D Land“ oder „Kid Icarus: Uprising“ fällt euch das glücklicherweise nicht auf – da staunt ihr eher über den „gewachsenen“ 3D-Effekt auf dem riesigen Display. Unverändert wurde übrigens der Betrachtungswinkel. Dreht ihr den 3DS XL etwas zur Seite, verschwindet die räumliche Tiefe komplett. Ernüchternd. Positiv wiederum ist die gestiegene Entspiegelung, ihr könnt bei Sonneneinstrahlung nun besser spielen. Und länger, denn der Akku ist stärker als bei der kleinen Ausgabe der Konsole. Bei mittleren Einstellungen (Stromsparmodus, durchschnittliche Display-Helligkeit, aktivierter 3D-Effekt) hält der Spielspaß bis zu sechs Stunden – also 1-2 Stunden länger als früher. Die Standby-Zeit verlängerte sich ebenfalls marginal auf drei, vier Tage. Das ist noch immer wenig, aber hinnehmbar.

Schick ist und bleibt er. (Foto: Sven Wernicke)
Schick ist und bleibt er. (Foto: Sven Wernicke)

Zwar besitze ich den 3DS XL noch nicht allzu lange, aber er hat immerhin dazu angeregt, mich wieder verstärkt mit Nintendos 3D-Kiste zu beschäftigen. Der „Alte“ lag dann doch recht lange hier herum und wollte nicht genutzt werden. Und irgendwie ist es schon etwas enttäuschend. Das Spieleangebot ist auch nach über 1 1/2 Jahren sehr überschaubar, im eShop passiert viel zu wenig. Wenn zwei, drei neue Spiele pro Woche erscheinen, ist das schon eine positive Ausnahme, deutlich teurer als Games aus dem AppStore oder Google Play sind die kleineren Titel sowieso. Die Virtual Console wird unzureichend befüllt und letztlich bin ich nicht so recht glücklich mit der Menge an Titeln. Da passiert zu wenig, der XL ändert nichts an diesem Problem mit dem ausbleibenden Spiele-Nachschub. Vielmehr muss Nintendo schnellstmöglich zulegen und die Software-Attraktivität steigern. Wo bleiben denn die ganzen GBA-, NES- oder von mir aus Game Gear-Spiele? Immerhin trudeln die nächsten Monate einige Vollpreis-Blockbuster für den 3DS ein, darunter „New Super Mario Bros. 2“….

Wer ist wohl größer? (Foto: Sven Wernicke)
Wer ist wohl größer? (Foto: Sven Wernicke)

Fazit: Der 3DS XL ist in meinen Augen ein schöner Einstieg in die Welt der dreidimensionalen, mobilen Nintendo-Unterhaltung. Klar, die Handheldkonsole kostet 200 Euro zuzüglich Netzteil, aber dafür erhaltet ihr ein stimmiges Gerät mit schön großen Displays, einer hochwertigen Verarbeitung und einem tollen Spielgefühl – wenn ihr entsprechende Games für euren Geschmack gefunden habt. Gefällt euch das gegenwärtige Sortiment nicht (schaut zum Beispiel bei Amazon, was es an Vollpreistiteln gibt), dann sind weder 3DS noch XL für euch eine sinnvolle Wahl. Wenn ihr „Mario“, „Zelda“ und CO. erleben wollt, dann greift zum XL. Ich muss es aber betonen: Das „Original“ ist keine schlechtere Wahl, schließlich spart bis zu 50 Euro, wenn ihr euch für die geschrumpfte Variante entscheidet.

Verfügt ihr über einen 3DS, sehe ich echt keinen nennenswerten Grund, jetzt umzusteigen. So schön die 90  Prozent größeren Displays auch sind – sie rechtfertigen in keiner Weise den Neukauf einer Konsole. Da müsstet ihr schon zu viel Geld übrig haben. Solltet ihr euch für den Wechsel entscheiden: Dank der Transfer-Funktion dürft ihr alle Daten von einem zum anderen 3DS übertragen.

Kaufen könnt ihr euch den 3DS XL in den Farben Blau, Rot und Silber beispielsweise bei Amazon für knapp unter 200 Euro.

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