Palworld Early Access Review: Wird das Pokémon-Like seinem großen Hype gerecht?

Ich gebe zu, ich war nie ein allzu großer Fan der Pokémon-TV-Serie, erst die Spiele für den Gameboy Color konnten schlussendlich mein Herz für die bunten, brabbelnden Viecher erweichen. Die waren nämlich verdammt gut! Dieses beliebte Grundkonzept haben die Macher von Palworld nun auf eine riesige offene Welt mit zusätzlicher Multiplayer-Funktion übertragen und damit nicht nur für einen großen Hype, sondern auch für einige Kontroversen gesorgt. Meine Meinung zum Open-World-Pokémon-Like verrate ich euch heute, nach vielen Stunden Spielzeit.

Bevor ihr euch meinen ausführlichen Test durchlest, könnt ihr euch vorab den offiziellen Trailer ansehen:

Die absolute Gameplay-Wundertüte

Die Gameplay-Mischung, die uns mit Palworld geboten wird, ist eine komplette Wundertüte und bietet quasi alles, was das Gamer-Herz begehrt. So verbindet Palworld unter anderem Survival- und Building-Elemente mit Managing-Systemen, mit RPG- und Multiplayer-Elementen sowie mit der Erkundung einer riesigen offenen Welt und vielem mehr. Das war aber noch nicht alles! Im Fokus stehen natürlich die vielen verschiedenen Pokémon-ähnlichen Pals, die nicht nur eingefangen, sondern auch gezüchtet und zum Kämpfen verwendet werden können.

Die wilde Mischung kann im ersten Moment überfordern, ist aber schlussendlich absolut genial! Denn auf diese Weise wird das Spiel niemals langweilig und bietet extrem viel Abwechslung. Damit hebt sich Palworld auch enorm von den existierenden Pokémon-Spielen ab, die sich in der Regel auf deutlich weniger Gameplay-Elemente konzentrieren.

Hier wird gebaut, überlebt, eingefangen, gekämpft und noch vieles vieles mehr.

Alles nur geklaut?

Dennoch wird das Spiel nicht nur gehyped, sondern aufgrund seiner unverwechselbaren Ähnlichkeit zum Pokémon-Franchise, auch ziemlich kritisch angesehen. Ich persönlich sehe die Ähnlichkeiten allerdings nicht so eng und kann nur sagen, dass sich Nintendo so ein großartiges Konzept vielleicht einfach mal früher hätte selbst überlegen sollen. Immerhin meckert ja auch keiner über die Ähnlichkeiten der vielen Souls-Like-Titel, die natürlich alle von FromSoftware inspiriert wurden oder über die vielen ähnlichen MOBA’s, Shooter oder MMO’s, die es gibt.

Darüber, dass angeblich einige Designs für die Pals komplett geklaut worden sein sollen, kann ich allerdings nichts sagen, da ich mich dafür nicht gut genug mit Pokémon auskenne, aber die Wahrscheinlichkeit hier auch mal versehentlich den ein oder anderen Treffer zu landen, wenn man bedenkt, wie viele Pokémon es mittlerweile gibt, ist allerdings sehr hoch und sollte in die Anschuldigungen, meiner Meinung nach, mit einbezogen werden.

Ab ins große Abenteuer!

Palworld startet wie die meisten Open-World-Survival-Titel: Ihr erstellt euch euren eigenen Charakter und findet euch kurz darauf irgendwo in einer, für euch noch fremden Welt wieder. Bei der Ingame-Welt handelt es sich um die Palpagos-Inseln, die nicht nur von Menschen, sondern vor allem auch von vielen wilden Pals bewohnt wird.

In den ersten Stunden erwartet euch ein wichtiges Tutorial, das meiner Meinung nach sehr gut in den Spielfluss integriert wurde und fürs Überleben in der Spielwelt auch absolut notwendig ist. Im Tutorial kriegt ihr nicht nur gezeigt, wie ihr Pals einfangen, sondern auch wie ihr mit ihnen kämpfen könnt. Außerdem könnt ihr die Pals auch wichtige Arbeiten in eurer eigens erbauten Basis verrichten lassen. Ein Grund, warum das Spiel von vielen auch als „Sklaventreiber-Spiel“ bezeichnet wird.

Ist man in Wirklichkeit etwa nichts weiter als eine Art Sklaventreiber oder helfen die Pals gern in der Basis aus?

Wie ein Sklaventreiber habe ich mich allerdings nie gefühlt. Ganz im Gegenteil: Das Spiel vermittelt meines Erachtens nicht das Gefühl, die Pals zu beherrschen, sondern eher das Gefühl, dass man in Harmonie mit ihnen koexistiert. Wenn die Pals nicht happy sind, also mit leckerem Essen und gemütlichen Schlafplätzen versorgt werden, dann arbeiten sie auch nicht. Andersherum freuen sie sich immer sehr darüber, wenn sie beispielsweise beim Erstellen von Werkzeugen oder dem Bewässern von Pflanzen behilflich sein können. Wenn ihr mich fragt, wäscht hier eine Hand die andere.

Wenn der kleine Elefanten-ähnliche Pal mit dem Gießen fertig ist, wird er einen kleinen Freudentanz veranstalten.

Die Basis

Gleich zu Beginn dürft ihr euch euren eigenen festen Bereich für eine Basis aussuchen. Dazu könnt ihr euren Startpunkt fast frei in der riesigen offenen Welt wählen. Ich habe das, wenn ich ehrlich bin, am Anfang nicht so hundertprozentig verstanden und habe den Bereich für meine Basis leider nicht sehr gut ausgesucht. Ich habe meine Basis nämlich dummerweise inmitten von Bergen und Abhängen platziert, weil ich zum einen niemals gedacht hätte, dass man irgendwann mal Platz für riesige Zucht-Gehege und große Maschinerien benötigt und zum anderen auch gar nicht wusste, dass ich mir ein eigenes Haus bauen kann.

Zu meiner Verteidigung: Ich schaue mir vor meinen Tests nie viel an, um möglichst frei von anderen Meinungen an das Spielerlebnis herangehen zu können. Zum Glück darf man die Größe seines Bereichs allerdings später noch erweitern. Eine ebene Fläche mit viel Ausbaupotenzial ist allerdings trotzdem gleich von Beginn an empfehlenswert.

Nicht zu verzeihen ist aber wahrscheinlich die Tatsache, dass ich versehentlich gleich das erste süße Pal, das mir begegnet ist, eiskalt ermordet habe…

Armes Ding… So waren meine ersten 5 Minuten im Spiel eigentlich nicht gedacht.

Vielfältiger als erwartet

Überrascht hat mich übrigens nicht nur die Tatsache, dass man sich überhaupt mit Basenbau beschäftigen darf, sondern vor allem auch, wie viele Möglichkeiten einem hier geboten werden. Allein mit dem Bau und dem Management der Basis allein, kann man in diesem Spiel schon eine halbe Ewigkeit verbringen. Dafür sorgen nicht nur etliche Deko-Artikel zum Verschönern der Basis, die ihr nach und nach freischalten könnt, wenn ihr euer Lager verbessert, sondern auch jede Menge Objekte und Geräte die zur Ressourcengewinnung, Pal-Zucht, Objekt-Herstellung und mehr dienen und ebenfalls nach und nach freischalten kann.

Noch ist meine Basis klein aber fein. Später kann man seine Bleibe noch um viele weitere Räume und Deko-Artikel erweitern.

Besonders interessant ist hier auch der Management-Aspekt. Denn es ist nicht nur eure Aufgabe allein, mit Axt und Spitzhacke nach wichtigen Materialien zu suchen und neue Objekte herzustellen, auch eure Pals müssen diesen Aufgaben gerecht werden können. Hierbei gilt es genau zu beachten, welche Pals ihr in der Basis leben lasst, denn nicht jeder Pal beherrscht alle Arbeiten.

So gibt es zum Beispiel einige Pals die handwerklich geschickt sind, dafür aber keine Pflanzen gießen können und wieder andere, die Eier legen oder Wolle produzieren können, dafür aber kein Stein oder Holz abbauen können und so weiter.

Welche Pals in der Basis zum Arbeiten zurückbleiben und wen man in die offene Welt mitnimmt, sollte gut überlegt sein.

Ebenfalls überraschend passend ist die Survival-Komponente. Dazu gehört nicht nur der bereits erwähnte Basenbau und das Crafting, sondern auch die Tatsache, dass man sich stets um genügend Nahrung bemühen muss. Außerdem ist man sowohl Hitze- als auch Kälte-empfindlich und muss sich dementsprechend in der offenen Welt schützen.

Die offene Welt

Nur mit den Worten „Der Baum enthält die Wahrheit und die Türme sind der Schlüssel.“ werden wir am Anfang auf die fremde Welt Palagos losgelassen. Was das bedeutet, erfährt man erst später und wird an dieser Stelle auch noch nicht von mir verraten. Das Ziel der Reise könnte ich euch sowieso nicht wirklich verraten, selbst, wenn ich es wollte. Immerhin befindet sich Palworld erst seit wenigen Tagen in der Early-Access-Phase und bietet noch nicht alle geplanten Inhalte. In welche Richtung das Ganze storytechnisch noch gehen soll, kann man sich aber nach einigen Stunden zumindest ein bisschen denken und die Neugier, die damit verbunden ist, hält ganz gut am Ball.

Zum Story-Aspekt, soviel sei zumindest verraten, gehören aber unter anderem einige, auf der großen Map verteilte Boss-Gegner, die es ganz schön in sich haben. Die Kämpfe erinnern dabei sehr an die Arena-Kämpfe, wie man sie aus Pokémon kennt. Der Unterschied dabei ist allerdings, dass man während des Kampfes frei in der Arena herumlaufen kann und auch selbst den Boss attackieren darf. Welche Pals ihr mit in den Kampf schickt, sollte man sich vorher gut überlegen. Auch sollten diese vorher großzügig gelevelt und aufgewertet werden. Denn nur durch das Leveln erhalten Pals neue und stärkere Fähigkeiten und durch das Aufwerten, dass nur an bestimmten Statuen vollzogen werden kann, lassen sich ihre Attribute (Lebensenergie, Ausdauer etc.) dauerhaft erhöhen.

Schon der Tutorial-Boss ist kein Zuckerschlecken.

Eine Menge zu entdecken

Neben den Kämpfen gegen „Arena-Bosse“, müssen wir uns in der offenen Welt außerdem auch vor anderen feindlichen Pals und Menschen in Acht nehmen. Diese können sogar unsere Basis angreifen, weshalb man immer auf der Hut sein und regelmäßig dorthin zurückkehren sollte.

Gleichzeitig bietet die Open World verschiedene Bereiche, die bestimmte Elemente widerspiegeln. so gibt es zum Beispiel Eiswelten, Lavawelten, grüne Wiesen und weitläufige Seen, die allesamt unterschiedlichen und zum Element passenden Pals eine Heimat bieten. Die unterschiedlichen Elemente sind deutlich zu erkennen und machen so die Suche etwas leichter. In den einzelnen Bereichen lassen sich außerdem auch immer bestimmte Eier entdecken, die im Anschluss in der Basis für neue Pals ausgebrütet werden können.

Zusätzlich gibt es einige Minenschächte und Höhlenkomplexe zu finden. In diesen kann sich oft ein Mini-Boss oder aber auch ein geheimer Händler verstecken. In der Welt wurde zudem überall die wichtige Währung zum Aufwerten versteckt und Kohle zum Einkaufen bei den hiesigen Händlern Palagos‘. Außerdem gibt es auch einige hilfreiche Truhen und rare Pals zu entdecken.

Extra-komfortable Erkundung und eine besondere Überraschung

Damit ihr nicht tagelang zu Fuß unterwegs seid bei der Erkundung der riesigen Welt, werden euch einige praktische Hilfsmittel angeboten. So gibt es zum Beispiel komfortable Schnellreise-Punkte, die man allerdings erst entdeckt haben muss, bevor man sie nutzen kann oder man nutzt später seinen praktischen Greifhaken oder Gleiter zum Fortbewegen. Man hat außerdem die Möglichkeit, seine Pals für die Fortbewegung zu verwenden. Mit einigen Pals kann man nämlich fliegen, reiten oder sogar schwimmen.

Komfortabler geht es nicht: Allein auf diesem Bild seht ihr gleich zwei von mehreren Reise-Möglichkeiten.

Ähnlich wie bei den Aufgaben in der Basis, muss man allerdings auch für diesen besonderen Nutzen Pals besitzen, die die entsprechenden Fähigkeiten innewohnen haben. Schlussendlich wird dann noch ein spezielles Geschirr für die besonderen Pals benötigt, für die man zuvor erst einmal seltene Materialien finden muss, bevor man sie herstellen kann.

Einige Pals können sogar als Raketen-, Flammenwerfer und Co. verwendet werden. Eine Tatsache, die zwar bei der Begegnung mit Feinden sehr hilfreich, aber auch gewöhnungsbedürftig ist. Später im Spiel können wir uns auch ohne die Pals besser wehren und können unseren Bogen sogar gegen richtige Handfeuerwaffen eintauschen.

Optik und Performance

Optisch kann man sich, dank Unreal Engine 5, eigentlich nicht beklagen, dennoch dürfte die Umgebung der Spielwelt für mich noch ein bisschen detaillierter sein, da sie hier und da doch etwas leer wirkt und leicht verwaschene Texturen aufweist. Die Umgebung erinnert mich immer mal wieder, vor allem in der Nähe von Ruinen, an ein älteres FromSoftware-Game. Im Kontrast dazu stehen aber natürlich die kunterbunten Pals, die nicht nur zahlreich, sondern auch schön unterschiedlich und kreativ daherkommen.

Hübsch, aber auch irgendwie noch ein wenig zu detaillos und leer. Findet ihr nicht?

Bei der Performance muss man zurzeit leider noch einige Abstriche machen, das es sich natürlich noch nicht um das große Endprodukt und nur um die Early-Access-Version handelt. Hier und da muss man deshalb leider mit Abstürzen rechnen, aber auch mit kleineren und größeren Bugs. So ist zum Beispiel das Begehen einer Treppe leicht verbugt und wirkt etwas komisch und beim Kampf gegen den ersten Boss, glitchte dieser sich beim 5. Versuch hinter einer Säule fest, womit ich den Kampf extrem „cheesen“ konnte.

Fazit

Palworld mag sich für viele vielleicht ein wenig zu sehr beim Pokémon-Franchise orientiert haben, macht dafür aber auch einiges erfrischend anders und bietet insgesamt ein tolles neues Spielerlebnis mit etlichen Gameplay-Elementen, die nicht nur sehr gut implementiert wurden, sondern auch überraschend gut zusammen funktionieren. Im Endeffekt ist Palworld das Pokémon-Spiel mit Multiplayer-Funktion, das sich viele Fans schon seit Ewigkeiten gewünscht haben und lässt Nintendo zu Recht etwas verärgert zurück.

Einzig an der Performance darf hier während der Early-Access-Phase meiner Meinung nach geschraubt werden, da Spieler zurzeit noch mit Abstürzen und einigen Bugs rechnen müssen.

  • Palworld von Pocket Pair Inc. ist am 19. Januar 2024 offiziell in den Early Access gestartet und steht euch für PC, Xbox One und Xbox Series unter anderem „kostenlos“ im Xbox Game Pass zur Verfügung.

Damit ihr nicht dieselben Fehler macht wie ich, empfehle ich euch diese hilfreiche Spielanleitung für Palworld:

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