Wiko Wax

Das günstige Smartphone für Gamer im Praxistest

7. August 2014 • 9:52 Uhr

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Günstig und einscheinbar. Aber gut für Spieler. Wieso? (Foto: GamingGadgets.de)

Ein Smartphone für Spieler? Gibt’s bisher noch nicht. Und auch das Wiko Wax ist mehr, als nur eine reine Zockmaschine für unterwegs. Aber das Telefon vom noch jungen Unternehmen Wiko ist gut für Gamer mit einem schmalen Geldbeutel geeignet. Was bietet der Androide? Der Praxistest.

Technische Details – etwas mager, oder?

Wollen wir uns nichts vormachen: Das Wiko Wax kostet knapp 200 Euro, ist also preislich im unteren Mittelklasse-Segment angesiedelt. In dem tummeln sich Smartphones wie das Motorola Moto G, das Samsung Galaxy S3 oder das LG Optimus L9 2 sowie viele ähnliche Geräte. Die Unterschiede liegen allerdings im Detail. Das Wiko Wax setzt nämlich auf den Nvidia Tegra 4i-SoC, einen Quadcore-Prozessor mit vier Rechenkernen. Die Taktung liegt bei maximal 2,3GHz. Mit reichlich Verspätung kommt der Chip erstmals in einem Smartphone zum Einsatz und bringt auch LTE (4G)-Konnektivität mit. Power zum schmalen Preis wird hier versprochen. Der 4,7 Zoll große Bildschirm besitzt immerhin eine 720p-Auflösung und wird durch Gorilla Glass 2 geschützt. Weniger zeitgemäß und durchaus ernüchternd sind allerdings 1GB RAM und 4GB Flash-Speicher. Zweitgenannten könnt ihr durch eine microSD-Speicherkarte um 32GB erhöhen. Die solltet ihr auf jeden Fall schon einmal dazurechnen (Kostenpunkt rund 15 Euro).

Das ist drin. (Foto: GamingGadgets.de)
Das ist drin. (Foto: GamingGadgets.de)

Weiterhin besitzt das Wiko Wax zwei Kameras – 8 Megapixel auf der Rückseite und 5 Megapixel für Selfies auf der Vorderseite. Der 2000 mAh Akku gehört zum Standard in dieser Preisklasse, er lässt sich austauschen. Beim Gehäuse dominiert Plastik, angenehm wertig fühlen sich dennoch die Rückseite und der Rahmen an. Das Smartphone ist dezent, kaum verspielt und wirkt schon seriös – vielleicht sogar eher etwas zweckmäßig. Das ist allerdings nicht negativ gemeint.

Android 4.3 ist als Betriebssystem vorinstalliert. Die Chancen stehen gut, dass ein Update auf Android 4.4 KitKat folgt, Wiko aktualisierte erst kürzlich weitere aktuelle Smartphone aus eigenem Hause. Wieso dann nicht auch das frisch veröffentlichte Wax? Offizielle Aussagen gibt’s allerdings noch nicht – was Android L betrifft schon gar nicht.

Für Spieler? Ordentlich Power!

Szene aus einem hübschen Benchmark. (Foto: GamingGadgets.de)
Szene aus einem hübschen Benchmark. (Foto: GamingGadgets.de)

Obwohl Nvidia mit dem Tegra K1 bereits einen sehr leistungsstarken sowie für Games ausgelegten Prozessor parat hat und diesen unter anderem im eigenen Shield Tablet verbaut, ist der „Vorgänger“ nach wie vor ein Thema. Der Tegra 4 wird beispielsweise in der 2013 veröffentlichten Handheld-Konsole Nvidia Shield eingesetzt. Der Tegra 4i ist speziell für Smartphones gedacht, er kann also auf kleinerem Raum verwendet werden. Gegenüber dem normalen Tegra 4 baut dieser auf dem ARM Cortex-A9 (r4) auf und nicht auf dem Cortex-A15, ebenfalls wurde die Anzahl der GPU-Einheiten von 72 auf 60 reduziert. Zudem kann maximal eine Full HD-Auflösung (statt 4K via HDMI) ausgegeben werden und ein LTE-Modul ist direkt im Chip integriert. 2GB RAM empfiehlt Nvidia, dem Tegra 4i zur Seite zu stellen. Genau das ist in meinen Augen auch der bedauerlichste Aspekt: Wiko spart an der falschen Stelle, 1GB ist gerade heutzutage und perspektivisch betrachtet etwas schwach. Dennoch – und das sei betont – besitzt der Tegra 4i eine Menge Performance, die er gerade bei Spielen offenbaren kann. In diversen Benchmark-Tools lässt das unscheinbare Telefon seine Muskeln spielen: Bei AnTuTu kommt das Wax überraschenderweise an das Samsung Galaxy S4 heran und übertrumpft locker das Galaxy S3 oder das Galaxy Note 2. Beim GFXBench siedelt sich das Wax – abhängig vom jeweiligen Test – oberhalb der Mad Catz M.O.J.O., dem Asus PadFone 2 oder ebenfalls dem Galaxy S4 an. Der 3DMark gibt über 9200 Punkte an und vergleicht das Telefon mit Konkurrenzprodukten wie dem LG G Pad, dem Sony Xperia Tablet Z oder dem Samsung Galaxy K Zoom.

Letztlich seht ihr bei AnTuTu und Co. schnell, dass es selbstverständlich bessere und schnellere Geräte gibt. Doch hier wären wir wieder bei der Verhältnismäßigkeit: Wir reden über ein 200 Euro günstiges Smartphone – und da ist der verwendete Chip eine sehr gute Wahl für Spieler. Er übertrumpft mühelos die gerne verwendeten Rockchip-Quadcore-Prozessoren, die zum mobilen Spielen im Jahr 2014 keine Empfehlung mehr sind. An die günstigen Qualcomm-Prozessoren der Snapdragon 400/600-Reihe kommt der Tegra 4i ohne weiteres heran und toppt diese gerne einmal – das ist eine gute Sache.

Zocken!

Schick und flüssig - hier im Bild Dead Trigger 2. (Foto: GamingGadgets.de)
Schick und flüssig – hier im Bild Dead Trigger 2. (Foto: GamingGadgets.de)

Beim Spielen stellt ihr die Leistung ohnehin selbst schnell fest. Grafisch aufwändige Titel wie „Modern Combat 4“ oder „Asphalt 8“ geben sich keine Blöße, genauso andere Perlen wie „Dead Trigger 2“ oder „Real Racing 3“. Einzig die 1GB RAM mögen durch längere Ladezeiten bei großen Apps auffallen – damit lässt sich leben. In der bereits vorinstallierten TegraZone könnt ihr geeignete, Tegra-opitimierte Games finden, viele unterstützen bereits einen separaten Controller, der über Bluetooth mit dem Wax verbunden wird. Eigentlich schade, dass dem Smartphone ein HDMI-Ausgang fehlt – das wäre schon eine echte Bereicherung gewesen.

Alles in allem habe ich kein Spiel entdeckt, das das Wax ernsthaft überfordert. Wie gesagt: Octacore-Chips und aktuelle Snapdragon 80x-Prozessoren sind längst in der Highend-Klasse zu finden, doch gegenwärtig und ganz sicher auch in naher Zukunft werden diese nicht zwingend zum Spielen erforderlich sein. Wozu dann die dreifache Summe ausgeben, wenn es gar nicht nötig ist?

Das Wax als Telefon

Zurück zum eigentlichen Telefon – das Wax möchte schließlich in erster Linie eines sein. In diesem Bereich bin ich sehr zufrieden: Die Sprachqualität gibt keinen Grund zur Klage. Der Akku hielt im normalen Betrieb, also nicht beim ständigen Spielen, bis zu zwei Tage. Spradisch verwendete ich das Telefon, etwas Internet und schrieb Nachrichten vor allem bei WhatsApp. Nicht 100%ig glücklich bin ich mit dem Display: Der ist mit 720p-Auflösung qualitativ absolut in Ordnung, keine Frage. Nur wieso wirken besonders weiße Flächen (App-Icons z.B.) so grell? Es stimmt etwas mit der Farbdarstellung nicht. Im Alltag fällt das gerade bei Tageslicht kaum auf, anders sieht es bei schlechten Lichtverhältnissen aus.

Eingeschaltet. (Foto: GamingGadgets.de)
Eingeschaltet. (Foto: GamingGadgets.de)

Nicht sensationell, aber (!) vollkommen in Ordnung sind die beiden verbauten Kameras. Wiko spendiert keine eigene App, sondern nutzt den Google-Standard. Die Software löst ausreichend schnell aus und liefert ausreichende Ergebnisse. Die Frontcam reicht für ordentliche Video-Telefonate und die obligatorischen Selfies mehr als aus. Videos können in Full HD (1080p) aufgenommen werden, das ist Standard. Ein Punkt sei noch erwähnt: Möchtet ihr häufig HDR-Aufnahmen schießen, dann rechnet mit kleineren Verzögerungen beim Abspeichern. Das ist völlig im Rahmen und kann durch eine flotte Speicherkarte beschleunigt werden.

Gewöhnungsbedürftig und euch vielleicht zum Beispiel von dem Samsung Galaxy S3 bekannt: Die Hardware-Tasten sind anders herum als üblicherweise angeordnet. Das bedeutet, „Zurück“ ist auf der rechten Seite, das „Menü“ auf der linken. Richtig klasse sind zwei Aspekte: Die WLAN-Antenne scheint stark zu sein, ich hatte stets maximale Download-Raten im heimischen WIFI-Netz. Das schaffen nicht einmal mein iPhone 5 oder meine Tablets bzw. das Galaxy S3 meiner besseren Hälfte. Sofern euer Mobilfunkvertrag LTE unterstützt, könnt ihr zudem mobil flott unterwegs sein – hier ist das Wax auf der Höhe der Zeit. Im Zweifel unterstützt es selbstverständlich auch 3G.

Android pur

Tegra-Einstellungen. (Foto: GamingGadgets.de)
Tegra-Einstellungen. (Foto: GamingGadgets.de)

Das Wiko Wax verzichtet auf unnötigen Schnickschnack als Android-Aufsatz. Keine spektakulären Menüs oder Oberflächen, die unnötig was vom Hauptspeicher abzwacken möchten – ich mag das! Einzig in den Einstellungen findet ihr Tegra 4-spezifisiche Optionen zum Abschalten von Kernen bzw. zum intensiveren Sparen von Energie, wenn es mal nötig sein sollte.

Da könnt ihr noch feinjustieren, um so mehr aus dem Akku herauzuholen, wenn ihr das Smartphone mal nicht fürs Surfen im Netz oder zum Hören von Musik (ganz gute Kopfhörer sind im Lieferumfang enthalten) bzw. Gucken von Videos braucht, sondern nur für die Erreichbarkeit benötigt. Bei meinen Versuchen konnte ich immerhin etwas mehr Zeit gewinnen, extrem gravierende Unterschiede zwischen zwei und vier aktiven Rechenkernen spürte ich nicht.

Fazit: Eine fast runde Sache

Unauffällig und ansprechend. (Foto: GamingGadgets.de)
Unauffällig und ansprechend. (Foto: GamingGadgets.de)

Ganz ehrlich: Mich hat das Wiko Wax positiv überrascht. Für 200 Euro bekommt ihr ein vielleicht unauffälliges, aber sehr ansprechendes Smartphone mit ein angenehm großes 4,7-Zoll-HD-Display. Das eignet sich prima zum Spielen – dank eines ausreichend flotten Tegra 4i-Quadcore-Chips besitzt das Telefon auch noch genügend Reserven für zukünftige Spiele. Dazu gesellen sich 4G, eine gute Verarbeitung und solide Kameras für Schnappschüsse. Und das alles für diesen Preis? Super!

Klar, HDMI-Ausgang und mehr Speicher (RAM, interner) wären wünschenswert gewesen, nur diese hätten sicherlich den Preis erhöht. So bekommt ihr ein gutes Smartphone, das ausreichend schnell für den Alltag und für Games ist, flottes 4G-Internet unterwegs bietet und dazu nicht viel kostet – prima. Das Wiko Wax ist ein Smartphone, das auf jeden Fall in die engere Auswahl gehört, liebäugelt ihr mit einem Gerät um die 200 Euro. Das adrette Telefon ist eine ernsthafte Konkurrenz für Moto G und Co. – gerade, wenn ihr eben auch gerne mal zockt!

Weitere Details erhaltet ihr auf der Webseite des Herstellers bzw. seiner Facebook-Seite.

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