Sollten Lootboxen den Glücksspielgesetzen unterliegen?

Seit über zehn Jahren gibt es Lootboxen – zu Deutsch Beutekisten. Lootboxen sind Bestandteil in Onlinespielen und Spiele-Apps genutzt und ermöglichen den Spielern, virtuelle Gegenstände, wie Rüstungen, Rohstoffe oder Weltfußballspieler, gegen die Anzahlung von echtem Geld zu erwerben.

Die Anschaffung der Box verspricht, beziehungsweise ermöglicht dem Spieler gewisse Vorteile, zum Beispiel das Erreichen bestimmter Ziele im Spielverlauf. Vor allem von jüngeren wird das Angebot der Lootboxen genutzt und Spiele mit diesem Prinzip werden immer beliebter.

Lootboxen – das Spiel mit dem Zufallsprinzip

Beim Kauf einer Lootbox hat der Gamer keine Informationen zum Inhalt der Truhe – man kauft sprichwörtlich die Katze im Sack. Der Inhalt der Box wird somit erst beim Öffnen ebendieser enthüllt. Hoch im Kurs stehen virtuelle Gegenstände mit Seltenheitswert.

Im besten Fall hat man das wertvolle Item ergattert. Im schlechtesten Fall war der Inhalt der Box für den Spieler nutzlos und der Kauf Geldverschwendung. In der Realität ist es oft, dass der Zufall entscheidet, was der Spieler für Echtgeld explizit erhält.

Es hat sich herausgestellt, dass die Chance auf einen begehrten virtuellen Gegenstand zu stoßen, verschwindend gering ist. Im Gegensatz dazu ist die Verleitung ständig neue Lootboxen zu öffnen zum Teil massiv, denn je seltener das Objekt der Begierde, desto größer der Anreiz dieses zu erbeuten.

Einstiegsdroge Lootbox

Nach der Meinung zahlreicher Kritiker müssten Lootboxen als Glücksspielgegenstand eingestuft und im Gesetz verankert werden. Von der Lootbox ist der Weg nicht weit zu richtigen Glücksspielen. Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene könnten auf diese Weise verleitet werden, zum Beispiel ins Casino zu gehen und echte Glücksspiele auszuprobieren.

Das Suchtpotential ergibt sich aus dem Belohnungszentrum im Gehirn, welcher mit Gewinnen „gefüttert“ wird. Man möchte mehr vom Rausch des Glücksgefühls haben und gerät schnell in die Spirale aus Sucht, eng einhergehend mit dem Verlust von zum Teil hohen Geldsummen. Der Bezug zur Realität geht verloren und für die Spieler gibt es nur eine Priorität: das Spiel.

Damit wird das Risiko dem Alkohol oder Drogen zum Opfer zu fallen befeuert, vor allem, wenn hohe Verluste gemacht werden, welche die Spieler in den Bankrott treiben. Psychische Erkrankungen, wie Depressionen, drohen.

Angesichts dieser Tatsache dürfte das Thema Lootbox für Eltern von minderjährigen Spielern brisant sein.
Lootboxen werden häufig in kostenlosen Spiele-Apps angeboten und erfreuen sich in dieser Altersgruppe großer Beliebtheit.

Minderjährigen fällt die Einschätzung ihrer Geldausgaben schwer und nicht selten verlieren sie den Überblick. Die Folge des unkontrollierten Kaufverhaltens sind zum Teil immense Schulden im dreistelligen und vierstelligen Bereich.
Lohnenswert wäre in dem Fall die vorherige, kritische Überprüfung der Spiele auf die Möglichkeit zum Erwerb gewisser Gegenstände.

Die Kritiker begrüßen es, wenn Eltern ihre Kinder im Hinblick auf Gefahren und Risiken, welche Lootboxen mit sich bringen, im Vorfeld und vor dem Erwerb eines Spiels aufklären und somit das Verantwortungsbewusstsein des Kindes schulen.

Des Weiteren, lohnt es sich zusammen mit dem Kind das Spiel ausprobieren. Auf diese Weise können sich Eltern ein Bild machen und das Spiel auf Transparenz beleuchten.

Sichtweise der Hersteller und Publisher

Den Anbietern und Publishern von Onlinespielen wird nicht selten vorgeworfen, durch den Einsatz von Lootboxen aus einem als „kostenlos“ deklariertem Spiel ein kostenpflichtiges zu machen. Kritik diesbezüglich wird abgewehrt. Es würde niemand gezwungen, Lootboxen zu erwerben und zu öffnen – der Kauf geschehe auf freiwilliger Basis.

Fakt ist, dass die Lootbox für diese Institutionen eine besonders lukrative Geldeinnahmequelle darstellt – nach Einschätzungen betragen die Einnahmen mehrere Milliarden US-Dollar. Spielspaß und Überraschung werden hochgeschrieben und sind durch den Einsatz der Lootbox gegeben.

Der amerikanische Videospiele-Hersteller und Publisher „Electronic Arts“ (EA) vertritt die Meinung, dass Lootboxen mit Überraschungseiern und Panini Karten gleichzustellen sind. Das Geld würde nicht umsonst ausgegeben, weil man als Gegenwert einen virtuellen Inhalt erhält.

So werden Lootboxen trotz der neuen und verschärften Glücksspielgesetze bei FIFA 22 weiterhin angeboten. Damit möchte man erreichen, dass das virtuelle Spiel dem echten Fußball in Nichts nachsteht und die Spieler und Spielabläufe, so real, wie möglich, daherkommen.

Allerdings wurde der Forderung mit dem Angebot der sogenannten Vorschauobjekte teilweise eingelenkt. Der Gamer bekommt einen Einblick in die Box und entscheidet, ob sich der Kauf für ihn lohnt.

Die Sicht der Politik und des neuen Glücksstaatsspielvertrages

Mit dem Inkrafttreten eines neuen Jugendschutzgesetzes im Mai 2021, der von Ex-Familienministerin Franziska Giffey durchgesetzt wurde, sollen minderjährige Spieler unter anderen vor Kostenfallen, wie Lootboxen besser geschützt werden.

Diese Neuregelung gibt der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) die Möglichkeit, bei Onlinespielen und Smartphone-Apps, die Risiken, die sich auf den Begriff „glücksspielähnliche Mechanismen“ beziehen, besser einzustufen.

Im neuen Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV vom Juli 2021) wurde das Online-Glücksspiel unter bestimmten Auflagen legalisiert. Von Lootboxen ist in diesem Vertrag keine Rede.

Kritik gab es aus der Reihen der nordrhein-westfälischen SPD, welche es als „unverständlich“ ansah, dass „sogenannte Lootboxen (…) nicht vom Glücksspielstaatsvertrag umfasst sind“. Im Hinblick auf die Lootboxen forderte die Partei einen besseren Schutz Minderjähriger vor Spielsucht.

In anderen europäischen Ländern, so in den Niederlanden, Belgien und Frankreich gibt es bereits seit einer geraumen Zeit schärfere Gesetze im Hinblick auf die Gefahren der Glücksspielsucht.

Juristisch gesehen

Für Rechtsanwälte ist der Erwerb der Lootboxen nicht mit Glücksspiel gleichzusetzen. Das Hauptproblem liegt beim Gewinn, weil man lediglich virtuelle Items erhält, die sich gegen echtes Geld wie im Casino nicht eintauschen lassen und auf diese Weise nach dem GlüStV 2021 keine „geldwerte“ Vorteile für den Spieler bestehen.

Fazit

Zusammenfassend ist zu sagen, dass Lootboxen eine reale Gefahr für Kinder und Jugendliche darstellen – wenngleich einige Institutionen es anders sehen. Auf der Jagd nach wertvollen, virtuellen Besitztümern werden die Spieler zum Kauf weiterer Büchsen animiert.

Da die Belohnung zufällig ist, kann sie nach zehn oder genauso gut nach mehreren Hundert Versuchen erfolgen. Hohe Geldschulden und ein Abrutschen in die Spielsucht könnten die Folge sein. Daraus resultieren könnten weitere Suchtprobleme körperlicher, wie psychischer Natur.

Zahlreiche internationale Studien, darunter aus Belgien, den Niederlanden und Frankreich, dass die Inhalte der Lootbox mit Glücksspielen gleichzusetzen sind. In diesen Ländern sind die Gesetze diesbezüglich schärfer gesetzt.

Wünschenswert wäre in jedem Fall die Überarbeitung des neuen Glücksstaatsvertrages in Hinsicht auf die Regulation der Lootboxen in Online- und Handyspielen – vor allem, weil das Jugendschutzgesetz eng mit dem Glücksspielrecht korreliert. Wie sich der Sachverhalt entwickelt, bleibt abzuwarten.

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