War Hospital Review: Du kannst sie nicht alle retten!

Der kontroverse Titel von Brave Lamb Studio und Nacon schickt uns, wie so viele andere Spiele, in den Krieg. Doch statt sich, wie die meisten Entwickler, auf ein actiongeladenes Ballerfest zu konzentrieren, geht das Studio mit War Hospital in eine ganz andere Richtung. Hier ist nämlich nicht das Schlachtfeld im Mittelpunkt, sondern stattdessen ein provisorisches Feldlazarett. Auch sind dieses Mal nicht die Soldaten die Protagonisten, sondern stattdessen die überforderten Pflegekräfte und Ärzte, die sich furchtbaren Entscheidungen stellen müssen.

Ich habe War Hospital nun einige Stunden getestet und verrate euch heute, ob sich der Titel, meiner Meinung nach, lohnt. Den Key habe ich freundlicherweise vom Publisher Nacon für den Test zugeschickt bekommen, was aber natürlich keinen Einfluss auf meine Bewertung hat, wie ihr heute auch wieder klar erkennen könnt.

Bevor ihr euch meine Review durchlest, könnt ihr euch schon einmal mit dem offiziellen Launch Trailer einen ersten Eindruck verschaffen:

Zu Ehren der Pflegekräfte

Wir schreiben das Jahr 1918 und befinden uns in Frankreich. Die Franzosen müssen sich gegen die deutschen Streitkräfte behaupten und müssen täglich enorme Verluste einstecken. Inmitten des großen Kriegschaos: ein provisorisches Feldlazarett, das zwischen abgebrannten Ruinen erbaut wurde und genau das sollen wir jetzt managen.

Dabei müssen wir nicht nur entscheiden, welcher verletzte Soldat noch eine Chance bekommt und wen wir zum Sterben zurücklassen, sondern auch aufpassen, dass stets genug Ressourcen vorhanden sind und die Pflegekräfte und Ärzte uns nicht umkippen vor lauter Stress.

Das Konzept des Spiels ist sowohl kontrovers als auch einzigartig und entstand wohl aus einer Sympathie für die Ärzte und Pflegekräfte heraus, deren aufopfernde Taten auch in der heutigen Zeit noch immer viel zu oft übersehen werden. Doch besonders für den Einsatz im Krieg, mit der Gefahr im Nacken und spärlichen Ressourcen, verdienen die mutigen Pflegekräfte endlich die richtige Anerkennung, wie uns das Spiel auch gleich zu Beginn suggeriert.

Deprimierende Stimmung, wohin das Auge reicht

Wie schlimm die Arbeit der Ärzte und Pflegekräfte im Krieg wirklich gewesen sein muss und welche Traumata sie dadurch erleiden mussten, werden wir wohl niemals so richtig nachvollziehen können. War Hospital schafft es aber auf jeden Fall schon einmal die richtige Stimmung aufzubauen und die ist wahnsinnig depressiv.

Unsere Ruine mit dem Feldlazarett ist in einem traurigen Grauton gehalten. Die einzige andere auffällige Farbe, die wir ab und zu durchleuchten sehen, ist Rot. Die Farbe stellt natürlich das Blut der Verletzten und Toten dar. Ähnlich traurig und grau wurde auch der Schützengraben aufgemacht. Dort müssen wir die angeschlagenen Überlebenden hinschicken, um das provisorische Krankenhaus vor Angriffen zu schützen.

Ein Spiel voller Grautöne. Passend zum deprimierenden Geschehen.

Zwischendrin bekommen wir immer mal wieder kurze Videosequenzen von Angriffen gezeigt, die das Geschehen etwas lebendiger und greifbarer machen. Zusätzlich bekommen wir einige Dialoge von unseren Vorgesetzten und Untergebenen präsentiert, die uns noch tiefer in die grausame Welt eintauchen lassen.

Dann gibt es noch größere Entscheidungen zu fällen. Zum Beispiel, ob bei einer OP Geld gespart werden soll oder welchen Gefahren sich unsere Kundschafter aussetzen müssen. Entscheidungen werden immer von simplen Bildern begleitet.

In War Hospital müsst ihr viele schwere Entscheidungen treffen.

Allzu viel Spannendes fürs Auge gibt es also im Endeffekt nicht. Die Grafik ist eher einfach gehalten und die kurzen Videosequenzen wirken eher matschig und sind ebenfalls kein Highlight fürs Auge. Trotz den optischen Mängeln kommt die Stimmung aber sehr gut rüber. Eventuell tragen hier vor allem die Einfachheit der Grafik und die teilweise etwas matschigen Texturen sogar gerade perfekt zum depressiven Unterton bei.

Macht euch bereit für Hardcore-Management

Hauptaugenmerk liegt bei war Hospital natürlich ganz klar auf dem Feldlazarett. In diesem werden verletzte Soldaten aufgenommen und behandelt. Doch aufgrund des Personalmangels und der Ressourcenknappheit können wir leider nicht jeden Verletzten gesund pflegen. Deshalb müssen wir immer wieder auch Behandlungen ablehnen. Wenn uns nämlich die Ressourcen ausgehen oder uns die Ärzte einer nach dem anderen vor Erschöpfung umkippen, dann wird eine furchtbare Kettenreaktion ausgelöst, die alles ganz schnell beenden kann.

Zu Beginn fallen diese Entscheidungen noch besonders schwer, vor allem wenn man sich hier und da mal den Steckbrief eines Soldaten durchliest. Einen Mann zum Tode zu verurteilen, der 4 Kinder und eine Ehefrau hat, die Zuhause auf ihn warten und ihn brauchen, das ist schon harter Tobak. Mit der Zeit lernt man allerdings all diese Infos auszublenden. Dann sieht man nur noch den Grad der Verletzungen, die OP-Kosten und die notwendige Behandlungszeit, die damit in Verbindung steht. Das fühlt sich zwar teilweise echt fies an, je nachdem, was für ein Mensch man ist, aber es ist nun einmal absolut notwendig, damit am Ende nicht alle draufgehen. Davon abgesehen, wiederholen sich die Steckbriefe der Soldaten leider ständig und verlieren so ihren individuellen, emotionalen Wert.

Diesen Patienten zu retten, würde zu viel kostbare Zeit und Ressourcen erfordern.

Zudem sind schnelle Behandlungen und gute Erfolgschancen besonders wichtig, wenn man den Schützengraben schnell wieder mit Soldaten füllen will. Ist dieser nicht gut genug besetzt, wird das Lazarett nämlich sonst von den Deutschen überrannt und alles ist verloren.

Um das alles bewerkstelligen zu können, steht uns nicht nur ein Feldlazarett mit Ärzten zur Verfügung. Auch Krankenschwester und Techniker tragen ihren wichtigen Teil bei. Zusätzlich gibt es einen Bahnhof, eine Rehaklinik, einen Friedhof, eine Kantine für die Verpflegung und weitere wichtige Stationen. Viele der Stationen müssen wir mit der Zeit dann noch immer weiter aufwerten, damit sie noch effektiver werden. Die OP-Station wird zum Beispiel später noch um eine Trauma Station und eine Chemische Station erweitert. So kann man sich nicht nur um Verletzte kümmern, die chirurgisch behandelt werden müssen, sondern ist auch für andere gesundheitliche Folgen gewappnet.

Die Gebäude müssen regelmäßig verbessert werden.

So einfach, wenn man alles richtig macht

Für all die Baustellen stehen uns allerdings nur sehr wenige Mitarbeiter zur Verfügung und neue Hilfskräfte anzuheuern, muss immer erst gut überlegt werden, da das Geld knapp ist. Wir müssen also nicht nur darauf achten, dass wir die Verletzten regelmäßig kategorisch aussortieren und die einzelnen Stationen verbessern, wir müssen auch immer wieder dafür sorgen, dass unsere Helfer regelmäßige Pausen machen können, da sonst Erschöpfung droht und Helfer für noch längere Zeit arbeitsunfähig werden als wenn man ihnen eine Pause gewährt hätte. Tatsächlich ist das sogar der schwerste Part des Spiels. Die wenigen Mitarbeiter und ihre Bedürfnisse zu managen, reißt immer wieder ein Loch in die knapp bemessene Zeit. Das sorgt für viele Tote.

Nicht nur Ärzte müssen immer wieder Pausen einlegen, auch alle anderen Arbeiter müssen sich regelmäßig erholen können.

Wenn Soldaten sterben, wird es übrigens nicht nur gefährlich für uns, weil uns die Verteidigung gegen die Angriffe fehlt, sondern auch deshalb, weil die Moral jedes Mal etwas weiter sinkt. Nicht nur die Moral, auch das Portemonnaie kann man zwar durch das Entlassen oder die Umdisponierung von Soldaten aufbessern, dadurch fehlen dann nur wieder wichtige Männer für die Front. Ein fieser Teufelskreis, der nur schwer durchbrochen werden kann und immer einen klaren Kopf benötigt.

Gesunde Soldaten können entweder entlassen werden, was die Moral steigt, zum HQ geschickt werden, was Währung einbringt oder man schickt sie wieder in den Schützengraben.

Je nachdem, welche Entscheidungen man fällt, kann das Spiel allerdings auch mal fast von selbst laufen und überraschend einfach werden. Trotzdem man sollte immer auf der Hut sein, vor dem einen, alles mit sich reißenden Fehler.

Fazit

War Hospital hat ein großartiges Konzept, das wir so noch nicht gesehen haben. Dabei schafft es der Titel die passende Stimmung perfekt rüberzubringen, die aber natürlich alles andere als fröhlich ist. Auf den depressiven Grundton muss sich der Spieler von vorneherein einstellen und sicherstellen, ob es für ihn überhaupt zu ertragen ist.

Das Gameplay empfand ich zudem als äußerst spannend. Man weiß einfach nie, wann es zur Katastrophe kommen kann und ist eigentlich dauerhaft angespannt. Diese ganz spezielle Simulation erfordert wahnsinnig viel Verantwortung von nur einer Person und wird all eure Management-Skills auf einmal aus euch herauskitzeln. Wer, wie ich, auf die Herausforderung steht, wird daran sicher ebenfalls großen Gefallen finden.

  • War Hospital ist am 11.01.2024 offiziell für PS5, Xbox Series und PC erschienen.

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