OUYA

Wenn aus Vorfreude Skepsis wird...

9. Februar 2013 • 8:00 Uhr

Teilen:
Der Controller kostet alleine 50 Dollar, besitzt aber immerhin ein Touchpad. (Foto: Ouya.tv)

Ich war einer von denen, die 99 US-Dollar für die OUYA-Konsole bei Kickstarter vorgeschossen haben. Bereut habe ich es noch nicht – wieso auch? Wenn alles klappt, erhalten Unterstützer des Crowdfunding-Projekts ihr Exemplar im März. Und dann wird sich wohl schnell zeigen, ob das Konzept in der Lage ist, Sony, Microsoft und Nintendo Paroli zu bieten. Skeptisch bin ich dennoch in den letzten Tagen und Wochen geworden.

Auf dem Weg zum Erfolg?

Immerhin haben die Verantwortlichen schon den Weg geebnet, für eine entsprechende Verbreitung zu sorgen. Ab April 2013 bekommen all diejenigen ein Exemplar, die OUYA auf der offiziellen Webseite vorbestellt haben. Und ab Juni – also noch einmal drei Monate nach dem Versand der ersten Geräte – wird sie in den Staaten bei den großen Händlern Amazon, Gamestop, Best Buy und Target angeboten. In Kanada nur über Amazon. Für Europa gibt’s dagegen keine Details oder überhaupt konkrete Pläne, obwohl vermutlich ein nicht unwesentlicher Teil der „Bäcker“ aus der alten Welt stammt und Geld für die Realisierung der Konsole gegeben hat.

Dem Hersteller ist aber eines ganz klar: Ohne Software verkauft sich OUYA nicht. Kein Wunder also, dass die Entwickler-Kits bereits Ende 2012 verschickt wurden und man emsig versucht, Studios zu überzeugen. 166 Spiele-Prototypen in 10 Tage entwickeln – die Aktion schien immerhin kleine Unternehmen angesprochen zu haben. Nur was ist mit Blockbustern, System Sellern, Killer-Apps? Eher können Käufer damit rechnen, sehr viele Umsetzungen bekannter Android-Spiele zu erhalten. Diese sind schließlich für Entwickler mit geringerem Aufwand verbunden: eigene Software für den OUYA-eigenen Store sowie den zur Konsole gehörigen Controller anpassen – fertig?! Mir als Kunden und baldigem Besitzer der Technik ist jedenfalls nichts über große OUYA-Spiele bekannt – also erwarte ich sie auch gar nicht erst. Das erspart mir nur unnötige Enttäuschungen. Die Adventures von Double Fine zählen für mich übrigens nicht – nur falls die jemals als Argument bringen sollte. Das sind Multiplattform-Produktionen…

Das Menü, was uns wohl erwartet. (Foto: Ouya.tv)
Das Menü, was uns wohl erwartet. (Foto: Ouya.tv)

Augenwischerei Free-to-Play

Apropos: Es scheint teils noch nicht einmal zu allen Käufern vorgedrungen zu sein, dass OUYA nicht ausschließlich auf „Free to Play“-Spiele setzt. In der Basis soll zwar jedes Spiel gratis angeboten werden, den Entwicklern ist aber überlassen, was sie daraus machen. Ist es nur eine Demo oder ein Game, was euch nach einer bestimmten Zeit durch In-App-Käufe zur Kasse bittet? Die Konsequenz ist, dass ihr hier womöglich eine ganze Menge Geld ausgeben dürft, weit mehr als für übliche Android- oder iOS- Apps. Das ist zwar derzeit eine spekulative Vermutung, aber ich schätze, dass es genau darauf hinauslaufen wird. Auf den ersten Blick klingt das alles toll aus – überall kostenlose Downloads. Die Ernüchterung folgt, sobald ihr mal hier einen Dollar, da mal einen Dollar für Ingame-Währungen, weitere Levels etc. investiert. Und Zugang zu Google Play? Tja, den gibt’s wohl nur, wenn ihr die Konsole rootet, sofern das so einfach möglich ist. Von dem „offenen“ Gedanken, den die Verantwortlichen bei Kickstarter noch bewarben, sehe ich kaum noch etwas.

Jedes Jahr ne neue OUYA

Der Controller kostet alleine 50 Dollar, besitzt aber immerhin ein Touchpad. (Foto: Ouya.tv)
Der Controller kostet alleine 50 Dollar, besitzt aber immerhin ein Touchpad. (Foto: Ouya.tv)

Und nun macht die Meldung die Runde, OUYA könnte jedes Jahr aktualisiert werden? Leute, wundert euch das wirklich? Wir reden hier letztlich nach wie vor über reguläre Smartphone-Technik: Tegra 3-Prozessor (Quadcore, 1,6GHz), 8GB Flash-Speicher, 1GB RAM, Bluetooth-Controller – das ist nichts, was heutzutage nicht auch ein Tablet oder Mobiltelefon bieten kann. GOUYA-Chefin Julie Uhrman bestätigte kürzlich die Vorstellungen, 2014 einen Nachfolger der Konsole in den Handel zu bringen. Dann wohl mit aktualisiertem Prozessor zum Beispiel. Der Tegra 4, der deutlich mehr „Power“ besitzen soll, steht eh längst in den Startlöchern. Auch Smartphones werden von Jahr zu Jahr leistungsfähiger. Eine Abwärtskompatibilität wird übrigens versprochen – bei Android 4 als Betriebssystem wohl kein Problem.

Das ist der Punkt: OUYA kostet zwar nur 99 Dollar, aber wenn ihr regelmäßig ein neues Modell erwerben wollt, wird’s teuer. So teuer, wie der Kauf einer klassischen Konsole. Angenommen, ihr überspringt immer eine Generation und holt euch alle zwei Jahre eine OUYA – dann seid ihr nach vier Jahren bei 300 Dollar und so weiter.  Ich hoffe nur, dass separate Controller auch langfristig verwendet werden können, schließlich kostet ein Pad stolze 50 Dollar.

Am Schluss besitze ich OUYA noch nicht einmal und bin schon wieder misstrauisch. Nächstes Jahr ist die Konsole veraltet und alle Spiele suggerieren mir nur einen kostenlosen Genuss? Was kostet mich das Teil denn wirklich? Nach 3, 6, 12 Monaten? Fünf Jahren? Wenn ich ernsthaft mit OUYA spielen möchte?  Hoffentlich fühle ich mich dann nicht in Windeseile abgezockt – das befürchte ich gegenwärtig sehr. Dass die Schöpfer den gleichen Hardware-Update-Rhythmus wie Apple und Co. anvisieren, lässt mich vermuten, dass allein mit der Hardware schon Gewinn erzielt wird. Na immerhin wird’s dann ein Geschäft für das Unternehmen. Vielleicht sollte Apple doch, so wie von mir erhofft, mit dem Apple TV ins Konsolenbusiness einsteigen und so den Markt der 99 Dollar-Konsolen beleben?

Teilen:



Über Sven

Sven fasziniert seit über 20 Jahren das Spielen in jeder Form. Egal ob Videospiel oder die dazugehörige Konsole - Hauptsache, es blinkt, macht Geräusche und unterhält. Und vor allem sind es Gadgets, die ihn in den Bann gezogen haben. Vom asiatischen Handheld-Klon bis hin zum lebendig anmutenden Roboter - es gibt halt so viele tolle Sachen. Ihr findet den Autor unter anderem auch bei Google+ oder Facebook.


Schlagwörter: , , ,

Zuletzt aktualisiert: 17:44 Uhr

3 Kommentare

  1. Was ich bislang nicht verstanden habe: OUYA basiert auf Android – warum kann man dann nicht die bereits 100.000en vorhandenen Apps verwenden?

    Antworten
    • Sven am

      Das liegt daran, dass es den Verantwortlichen überlassen ist, ob sie vollen Zugriff erlauben oder nicht. Meist wird Google Play “gesperrt” oder gar entfernt, wenn man einen eigenen Store anbietet – siehe zum Beispiel Kindle Fire(HD). Das kann auch zig Gründe haben, beispielsweise eine Inkompatibilität zwischen einem Großteil der Apps und der Hardware. Wie im Artikel gesagt: Für Google Play müsste man die Konsole rooten. Und ob das so einfach möglich ist? Das wird sich zeigen, ich gehe aber nicht davon aus. Das würde ja den OUYA-Store zunichte machen…

      Antworten
  2. Ich bleibe bei Altbewährten Herstellern von Konsolen und Android kommt mir eh nicht in die Tüte.
    Denn selbst Handy oder Tabletts mag ich mit diesen Betriebsystem nicht.

    Antworten

Kommentar schreiben

4 Pingbacks

  1. 9. Februar 2013 at 8:02
  2. 21. März 2013 at 6:03
  3. 1. April 2013 at 9:04
  4. 9. April 2013 at 12:04